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Erinnerungen, Band 2

Giacomo Casanova: Erinnerungen, Band 2 - Kapitel 12
Quellenangabe
typeautobio
authorCasanova
titleErinnerungen, Band 2
translatorHeinrich Conrad
publisherGeorg Müller
volume2
year1911
senderwww.gaga.net
created20050213
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Elftes Kapitel

Die schöne O'Morphi. — Der Schwindelmaler. — Ich mache bei der Herzogin von Chartres kabbalistische Berechnungen. — Ich verlasse Paris. — Mein Aufenthalt in Dresden.

Als ich eines Tages mit meinem Freunde Patu auf der Messe Saint-Laurent war, bekam er den Einfall, mit einer vlamischen Schauspielerin, namens Morphi, zu soupieren, und er lud mich ein, mich daran zu beteiligen. Das Mädchen hatte für mich keinen Reiz; aber was tut man nicht einem Freund zuliebe? Ich stimmte also zu. Nachdem wir mit der Schönen gespeist hatten, bekam Patu Lust, die Nacht einer süßeren Beschäftigung zu widmen, und da ich ihn nicht verlassen wollte, so verlangte ich ein Kanapee, um darauf in Züchten die Nacht zu verbringen.

Die Morphi hatte eine Schwester, einen kleinen Schmutzfinken von etwa dreizehn Jahren; diese sagte mir: wenn ich ihr einen kleinen Taler geben wollte, würde sie mir ihr Bett abtreten. Ich erklärte mich einverstanden, und sie führte mich in ein Kämmerchen, wo ich einen Strohsack auf vier Brettern fand.

»Und das nennst du ein Bett, mein Kind?«

»Ich habe kein anderes, mein Herr.«

»So eins will ich nicht, und du bekommst deinen kleinen Taler nicht.«

»Sie wollten sich also auskleiden?«

»Selbstverständlich.«

»Welch' ein Einfall! Wir haben gar keine Bettlaken.«

»Du schläfst also ganz angezogen?«

»O nein!«

»Nun, so lege dich hin, wie du es sonst tust, und ich gebe dir den kleinen Taler.«

»Warum denn?«

»Ich will dich in diesem Zustand sehen.«

»Aber Sie werden mir nichts tun?«

»Ganz und gar nichts!«

Sie legt sich auf den armseligen Strohsack und deckt sich mit einem alten Vorhang zu. Wie sie so daliegt, denke ich nicht mehr an ihre Lumpen; ich sehe nur noch eine vollendete Schönheit. Aber ich möchte sie ganz sehen. Ich treffe Anstalten, meinen Wunsch zu befriedigen; aber sie widersetzt sich. Ein Sechsfrankentaler macht sie gefügig, und da ich an ihr keinen anderen Mangel sehe als völlige Abwesenheit von Sauberkeit, so beginne ich sie eigenhändig abzuwaschen.

Du wirst mir erlauben, lieber Leser, eine ebenso einfache wie natürliche Kenntnis vorauszusetzen: nämlich, daß in derartigen Fällen mit der Bewunderung eine andere Art von Beifallsbetätigung untrennbar verbunden ist. Zum Glück, und wie es auch nicht anders zu erwarten war, fand ich die kleine Morphi bereit, mich alles machen zu lassen mit Ausnahme des einzigen, woran mir nichts lag. Sie erklärte mir, das würde sie mir nicht erlauben, denn nach der Meinung ihrer Schwester wäre das fünfundzwanzig Louis wert. Ich antwortete ihr, über den Preis für diesen Hauptpunkt würden wir ein anderes Mal sprechen; vorläufig wollten wir ihn ganz außer acht lassen. Nachdem sie hierüber beruhigt war, stand alles übrige mir zur Verfügung, und ich fand an ihr eine trotz der Frühreife sehr ausgebildete Begabung.

Die kleine Helene brachte ihrer Schwester getreulich die sechs Franken, die ich ihr gab, und erzählte ihr, wie sie sie sich verdient hatte. Als ich gehen wollte, kam sie zu mir und sagte mir, wenn ich Lust hätte, würde sie etwas vom Preise ablassen, denn sie brauche Geld. Ich antwortete ihr lachend, ich würde sie am nächsten Tage besuchen. Patu, dem ich mein Erlebnis erzählte, glaubte, ich übertriebe, und um ihm zu beweisen, daß ich ein Kenner weiblicher Schönheit sei, bestand ich darauf, daß er sich Helenen in derselben Stellung ansähe, worin ich sie gesehen hätte. Er gab zu, daß der Meißel des Praxiteles niemals etwas Vollkommeneres habe schaffen können. Weiß wie eine Lilie bot Helene das schönste Bild, das Natur und Malerkunst zusammen hervorzaubern könnten. Ihre schönen Züge hatten etwas so Liebliches, daß dem Beschauer ein unbeschreibliches Glücksgefühl, eine köstliche Ruhe sich in die Seele senkten. Sie war blond, und trotzdem hatten ihre herrlichen blauen Augen den ganzen Glanz der schönsten schwarzen Augen.

