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Ernest Maltravers

Edward Bulwer-Lytton: Ernest Maltravers - Kapitel 55
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer-Lytton
titleErnest Maltravers
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2014
firstpub2014
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141014
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Kapitel IV

»In mea vesanas habui dispendia vires
Et valui poenas fortis in ipse meas.«

OVID. Ovid, Amores, I, 7, V. 25f.: Ich hatte – zum eigenen Schaden – rasende Kräfte und nutzte sie zu meiner eigenen Bestrafung. – Anm.d.Übers.

   

»Und könnt' in meiner Brust man lesen,
Eintausend Bände stünden dort geschrieben.«

EARL OF STIRLING.

Ernest Maltravers stand auf der Höhe seines Ruhms; das Werk, das er für die Krise gehalten hatte, die über sein Gedeih oder Verderb entscheiden musste, war das erfolgreichste von allen dem Publikum bislang übergebenen geworden. Gewiss hatte Glück daran ebenso viel Anteil wie eigenes Verdienst, wie es gewöhnlich bei Werken, die umgehend populär werden, der Fall ist. Man mag mit starkem Arm und gutem Vorsatz an dem Juwelenkästchen hämmern – ganz vergeblich; bis eines Morgens ein sorgloser Schlag den Nagel auf den Kopf trifft und man den Schatz birgt.

In jener Zeit, der Blüte seiner Jugend, als er reich war, hofiert, geachtet und gesucht, wurde Ernest Maltravers ernstlich krank. Es war kein äußerlich sichtbares Leiden, sondern eine allgemeine Reizbarkeit der Nerven und eine Ermattung seiner gesamten Verfassung. Die Mühen seiner Arbeit begannen sich nun vielleicht an ihm zu rächen. In seinem früheren Leben war er tätig wie ein Gemsenjäger gewesen, und die Abhärtung seines Körpers hatte ein Gegengewicht zu seinem rastlosen, feurigen Geist gebildet. Der Wechsel von einem sportlichen zu einem sitzenden Lebensstil – die Beanspruchung des Gehirns – die packende Leidenschaft für die Erkenntnis, die Tag und Nacht all seine Fähigkeiten anspannte, richtete eine ungewohnte Verwüstung an in einer von Natur aus starken Konstitution.

Der arme Schriftsteller! nur wenige verstehen ihn, haben Nachsicht und Mitleid mit ihm! Er verkauft seine Gesundheit und seine Jugend an einen groben Zuchtmeister. Und du blinde und selbstsüchtige Welt erwartest von ihm, dass er so frei in seinem Benehmen, so gut gelaunt und ausgeglichen sei, als ob er das angenehmste und gesündeste Leben führe, welches das Vergnügen gewähren könnte, um die Runzeln des Geistes zu glätten, oder die Medizin erfinden, um die Nerven zu beruhigen.

Aber es gab noch einen anderen Grund, der gegen den erfolgreichen Mann wirkte! – Sein Herz war zu einsam. Er lebte ohne die süßen Familienbande – die von ihm aufgebauten Bekanntschaften und Freundschaften regten nur für den Augenblick an, vermochten aber nicht zu ermutigen oder zu trösten. Cleveland residierte zu oft auf dem Land, hatte ein viel zu ruhiges Temperament und war an Jahren zu weit fortgeschritten, so dass sich trotz aller zwischen ihnen bestehenden Freundschaft kein täglicher, vertrauter Umgang ergab, dessen liebebedürftige Naturen als eigentlicher Lebensnahrung bedürfen.

Seinen Bruder – wie der Leser, dem er nie offiziell vorgestellt wurde, bereits geahnt haben wird – sah er nur selten. Colonel Maltravers, einer der fröhlichsten, bestaussehenden Männer seiner Zeit, heiratete eine feine Lady, lebte grundsätzlich in Paris, außer wenn er für eine paar Tage in der Jagdsaison sein Landhaus mit seinen Kameraden bevölkerte, die nichts mit Ernest gemeinsam hatte: die Brüder korrespondierten regelmäßig alle drei Monate und sahen sich einmal im Jahr – das war ihr ganzer Verkehr.

