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Ernest Maltravers

Edward Bulwer-Lytton: Ernest Maltravers - Kapitel 66
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer-Lytton
titleErnest Maltravers
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2014
firstpub2014
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141014
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Kapitel IV

»… ein glatter geschmeidiger Bube; ein Gelegenheitshascher, dessen Blick Vorteile prägt und falschmünzt …

SHAKESPEARE, Othello, II, 1.

   

»Die Bosheit wird durch Tat erst ganz gestaltet.«

Ebda.

»Sie sehen, mein lieber Lumley«, sagte Lord Saxingham, als die beiden Verwandten am nächsten Tag in des Grafen Kutsche unterwegs nach London waren, »Sie sehen, dass diese Heirat Florys bestenfalls verflucht widerwärtig ist.«

»Oh, in der Tat, sie hat gewisse Nachteile. Maltravers ist ein Gentleman und ein Man von Genie; aber Gentlemen gibt's im Überfluss, und sein Genie arbeitet nur gegen uns, da er politisch nicht 'mal auf unserer Seite steht.«

»Ganz genau – mein eigener Schwiegersohn stimmt gegen mich!«

»Ein praktischer, vernünftiger Mann würde die Partei wechseln; Maltravers aber nicht – und all die Besitzungen, all der parlamentarische Einfluss und all der Reichtum, die bei der Familie und der Partei bleiben sollten, gehen der Familie verloren und werden gegen die Partei eingesetzt. Sie haben vollkommen Recht, mein werter Lord – es ist verdammt widerwärtig.«

»Und sie könnte den Herzog von *** haben, einen Mann mit einer Rente von 100 000 Pfund im Jahr. Es ist zu lächerlich. Dieser Maltravers! auch ein verflucht unangenehmer Knabe, was?«

»Steif und stur – hat sich in den letzten Jahren ziemlich zum Schlechteren verändert – ist arrogant und hochnäsig geworden.«

»Wissen Sie was, Lumley, von euch beiden hätte ich lieber Sie zum Schwiegersohn gehabt!«

Lumley zuckte fast zusammen. »Meinen Sie das ernst, Mylord? Ich besitze nicht Ernests Vermögen – ich kann nicht solche Einnahmen vorweisen; auch ist meine Familie, wenigstens von mütterlicher Seite, weniger alt.«

»Oh, wegen der Einkünfte: Florys Vermögen sollte ja bei ihr selbst verbleiben, – In der zweiten Auflage kam an dieser Stelle folgende Passage hinzu: »und was könnte im Vergleich mit diesem Vermögen Mr. Maltravers schon aufbieten? Weder sie noch ein Kind, das sie vielleicht hätte, würden seine 4 000 Pfund im Jahr, falls er sie überhaupt aufbrächte, benötigen.« – Anm.d.Übers was die Familie betrifft, so gelten heute Verbindungen mehr als normannische Abkunft, – und was das Übrige angeht: Sie werden ja wahrscheinlich des alten Templetons Erbe und eine Peerschaft erhalten (eine große Summe verfügbaren Geldes ist immer nützlich) – werden im Parlament aufsteigen – gehören zu unserer Partei – werden bald in Amt und Würden sein – und sind, ohne Schmeichelei, dazu noch ein verteufelt guter Kerl. Oh, es wäre mir tausendmal lieber, daß Flory an Ihnen Gefallen gefunden hätte!«

Lumley Ferrers neigte seinen Kopf, sagte jedoch nichts. Er verfiel in Träumerei, und Lord Saxingham nahm seine rote Amtsmappe, vertiefte sich in ihren Inhalt und vergaß darüber gänzlich die Heirat seiner Tochter.