Am nächsten Abend besuchte ich sie wieder; da ich mich jedoch zu dem geforderten Preise nicht verstehen wollte, machte ich mit der älteren Schwester ab, ich sollte für jeden Besuch zwölf Franken bezahlen, wofür mir die Benützung ihres Zimmers freistände; diese Abmachung sollte so lange gelten, bis ich Lust bekäme, ihr sechshundert Franken zu zahlen. Es war ein starker Wucher, aber die Morphi war von griechischer Abstammung und über leere Gewissensbedenken völlig erhaben. Ich hatte gar keine Lust, ihr diese hohe Summe zu geben, weil ich kein Verlangen nach dem Gegenwert empfand; was ich erhielt, war alles, was ich wünschte.

Die ältere Schwester glaubte mich an der Nase zu führen, denn in zwei Monaten hatte ich dreihundert Franken ausgegeben, ohne etwas mit dem Mädchen gemacht zu haben ; sie schrieb diese Zurückhaltung meinem Geiz zu; ein sonderbarer Geiz!

Ich bekam Lust, den herrlichen Mädchenleib im Bilde zu besitzen, und ein deutscher Künstler malte sie mir göttlich schön für sechs Louis. Die Stellung, die er sie einnehmen ließ, war entzückend. Sie lag auf dem Bauch, Arme und Busen auf ein Kissen aufgestützt, aber den Kopf so herumgedreht, wie wenn sie zu drei Vierteln auf dem Rücken gelegen hätte. Der geschickte und geschmackvolle Künstler hatte den unteren Teil ihres Leibes mit so viel Kunst und Wahrheit gemalt, daß man sich nichts Schöneres wünschen konnte. Ich war entzückt von diesem schönen Porträt, das sprechend ähnlich war, und ich schrieb darunter: O-Morphi – ein Wort, das zwar nicht homerisch, aber nichts destoweniger griechisch ist und Schöne bedeutet.

Aber wer kann die geheimen Wege des Schicksals vorauswissen! Mein Freund Patu bekam Lust, eine Kopie des Bildes zu besitzen; einen so unbedeutenden Dienst schlägt man einem Freunde nicht ab, und derselbe Maler erhielt den Auftrag, sie anzufertigen. Nun wurde dieser Maler nach Versailles berufen; er zeigte dort unter mehreren Porträts auch dieses reizende Bild, und Herr de St.-Quentin fand es so schön, daß er nichts Eiligeres zu tun hatte, als es dem König zu zeigen. Als großer Kenner auf diesem Gebiet beschloß Seine Allerchristlichste Majestät, sich mit eigenen Augen zu überzeugen, ob der Maler naturgetreu kopiert hätte, und wenn das Original ebenso schön war wie das Abbild, so wußte der Enkel des Heiligen Ludwig sehr wohl, was er damit anfangen könnte.

Der gefällige Freund des Fürsten, Herr de St.-Quentin, wurde mit der Sache beauftragt: dies war sein Amt. Er fragte den Maler, ob das Original wohl nach Versailles gebracht werden könnte; der Künstler hielt dies für sehr leicht möglich und versprach ihm, sich danach zu erkundigen.

Er kam infolgedessen zu mir, um mir den Vorschlag mitzuteilen, den ich entzückend fand; ich sprach darüber sofort mit der älteren Schwester, die vor Freude ganz außer sich war. Sie begann also sofort, ihre jüngere Schwester zu säubern, ließ ihr ein nettes Kleid machen, und zwei oder drei Tage darauf fuhren sie mit dem Maler nach Versailles, um das Abenteuer zu bestehen. Der Vermittler für die kleinen Vergnügungen des Königs hatte bereits seinem Kammerdiener Bescheid gesagt. Dieser nahm die beiden Frauenzimmer in Empfang und brachte sie nach einem Gartenhäuschen. Der Maler wartete in einem Gasthof den Ausgang seiner Vermittlung ab. Eine halbe Stunde darauf kam der König allein nach dem Gartenhaus, fragte die junge O-Morphi, ob sie Griechin sei, zog das Porträt aus seiner Tasche, sah die Kleine genau an und rief: »Ich habe niemals etwas Ahnliches gesehen!« Bald darauf setzte er sich, nahm die Kleine auf den Schoß und erwies ihr einige Liebkosungen; nachdem er sich mit seiner eigenen königlichen Hand überzeugt hatte, daß die Frucht noch nicht gepflückt worden war, gab er ihr einen Kuß.