Ernst Maltravers stand allein in der Welt, mit jenem kalten, beklemmenden Gespenst – Ruhm.

   

Spät in der Nacht saß ein junger Mann mit blassem erschöpftem Gesicht vor den Zeugnissen von Gelehrsamkeit und Nachdenken. Die Uhr in diesem Raum verkündete mit quälender Genauigkeit jeden Augenblick, um den die Reise zum Grab sich verkürzte. Auf dem Gesicht des Studierenden lag ein ängstlicher, erwartungsvoller Ausdruck; von Zeit zu Zeit starrte er auf die Uhr und murmelte vor sich hin. War es der Brief einer angebeteten Geliebten – die tröstende Schmeichelei eines mächtigen Literaturkritikers – was der junge Mann mit Ungeduld erwartete? Nein: der Kranke hatte alle Strebsamkeit vergessen. Ernest Maltravers wartete auf den Besuch des Arztes, den zu dieser späten Stunde aus seinem Schlaf zu wecken ihn ein plötzlicher Gedanke veranlasst hatte. Schließlich war das wohlbekannte Klopfen vernehmlich, und kurz darauf trat der Arzt ein. Er war sehr erfahren in der besonderen Pathologie der Büchermenschen und dabei ebenso freundlich wie geschickt.

»Mein lieber Mr. Maltravers, was ist los? Wie geht es uns? – nicht ernstlich krank, hoffe ich – kein Rückfall – Puls niedrig und unregelmäßig, wie ich sehe, aber kein Fieber. Sie sind nervös.«

»Doktor«, sagte der Studierende, »ich ließ Sie zu dieser nächtlichen Stunde nicht holen wegen der müßigen Ängste oder verdrießlichen Launen eines Kranken. Aber als ich Sie heute morgen sah, ließen Sie einige Andeutungen fallen, die mich seither beständig heimgesucht haben. Vieles, was ohne Zeitverlust sich für Gewissen und Seele zu beachten ziemt, hängt von der vollständigen Kenntnis meines wahren Zustandes ab. Wenn ich Sie recht verstehe, habe ich nur noch eine kurze Zeit zu leben – ist das so?«

»Nein, wirklich!« rief der Doktor sein Gesicht abwendend. »Sie haben das, was ich meinte, übertrieben. Ich sagte nicht, dass Sie in einem Zustand der ›Gefahr‹ seien, wie wir vom Fach es nennen.«

»Habe ich dann also Aussicht auf eine langes Leben?«

Der Doktor hüstelte. »Das bleibt ungewiss, mein lieber junger Freund«, sagte er nach einer Weile.

»Seien Sie offen zu mir. Lebenspläne müssen auf Kalkulationen gründen, die wir vernünftigerweise auf deren wahrscheinlicher Dauer entwickeln. Bilden Sie sich nicht ein, dass ich schwach oder feige genug sei, vor irgendeinem Abgrund zurückzuschrecken, dem ich mich unwissentlich genähert habe; ich verlange – ich beschwöre Sie – ja, ich befehle Ihnen, alles darzulegen.«

Eine ernste, feierliche Würde sprach aus dem Ton und Verhalten seines Patienten, die den guten Arzt tief berührte und beeindruckte.

»Ich werde Ihnen freimütig antworten«, erwiderte er. »Nerven und Gehirn sind überarbeitet; wenn Sie sich nicht entspannen, werden Sie sich einer hartnäckigen Krankheit und einem verfrühten Tod unterwerfen müssen. Mehrere Monate – vielleicht sogar Jahre – sollten Sie gänzlich literarischer Arbeit entsagen. Ist dies ein hartes Urteil? Sie sind jung und vermögend – amüsieren Sie sich, solange Sie können.«

Maltravers schien befriedigt, wechselte das Thema und sprach leichthin einige Minuten über andere Dinge; erst als er seinen Arzt entlassen hatte, brachen die in ihm brennenden Gedanken heraus:

»Oh!« rief er sich erhebend laut und durchmaß den Raum mit raschen Schritten; »nun, wo ich den breiten, lichten Pfad vor mir sehe, soll ich verdammt sein, einzuhalten und mich abzuwenden? Ein gewaltiges Reich erhebt sich vor meinen Augen, größer als das von Cäsaren und Eroberern – ein Reich, das dauerhaft und allgemeingültig in den Seelen der Menschen besteht, das selbst die Zeit nicht niederwerfen kann – und an meiner Seite marschiert der Tod, ein Gerippe winkt mich zurück zur Nichtigkeit gewöhnlicher Menschen.«

Er blieb am Fenster stehen, riss einen Flügel auf, lehnte sich hinaus und schnappte nach Luft. Der Himmel war heiter und still, während der Morgen unter den weichenden Sternen kalt heranzog; die menschlichen Stätten des Müßiggangs und Amüsements waren verlassen und leer. Nur die Natur war wach.

»Und wenn, oh ihr Sterne!« murmelte Maltravers aus der Tiefe seines erregten Herzens, »wenn ich unempfänglich für euere feierliche Schönheit gewesen wäre – wenn Himmel und Erde für mich nur Luft und Staub gewesen wären – wenn ich nur einer aus der stumpfen, trübsichtigen Herde gewesen wäre – dann könnte ich weiter leben und in nutzlosen Jahren gereift ins Grab sinken. Weil ich mich nach den großen Zwecken eines unsterblichen Seins sehne, schrumpft mir das Leben zusammen wie eine Papierrolle. Fort! Diesen menschlichen und materiellen Mahnern werde ich nicht lauschen und nicht Leben für etwas Größeres halten als die Ziele, für die ich leben möchte. Mein Wahl ist getroffen, Ruhm ist überzeugender als das Grab.«

Er wandte sich ungeduldig vom Fenster ab – seine Augen blitzen – seine Brust hob sich – er schritt durch das Zimmer mit königlicher Miene. Alle vernünftigen Berechnungen, all die zahmen, methodischen Schlussfolgerungen, mit denen er gelegentlich den hochstrebenden Menschen zu einer gleichmütigen Maschine zu beruhigen versucht hatte, zerrannen vor dem Ausbruch schrecklicher, befehlsgewaltiger Leidenschaften, die seine Seele überströmten. Erzähle einem Mann inmitten der Flut seiner Triumphe, dass er den Tod in sich trage: welche gedankliche Krise könnte dann erschütternder und fürchterlicher sein!

Maltravers hatte sich, wie wir sahen, aus Ruhm wenig gemacht, bis dieser Ruhm in seine Reichweite gelangt war: darauf hatten sich mit jedem Schritt, den er tat, neue Gebirge erhoben. Jede neue Ahnung brachte eine neue Wahrheit ans Licht, die Durchsetzung oder Verteidigung verlangte. Rivalität und Wettbewerb erhitzten sein Blut und ließen seine Fähigkeiten auf Hochtouren laufen. Er besaß – wie ein Rennpferd – jenen edlen Wettkampfgeist: immer in Aktion, immer fortschreitend, vom Sarkasmus der Gegner fast mehr angefeuert als durch den Beifall der Freunde – so war das Verlangen nach Ruhm zur Gewohnheit in seinem Dasein geworden.

Wenn man eine Laufbahn begonnen hat: was außer dem Grab kann da Einhalt gebieten? – wo liegt die definitive Grenze für jenen Ehrgeiz, der wie der Paradiesvogel immer die Flügel zu bewegen und nie auf der Erde zu rasten scheint? Unsere Namen erhalten erst mit unserem Tod Bestand: die Geister unserer Taten werden unsere anspornenden Mahner – unsere geißelnden Rächer – falls wir je in unserem Tun nachlassen oder hinter die jüngere Vergangenheit zurückfallen. Rast bedeutet Vergessen, Verweilen heißt, das ganze schon geknüpfte Netz wieder auflösen – bis sich das Grab über uns schließt und die Menschen, wenn es längst zu spät ist, uns mit unseren Konkurrenten vergleichen: dann werden wir nicht an unseren kleinsten, sondern an den größten Erfolgen gemessen, die wir erreicht haben.

