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Ernest Maltravers

Edward Bulwer-Lytton: Ernest Maltravers - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer-Lytton
titleErnest Maltravers
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2014
firstpub2014
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141014
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Ein Wort an den Leser, vorangestellt der ersten Ausgabe von 1837

Du darfst, mein alter, voreingenommener Freund, dieses Werk nicht aus jenem Interesse heraus betrachten, das sich von aufwühlenden Abenteuern und immerwährendem Wechsel der Ereignisse anziehen lässt. Einem Roman der Gegenwart sind notwendig die Lebhaftigkeit, die Aufregung, die Geschäftigkeit, das Gepränge und der Bühneneffekt untersagt, wie sie der historische Roman gewährt. Welche Verdienste für dein feines Gespür Rienzi oder The Last Days of Pompeii auch besessen haben mögen: d i e s e Erzählung, falls sie dich überhaupt vergnügt, schuldet jenes Glück dann Qualitäten, die höchst verschieden sind von denen, die deine Gunst bei Bildern aus der Vergangenheit gewannen. Du musst deine Einbildungskraft bezähmen und dich bereit machen für eine Geschichte, die sich nicht der Erzählung außerordentlicher Ereignisse widmet – oder der Erhellung des Charakters bedeutender Menschen. Obwohl kaum eine Seite in diesem Werk episodischen Charakter im Hinblick auf die Gesamtgestaltung hat, mag es vieles geben, das dir ermüdend und weitschweifig erscheint, falls du dich nicht in freundlicher Stimmung und großmütigem Vertrauen der Führung des Verfassers überlässt. Im Helden dieser Erzählung wirst du weder einen majestätischen Halbgott noch einen faszinierenden Dämon finden. Er ist ein Mann mit der aus seiner Menschlichkeit rührenden Schwäche, mit jener Stärke, die wir von der Seele her innehaben; oft nicht hartnäckig im Irrtum, öfter schwankend in der Tugend; bisweilen zu hochstrebend, manchmal zu verzagt; beeinflusst von den Umständen, deren er dennoch kämpfend Herr zu werden trachtet, und sich im Wesen verändernd mit den Änderungen von Zeit und Geschick; aber niemals mutwillig die wichtigen Prinzipien zurückweisend, auf Grund derer wir allein die Wissenschaft des Lebens erarbeiten können: Verlangen nach Gott, Leidenschaft für die Rechtschaffenheit, Sehnsucht nach der Wahrheit. Aufgrund solcher Prinzipien lehrt uns schließlich die Erfahrung, dieser strenge Mentor, die sichere und praktische Philosophie, die aus Tapferkeit im Ertragen, Gelassenheit in der Freude und Glauben ans Jenseits besteht.

Der Verfasser hat seinen Spruch gesagt, er zieht sich wieder ins Schweigen und in den Schatten zurück; er lässt dich allein mit den Schöpfungen, die er zum Leben erweckt hat – den Darstellungen seiner Gefühle und Gedanken – den Mittlern zwischen dem Individuum und der Masse. Seine Kinder, nicht aus Staub geschaffen, sondern aus dem Geist, mögen ihrem Ursprung treu bleiben! – und so sollten sie, nicht laut, aber inbrünstig, Mahner sein der Welt, in die sie geworfen sind, im Kampf gegen die Hindernisse, die sie bedrängen werden, für das Erbe ihres Erzeugers – das Recht, im Grab zu überleben!

London, 12. August 1837

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