O-Morphi sah aufmerksam ihren Gebieter an und lächelte.

»Worüber lachst du?«

»Ich lache darüber, daß Sie einem Sechsfrankentaler so ähnlich sehen, wie ein Tropfen Wasser dem andern.«

Über diese Naivität lachte der Monarch laut auf; hierauf fragte er sie, ob sie in Versailles bleiben wollte.

»Das kommt auf meine Schwester an,« antwortete die Kleine; aber diese Schwester beeiferte sich, dem König zu sagen: ein größeres Glück könnte sie sich gar nicht wünschen.

Der König schloß sie wieder ein und ging; aber eine Viertelstunde darauf kam St.-Quentin und holte sie ab. Er brachte die Kleine in eine Wohnung, wo eine Frau schon auf sie wartete; dann begab er sich mit der älteren Schwester zu dem deutschen Maler, dem er fünfzig Louis für das Porträt gab. Die Morphi bekam nichts. Er ließ sich nur ihre Adresse geben, indem er ihr versicherte, sie würde von ihm hören. Wirklich bekam sie schon am nächsten Tage tausend Louis. Der gute Deutsche gab mir fünfundzwanzig Louis für mein Porträt und versprach nur, das in Patus Besitz befindliche mit der größten Sorgfalt für mich zu kopieren. Ferner erbot er sich, mir umsonst alle Mädchen zu malen, deren Bild ich zu besitzen wünschte.

Es war für mich ein wirkliches Vergnügen, die Freude zu sehen, womit die gute Vlamin die fünfhundert Doppellouis betrachtete, die wir ihr verschafft hatten. Angesichts dieses Reichtums wußte sie nicht, wie sie mir, den sie für den Urheber ihres Glückes hielt, ihre Dankbarkeit ausdrücken sollte. Die junge Schöne O-Morphi – so nannte der König sie stets – gefiel dem Herrscher noch mehr durch ihre Naivität und ihr niedliches Wesen als durch ihre seltene Schönheit, die regelmäßigste, die ich nach meiner Erinnerung gesehen habe. Er wies ihr eine Wohnung in seinem Hirschpark an, der ein wirklicher Harem für den wollüstigen Monarchen war, und zu welchem nur Damen, die bei Hofe vorgestellt waren, Zutritt hatten. Nach einem Jahr bekam die Kleine einen Knaben, der wie so viele andere spurlos verschwand; denn solange die Königin Marie lebte, erfuhr man niemals, wohin Ludwigs außereheliche Kinder kamen.

Drei Jahre später fiel die O-Morphi in Ungnade; doch ließ der König, als er sie fortschickte, ihr 400 000 Franken auszahlen, die sie einem bretonischen Offizier als Mitgift zubrachte. Als ich mich im Jahre 1783 in Fontainebleau befand, machte ich die Bekanntschaft eines reizenden jungen Mannes von fünfundzwanzig Jahren, der aus dieser Ehe entsprossen und das leibhaftige Ebenbild seiner Mutter war. Er hatte von ihrer Geschichte keine Ahnung, und ich glaubte ihn darüber nicht aufklären zu sollen. Ich schrieb meinen Namen in sein Notizbuch ein und bat ihn, seiner Frau Mutter meine Empfehlungen auszurichten.

Eine Bosheit der Gräfin von Valentinois, der Schwägerin des Fürsten von Monaco, war schuld, daß die schöne O-Morphi in Ungnade fiel. Die in Paris sehr bekannte Dame sagte eines Tages zu der jungen Person, wenn sie dem König einen rechten Spaß machen wollte, müsse sie ihn nur einmal fragen, wie er seine alte Frau behandelte. Das junge Ding war zu einfältig, um die Falle zu bemerken, und stellte wirklich dem König diese unverschämte Frage. Entrüstet warf Ludwig ihr einen wütenden Blick zu und sagte zu ihr:

»Unglückliche, wer hat dich angewiesen, diese Frage an mich zu richten?«

Mehr tot als lebendig warf die arme O-Morphi sich ihm zu Füßen und sagte ihm die Wahrheit.

Der König entfernte sich und sah sie niemals wieder. Die Gräfin von Valentinois erschien erst zwei Jahre später wieder bei Hofe. Der Herrscher wußte recht gut, wieviel er sich seiner Frau gegenüber als Gatte vorzuwerfen hatte; so wollte er sich wenigstens als König nichts vorzuwerfen haben, und wehe dem, der sich gegen die Königin vergaß.

