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Erinnerungen, Band 2

Giacomo Casanova: Erinnerungen, Band 2 - Kapitel 22
Quellenangabe
typeautobio
authorCasanova
titleErinnerungen, Band 2
translatorHeinrich Conrad
publisherGeorg Müller
volume2
year1911
senderwww.gaga.net
created20050213
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Einundzwanzigstes Kapitel

Ich schenke M. M. mein Bild. – Ihr Gegengeschenk. – Ich gehe mit ihr in die Oper. – Sie spielt und bringt mich wieder zu Gelde. – Philosophische Unterhaltung mit ihr. – Brief von C. C.; sie weiß alles. – Ball im Kloster; meine Heldentaten als Pierrot. – Anstelle von M. M. kommt C. C. ins Kasino. – Dumme Nacht, die ich mit ihr verbringe.

Meine liebe M. M. hatte den Wunsch geäußert, mein Bildnis zu besitzen; es sollte in der Art wie das von C. C. sein, aber größer, um es als Medaillon tragen zu können. Es sollte mit dem Bilde irgend eines Heiligen oder einer Heiligen bedeckt sein und eine unsichtbare Feder besitzen, um den Deckel aufspringen zu lassen, so daß das Bild zum Vorschein käme. Um mein Versprechen zu erfüllen, ging ich zu dem Maler, der mir das erste Miniaturbild angefertigt hatte. In drei Sitzungen erhielt ich das Gewünschte. Der gleiche Maler machte mir eine Verkündigung worauf der Engel Gabriel mit schwarzen Locken und die heilige Jungfrau als ein schönes blondes Weib dargestellt war, das ihm die Arme entgegenstreckte. Der berühmte Maler Mengs ahmte diese Idee nach in der Verkündigung, die er zwölf Jahre später in Madrid malte; ich weiß aber nicht, ob er die gleichen Gründe hatte wie mein Maler. Die Allegorie war genau von der gleichen Größe wie mein Bildnis, und der Goldschmied, der das Medaillon machte, brachte das heilige Bild so an, daß kein Mensch ahnen konnte, daß es nur als Hülle für einen ganz weltlichen Kopf dienen sollte.

Am 2. Januar 1754 sprach ich, bevor ich mich ins Casino begab, bei Laura vor, um ihr einen Brief für C. C. zu übergeben und von meiner kleinen Frau einen zu empfangen, über den ich herzlich lachen mußte. Meine Nonne hatte das junge Mädchen nicht nur in die Mysterien der Sappho, sondern auch in die hohe Metaphysik eingeweiht, denn C. C. war ein Freigeist geworden. Sie schrieb mir, sie wolle ihrem Beichtvater nichts mehr von ihren Angelegenheiten sagen, und da sie ihm auch keine Lügen erzählen wolle, so sage sie ihm gar nichts mehr. »Er hat mir gesagt, daß ich ihm vielleicht deshalb nichts sage, weil ich wohl mein Gewissen nicht scharf genug prüfe, und ich habe ihm geantwortet, ich hätte ihm nichts zu sagen, aber wenn ihm was daran läge, so würde ich irgend eine Sünde nur zu dem Zweck begehen, um ihm etwas sagen zu können.« Ich fand die Antwort eines vollendeten Sophisten würdig und lachte recht vergnügt darüber.

An demselben Tage empfing ich von meiner angebeteten Nonne folgenden Brief:

»Ich schreibe Dir von meinem Bett aus, mein lieber Schwarzkopf, denn es ist mir unmöglich, mich aufrecht zu halten; ich fühle mich wie gerädert. Aber ich beunruhige mich nicht darum; etwas Ruhe wird mich heilen, denn ich esse gut und schlafe ausgezeichnet. Du hast mir Balsam in mein Blut gegossen durch die Mitteilung, daß das Vergießen des Deinigen keine bösen Folgen gehabt hat; ich werde mich am Dreikönigstage in Venedig selber davon überzeugen, das heißt: wenn Du willst. Du wirst mir darüber Bescheid geben. Solltest Du Dich meinen Wünschen ergeben, liebes Herz, so bitte ich Dich, mit mir in die Oper zu gehen. Übrigens denke daran, daß ich Dir für die Zukunft den Eiweißsalat streng verbiete; denn ich wünsche etwas weniger Genuß und dafür mehr Sicherheit in bezug auf Deine teure Gesundheit. Wenn Du künftighin nach Murano ins Kasino gehst, so frage, ob jemand da sei; und wenn man Dir bejahend antwortet, so entferne Dich; mein Freund wird es ebenso machen. Auf diese Weise lauft ihr keine Gefahr, euch zu begegnen; aber dieses etwas gezwungene Verhältnis wird nur noch kurze Zeit dauern, wenn es Dir recht ist, denn mein Freund ist ganz in Dich vernarrt und hat den brennenden Wunsch, Deine Bekanntschaft zu machen. Er sagte mir, er hätte es nie geglaubt, wenn er es nicht mit angesehen hätte, daß ein Mann solche Leistungen vollbringen könnte; aber er behauptet, Du forderst den Tod heraus, wenn Du Dich dem Liebesgenuß in solcher Weise hingibst; denn er versichert, das Blut, das Du vergossen habest, müsse aus dem Gehirn kommen. Aber was wird er sagen, wenn er erfährt, daß Du Dich darüber nur lustig machst! Paß auf, jetzt wirst Du aber lachen: er will Eiweißsalat essen, und ich soll Dich bitten, mir von Deinem Essig zu geben; denn er behauptet, in Venedig bekomme man nicht den richtigen. Er sagte mir, er habe eine köstliche Nacht verbracht, obwohl er wegen der Folgen unserer Liebeskämpfe Befürchtungen hege; denn er findet, daß meine Anstrengungen zu viel gewesen seien für die zarten Kräfte meines Geschlechtes. Das kann wohl sein, mein lieber Schwarzkopf, einstweilen bin ich ganz entzückt, mich selber übertroffen und eine so köstliche Probeleistung meiner Kraft abgelegt zu haben. Ohne Dich, mein Herz, hätte ich so hingelebt, ohne mich selbst zu erkennen, und ich frage mich, ob es möglich wäre, daß die Natur ein Weib hervorgebracht hätte, das in Deinen Armen gefühllos bleiben könnte, das nicht vielmehr an Deiner Brust ein neues Leben empfangen müßte. Es ist nicht genug, daß ich sage, ich liebe Dich: ich bete Dich an, ich vergöttere Dich, und meine Lippen schicken in der Hoffnung, den Deinigen zu begegnen, tausend Küsse in die Lüfte. Ich brenne vor Verlangen, Dein göttliches Bildnis zu besitzen, um in holder Täuschung das Feuer zu ersticken, das meine liebenden Lippen verzehrt. Ich hoffe, mein Bild wird Dir ebenso teuer sein, denn mich dünkt, die Natur hat uns beide füreinander geschaffen; und ich verwünsche den unseligen Augenblick, da ich aus eigenem Willen ein Hindernis unserer Vereinigung schuf. Ich schicke Dir anbei den Schlüssel zu meinem Schmuckschrank. Suche darin und nimm das Päckchen, das Du mit den Worten: »Für meinen Engel« bezeichnet finden wirst. Es ist ein kleines Geschenk, das ich Dir auf Wunsch meines Freundes als Gegengabe für das mir von Dir geschenkte herrliche Nachthäubchen verehre. Leb wohl!«

Der kleine Schlüssel, der in dem Brief lag, gehörte zu einem Schränkchen, das sich im Boudoir befand. Ungeduldig zu erfahren, was das auf Veranlassung ihres Freundes mir gemachte Geschenk wohl sein möchte, öffnete ich sofort und fand ein Päckchen, das einen Brief und ein Lederkästchen enthielt.

