Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Edward Bulwer-Lytton >

Ernest Maltravers

Edward Bulwer-Lytton: Ernest Maltravers - Kapitel 59
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer-Lytton
titleErnest Maltravers
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2014
firstpub2014
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141014
Schließen

Navigation:

Kapitel II

»Nun ja, aber das bedeutet, nur ein amtlicher Edelmann zu sein. Macht nichts, er ist jedenfalls ein Edelmann, und das ist sein Ziel.«

Anonymer Schriftsteller von 1722.

   

»La musique est le seul des talens qui jouissent de lui-même; ton les autres veulent des témoins.« Musik ist die einzige Begabung, die Vergnügen um seiner selbst willen verschafft; all anderen erfordern Zeugen. – Anm.d.Übers.

MARMONTEL.

   

»So beansprucht der langsamste Ochse noch protzigen Putz!«

HORAZ.

Mr. Templeton hatte seine Peerswürde nicht bekommen, und obgleich er weder einen formellen Ablehnungsbescheid erhalten noch einen offiziellen Antrag an höchster Stelle eingereicht hatte, stimmte ihn dies verdrießlich. Er besaß großen Einfluss im Parlament, nicht etwa illegitimen Einfluss über einen ›Close Borough‹, Ein Wahlbezirk, der das Recht hatte, ein Parlamentsmitglied zu entsenden, dessen Nominierung in der Hand einer einzelnen Person, eines Großgrundbesitzers, lag. – Anm.d.Übers sondern den ganz orthodoxen, der auf Einfluss, Vermögen &c. beruht. Er konnte wenigstens ein Parlamentsmitglied für eine Stadt und fast eines für eine Grafschaft bestimmen, und in drei Wahlkreisen vermochten seine Aktivitäten im Wahlkampf den Ausschlag zu geben. Trotz ihrer Macht konnten Minister es sich nicht leisten, bislang eifrige Anhänger zu verlieren – Fahnenflucht wirkt ansteckend. In der Stadt, die Templeton früher als Parlamentsmitglied vertreten hatte und die er nun fast noch beherrschte, ergab sich jäh die Vakanz des Parlamentssitzes – ein Kandidat der Opposition trat an und begann seine Wahlkampagne; zum panischen Entsetzen des Sekretärs der Schatzkammer Finanzministerium. – Anm.d.Übers. schlug Templeton seinerseits keinen Kandidaten vor und machte seinen Einfluss nicht geltend.

Lord Saxingham eilte zu Lumley.

»Mein lieber Freund, was ist da los? – worum geht es Ihrem Onkel? Wir werden diesen Sitz verlieren – einen unserer sichersten. Das Stimmverhältnis der Kandidaten steht gleich!«

»Oh, schauen Sie: Sie haben meinem Onkel übel mitgespielt – es tut mir wirklich leid, aber ich kann da nichts tun.«

»Was denn?! Diese lausige Peerswürde?! Wird nichts ihn zufriedenstellen als nur sie?«

»Nichts.«

»Er soll sie um Himmels willen haben!«

»Und sogar dies könnte zu spät kommen.«

»Ha! glauben Sie das?«

»Wollen Sie mir die Sache überlassen?«

»Gewiss – Sie sind ein ungeheuer cleverer Bursche, und wir wissen Sie alle zu schätzen.«

»Nehmen Sie Platz und schreiben Sie, was ich Ihnen diktiere, mein werter Lord.«

»Na gut«, sagte Lord Saxingham und setzte sich an Lumleys riesigen Schreibtisch, »also, fangen Sie an.«

» Mein lieber Mr.Templeton –«

»Zu vertraut!« protestierte Lord Saxingham.

»Kein bisschen; fahren Sie fort.

Mein lieber Mr.Templeton:

Wir sind bestrebt, Ihren parlamentarischen Einfluss in C*** in geeigneter Weise zu sichern, und zwar ihrer eigenen Familie als dem besten Schutzschild der Regierung, die sie durch Ihre Unterstützung beehren. Gleichzeitig wünschen wir in aller Form unser Vertrauen in Ihre Grundsätze und unsere Dankbarkeit für Ihre Unterstützung zum Ausdruck zu bringen.«

»Eine verdammt saure Unterstützung!« murmelte Lord Saxingham.