Oh, welch ein niederschmetterndes Gefühl der Ohnmacht überkommt uns, wenn wir bemerken, dass der Körper unseren Geist nicht mehr unterstützen kann – wenn die Hand nicht länger ausführen kann, was die Seele, rege wie jemals, entwirft und ersehnt! – das rasche Leben gebunden an die tote Form – die Ideen, frisch und unsterblich, reich und golden hervorströmend, und die zerrütteten Nerven, die schmerzenden Glieder und matten Augen! – der Geist, dürstend nach Freiheit und Himmelreich – und das erdrückende, würgende Bewusstsein, dass wir eingemauert und gefangen sind in einem Kerker, der unsere Grabstätte sein muss! Sprecht nicht von Freiheit – es gibt sie nicht für einen Mann, dessen Körper sein Zuchthaus ist, dessen Schwächen die Folterbänke seines Genies sind!

Maltravers hielt endlich inne und warf sich müde und ausgebrannt auf sein Sofa. Unwillkürlich – wie in unbewusstem Versuch, seinen widersprüchlichen, nutzlosen Gefühlen zu entrinnen – wandte er sich verschiedenen Briefen zu, die seit Stunden uneröffnet auf seinem Schreibtisch gelegen hatten. Jeder, dessen Siegel er erbrach, schien seinen Zustand zu verhöhnen – jeder schien seine glücklichen Lebensumstände zu bezeugen. Manche gingen ein auf die bewundernde Sympathie der bedeutendsten und klügsten Männer – einer bot ihm einen glänzenden Eintritt in den Staatsdienst an – ein anderer (er stammte von Cleveland) war randvoll von jenem stolzen, begeisterten Beifall eines Propheten, dessen Vorhersagen sich schließlich erfüllt hatten. Bei diesem Brief seufzte Maltravers tief auf und verweilte einen Moment, bevor er die anderen vornahm.

Der letzte, den er öffnete, kam von unbekannter Hand, auch fehlte der Absender. Wie alle Schriftsteller von einiger Bekanntheit war Maltravers den Empfang anonymer Briefe mit Lob und Tadel, Warnungen und Mahnungen gewohnt – besonders von jungen Damen aus Mädchenpensionaten und alten Damen vom Land; aber die ersten Sätze dieses Briefes, den er nun sorglos geöffnet hatte, enthielten etwas, das seine Aufmerksamkeit fesselte. Er sah eine kleine, schöne Handschrift, dennoch erschienen die Buchstaben klarer und kühner als sonst bei weiblicher Kalligraphie üblich.