Lumley gab zog die Signalleine, als der Wagen Pall Mall erreichte, und wünschte beim Travellers-Club abgesetzt zu werden. Während Lord Saxingham mit der Regelung nationaler Belange fortfuhr, ohne in der Lage zu sein, die seines eigenen Hauses zu ordnen, fragte Ferrers nach Castruccio Cæsarinis Adresse, die ihm der Portier allerdings nicht geben konnte. Der Signore holte zwar gewöhnlich jeden Tag seine Post ab, niemand im Club aber wusste, wo er wohnte. Ferrers hinterließ dem Portier ein paar Zeilen, die Cæsarini baten, ihn so bald möglich aufzusuchen, und wandte seinen Schritt zu seinem Haus in der Great George Street. Er ging sofort in seine Bibliothek, schloss seinen Sekretär auf und entnahm ihm jenen Brief, den, wie der Leser sich erinnern wird, Maltravers an Cæsarini geschrieben und Lumley verwahrt hatte; sorgfältig überlas er zweimal diese Ausführungen, und beim zweiten Mal hellte sich sein Gesicht auf und seine Augen funkelten.

Es ist nun an der Zeit, diesen Brief dem vor dem Leser auszubreiten; er lautete folgendermaßen:

»Privat und vertraulich!

Mein lieber Cæsarini,

die Zusicherung Ihrer freundschaftlichen Gefühle weiß ich zu schätzen. In vielem, was Sie über die Ehe sagen, bin ich – wenn auch widerstrebend – geneigt, Ihnen zuzustimmen. Was Lady Florence selbst betrifft, so gibt es wenige, die mehr zu blenden, vielleicht zu faszinieren vermögen. Aber wird sie ein glückliches Heim schaffen können – mitfühlen, wo sie zu befehlen gewohnt war – die unserem Geschlecht eigene Launenhaftigkeit und Reizbarkeit verstehen und ihnen nachgeben – sich zufrieden geben mit den Huldigungen eines einzigen Herzens? Ich kenne sie zu wenig, um diese Frage zu entscheiden; aber ich kenne sie genug, um mich tief und ängstlich um Ihr Glück zu sorgen, wenn es sich an eine so herrische und eitle Natur bindet. Aber Sie werden mir ihr Vermögen, ihre Stellung in Erinnerung rufen. Sie werden sagen, dass dies die Quellen seien, aus denen einem ehrgeizigen Kopf das Glück wohl fließen möge! Ach, ich fürchte, dass der Mann, der Lady Florence heiratet, in Wahrheit seine Glücksträume auf jene rauhe, enttäuschende Realität beschränkt sehen wird. Aber, Cæsarini, dies sind Worte, die ich, wenn wir einander näher stünden, nicht an Sie richten würde. Ich bezweifle die Realität jener Gefühle, die Sie ihr zuschreiben und hinsichtlich Ihrer selbst annehmen. Offenbar ist sie auf Eroberung aus und schmückt sich mit ihren Opfern. Ihre Eitelkeit spielt mit unserem Geschlecht – zuletzt wird sie die Getäuschte sein – aber glauben Sie nur nicht, dass diese Zeit schon gekommen ist. Lassen Sie sich um Ihretwillen von mir warnen. Diese Passage lautete in der zweiten Auflage: »Ihre Eitelkeit spielt mit anderen, um vielleicht zuletzt selbst getäuscht zu werden.« – Anm.d.Übers. Mehr will ich Ihnen nicht sagen.

Ihr

E. Maltravers.«

»Hurrah!« rief Ferrers, als er den Brief hinwarf und erfreut seine Hände rieb. »Ich hätte kaum gedacht, als ich diesen Brief provozierte, dass der Zufall ihn mir so unschätzbar dienlich machen werde. Es ist weniger zu ändern, als ich geglaubt hatte – der plumpeste Pfuscher der Welt könnte es hinkriegen. Schaun wir noch mal. Hm, hm – die erste zu ändernde Stelle ist diese: ›ich kenne sie genug, um mich tief und ängstlich um Ihr Glück zu sorgen, wenn es sich an eine so herrische und eitle Natur bindet‹ – ›Ihr‹ auskratzen und ›mein‹ einfügen. Alles Weitere ist gut, gut – bis zur Stelle ›Gefühle, die Sie ihr zuschreiben und hinsichtlich Ihrer selbst annehmen‹ – für › Ihrer‹ schreiben wir › meiner‹ – das Übrige wird's tun. Nun, dann das Datum – wir müssen es zum gegenwärtigen Monat ändern, und schon ist die Arbeit erledigt. Ich wünschte, dieser italienische Schwachkopf käme. Wenn ich nur einen irreparablen Bruch zwischen ihr und Maltravers herbeizuführen vermöchte, dürfte es mir nicht misslingen, mir seinen Platz zu sichern; ihr Groll, ihre Verbitterung werden sie antreiben, aus Rache den ersten zu nehmen, der sich anbietet. Und beim Jupiter! Selbst wenn ich scheitere (was gewiss nicht geschehen wird), ist es doch schon etwas, Flory als Herzenskönigin für einen Herzog unserer eigenen Partei zu behalten. Ich würde immens durch eine solche Verbindung gewinnen, verlöre aber alles und gewänne nichts durch ihre Heirat mit Maltravers – der noch dazu zum politischen Gegner gehört – und den ich wie Gift zu hassen beginne. Aber es soll sie kein Herzog haben – Florence Ferrers, die einzige Alliteration, die ich je mochte – wenn sie auch in der Poesie rauh klänge.«