»Was Dir, wie ich hoffe,« – so hieß es in dem Brief, – »dies Geschenk wertvoll machen wird, ist das Bild einer Frau, die Dich anbetet. Unser Freund besaß zwei davon, aber seine Freundschaft für Dich hat ihm den glücklichen Gedanken eingegeben, das eine zu Deinen Gunsten herzugeben. Die Dose enthält mein Bild in doppelter Gestalt unter zwei verschiedenen Geheimverschlüssen: wenn Du den einen Boden der Tabaksdose der Länge nach zur Seite schiebst, wirst Du mich als Nonne sehen ; drückst Du hierauf auf die schmale Seite, so wirst Du einen Deckel auffpringen sehen, und dann werde ich mich Deinen Augen im Zustande der einfachen Natur darbieten. Unmöglich, mein holder Freund, kann jemals ein Weib Dich so geliebt haben, wie ich Dich liebe. Unser Freund schürt meine Leidenschaft durch die schmeichelhafte Anerkennung, womit er von Dir spricht. Ich vermag nicht zu entscheiden, welches für mich ein größeres Glück ist: einen solchen Freund oder einen solchen Geliebten zu besitzen, denn ich kann mir nicht vorstellen, wie ihr beide übertroffen werden könntet.«

Das Lederkästchen enthielt eine Tabaksdose, und einige Körner spanischen Tabaks bewiesen, daß sie benutzt worden war. Ich befolgte die Anweisungen des Briefes und sah zunächst meine Geliebte als Nonne, stehend und halb im Profil dargestellt. Das zweite Bild zeigte sie mir nackt auf einem schwarzen Atlaspolster in der Stellung der Correggioschen Magdalena ausgestreckt. Sie blickte nach einem Amor, der seinen Köcher vor sich liegen hatte und anmutig auf ihren Nonnenkleidern saß. Es war ein so schönes Geschenk, daß ich mich desselben nicht für würdig hielt. Ich schrieb ihr einen Brief, die lebhafteste Dankbarkeit sich mit den Ausdrücken der glühendsten Liebe mischte. Das Schränkchen enthielt in seinen Schubläden alle ihre Diamanten und vier Börsen voll von Zechinen. Ich bewunderte ihr vornehmes Zutrauen und schloß das Schränkchen wieder zu, indem ich gewissenhaft alles an seinem Platze ließ. Dann fuhr ich nach Venedig zurück. Hätte ich mich der Herrschaft des Glückes entziehen können – ich meine: Hätte ich aufgehört zu spielen, so wäre ich in jeder Hinsicht glücklich gewesen.

Mein Porträt war mit vollendeter Kunst gefaßt; da es dazu hestimmt war, am Halse getragen zu werden, befestigte ich es an sechs Ellen venezianischer Kette mit spanischer Masche und machte auf diese Art ein sehr vornehmes Geschenk daraus. Die geheime Feder lag in dem Ring, an welchem das Medaillon hing, wodurch es sehr schwer wurde, sie zu entdecken; man mußte kräftig und auf ganz bestimmte Art an dem Ring ziehen, um die Feder wirken zu lassen und das Bild zu entblößen. Wenn man das Medaillon wieder schloß, sah man nur die Verkündigung, und alsdann war es ein schönes Schmuckstück für eine Nonne.

Am Abend des Dreikönigstages ging ich, mit meinem Medaillon in der Tasche, schon frühzeitig nach der Piazza San Giovanni e San Paolo und stellte mich als Schildwache an die schöne Bildsäule, die dem Helden Colleoni errichtet wurde, nachdem man ihn hatte vergiften lassen, wenn die Geheimgeschichte nicht lügt. Sit divus, modo non vivus; Sei er Gott – aber tot ist ein Wort des aufgeklärten Despotismus, das stets gelten wird, solange es Könige gibt. Punkt zwei Uhr sah ich meine Geliebte aus der Gondel steigen, sie war in weiblicher Tracht und sehr gut maskiert. Wir besuchten die Oper im Teatro San Samuele; nach dem zweiten Ballett gingen wir nach dem Ridotto, wo es ihr viel Spaß machte, die adligen Damen sich anzusehen, die allein das Vorrecht hatten, sich mit entblößtem Gesicht hinzusetzen. Nachdem wir eine halbe Stunde in den Sälen herumspaziert waren, gingen wir in den großen Spielsaal. Sie blieb am Tische des Herrn von Mocenigo stehen, der zu jener Zeit der nobelste von den adligen Bankhaltern war. Da niemand bei ihm spielte, saß er in nachlässiger Haltung da und ließ sich von einer maskierten Dame, die ich erkannte, etwas ins Ohr erzählen. Es war Frau Pisani, und er war ihr Anbeter.

M. M. fragte mich, ob ich spielen wollte, und ich antwortete:

»Nein.«

»Ich spiele mit dir halbpart,« sagte sie zu mir, und ohne meine Antwort abzuwarten, zog sie eine Börse hervor und setzte eine Rolle Gold auf eine Karte.

Ohne sich in seinem Gespräch stören zu lassen, nahm der Bankhalter das Spiel Karten, mischte und zog ab; meine Freundin gewann ihre Karte und gewann noch einmal das Paroli. Der Bankier zahlte, nahm ein anderes Spiel Karten und plauderte ruhig weiter mit seiner Dame, obwohl meine Schöne jetzt vierhundert Zechinen auf ihrer Karte stehen hatte. M. M. sagte zu mir in gutem Französisch:

»Unser Spiel ist nicht hoch genug, um den Herrn zu interessieren; wir wollen gehen.«

Sie zog ihre Karte zurück, und ich strich das Geld ein und steckte es in meine Taschen, ohne Herrn Mocenigo zu antworten, der zu mir sagte:

»Ihre Maske ist aber wirklich zu intolerant.«

Ich ging meiner schönen Spielerin nach, die bereits von einem Kreise von Neugierigen umringt war.

Bald darauf blieben wir am Tisch des Herrn Pietro Mareello stehen, eines liebenswürdigen jungen Kavaliers; neben ihm saß Signora Veniero, die Schwester des Herrn von Momolo. Meine Geliebte spielte und verlor fünf Goldrollen hintereinander. Als sie kein Geld mehr hatte, nahm sie ein paar Händevoll Gold aus meiner Tasche, und nach vier oder fünf Taillen lag die Bank in den letzten Zügen. Sie hörte auf, und der edle Bankhalter machte ihr mit einer Verbeugung ein Kompliment über ihr Glück. Nachdem ich das ganze gewonnene Geld eingesteckt hatte, reichte ich ihr den Arm und wir gingen; ich bemerke, daß einige Neugierige uns folgten, und nahm eine Überfahrtsgondel, die ich an irgend einem beliebigen Ort landen ließ. Auf diese Weise entzieht man sich in Venedig stets den allzu neugierigen Augen.