»Ernest Maltravers«, begann dieser eigenartige Erguss, »haben Sie sich selbst geprüft? Sind Sie sich Ihrer Fähigkeiten bewusst? Fühlen Sie, dass es für Sie einen noch blendenderen Ruhm gibt als den, der Sie zufrieden zu stellen scheint? Sie, der Sie in die verborgensten Kammern des menschlichen Herzen einzudringen scheinen und die Natur wie unter einem Mikroskop untersucht haben – Sie, dessen Gedanken kühn und furchtlos und ohne einen Fleck auf ihrer glanzvollen Rüstung da stehen wie Heere zur Verteidigungsschlacht um die Wahrheit; – wollen Sie in Ihrem Alter und bei Ihren Vorzügen sich selbst unter Ihren Büchern und Manuskripten begraben? Haben Sie vergessen, dass Männer, die wie Sie denken, ihre große Laufbahn im Handeln finden? Wird dieses Abwägen von Wörtern und Schildern von Anschauungen – die kalten Elogen von Pedanten – die lustlosen Lobpreisungen literarischer Müßiggänger – alle Sehnsucht Ihres Ehrgeizes befriedigen? Sie sind nicht für das Studierzimmer bestimmt; ›Die Träume des Pindus und der Aonischen Jungfrauen‹ G. Wellingford Clarke: The Dreams of Pindus. 1829. – Die Bezeichnung »Aonian Maids« für die Musen stammt von dem englischen Dichter Alexander Pope. – Anm.d.Übers. können nicht bis zum hohen Mittag des Mannesalters dauern. Sie sind zu praktisch für einen bloßen Dichter und zu poetisch, um im öden Sog eines Gelehrtenlebens zu versinken. Ich habe Sie nie gesehen, dennoch kenne ich Sie – ich lese Ihren Geist auf den Seiten Ihrer Bücher; jenes Streben nach etwas Besserem und Größerem als dem Guten und Großen, das all Ihren leidenschaftlichen Enthüllungen Ihrer selbst und anderer Farbe verleiht, kann nicht nur durch ideale Vorstellungen befriedigt werden. Sie können sich nicht zufrieden geben, wie Dichter und Historiker es meist tun, dadurch bedeutend zu werden, dass sie große Persönlichkeiten porträtieren, entscheidende Ereignisse anschaulich machen oder ein bedeutendes Zeitalter darstellen. Ist es Ihrer nicht würdiger, zu sein, was Sie sich vorstellen oder berichten? Wachen Sie auf, Maltravers, wachen Sie auf! Schauen Sie in Ihr Herz und erspüren Sie das Ihnen bestimmte Schicksal. Und wer bin ich, dass ich mich in dieser Weise an Sie wende? – eine Frau, deren Seele von Ihnen erfüllt ist – eine Frau, der durch Ihre Beredsamkeit inmitten leichtfertiger, nichtiger Kreise das Gefühl einer neuen Existenz erweckt wurde – eine Frau, die Sie, Sie selbst, zur Verkörperung des Ideals Ihrer eigenen Gedanken und Träume machen möchte, und die von der Welt nichts weiter verlangt, als Ihnen auf der Straße des Ruhms mit den Augen des Herzens zu folgen. Missverstehen Sie mich nicht; ich wiederhole, dass ich Sie nie gesehen habe und dies auch nicht wünsche; Sie mögen anders sein, als ich es mir vorstelle, und ich würde ein Idol verlieren und es nicht mehr verehren können. Ich bin eine Art seherische Rosenkreuzerin: Sammelbegriff für die Mitglieder verschiedener in den letzten Jahrhunderten fiktiver oder real existierender Geheimbünde, mystischer Gesellschaften oder Orden. – Anm.d.Übers. ich verehre den Geist, nicht ein Wesen, wie ich selbst es bin. Sie glauben vielleicht, dass ich hiermit irgendein Ziel verfolge – es ist nicht mein Ziel, Ihrer Eitelkeit zu schmeicheln; und wenn ich Sie richtig beurteile, könnte dieser Brief Sie ohne zu erröten eitel machen. Oh, die Bewunderung, die nicht den heiligen, tiefgründigen Quellen des Gefühls entspringt – wie traurig macht sie und stößt ab! Ich erhielt meinen Anteil an abgeschmackter Huldigung, und sie macht mich nur doppelt einsam. Mein Reichtum ist größer als der Ihre – ich bin jung – ich besitze, was man ›Schönheit‹ nennt. Doch weder Reichtum noch Jugend oder Schönheit gab mir das stille, tiefe Glück, das ich erfahre, wenn ich an Sie denke. Dies ist eine Verehrung, die – ich wiederhole es – Sie durchaus eitel machen könnte. Denken Sie an diese Worte, ich flehe Sie an. Werden Sie nicht meiner Gedanken, sondern der Gestalt würdig, in welcher diese Sie sich vorstellen: und jeder Sie umfließende Ruhmesstrahl wird meinen eigenen Weg erhellen und mich zur Nachfolge aus Seelenverwandtschaft inspirieren. Leben Sie wohl. – Vielleicht schreibe ich Ihnen wieder, aber Sie werden mich niemals entdecken, und ich bete darum, dass wir uns in diesem Leben niemals treffen!«

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