Darauf zog Lumley bedächtig sein Tintenfass heran – »Kein Federmesser! – ach, richtig: ich schneide nie Federn zurecht – eine traurige Verschwendung – muss eins holen lassen.« Er läutete die Glocke und befahl, ein Federmesser zu besorgen. Der Diener war noch unterwegs, als man an der Tür Klopfen hörte, und eine Minute später war Cæsarini eingetreten.

»Ach«, sagte Lumley, eine schwermütige Miene aufsetzend, »ich bin froh, dass Sie gekommen sind; Sie werden entschuldigen, dass ich so formlos an Sie schrieb. Sie erhielten meine Nachricht – setzen Sie sich, bitte – wie geht es Ihnen? Sie sehen angegriffen aus – kann ich Ihnen etwas anbieten?«

»Wein«, verlangte Cæsarini lakonisch, »Wein; Ihr Klima macht Wein erforderlich.«

Währenddessen trat der Diener mit dem Federmesser ein und erhielt den Auftrag, Wein und Sandwiches zu bringen. Lumley leitete dann das Gespräch leichthin auf unterschiedliche Dinge, bis der Wein kam; er war sehr überrascht, Cæsarini dabei zu beobachten, wie er mit offensichtlichem Drang nach Erregung Glas auf Glas einschenkte und austrank. Als er genug hatte, wandte er seine dunklen Augen Ferrers zu und sagte: »Sie haben Neuigkeiten mitzuteilen – ich sehe es Ihnen an der Stirn an. Ich bin nun bereit, alles zu hören.«

»Gut, dann hören Sie mir zu; Sie hatten Recht mit Ihrem Verdacht; Eifersucht ist stets eine gute Wahrsagerin. Ich hege keinen Zweifel, dass Othello vollkommen Recht hatte und Desdemona nicht besser war, als er annahm. Maltravers hat um meine Cousine angehalten und wurde erhört.«

Cæsarinis Gesicht wurde leichenblass; sein ganzer Körper zitterte wie ein Espenblatt – einen Augenblick lang schien er gelähmt.

»Verflucht sei er!« sagte er schließlich mit zusammengebissenen Zähnen nach tiefem Atemzug. – »verflucht sei er, aus der Tiefe dieses Herzens, das er gebrochen hat!«

»Und nach solch einem Brief an Sie! – erinnern Sie sich! – hier ist er. Er warnt Sie vor Lady Florence, und dann nimmt er sie selbst in Besitz – ist das nicht Verrat?«

»Verrat so schwarz wie die Hölle! Ich bin Italiener«, schrie Cæsarini auf die Füße springen und mit allen Leidenschaften seiner Nation in seinem Angesicht, »und ich will Rache! Mein Vermögen dahin, meine Hoffnungen ruiniert, mein Herz vernichtet – so bleibt mir doch der göttliche Trost des Verzweifelten – ich will Rache.«

»Wollen Sie ihn fordern?« fragte Lumley nachdenklich und kühl. »Treffen Sie zu Tode? Wenn ja, lohnt es, darüber nachzudenken; wenn nicht, wird's zum Gespött – Ihr Schuss geht fehl, seiner in die Luft, die Sekundanten treten dazwischen, und Sie beide gehen fort, verteufelt froh, so gut davon gekommen zu sein. Duelle sind Humbug.«