» Dementsprechend erlauben Sie mir«, fuhr Ferrers fort, » als jemand, dessen Verbindung mit Ihnen mir diese Freiheit gewährt, die Nachfrage, ob es Ihnen genehm wäre, unseren gemeinsamen Verwandten, Mr. Ferrers, zur unmittelbaren Nominierung als Kandidat vorzuschlagen.«

Lord Saxingham warf den Stift hin und lachte zwei Minuten ohne Unterbrechung. »Kolossal, Lumley, kolossal! – Äußerst seltsam, dass ich vorher nicht daran gedacht habe!«

»Jeder für sich und Gott für uns alle«, erwiderte Lumley ernst; »bitte fahren Sie fort, mein teurer Lord.

Wir sind sicher, dass Sie keinen Repräsentanten finden könnten, der getreulicher Ihre eigenen Anschauungen und Interessen vertreten würde. Nur ein Wort noch. Im Frühjahr wird wahrscheinlich eine Ernennung von Peers stattfinden, unter denen Ihr Name mit Sicherheit für Ihre Majestät eine dankenswerte Ergänzung darstellen würde: der Titel wird natürlich an Ihre Söhne und – falls es solche nicht gibt – an Ihren Neffen weiter gegeben.

Hochachtungsvoll

Ihr

SAXINGHAM.

So, nun schreiben sie noch »Privat und vertraulich« darauf und schicken es per Eilboten zu meines Onkels Villa.«

»Wird gemacht, mein lieber Lumley – und dies stellt mich genauso zufrieden wie Sie. Sie sind wirklich ein Mann, der uns alle Ehre macht. Glauben Sie, dass die Sache sich so arrangieren lässt?«

»Unbedingt.«

»Nun, dann auf Wiedersehen. Kommen Sie zu mir, Lumley, wenn alles erledigt ist: Florence freut sich immer, Sie zu sehen. Und ich kann nur sagen: das ist ein seltenes Lob, sie ist nämlich ein merkwürdiges Mädchen – geradezu ein Timon Timon von Athen (5. Jahrhundert v.u.Z., Historizität ungesichert), ein griechischer Misanthrop, der mit beißendstem Spott die zu seiner Zeit in Athen einreißende Sittenverderbnis kritisierte. Siehe auch Shakespeares Schauspiel »Timon von Athen«. – Anm.d.Übers im Unterrock.«

Lord Saxingham ging fort.

»Florence freut sich, mich zu sehen!« rief Lumley, verschlang die Arme hinter dem Rücken und lief im Zimmer auf und ab – »Plan zwei beginnt mich anzulächeln hinter dem vorrückenden Schatten von Plan eins. Wenn ich es nur schaffe, andere Bewerber von meiner schönen Cousine fern zu halten, bis ich selbst in der Lage bin, ihr einen Antrag zu machen, oh, ich könnte die beste Partie in allen drei Königreichen machen! Courage, mon brave Ferrers, courage

Spät an diesem Abend kam Ferres beim Landhaus seines Onkels an. Er fand Mrs. Templeton im Salon am Klavier. Er trat leise ein; sie hörte ihn nicht und setzte ihr Spiel fort. Ihre Stimme war so lieblich und voll, ihr Vortrag so rein, dass Ferrers, der Musik sehr wohl zu beurteilen wusste, freudig überrascht da stand. So oft er als Besucher, fast als ein Mitbewohner, ins Haus gekommen war, hatte er nie zuvor Mrs. Templeton etwas anderes spielen hören als geistliche Weisen, und dieses nun war ein populäres Lied voller Gefühl.

Er bemerkte, das ihr Gefühl schließlich ihre Stimme überwältigte; sie unterbrach sich abrupt, und als sie sich umwandte, lag eine so beredte Erregung auf ihrem Gesicht, dass Ferrers von dessen Ausdruck stark betroffen war. Sonst weckte nichts, das ihn nicht selbst anging, seine Neugier; doch diese schwermütige, schöne Frau machte ihn neugierig.

