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Ernest Maltravers

Edward Bulwer-Lytton: Ernest Maltravers - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer-Lytton
titleErnest Maltravers
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2014
firstpub2014
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141014
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Kapitel IX

                        »Dein Recht an mich
Sind Tränen, tiefe Trauer deines Bluts,
Was dir Natur und Lieb' und Kindessinn,
O teurer Vater, reichlich zahlen soll.«

SHAKESPEARE , Heinrich IV, Zweiter Teil, IV, 4

Spät in der Nacht hielt Maltravers' Kutsche an einem Park vor den Toren des Pförtnerhauses. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Bursche darin sich aus seinem gesunden Tiefschlaf erhoben hatte. »Mein Vater«, rief Ernest, während das Tor in seinen Angeln quietschte, »mein Vater – geht es ihm besser? Lebt er?«

»Oh, seien Sie gesegnet, Master Ernest, dem Squire ging es etwas besser diesen Abend.«

»Dem Himmel sei Dank! Los – los!«

Die Pferde dampften und galoppierten eine Straße entlang, die sich durch ehrwürdiges, altes Gehölz wand. Das Mondlicht ruhte sanft auf dem Rasen, und das Vieh, aus dem Schlaf gestört, erhob sich träge und starrte auf den unzeitgemäßen Eindringling.

Es ist eine wilde und bizarre Szene, einer dieser prächtigen englischen Parks zur Mitternacht mit seinem rauen Waldboden voller Senken und Tiefen, mit seinem nie erneuerten moosigen Gras, von Farn durchsetzt, und seinen uralten Bäumen, die die Geburt und auch die Gräber von hundert Generationen gesehen haben. Diese Orte sind die letzte stolze, traurige Spur von normannischer Ritterschaft und alter Romantik, die den lachenden Landschaften des kultivierten England geblieben sind. Sie werfen immer einen Schatten und düstere Schwermut auf Gemüter, die solche Assoziationen fühlen können, wie bei manchen alten, heiligen Bauwerken. Wie bei Kathedralen sind sie Kirchenschiffe der Natur mit ihren abgedunkelten Durchblicken und ihren säulenartigen Baumstämmen unter ihrem Laubgewölbe. Zu gewöhnlicher Zeit jedoch wirkt die Dunkelheit freundlich und erfreulicher als all die munteren Wiesen und sonnigen Hänge des modernen Geschmacks. Jetzt allerdings war sie für Maltravers ominös und bedrückend: die Dunkelheit des Todes schien in jedem Schatten zu brüten und ihre warnende Stimme in jedem Luftzug zu stöhnen.

Die Räder hielten wieder an. Lichter huschten über das Erdgeschoss; und eines davon, gedämpfter als die anderen, schien oben fahl aus dem Zimmer, in dem der kranke Mann schlief. Die Glocke klang schrill auf aus dem dunklen um die Vorhalle sich schlingenden Efeu. Die mächtige Türe schwang zurück – Maltravers stand auf der Schwelle. Sein Vater lebte – es ging ihm besser – er war wach. Der Sohn lag in des Vaters Armen.

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