»Mr. Ferrers«, sagte Cæsarini finster, »dies ist kein Stoff zum Scherzen.«

»Ich scherze nicht; und mehr noch, Cæsarini«, sagte Ferrers mit einer konzentrierten Energie, die weitaus zwingender war als des Italieners Wut, »mehr noch: ich verabscheue Maltravers so sehr, ich bin so verletzt von seiner kalten Überlegenheit, so ergrimmt über seinen Erfolg, so angeekelt vom Gedanken an seine Verbindung, dass ich mir diese Hand abschlagen würde, um diese Heirat zu verhindern! Ich scherze nicht, Mann; aber mein Hass besitzt Methode und Verstand – das ist unsere englische Art.«

Cæsarini starrte den Sprecher düster an, ballte die Faust und schritt rasch im Zimmer auf und ab.

»Sie wollen gerächt sein, und ich auch. Womit soll es nun geschehen?«

»Ich werde ihm den Dolch ins Herz stoßen – ich werde …«

»Lassen Sie diese tragischen Höhenflüge. Nein, runzeln Sie nicht die Stirn und stampfen Sie nicht auf, sondern setzen Sie sich hin und werden Sie vernünftig, oder verlassen Sie mich und handeln Sie für sich selbst.«

»Sir«, sagte Cæsarini mit einem Ausdruck in den Augen, der einen weniger entschlossenen Mann als Ferrers hätte alarmieren müssen, »passen Sie auf, dass Sie sich nicht zu viel herausnehmen angesichts meiner Bedrängnis!«

»Sie sind in Not, und Sie weisen Hilfe zurück; Ihr Vermögen ist dahin, und Sie toben wie ein Dichter, während Sie Pläne schmieden sollten, um grenzenlosen Reichtum zu erlangen. Sie können sich rächen und Ihren Ehrgeiz befriedigen; aber das sind Preise, die nur mit vorsichtigem Fuß und kühner Hand gewonnen werden.«

»Was wollen Sie, dass ich tun soll? Und was außer seinem Leben könnte mich zufriedenstellen?«

»Nehmen Sie ihm das Leben, wenn Sie können – ich habe keinen Einwand – gehen Sie und nehmen Sie es; nur bedenken Sie: wenn Sie Ihr Ziel verfehlen oder er, weil er stärker ist, Sie niederringt, werden Sie mindestens für ein oder zwei Jahre in ein Irrenhaus weggesperrt; und das ist nicht der Ort, an dem ich gerne den Winter zubringen würde – aber wie Sie wollen.«

»Sie! – Sie! – Aber was sind Sie mir denn! Ich werde gehen. Guten Tag, Sir.«

»Warten Sie einen Moment«, sagte Ferrers, als er sah, dass Cæsarini das Zimmer verlassen wollte; »bleiben Sie, nehmen Sie diesen Sessel und hören Sie mir zu – Sie hätten lieber …

Cæsarini zögerte und gehorchte dann sozusagen mechanisch.

»Lesen Sie diesen Brief, den Maltravers an Sie schrieb. … Sie sind damit fertig – gut – nun aufgepasst: wenn Florence diesen Brief sieht, wird sie und kann sie den Mann nicht heiraten, der ihn schrieb – Sie müssen ihn ihr zeigen.«

»Ach, mein Schutzengel, jetzt verstehe ich alles! Ja, es gibt Worte in diesem Brief, die keine so stolze Frau jemals entschuldigen könnte. Geben Sie ihn mir, ich werden sofort gehen.«

»Pah! Sie sind zu schnell; Sie haben nicht bemerkt, dass dieser Brief vor fünf Monaten geschrieben wurde, als Maltravers Lady Florence noch wenig kannte. Er selbst hat ihr gestanden, dass er sie damals nicht liebte – um so mehr würde sie die nun erreichte Eroberung schätzen. Florence würde über diesen Brief lächeln und sagen: ›Ach, er beurteilt mich jetzt ganz anders.‹«

»Wollen Sie mich wahnsinnig machen? Was soll das bedeuten? Haben Sie nicht gerade gesagt, wenn sie diesen Brief sähe, würde sie niemals den Verfasser heiraten?«