Gewöhnlich vermittelt ihr Anblick jenen unbeschreiblichen Ausdruck tiefer Resignation, die auf die bleibende Erinnerung einer bitteren Vergangenheit verweist: ein vor der Zeit verpfuschtes Leben sprach aus ihren Augen, ihrem Lächeln, ihrem müden, freudlosen Schritt. Sie vollzog aber das Programm ihrer ruhigen Pflichten mit gelassener, gewissenhafter Routine, was bewies, dass der Kummer ihre Gedanken eher niederdrückte als störte. Wenn ihre Bürde schwer war, so schien Gewohnheit sie mit deren Tragen ohne Murren ausgesöhnt zu haben; und die Erregung, die Ferrers jetzt in ihren sanften, harmonischen Zügen ausfindig machte, war von einer Art, die er bisher nur ein einziges Mal zuvor erlebt hatte – nämlich da er sie zum erstenmal abends gesehen und Poesie, der Schlüssel der Erinnerung, offenkundig eine Kammer geöffnet hatte, in der traurige und verstörte Geister spukten.

»Ach! werte Madam«, rief Ferrers vortretend, als er sich entdeckt sah, »ich hoffe, Sie nicht gestört zu haben. Mein Besuch kommt ungelegen; jedoch mein Onkel – wo ist er?«

»Er war den ganzen Morgen in London; er sagte, er wolle auswärts speisen, und nun erwarte ich ihn jede Minute.«

»Sie versuchten das Gefühl seiner Abwesenheit fort zu zaubern. Dürfte ich Sie bitten, mit Ihrem Spiel fortzufahren? Selten hörte ich eine so liebliche Stimme und eine so vollendete Kunstfertigkeit. Sie müssen von den besten italienischen Meistern unterrichtet worden sein.«

»Nein«, antwortete Mrs. Templeton, während ihre zarten Wangen ganz leicht erröteten, »ich habe in meiner Jugend Unterricht erhalten und zwar von jemandem, der Musik liebte und ein Gefühl für sie hatte; aber er war kein Ausländer.«

»Würden Sie dieses Lied noch einmal für mich singen? – Sie verleihen den Worten eine Schönheit, die ich in ihnen nie entdeckte; aber sie stammen, wie die Musik selbst, von meinem armen Freund, den Mr. Templeton nicht leiden kann – Maltravers.«

»Sie sind auch von ihm?« sagte Mrs. Templeton bewegt; »seltsam, dass ich das nicht wusste. Ich vernahm das Lied auf den Straßen, und es hat mich sehr ergriffen. Ich fragte nach dem Namen und kaufte es – es ist sehr merkwürdig.«

»Was ist merkwürdig?«

»Dass in Ihres Freundes Musik und Poesie eine Art Sprache vernehmlich ist, die mich anspricht wie Worte, die ich vor Jahren hörte! Ist er jung, dieser Mr. Maltravers?«

»Ja, er ist noch jung.«

»Und, und …«

Hier wurde Mrs. Templeton durch den Eintritt ihres Mannes unterbrochen. Er hielt den Brief Lord Saxinghams in der Hand – er war noch ungeöffnet. Er schien launisch; aber das war an ihm nichts Besonderes. Frostig reichte er Lumley die Hand, nickte seiner Frau zu, bemäkelte das Kaminfeuer, warf sich in seinen Lehnstuhl und sagte:

»So, Lumley, ich glaube, es war dumm von mir, Ihren Rat zu befolgen – und mich bei dieser Wahl zurückzuhalten. Ich entnehme der Abendzeitung, dass es in Kürze eine Ernennung von Peers geben wird. Wenn ich im Sinne der Regierung aktiv geworden wäre, hätte man aus Beschämung dankbar sein müssen.«

»Ich denke, dass ich recht hatte, Sir«, antwortete Lumley; »Politiker werden oft durch Angst und Schrecken dankbar, selten durch Scham. Sichere Wahlstimmen sind wie alte Freunde am meisten wert, wenn wir sie zu verlieren glauben; aber was ist das für ein Brief, den Sie in der Hand haben?«

»Oh, irgendeine Bittschrift, nehme ich an.«

»Verzeihen Sie – es sieht aber ziemlich offiziell aus.«

Templeton setzte seine Brille auf, hob den Brief, prüfte Adresse und Siegel, öffnete ihn hastig und brach in einen ziemlich fluchartigen Ausruf aus, als er fertig gelesen hatte:

»Geben Sie mir Ihre Hand, Neffe – die Sache ist erledigt – ich werde die Peerswürde erhalten. Sie hatten recht – ha, ha! – meine liebe Frau, du wirst meine Lady, denk mal an! – freust du dich nicht? – warum lächelt Dero Ladyschaft nicht? – Wo ist das Kind – wo ist sie, frag' ich?«

»Zu Bett gegangen, Sir«, sagte Mrs. Templeton ziemlich erschreckt.

»Zu Bett gegangen! Ich muss hingehen und ihr einen Kuss geben. Zu Bett gegangen ist sie? Entzünden Sie jene Kerze, Lumley.« (Hier zog Mr. Templeton die Glocke.) »John«, sagte er beim Eintritt des Diener, – »John, sag James, dass er als erstes morgen früh zu Baxter's gehen und ihm sagen soll, dass mein Wagen nicht neu lackiert wird, bevor er von mir hört. Ich muss das Kind küssen gehen – das muss ich wirklich!«

»Zur Hölle mit dem Kind«, murmelte Lumley, als er sich, nachdem er dem Onkel die Kerze übergeben hatte, dem Feuer zuwandte; »was zum Kuckuck hat sie mit dem Ganzen zu tun? Ein bezauberndes kleines Ding – Ihr Mädchen, Madam! wie ich sie liebe! Mein Onkel hat einen Narren an ihr gefressen – kein Wunder!«

»Er hat sie in der Tat sehr, sehr lieb«, erwiderte Mrs. Templeton mit einem Seufzen, das aus der Tiefe ihres Herzens kam.

»Gefiel sie ihm schon vor Ihrer Heirat?«

»Ja, ich glaube schon – oh ja, gewiss!«

»Ihr eigener Vater könnte sie nicht mehr lieben.«

Mrs. Templeton gab keine Antworte, sondern zündete ihre Kerze an, wünschte Lumley gute Nacht und schlüpfte aus dem Zimmer.

»Ob meine ernste Tante und mein ernster Onkel wohl einen Biss in den Apfel taten, bevor sie das Recht auf den Baum erwarben? Es sieht verdächtig aus; doch nein, das kann nicht sein. Der alte Kerl hat nichts von einem Verführer oder etwas Verführerisches an sich. Das ist nicht wahrscheinlich – hier kommt er.«

Templeton kam herein, und seine Augen glänzten feucht unter einer entspannten Stirn.

»Und wie geht es dem kleinen Engel, Sir?« fragte Ferrers.

»Sie küsste mich, obwohl ich sie aufweckte; Kinder sind in der Regel verquer, wenn man sie weckt.«

»Sind sie das? – die lieben Kleinen! Dann habe ich also recht gehabt, Sir; dürfte ich den Brief sehen?«

»Da ist er.«

Ferrers zog seinen Sessel zum Feuer und las sein eigenes Erzeugnis mit der ganzen Zufriedenheit eines anonymen Verfassers.

»Wie freundlich! – wie rücksichtsvoll – wie feinfühlig verfasst! – eine doppelte Gunst! Aber vielleicht entspricht es trotz allem nicht Ihren Wünschen.«

»In welcher Hinsicht?«

»Oh – oh – wegen mir.«

»Wegen Ihnen! steht dort irgendetwas über Sie drin? – Ich habe davon nichts bemerkt – zeigen Sie mal!«

»Onkels nie selbstsüchtig! – notiert im ›Buch der Gemeinplätze‹!« dachte Ferrers.

Der Onkel zog seine Stirn in Falten, als er den Brief nochmals überlas. »Das wird nicht gehen, Lumley«, sagte er sehr kurz, als er fertig war.