Nach dem Essen zählte ich unsern Gewinn und fand, daß auf meinen Teil tausend Zechinen kamen. Aus dem Rest machte ich Rollen, und meine Freundin bat mich, diese zu dem anderen Geld in ihren kleinen Schrank zu legen. Als dieses erledigt war, zog ich mein Medaillon aus der Tasche und hängte es ihr um den Hals, was ihr die größte Freude machte. Nachdem sie sich lange damit abgemüht hatte, die Feder zu suchen, ohne sie jedoch entdecken zu können, zeigte ich ihr endlich das Geheimnis. Sie fand mein Bild sehr ähnlich.

Da wir nur drei Stunden vor uns hatten, um sie den Mysterien der Liebe zu weihen, so bat ich sie um Erlaubnis, davon Gebrauch machen zu dürfen.

»Ja,« sagte sie, »aber sei vernünftig! Unser Freund behauptet, du könntest auf der Stelle tot bleiben.«

»Und warum glaubt er, daß du gegen diese Gefahr gefeit seist? Deine Verzückungen sind ja doch viel häufiger als die meinen.«

»Er sagt, der Saft, den wir von uns geben, komme nicht aus dem Gehirn, wie bei euch, und die Zeugungsteile der Frau stehen nicht im Zusammenhange mit der Intelligenz. Hieraus folge, daß das Kind in bezug auf das Gehirn, das der Sitz der Vernunft sei, nicht von der Mutter abstamme, sondern vom Vater. Und dies scheint mir wahr zu sein. Bei dem so wichtigen Akt hat die Frau höchstens so viel Vernunft, wie sie selber notwendig braucht, und es bleibt ihr keine übrig, um dem Wesen, das sie erzeugt, einen Teil davon abzugeben.«

»Dein Freund ist gelehrt. Aber höre, mir geht auf einmal ein Licht auf. Wenn diese Theorie richtig ist, so muß man offenbar den Frauen alle Torheiten verzeihen, die sie aus Liebe begehen, während der Mann unentschuldbar ist. Ich wäre in Verzweiflung, wenn ich schuld daran wäre, daß du Mutter würdest.«

»Ich werde binnem kurzem wissen, ob es so ist. Und wenn es wirklich der Fall wäre – nun, um so besser! Ich habe meinen Entschluß gefaßt.«

»Und was ist das für ein Entschluß?«

»Mich gänzlich euch beiden zu überlassen! Ich bin sicher, daß weder du noch er mich im Kloster niederkommen lassen werdet.«

»Dies wäre ein verhängnisvolles Ereignis, das unser ganzes Schicksal bestimmen würde. Ich würde dich nach England entführen und dort heiraten.«

»Mein Freund glaubt, man könnte einen Arzt bestechen, der mir irgend eine erdichtete Krankheit zuschriebe und mir den Gebrauch von Mineralwasser in irgend einem Bade verordnete; dazu kann der Bischof seine Erlaubnis geben. In dem Badeort würde ich dann genesen und hierauf in mein Kloster zurückkehren. Aber viel lieber wäre es mir, wenn wir unsere Geschicke bis zum Tode vereinten. Sage mir, Freund, könntest du überall so wie hier nach deiner Bequemlichkeit leben?«

»Leider nein, liebes Herz. Aber könnte ich mit dir unglücklich sein? Wir wollen hierauf zurückkommen, wenn es Zeit ist. Laß uns zu Bett gehen!«

»Gern. Wenn ich ein Kind bekomme, will mein Freund als Vater dafür sorgen.«

»Kann er sich vorstellen, daß er der Vater ist?«

»Ihr könnt euch beide damit schmeicheln, es zu sein. Aber irgend eine Ähnlichkeit wird mir entdecken, wer der wirkliche Vater ist.«

»Ja. Wenn es zum Beispiel mit der Zeit Verse zu machen versteht, so wirst du annehmen, daß es von ihm ist.«

»Wer hat dir gesagt, daß er Verse machen kann?«

»Gib zu, daß er die sechs machte, die du als Antwort auf meine Verse schriebst!«

»Ich werde mich wohl hüten, eine solche Lüge zu sagen. Denn, seien sie nun gut oder schlecht, jedenfalls sind sie mein Gewächs. Damit du daran nicht länger zweifelst, will ich dich auf der Stelle überzeugen.«

»O, das ist durchaus nicht nötig. Ich glaube dir auf dein Wort. Laß uns zu Bett gehen; dort mag Amor den Gott des Parnasses zum Zweikampf herausfordern.«

»Gut. Aber nimm diesen Bleistift und schreib! Ich bin Apollo; sei du Amor!

Je ne me battrai pas: je te cède la place
Si Vènus est ma soeur, l'Amour est de ma race
Je seis faire des vers. Un instant de perdu
N'offense point l'Amour, si je l'ai convaincu."

»Ich bitte dich kniefällig um Verzeihung, meine göttliche Freundin. Aber konnte ich soviel Talent bei einer jungen zweiundzwanzigjährigen Venetianerin vermuten, die noch dazu in einem Kloster erzogen worden ist?«

»Ich bin unersättlich in meiner Begierde, mich immer mehr deiner würdig zu zeigen. Hast du mich geschickt im Spiel gefunden?«

»So geschickt, daß der unerschrockenste Bankhalter vor dir zittern muß.«

»Ich spiele nicht immer so glänzend; aber ich hatte dich zum Partner genommen, und darum forderte ich das Glück heraus. Warum hast du nicht gespielt?«

»Weil ich vorige Woche viertausend Zechinen verloren habe. Deshalb hatte ich kein Geld bei mir. Morgen aber werde ich spielen, und das Glück wird mir günstig sein. Doch heute – siehe, ich habe hier ein Büchlein, das ich in deinem Boudoir fand. Es sind die Stellungen des Pietro Aretino. Ich will einige von ihnen mit dir darstellen.«

»Der Gedanke ist deiner würdig; aber einige von den Stellungen sind unausführbar und sogar geradezu abgeschmackt.«Das Büchlein sind jedenfalls nicht die wollüstigen Gonetti, die Pietro Aretino zu den Raimondischen Stichen nach den Bildern des Giulio Romano schrieb (siehe meine Einleitung und Übersetzung in den »Dichtungen und Gesprächen des göttlichen Aretino«, Privatdruck 1903). Denn das Urteil, daß »unausführbare" Stellungen angegeben seien, trifft nur auf ein einziges Sonett, das sechste, zu. Dagegen passt die Kritik auf ein anderes Werkchen, das »Gespräch zwischen »Maddalena und Giulia«, das unter dem falschen Titel »La Putana errante« allgemein dem Aretino zugeschrieben wurde und ihm hauptsächlich zu seinem schlechten Ruf verholfen hat, aber ganz zweifellos nicht von ihm herrührt. In diesem Machwerk werden 35 Stellungen beschrieben, die zum Teil ganz töricht sind. (Eine Übersetzug befindet sich ebenfalls in den »Dichtungen und Gesprächen des göttlichen Aretino«.) Dr. H. Conrad

»Das ist wahr, aber ich habe vier sehr interessante ausgewählt.«

Mit diesen köstlichen Arbeiten verbrachten wir den Rest der Nacht bis zu dem Augenblick, wo der Wecker uns zur Trennung mahnte. Ich begleitete meine angebetete Nonne bis zu ihrer Gondel; dann legte ich mich zu Bett, aber ich konnte nicht schlafen. Ich stand auf und ging aus, um einige dringende Schulden zu bezahlen; denn einer der größten Genüsse, die nach meiner Meinung ein Verschwender sich verschaffen kann, ist die Bezahlung gewisser Schulden. Das Geld, das meine Geliebte für mich gewonnen hatte, brachte mir Glück, denn es verging kein Tag des Karnevals, ohne daß ich gewann.