»Ja, ja, aber der Brief muss geändert werden. Wir müssen das Datum ausradieren; – wir müssen ihn von heute datieren; – heute – Maltravers kehrt heute zurück. Wir müssen sie glauben machen, er sei geschrieben nicht als Antwort auf einen Brief von Ihnen, welcher um seinen Rat und seine Meinung hinsichtlich Ihrer Heirat mit Lady Florence bat, sondern als Antwort auf einen Brief von Ihnen, in welchem Sie ihm zu seiner bevorstehenden Hochzeit mit ihr gratulieren. Durch die Ersetzung eines Pronomens durch ein anderes an zwei Stellen wird sich der Brief genauso gut lesen wie der andere. Lesen Sie ihn nochmals und schauen Sie selbst; oder halt: ich werden ihn vorlesen.«

So las Ferrers den Brief vor, der durch die geringen, von ihm vorgeschlagenen Ersetzungen in der Tat den Charakter annehmen könnte, den er ihm zu geben wünschte.

»Die Aufforderung zur Vorsicht am Ende«, sagte Ferrers, als er fertig war, »mag gedeutet werden als Empfehlung der Geheimhaltung und Verschwiegenheit in Bezug auf den privaten, vertraulichen Charakter des Briefes. Diese Passage wurde in der zweiten Auflage gestrichen. – Anm.d.Übers. Geht Ihnen nun ein Licht auf? Sind Sie bereit, ein Rolle zu übernehmen, die Scharfsinn, Takt, Gewandtheit und vor allen Dingen Selbstkontrolle verlangt? – Eigenschaften, die in der Regel Attribute Ihrer Landsleute sind.«

»Ich werde alles tun, seien Sie ohne Sorge. Es mag schurkisch, ja niederträchtig sein; mir ist's einerlei, Maltravers wird mich nicht mehr in allen Dingen ausstechen, meistern, in den Hintergrund drängen.«

»Wo wohnen Sie?«

»Wo? – ein wenig außerhalb der Stadt.«

»Nehmen Sie für einige Tage bei mir Unterkunft. Ich darf Sie nicht aus den Augen lassen. Lassen Sie Ihr Gepäck holen; ich habe ein Zimmer zu Ihren Diensten.«

Cæsarini wehrte zuerst ab; aber ein Mann, der sich zu einem Verbrechen entschlossen hat, empfindet den Schauer der Einsamkeit und die Notwendigkeit von Gesellschaft. Er ging selbst seine Habseligkeiten holen und versprach, zum Abendessen zurückzukehren.

»Ich muss zugeben«, sagte Lumley, als er sich an seinen Schreibtisch setzte, »das ist der schmutzigste Kniff, den ich je anwendete; aber das ruhmreiche Ende heiligt die übelsten Mittel. Und am Ende ist es nicht mehr als das Vorurteil einer gentlemanmäßigen Erziehung. So viel zu Ihnen, Mr. Maltravers!« Diese Passage wurde in der zweiten Auflage gestrichen. – Anm.d.Übers.

Nur wenige Sekunden, und Ferrers vollendete sein Geschäft mit Hilfe des Messers zum Ausradieren und der Feder zum Überschreiben, abgesehen von der Änderung des Datums, welches er nach genauerer Überlegung zurückstellte als eine Angelegenheit, die je nach den Umständen behandelt werden müsste.

»Ich glaube, ich habe seine Buchstaben annehmbar getroffen«, sagte er, »wenn man bedenkt, dass ich zu solchen Dingen nicht erzogen wurde. Die Veränderung wäre aber bei näherem Zusehen doch sichtbar. Cæsarini muss ihr deshalb den Brief vorlesen, und wenn sie ihn dann selbst überfliegt, wird es mit verwirrten Augen und benommenem Verstand geschehen. Vor allem darf er ihn nicht bei ihr lassen und muss sie zu strengster Verschwiegenheit verpflichten. Sie ist ehrenwert und wird ihr Wort halten; und so ist nun diese Angelegenheit geregelt. Ich habe gerade noch Zeit vor dem Abendessen, zu meinem Onkel zu reiten und dem alten Burschen Glück zu wünschen.«

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