»Ein Sitz im Parlament ist dann wohl zu viel der Ehre für einen armen Neffen, Sir?« fragte Lumley verbittert, obwohl er überhaupt keine Verbitterung verspürte; es war indes der passende Ton. »Ich habe alles in meiner Macht Befindliche getan, um Ihr Anliegen zu fördern, und Sie wollen mir nicht einmal die Hand reichen, um mich einen Schritt in meiner Karriere nach vorn zu bringen. Aber vergeben Sie mir, Sir, ich habe kein Recht, das zu erwarten.«

»Lumley«, erwiderte Templeton freundlich, »Sie missverstehen mich. Ich habe von Ihnen eine viel höhere Meinung als früher – eine bedeutend höhere: Sie beweisen eine höchst lobenswerte Beständigkeit und Nüchternheit, und Sie werden ins Parlament kommen, wenn Sie es wünschen; aber nicht als Repräsentant für C***. Ich werde meine dortigen Interessen einem anderen Regierungsfreund übergeben, und im Ausgleich dafür kann man Ihnen ein ›Treasury Borough‹ Wahlbezirk, dessen Vertreter von der Regierung bzw. Krone bestimmt wurde. – Anm.d.Übers. überlassen. Für Sie ist es das Gleiche.«

Lumley war angenehm überrascht – er drückte freudig seines Onkels Hand und dankte ihm herzlich. Mr. Templeton fuhr fort ihm zu erklären, dass es ungebräuchlich und kostspielig sei, dort einen Parlamentssitz einzunehmen, wo die Familie des Betreffenden bekannt sei, und Lumley stimmte allem voll zu.

»Was die Vererbung der Peerswürde betrifft, so ist alles in Ordnung«, sagte Templeton; und dann versank er in eine Träumerei, aus der er freudig emporfuhr – »ja, das ist alles in Ordnung. Ich habe Pläne, Ziele – dies könnte sie alle vereinen – nichts könnte besser sein – Sie werden der nächste Lord … – was – ich meine: was für einen Titel werden wir uns zulegen?«

»Oh, nehmen Sie einen wohlklingenden – Sie besitzen nur wenig Grundeigentum, glaube ich?«

»In der Grafschaft *** ein Gut mit zweitausend Pfund jährlichem Zinsertrag, günstig erworben.«

»Wie heißt der Ort?«

»Grubley.«

»Lord Grubley! – Baron Grubley von Grubley – oh, grauenvoll! Wer besaß das Gut vor Ihnen?«

»Ich kaufte es von Mr. Sheepshanks – eine sehr alte Familie.«

»Aber bestimmt hat es mal einem alten Normannen gehört?«

»Normannen? Ja! Heinrich der Zweite überließ es seinem Barbier – Bertram Courval.«

»Das ist es! – das ist es! Lord de Courval – eigenartiger Zufall! – Abkömmling der alten Linie. Das Heraldik-Kolleg wird bald alles richten. Lord de Courval! – nichts könnte besser klingen. Es muss ein Dorf oder Weiler geben, der noch Courval heißt, in der Nähe des Grundbesitzes.«

»Ich fürchte, nein. Es gibt dort ein Coddle End!«

»Coddle End! – Coddle End! – genau das, Sir – genau das – ein klarer Fall von Verballhornung des Namens ›Courval‹! – Lord de Courval of Courval! Superb! Ha! ha!«

»Ha! ha!« lachte Templeton, und er hatte kaum mehr gelacht, seit er dreißig geworden war.

Die Verwandten saßen lange zusammen und unterhielten sich vertraut. Ferrers schlief in der Villa, er hatte einen gesunden Schlaf; denn er dachte nur wenig an die einst gefassten und halb ausgeführten Pläne; es war die Jagd, die ihn wach hielt, und er schlief wie ein Spürhund, wenn die Beute gefallen war. Templeton dagegen bekam die ganze Nacht kein Auge zu.

»Ja, ja«, dachte er, »ich muss Titel und Vermögen durch kluges Handeln in einer Linie sichern. Ferrers verdient, was ich für ihn zu tun beabsichtige. Beständig, gutmütig, offen ist er, und er wird voran kommen – ja, ja, ich sehe das alles. Gleichwohl tat ich gut daran, seine Repräsentation für C*** zu unterbinden; könnte Klatscherei über Mrs. T. aufschnappen und andere für mich unerfreuliche Dinge. Ach, was bin ich für ein durchtriebener Bursche!«

 << Kapitel 58  Kapitel 60 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.