Drei Tage nach den. Dreikönigstage ging ich ins Kasino von Murano, um ein Dutzend Goldrollen in M. M.s Schränkchen zu legen; bei dieser Gelegenheit gab die Hausbesorgerin nur einen Brief, und einige Augenblicke vorher hatte ich durch Laura einen anderen von C. C. erhalten.

Meine neue Geliebte schrieb mir über ihr Befinden und bat mich dann, mich bei meinem Goldschmied zu erkundigen, ob er nicht etwa einen Ring angefertigt hätte, dessen Kasten eine heilige Katharina, aber darunter zweifellos ein Porträt enthielte; sie wünschte das Geheimnis dieses Ringes zu erfahren.

»Die Besitzerin«, schrieb sie, »ist eine junge und schöne Pensionärin, meine Freundin. Der Ring muß ein geheimes Fach haben, aber sie weiß selber nichts davon.«

Ich antwortete ihr, ich würde ihren Wunsch buchstäblich erfüllen. Nun aber C. C.s Brief! Er brachte mich in eine recht spaßhafte Verlegenheit. Übrigens war er ganz frischen Datums, während M. M.s Brief schon zwei Tage alt war.

»Ach, wie ich mich freue, mein liebes Männchen!« schrieb C. C.

»Du liebst Mutter M. M., meine liebe Freundin. Sie hat ein Medaillon von gleicher Arbeit wie mein Ring, und sie kann es nur von Dir erhalten haben: ich bin überzeugt, daß unter der Verkündigung sich Dein geliebtes Bildnis befindet. Ich habe den Pinsel des Malers erkannt: es ist zweifelsohne derselbe, der auch meine Schutzheilige gemalt hat, und derselbe Goldschmied, der meinen Ring gefaßt hat, muß auch das Medaillon angefertigt haben. Ich bin völlig gewiß, daß Mutter M. M. das Geschenk von Dir hat.

Ich war zufrieden damit, daß ich alles wußte, und wollte es darum nicht darauf ankommen lassen, sie zu betrüben, indem ich ihr sagte, daß ihr Geheimnis mir bekannt wäre. Aber meine liebe Freundin, die entweder offenherziger oder neugieriger ist, hat nicht so gehandelt wie ich. Sie sagte mir, sie sei überzeugt, daß die heilige Katharina nur dazu da sei, um einem Bilde meines Geliebten als Deckel zu dienen. Da es nicht gut anders ging, habe ich ihr gesagt, der Ring ist allerdings ein Geschenk von meinem Geliebten, aber ich wisse nichts davon, daß vielleicht sein Bild darin verborgen sei.

»Wenn dies so ist,« sagte sie darauf zu mir, »und wenn es dir nicht unangenehm ist, so will ich versuchen, das Geheimnis zu entdecken, und du sollst dann auch das meinige erfahren.« Überzeugt, daß sie nichts finden würde, gab ich ihr den Ring, indem ich ihr sagte, eine solche Entdeckung würde mir große Freude machen.

In demselben Augenblick wurde ich zu meiner Tante gerufen; ich ließ daher den Ring in M. M.s Händen, und diese gab ihn mir am Nachmittag zurück. Sie sagte, sie habe das Geheimnis nicht herausbringen können; aber sie glaube nach wie vor, daß eins vorhanden sei. Ich gebe Dir die Versicherung, daß sie von mir niemals etwas erfahren wird; denn wenn sie Dich sähe, würde sie alles erraten, und dann wäre ich genötigt, ihr zu sagen wer Du bist. Es tut mir leid, zu dieser Zurückhaltung ihr gegenüber gezwungen zu sein; aber es tut mir gar nicht leid, daß ihr beiden euch liebt. Ich bedaure nur von ganzem Herzen, daß ihr durch ein abscheuliches Gitter getrennt von eurer Liebe sprechen müßt. Wie herzlich gerne möchte ich, o mein Freund, Dir meinen Platz abtreten können. Da würde ich im Nu zwei Menschen glücklich machen! Lebe wohl.«

Ich antwortete ihr, sie habe richtig erraten, daß das Medaillon ihrer Freundin ein Geschenk von mir sei und daß es mein Porträt enthalte; sie müsse aber das Geheimnis bewahren, und sie könne fest überzeugt sein, daß mein Freundschaftsverhältnis zu M. M. der Liebe, die mich für mein ganzes Leben an sie selber fessele, durchaus keinen Abbruch tue.

Ich verhehlte mir vor mir selber nicht, daß ich den Mantel nach dem Winde trug und daß mein Verhalten nicht frei und offen war; aber ich suchte mich selber zu täuschen. Denn das ist und bleibt wahr: eine Frau, so schwach sie ist, ist durch das Gefühl, das sie einflößt, stärker als der stärkste Mann. Wie dem auch sei – ich beging die Schwäche, ein Liebesverhältnis noch weiter fortführen zu wollen, obgleich ich sah, daß es infolge des vertraulichen Verhältnisses zwischen den beiden befreundeten Nebenbuhlerinnen dem unvermeidlichen Ende zueilte.

Laura hatte nur gesagt, daß an einem der nächsten Tage im großen Sprechzimmer des Klosters ein Ball stattfinden solle, und ich hatte beschlossen, maskiert hinzugehen, mich jedoch so zu verkleiden, daß meine beiden Freundinnen mich nicht erkennen könnten. Ich maskierte mich als Pierrot, da diese Tracht am besten Gestalt und Haltung verbirgt. Ich war sicher, daß meine beiden reizenden Geliebten hinter dem Gitter sitzen würden, und daß ich das Vergnügen haben würde, sie zu sehen und ganz in der Nähe miteinander zu vergleichen.

In Venedig erlaubt man während des Karnevals dieses unschuldige Vergnügen in den Nonnenklöstern. Das Publikum tanzt im Sprechzimmer, und die Nonnen sitzen im inneren Raum hinter ihren Gittern und nehmen als Zuschauerinnen am Feste teil. Wenn der Tag zu Ende geht, ist auch der Ball aus; alles entfernt sich, und die armen Gefangenen sind noch lange glücklich in der Erinnerung an ihre Augenweide. Der Ball sollte am selben Tage stattfinden, für den ich mit M. M. ein Zusammentreffen im Kasino von Murano verabredet hatte; aber dies konnte mich nicht abhalten, das Fest zu besuchen: ich hatte das Bedürfnis, C. C. zu sehen.

