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Ernest Maltravers

Edward Bulwer-Lytton: Ernest Maltravers - Kapitel 40
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer-Lytton
titleErnest Maltravers
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2014
firstpub2014
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141014
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Kapitel II

»Je trouve que c'est une folie de vouloir étudier le monde en simple spectateur … Dans l'école du monde, comme dans cette de l'amour, il faut commencer par practiquer ce qu'on veut apprendre.« Ich halte es für Torheit zu glauben, man könne die Welt als bloßer Beobachter studieren. … In der Schule der Welt wie der der Liebe muss man das, was man erfahren will, selbst betreiben. – Anm.d.Übers.

ROUSSEAU, Étude et connoissance du world.

§§§Ernest Maltravers war nun glücklich auf das weite Meer Londons vom Stapel gelaufen. Unter seinem sonstigen Vermögen befand sich auch ein Haus am Seamore Place – jener ruhigen und doch im Mittelpunkt der Stadt liegenden Straße, – angenehm durch die Luft eines Parks, aber ohne seinen Staub. Es war bislang vermietet gewesen, und sehr gelegen kam nun die Kündigung des Mieters. Maltravers freute sich, einen so schönen Wohnsitz zu erhalten, war er doch immer noch romantisch genug, nach einem Ausblick auf Bäume und Grün zu verlangen anstatt auf Backsteingebäude.

Er gönnte sich sonst nur zwei andere luxuriöse Neigungen: seine Liebe zur Musik veranlasste ihn zum Erwerb einer Loge in der Oper, und er besaß auch jenes englische Gefühl, das im Stolz auf den Besitz eines schönen Pferdes aufblüht, – ein Gefühl, das ihn in diesem Punkt zu einer Extravaganz verleitete, die in der Konkurrenz mit bedeutend reicheren Männern für Aufregung sorgte und ihren Neid erregte. Aber viertausend im Jahr reichen eine lange Strecke bei einem Mann, der nicht spielt und viel zu philosophisch denkt, um überflüssige Bedürfnisse anzumelden.

Es war, wie Cleveland gesagt hatte, genau die Zeit des Jahres, zu der man Muße hat, neue Bekanntschaften zu machen. Nur wenige der unzugänglichsten Häuser der Stadt waren offen; und deren Türen taten sich weit auf für das hoffnungsvolle Mündel des populären Cleveland. Schriftstellern und Politikern, Rednern und Philosophen – allen wurde er vorgestellt; – alle schienen zufrieden mit ihm, und Ernest kam in Mode, bevor ihm diese Rolle bewusst wurde.

Aber es verhielt sich, wie er geahnt hatte: er war zu früh erwachsen geworden, er war enttäuscht; zwar fand er einige Persönlichkeiten, die er zu bewundern vermochte, und andere, die ihm gefielen, aber keinen, mit dem er vertraut werden oder für den er Interesse gewinnen konnte. Weder sein Herz noch seine Einbildungskraft wurden angesprochen; alles wirkte auf ihn wie künstliches Maschinenwerk; er war unzufrieden mit dem, was hier Leben vorgab, dem jedoch irgendetwas fehlte.

Er erinnerte sich immer öfter an die blendende Erscheinung von Valerie de St. Ventadour, deren Charme noch die frivolsten Gesellschaften veredelt hatte; er vermisste sogar die verdrehte, fantastische Eitelkeit Castruccios. Der mittelmäßige Dichter erschien ihm inmitten der Weltlinge um ihn her viel weniger dürftig. Ja, sogar die egozentrische Wohlgelauntheit und trockene Schläue von Lumley Ferrers wäre ihm eine erwünschte Abwechslung gewesen gegenüber der langweiligen Glätte und heimlichen Selbstsucht eifersüchtiger Intelligenzler und Parteipolitiker. »Wenn das die Blumen des Prunkgartens sind, wie sieht erst das Unkraut aus?« fragte sich Maltravers, als er von einer Gesellschaft zurückkehrte, bei der er ein Dutzend Wortführer orthodoxester Observanz erlebt hatte.

Ihn überkam ein schmerzliches Gefühl von Übersättigung.

Doch der Winter verstrich – die Saison hob an, und Maltravers wurde mit den anderen in den reißenden Trubel hineingezogen.

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