Wie ich schon bemerkte, verbirgt die Pierrottracht von allen Verkleidungen am besten Gestalt und Haltung. Sie bietet noch den weiteren Vorteil, daß unter der großen Mütze die Haare verborgen sind, und die weiße Gaze, die das Gesicht bedeckt, verhindert die Farbe der Augen und der Brauen zu entdecken. Damit jedoch die Kleider die Maske nicht in ihrer Bewegungsfreiheit hindern, darf man nichts darunter tragen, und zur Winterszeit ist ein einfacher Leinenanzug recht unangenehm. Aber daraus machte ich mir nichts; nachdem ich eine Suppe gegessen hatte, stieg ich in eine Gondel und fuhr nach Murano. Ich war ohne Mantel und in meinen Taschen hatte ich weiter nichts als mein Schnupftuch, meine Börse und den Schlüssel zum Kasino.

Ich trat ein; das Sprechzimmer war voll von Menschen; aber dank meinem Anzug machte ein jeder mir gerne Platz, denn in Venedig sieht man außerordentlich selten einen Pierrot. Mit tölpelhaften Schritten, wie es der Charakter der Kleider erfordert, kam ich näher und stellte mich in den Ring, der sich um die Tanzenden gebildet hatte. Nachdem ich mir die Pulcinelle, die Pantaloni, die Arlechini und die Scaramucci angesehen hatte, ging ich an die Sprechgitter und sah hinter ihnen alle Nonnen und Pensionärinnen teils sitzen, teils stehen. Ich verweilte bei keiner im Besonderen, aber ich sah meine beiden Freundinnen nebeneinander stehen und sehr aufmerksam diesem festlichen Treiben zusehen. Dann machte ich die Runde durch den ganzen Saal; und wenn's mir beliebte, musterte ich die anderen Masken von oben bis unten. Ich wurde allgemein sehr beachtet.

Schließlich machte ich mich an eine hübsche Arlechina heran, indem ich ihr linkisch die Hand bot, um mit ihr ein Menuett zu tanzen. Alles lachte und machte uns Platz. Meine Partnerin tanzte ausgezeichnet im Charakter ihrer Rolle und ich ebenso gut im Charakter der meinigen; ich brachte die ganze Gesellschaft zum Lachen. Nach dem Menuett tanzte ich mit der größten Lebendigkeit zwölf Furlanen. Ganz außer Atem, ließ ich mich hinsinken und tat, als ob ich schliefe; sobald man mich schnarchen hörte, ehrte alle Welt Pierrots Schlaf. Es wurde ein Kontertanz getanzt, der eine Stunde dauerte und in den ich mich lieber nicht einmischen zu sollen glaubte. Kaum aber war der Tanz zu Ende, so kam ein Arlechino und begann, auf die seinem Kleide gestattete Unverschämtheit pochend, mir mit derben Pritschenschlägen den Hintern zu bearbeiten. Die Pritsche ist Arlechinos Waffe. Da ich als Pierrot keine Waffe hatte, packte ich ihn am Gürtel und trug ihn laufend im ganzen Saal herum, während er immerzu mit seiner Pritsche auf mich los schlägt. Nun kommt seine Arlechina, das artige Mädchen, mit welcher ich getanzt, ihm zu Hilfe und schlägt gleichfalls auf mich los. Ich lasse ihn los, entreiße ihm seine Pritsche, setze hurtig seine Arlechina auf meine Schultern und treibe ihn mit verdoppelten Schlägen vor mir her – unter dem lauten Gelächter der Zuschauer und unter dem Geschrei Arlechinas, welche befürchtete, ich könnte fallen und dabei möchte die Versammlung ihren Taufschein sehen. Sie hatte recht. Denn plötzlich kam ein dummer Pulcinell von hinten und stellte mir ein Bein, so daß ich hinfallen mußte. Alle Welt zischte ihn aus. Ich aber sprang auf, und da ich mich sehr geärgert hatte, so begann ich ein regelrechtes Handgemenge mit dem Unverschämten. Er war von meiner Größe und wußte von seinen Kräften keinen Gebrauch zu machen. Ich warf ihn zu Boden und schüttelte ihn so derb, daß er seinen falschen Bauch und Buckel verlor. Unter lautem Gelächter der Gesellschaft und unter dem Händeklatschen aller Nonnen, die niemals ein solches Schauspiel gesehen hatten, benutzte ich einen günstigen Augenblick, drängte mich durch die Menge hindurch und verschwand.

Ich war durchnäßt von Schweiß, und das Wetter war kalt; ich warf mich in eine Gondel, stieg aber beim Ridotto aus, um mich nicht zu erkälten. Ich hatte noch zwei Stunden Zeit, ehe ich ins Kasino auf Murano gehen konnte, und ich konnte es kaum erwarten, mich an der Überraschung meiner schönen Nonne zu ergötzen, wenn sie Monsieur Pierrot vor sich sehen würde. Ich brachte die beiden Stunden damit hin, daß ich an allen kleinen Banken spielte; ich gewann, verlor und beging tausenderlei Unfug, da ich sicher war, daß niemand mich kannte. So genoß ich der Gegenwart, forderte die Zukunft in die Schranken – und lachte über all die Toren, die ihre Vernunft nur dazu anwenden, Maßregeln gegen befürchtetes Unglück zu treffen und die damit alle Freude zerstören, die sie in der Gegenwart sich verschaffen könnten.

Endlich schlug es zwei[R1: Zwei Stunden nach Sonnenuntergang.] und erinnerte mich, daß Amor und Comus mich zu neuen Genüssen riefen. Die Taschen voll von Gold und Silber verlasse ich den Ridotto, eile nach Murano, betrete das Heiligtum und sehe meine Göttin gegen den Kamin gelehnt. Sie war im Nonnenkleide. Um sie zu überraschen, schleiche ich auf den Fußspitzen näher. Ich sehe sie an – und bleibe wie versteinert stehen. Die Nonne, die ich vor mir sehe, ist nicht M. M.

Es ist C. C. im Nonnengewande. Noch mehr erstaunt als ich, spricht sie keine Silbe, stößt nicht einmal einen Seufzer aus, macht keine Bewegung. Ich werfe mich in einen Lehnstuhl, um Zeit zu gewinnen und mich von meinem Erstaunen erholen zu können. Ihr Anblick hatte mich völlig vernichtet, und meine Seele war betäubt wie mein Körper; ich fühlte mich in einem Labyrinth, woraus es kein Entrinnen gab. . »Diesen Streich spielt mir M. M.«, sagte ich zu mir selber. »Aber wie hat sie's herausgebracht, daß ich C. C.s Geliebter bin? Hat diese das Geheimnis ausgeplaudert? Aber wenn sie mich verraten hat, wie kann sie dann die Stirn haben, sich vor meinen Augen sehen zu lassen? Wenn M. M. mich liebt, wie hat sie sich selber der Freude berauben können, mich hier zu sehen; wie kann sie sich durch ihre Nebenbuhlerin vertreten lassen? Als eine Gefälligkeit für mich kann ich dies nicht auffassen, denn soweit treibt man die Gefälligkeit nicht. Ich erblicke darin nur ein Zeichen der Verachtung, eine willkürliche Beleidigung.«

Meine Eigenliebe bemühte sich Gründe aufzufinden, um die Möglichkeit einer solchen Verachtung zu leugnen; aber vergebens. Ich versank in eine finstere Erbitterung; ich hielt mich für gefoppt, betrogen, verachtet, und so verbrachte ich eine halbe Stunde in düsterem Schweigen. Ich verwandte kein Auge von C. C., die in ihrer Verlegenheit, weil sie nicht wußte, wem sie sich gegenüber befand, kein Wort hervorbrachte und kaum zu atmen wagte; denn sie konnte in mir bestenfalls den Pierrot wieder erkennen, den sie auf dem Ball gesehen hatte.

Ich war in M. M. verliebt und nur um ihretwillen ins Kasino gegangen; darum war ich nicht in der Stimmung, mit dem Ersatz fürlieb zu nehmen, obgleich ich C. C. durchaus nicht verachtete, sie vielmehr zum mindesten ebenso hoch stellte wie M. M. Ich liebte sie zärtlich, ich betete sie an, aber in diesem Augenblick wollte ich nicht sie, und zwar deshalb nicht, weil ihre Anwesenheit mir sofort den Eindruck einer Mystifikation gemacht hatte. Mir wars, als beginge ich ein Verbrechen an mir selber, wenn ich mich dazu herbeiließe, C. C. Beweise meiner Liebe zu geben; ich sagte mir, meine Ehre verböte mir, zu solcher Täuschung meine Hand zu reichen. Außerdem war es mir, ohne daß es ganz deutlich mir zum Bewußtsein kam, im Grunde recht lieb, M. M. eine Gleichgültigkeit vorwerfen zu können, die wahrer Liebe fremd sein sollte, und ich wollte mich so benehmen, daß sie niemals sollte annehmen können, sie hätte mir mit ihrem Streich ein Vergnügen gemacht. Außerdem glaubte ich, M. M. sei in dem Kabinett und vielleicht ihr Freund mit ihr.

Ich mußte einen Entschluß fassen, denn ich konnte nicht die ganze Nacht im Pierrotkostüm dasitzen, ohne ein Wort zu sprechen. Zuerst dachte ich daran, mich zu entfernen, zumal da weder C. C. noch ihre Freundin ganz sicher sein konnte, daß Pierrot und ich einundderselbe wären; bald aber verwarf ich diesen Einfall mit Abscheu, denn ich dachte an den tödlichen Schmerz, den C. C. empfinden würde, wenn sie erführe, daß ich der Pierrot wäre. Endlich fiel mir ein, sie möchte dieses wohl schon gar vermuten, und ich versetzte mich in das peinliche Gefühl, das ihr dieser Gedanke bereiten mochte. Ich hatte sie verführt; ich hatte ihr das Recht gegeben, mich ihren Gatten zu nennen. Diese Betrachtungen zerrissen mir das Herz.

»Wenn M. M. im Geheimkabinett ist,« dachte ich bei mir, »wird sie sich selbst zeigen, sobald es Zeit ist.« Und so nahm ich denn das Taschentuch ab, das meine Gaze festhielt und zeigte mein Gesicht. Meine reizende C. C. stieß einen Seufzer aus und sagte: »Ich atme auf! Du mußtest es sein; mein Herz sagte es mir. Du schienst überrascht zu sein, als du mich sahst, mein Freund. Wußtest du denn nicht, daß ich dich hier erwarten würde?«

»Nein, gewiß nicht. Ich wußte von gar nichts.«

»Wenn du böse darüber bist, so bringt mich das in Verzweiflung. Aber ich habe keine Schuld.«

»Angebetete Freundin, komm in meine Arme, und glaube niemals, daß ich böse auf dich sein kann! Ich bin entzückt, dich zu sehen; du bist immer meine geliebte Gattin. Aber ich bitte dich, befreie meine Seele aus einer grausamen Ungewißheit! Du kannst nicht hier sein, ohne mein Geheimnis verraten zu haben!«

»Ich! Dazu wäre ich niemals imstande gewesen, und hätte ich darum sterben sollen!«

»Wie kannst du denn hier sein? Wie hat denn deine gute Freundin es angefangen, alles zu entdecken. Niemand außer dir kann ihr gesagt haben, daß ich dein Gatte bin. Vielleicht hat Laura ....«

»Nein, Laura ist treu, lieber Freund. Aber ich habe keine Ahnung . . . «

»Aber wie hast du dich denn überreden lassen, in diesem Maskenaufzug hierher zu kommen? Du verläßt das Kloster – von diesem wichtigen Geheimnis hast du mir doch niemals ein Wort gesagt!"

"Kannst du glauben, daß ich dir nicht sofort Bericht erstattet hätte, wenn ich nur ein einziges Mal außerhalb gewesen wäre? Vor zwei Stunden hab ich es zum erstenmal verlassen, und nichts ist so einfach, so natürlich, als wie ich dazu gekommen bin."

"Erzähle mir das alles, liebe Freundin; meine Neugier ist aufs höchste gespannt."

"Ich freue mich über diese Neugier und will dir alles anvertrauen. Du weißt, wie sehr M. M. und ich uns lieben. Aus allem, was ich dir schrieb, mußt du wissen, daß unser Verhältnis gar nicht zärtlicher sein könnte. Vor zwei Tagen bat nun meine liebe Freundin die Äbtissin und meine Tante, mich in ihrem Zimmer schlafen zu lassen, da ihre Laienschwester stark erkältet war und in den Krankensaal kam, um sich dort auszuhusten. Die Erlaubnis wurde ihr gewährt, und du kannst dir unsere Freude denken, als wir zum erstenmal in einem und demselben Bett schlafen konnten. Heute verließ meine liebe M. M. mit mir den festlichen Trubel unmittelbar nach deinem Fortgang aus dem Sprechzimmer, wo wir so herzlich über dich gelacht hatten, ohne die geringste Ahnung zu haben, daß der entzückende Pierrot unser lieber Freund wäre. Sobald wir allein waren, sagte sie mir, sie wünschte, daß ich ihr einen Dienst erwiese, von dem ihr Glück abhinge. Wie du dir wohl denken kannst, antwortete ich ihr, sie brauche nur zu sprechen. Sie öffnete hierauf eine Schublade und zog mir zu meinem großen Erstaunen die Kleider an, in denen du mich hier siehst. Sie lachte, und ich lachte auch, ohne zu wissen, worauf der ganze Scherz hinaus wollte. Als sie mich vollständig als Nonne verkleidet sah, sagte sie zu mir, sie wolle mir ein großes Geheimnis anvertrauen, und sie tue es ohne jede Furcht: 'Laß dir sagen, liebe Freundin,' fuhr sie fort, 'daß ich heute das Kloster verlassen wollte, um erst morgen früh zurückzukommen; jetzt aber ist es entschieden, daß nicht ich ausgehen werde, sondern daß du es tun wirst. Du brauchst nichts zu befürchten und hast keine Unterweisung nötig; denn ich bin sicher, daß du nicht in Verlegenheit geraten wirst. In einer Stunde wird eine Laienschwester hierher kommen, ich werde ihr heimlich zwei Worte sagen, und sie wird dich auffordern, mitzukommen. Du gehst mit ihr zur Hintertür hinaus, durch den Garten bis an das hintere Ufer. Hier steigst du in eine Gondel und sagst dem Gondoliere weiter nichts als die zwei Worte: Ins Kasino! In fünf Minuten wirst du dort sein, du steigst aus und gelangst in eine kleine Wohnung, wo du ein behagliches Feuer finden wirst. Du wirst dort allein sein und hast zu warten. – ›Auf wen?‹ fragte ich sie. – ›Mehr darfst du jetzt nicht wissen. Aber verlaß dich drauf, dir wird nichts Unangenehmes zustoßen: vertraue meinem Wort. Du wirst dort zu Abend essen und auch schlafen, wenn du Lust hast. Kein Mensch wird dich belästigen. Frage mich jetzt nichts weiter, denn ich kann dir nicht mehr sagen.‹

Dies, lieber Freund, ist die reine Wahrheit. Sage mir jetzt: was konnte ich nach dieser Rede machen? Ich hatte ihr ja mein Wort gegeben, daß ich alles tun würde, was sie wünschte. Kränke mich nicht durch Mißtrauen! Mein Mund kann nur die Wahrheit sprechen! Ich lachte und machte mich auf ein sehr angenehmes Abenteuer gefaßt. Als die Laienschwester kam, ging ich sofort mit ihr, und so bin ich hier. Nachdem ich mich dreiviertel Stunden gelangweilt hatte, sah ich Pierrot. Glaube mir: im Augenblick, da ich dich erscheinen sah, sagte mein Herz mir, daß du es seist: aber sofort darauf wurde ich wie von einem Blitz getroffen, als ich dich zurückschrecken sah. Denn da sah ich deutlich, daß du mich nicht zu finden erwartetest. Dein düsteres Schweigen erschreckte mich, und ich durfte nicht wagen, es zuerst zu brechen, um so weniger, da ich ja, trotz der Stimme meines Herzens, mich täuschen konnte. Unter Pierrots Maske konnte sich ein anderer verbergen als du, und ganz gewiß hätte ich einen anderen Mann an diesem Ort nur mit Abscheu sehen können. Bedenke, daß man seit acht Monaten mich gewaltsam des Glückes beraubt, dich zu umarmen! Und jetzt, da du von meiner Unschuld überzeugt sein mußt, laß mich dir Glück dazu wünschen, daß du dieses Kasino kennst. Du bist glücklich, und ich spreche dir meine Freude darüber aus. M. M. ist nächst mir das einzige Weib, das deiner Zärtlichkeit würdig ist. Sie ist die einzige, mit der ich deine Zärtlichkeit teilen kann. Ich beklagte dich. Jetzt beklage ich dich nicht mehr, und dein Glück macht mich glücklich. Umarme mich!«

Ich wäre allzu undankbar, ja ich wäre ein Barbar gewesen, hätte ich sie nicht mit der innigsten Zärtlichkeit an mein Herz gedrückt. Denn dieser Engel an Güte und Schönheit war doch nur durch hochherzige Freundschaft mir zugeführt worden.

Nachdem ich ihr wiederholt versichert hatte, daß ich nicht im geringsten mehr an ihrer Unschuld zweifle, sagte ich ihr, ich fände das Benehmen ihrer Freundin sehr zweideutig und könne es kaum in günstigem Sinne auslegen. Abgesehen von der Freude, die ihr Anblick mir bereite, habe ihre Freundin mir einen boshaften Streich gespielt, der mir durchaus mißfallen müsse, denn mir sei die Beleidigung, die darin liege, empfindlich fühlbar.

»Da bin ich nicht deiner Meinung«, antwortete C. C. »Meine liebe M. M. wird auf irgend eine Art – wie, weiß ich nicht – herausgebracht haben, daß du vor deiner Bekanntschaft mit ihr mein Geliebter warst. Sie durfte wohl glauben, daß du mich immer noch liebtest, und da hat sie gedacht – denn ich kenne ihre Seele – sie könnte uns keinen größeren Beweis ihrer Liebe geben, als indem sie uns, ohne vorher etwas davon zu sagen, gerade das verschaffte, was zwei Liebende am heißesten wünschen müssen. Sie hat uns glücklich machen wollen, und ich kann ihr darob nicht böse sein.«

»Du hast recht, daß du so denkst, liebe Freundin; aber ich befinde mich in einer ganz anderen Lage als du. Du hast keinen anderen Geliebten und kannst keinen haben; ich aber bin frei, und da ich dich nicht sehen konnte, vermochte ich M. M.s Reizen nicht zu widerstehen. Ich bin maßlos in sie verliebt, sie weiß es; und klug wie sie ist, hat sie das, was sie tat, nur tun können, um mir ihre Verachtung zu zeigen. Ich gestehe dir, daß dies mich aufs tiefste verletzt. Wenn sie mich liebte, wie ich sie liebe, hätte sie niemals darauf verfallen können, mir die empörende Höflichkeit zu erweisen und dich als ihre Stellvertreterin hierher zu schicken.«

»Ich denke anders als du, lieber Freund. Ihre Seele ist ebenso vornehm, wie ihr Herz edel ist. So wenig wie ich es übel nehme, daß ihr euch liebt und euch zu beglücken wißt, so wenig nimmt sie es übel, daß wir uns lieben; sie ist im Gegenteil entzückt, uns zeigen zu können, daß sie sich dessen freut. Ohne Zweifel hat sie dir dartun wollen, daß sie dich um deiner selbst willen liebt, daß deine Freuden auch die ihrigen sind und daß sie nicht eifersüchtig darauf ist, wenn ihre beste Freundin ihre Nebenbuhlerin ist. Um dich zu überzeugen, daß du nicht böse sein darfst, weil sie unser Geheimnis entdeckt hat, läßt sie mich als ihre Stellvertreterin hierher kommen und erklärt dir dadurch, daß es ihr recht ist, wenn du dein Herz zwischen ihr und mir teilst. Du weißt wohl, daß sie mich liebt, und daß ich oft ihre Frau oder ihr kleiner Mann bin; und gerade so wie du nichts dabei findest, daß ich dein Nebenbuhler bin und sie oft so glücklich mache, wie es mir eben möglich ist, gerade so will sie nicht, daß du dir einbilden könntest, ihre Liebe gliche dem Haß. Denn dies tut die Liebe eines eifersüchtigen Herzens.«

»Du sprichst wie ein Engel für die Sache deiner Freundin; aber, meine liebe kleine Frau, du siehst die Sache nicht in dem richtigen Licht. Du bist klug und reinen Herzens, aber du hast keine Erfahrung. M. M. hat mich nur aus Laune geliebt, und sie weiß wohl, daß ich nicht dumm genug bin, dies alles für bare Münze zu nehmen. Ich bin unglücklich. Und das ist ihr Werk!«

»Da hätte ich also ebenfalls Grund, mich über sie zu beklagen; denn sie gibt mir zu erkennen, daß sie die Geliebte meines Liebhabers ist, und nachdem sie ihn mir weggenommen hat, kostet es ihr keine Überwindung, ihn mir zurückzugeben. Ohne Zweifel zeigt sie mir auch, daß sie die Zärtlichkeit, die ich für sie empfinde, gering schätzt denn sie bringt mich in die Lage, diese einem anderen zu bezeigen.«

»Oh, liebes Herz, da denkst du aber falsch; denn die Beziehungen zwischen euch beiden sind von ganz anderer Art. Euer Liebesverhältnis ist nur eine Tändelei, eine Sinnestäuschung. Die Wonnen, die ihr miteinander genießet, schließen nicht jede andere Liebe aus. Damit ihr aufeinander eifersüchtig sein könntet, müßte eine von euch ein gleiches Liebesverhältnis mit einer anderen Frau haben. Aber M. M. könnte es dir nicht übel nehmen, wenn du einen Geliebten hättest, ebensowenig wie du, wenn sie einen hätte; vorausgesetzt natürlich, daß der Geliebte der einen nicht zugleich der der anderen ist.«

»Dies aber ist gerade hier der Fall. Nein, du irrst dich. Wir sind gar nicht böse, daß du uns alle beide liebst. Habe ich dir nicht geschrieben, daß ich dir gerne meinen Platz abtreten möchte? Du mußt also glauben, daß auch ich dich gering schätze.«

»Liebe Freundin, dein Wunsch, mir deinen Platz abzutreten, als du nicht wußtest, daß ich glücklich war, entsprang mehr deiner Freundschaft als deiner Liebe, und für jetzt muß es mir lieb sein, daß deine Freundschaft stärker ist als deine Liebe; aber ich habe allen Anlaß, darüber empört zu sein, daß dieses selbe Gefühl auch M. M. bewegt. Ich liebe sie, ohne sie heiraten zu können; begreifst du mich, mein Engel? Von dir bin ich sicher, daß du meine Frau sein wirst, und deshalb bin ich auch unserer Liebe sicher, denn sie wird wieder erwachen, sobald wir beisammen sind. Mit M. M.s Liebe ist es nicht das Gleiche; diese wird nicht wiederkehren. Ist es nicht demütigend für mich, daß ich ihr nur ein flüchtiges Gefühl habe einflößen können? Du freilich mußt sie anbeten. Sie hat dich in alle ihre Mysterien eingeweiht, und du schuldest ihr ewige Freundschaft und Dankbarkeit.«

Es war Mitternacht geworden, und wir vergeudeten immer noch unsere Zeit mit derartigen Redereien, als die sorgsame Hausmeisterin kam und aus eigenem Antrieb uns ein ausgezeichnetes Abendessen brachte. Ich rührte nichts davon an; mir war das Herz zu schwer. Meine liebe kleine Frau aber speiste mit gutem Appetit. Ich mußte unwillkürlich lachen, als ich einen Eiweißsalat sah, und C. C. fand es spaßhaft, daß man die Dotter entfernt hatte. In ihrer Unschuld ahnte sie nichts von der Absicht ihrer Freundin, die die Zusammensetzung des Mahls angeordnet hatte. Während sie aß, sah ich sie genauer an, und ich konnte mir nicht verhehlen, daß sie schöner und reifer geworden war. C. C. war eine vollkommene Schönheit, trotzdem blieb ich kalt. Ich war stets der Meinung, daß es kein Verdienst ist, treu zu bleiben, wenn man wahrhaft liebt.

Zwei Stunden vor Tagesanbruch setzten wir uns wieder vor den Kamin. C. C. sah, daß ich traurig war, und nahm die zarteste Rücksicht auf meine Lage. Sie erlaubte sich keine Neckerei, jede Gebärde war züchtig und anständig. Ihre Worte waren zärtlich und von einer gewissen Hingebung, und es lag in ihnen niemals auch nur ein leiser Vorwurf, den ich durch meine Kälte vielleicht verdient hätte.

Zum Schluß unseres langen Gespräches fragte sie mich, was sie ihrer Freundin sagen sollte, wenn sie wieder im Kloster wäre.

»Meine liebe M. M. erwartet mich fröhlich und voller Dankbarkeit für das kostbare Geschenk zu sehen, das sie mir heute Nacht zu machen glaubte; aber was wünschest du, daß ich ihr sage?«

»Die volle Wahrheit. Vor allem verhehle ihr kein Wort von unserer Unterhaltung, sofern dein Gedächtnis sie aufbewahrt hat, und sage ihr im Besonderen, daß sie mich für lange Zeit unglücklich gemacht hat.«

»Nein, damit würde ich ihr einen zu großen Kummer bereiten, denn sie liebt dich zärtlich; sie vergöttert ja das Medaillon, das dein Bild enthält. Ich werde im Gegenteil mein Bestes tun, um die Verstimmung zu beseitigen; und diese wird nicht lange dauern, denn meine Freundin hat gar kein Unrecht, und du bist nur gekränkt, aber ohne Grund. Ich werde dir meinen Brief durch Laura schicken, wenn du nicht etwa mir versprichst, ihn dir selber bei ihr abzuholen.«

»Deine Briefe werden mir stets teuer sein; aber du wirst sehen, daß M. M. sich auf eine Rechtfertigung nicht wird einlassen wollen. Sie wird dir alles glauben, nur eins nicht!«

»Das glaube ich auch. Du meinst, sie wird nicht glauben, daß wir so standhaft gewesen sind, eine ganze Nacht so unschuldig wie Bruder und Schwester miteinander zu verbringen. Wenn sie dich ebenso gut kennt wie ich, so wird ihr das unmöglich erscheinen.«

»In diesem Fall sage ihr, wenn du willst, grade das Gegenteil.«

»Glaube nur das nicht! Ich liebe die Lüge nicht, und ganz gewiß werde ich niemals eine Lüge solcher Art sagen! Dies wäre sehr schlecht angebracht. Ich habe dich nicht weniger lieb, o mein Freund, obgleich du mir in dieser Nacht nicht ein einziges Mal deine Liebe hast beweisen wollen.«

»Glaube mir, süße Freundin, ich bin krank vor Kummer. Ich liebe dich von ganzer Seele, aber ich befinde mich in einer Lage ...«

»Du weinst, mein Freund? Du? O' ich bitte dich, schone meines Herzens! Ich bin in Verzweiflung, daß ich dir vorhin das gesagt habe; aber sei gewiß, ich habe nicht die Absicht gehabt, dir wehe zu tun. Ich weiß bestimmt, in einer Viertelstunde wird auch M. M. weinen.«

Der Wecker rasselte. Ich hatte keine Hoffnung, daß M. M. erscheinen würde, um sich zu rechtfertigen. So umarmte ich denn C. C. und gab ihr den Schlüssel zum Kasino, um ihn in meinem Namen M. M. zurückzugeben. Dann nahm ich meine Maske vor und ging, denn für meine Freundin war es Zeit, ins Kloster zurückzukehren.

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