Die Franzosen sind ganz gewiß das geistreichste Volk Europas, und vielleicht der ganzen Welt; das hindert aber nicht, daß es keine andere Stadt gibt, wo Betrügerei und Scharlatanerie so leicht ihr Glück machen können, wie in Paris. Wenn die Sache herauskommt, spottet und lacht man darüber; aber schon ist ein neuer Marktschreier da, der alle anderen überruft und gute Geschäfte macht, bis auch an ihn die Reihe kommt, ausgepfiffen zu werden. Unbestreitbar ist diese Erscheinung eine Wirkung der Mode auf das liebenswürdige, geschickte und leichtfertige Pariser Volk. Etwas mag noch so unsinnig sein – wenn es nur überraschend ist, findet es bei der Menge Anklang; man fürchtet nämlich, für einen Dummkopf zu gelten, wenn man sagen würde: das ist unmöglich. In Frankreich wissen eigentlich nur die naturwissenschaftlichen Gelehrten, daß zwischen Können und Werden noch eine Unendlichkeit liegt; in Italien dagegen ist dieses Axiom jedermann bekannt, was freilich nicht besagen will, daß die Italiener über den Franzosen stehen.

Ein Maler verdiente eine Zeitlang viel Geld dadurch, daß er etwas Unmögliches ankündigte: er wußte nämlich den Glauben zu erwecken, er könne das Bildnis einer Person malen, ohne sie zu sehen und nur auf die bloße Beschreibung hin. Er verlangte nichts weiter, als daß die Beschreibung peinlich genau sei. Solch ein Bildnis machte also dem Besteller, der die Person beschrieben hatte, mehr Ehre als dem, der sie gemalt hatte. Aus dieser Abmachung folgte aber auch, daß der erstere das Bild für ähnlich erklären mußte; denn wenn er dies nicht tat, so brachte der Maler die allergerechteste Entschuldigung vor; er sagte: wenn das Bildnis nicht ähnlich wäre, so träfe die Schuld den, der die Beschreibung gemacht hätte, denn dieser hätte eben nicht verstanden, die Seele des Malers mit dem Wesen jener Gesichtszüge zu erfüllen, die er auf die Leinwand bringen sollte.

Ich war eines Abends bei Sylvia zum Essen, als jemand diese wunderbare Neuigkeit vorbrachte, und zwar nicht etwa als einen lächerlichen Scherz, sondern im Ton der festesten Überzeugung. Er erzählte, der Maler hätte schon mehr als hundert Porträts gemacht, die sämtlich sehr ähnlich wären; alle fanden dies wunderschön. Nur ich konnte mir das Lachen nicht verhalten und erlaubte mir zu sagen, die Sache sei lächerlich und unmöglich. Der Erzähler wurde ärgerlich und schlug mir eine Wette um hundert Louis vor. Hierüber mußte ich noch mehr lachen, denn der Vorschlag war nicht annehmbar, weil natürlich die Gefahr zu groß war, angeführt zu werden.

»Aber die Porträts sind sehr ähnlich!«

»Ich glaube es nicht; und wenn sie wirklich ähnlich sind, so liegt eine Gaunerei vor.«

Sylvia war die einzige, die meine Meinung teilte. Der Erzähler wollte uns durchaus überzeugen und schlug uns vor, mit uns zum Maler zum Essen zu gehen. Wir nahmen an.

Am nächsten Tage begaben wir uns zu dem Künstler und sahen bei ihm eine Menge von Bildnissen, die angeblich vollkommen ähnlich waren; da wir die Originale nicht kannten, so konnten wir dies nicht bestreiten. »Würden Sie, mein Herr,« fragte Sylvia ihn, »mir das Bild meiner Tochter malen, ohne sie zu sehen?«

»Gewiß, gnädige Frau, wenn Sie sicher sind, mir ihre Gesichtszüge genau beschreiben zu können.«

Wir wechselten einen Blick miteinander, und die Sache war erledigt. Der Maler sagte uns, seine Lieblingsmahlzeit sei das Abendessen, und wir würden ihm viel Vergnügen machen, wenn wir ihn oft mit unserer Gegenwart beehrten.

Nach Art der Quacksalber führte er eine Menge von Anerkennungsschreiben und Zeugnissen aus Bordeaux, Toulouse, Lyon, Rouen usw. mit sich. Diese enthielten entweder Komplimente über die Vortrefflichkeit seiner Bildnisse oder Beschreibungen für neue Porträts, die man bei ihm bestellte. Übrigens bezahlte man ihm seine Bilder voraus.

Zwei oder drei Tage darauf begegnete ich seiner hübschen Nichte, die mir verbindliche Vorwürfe machte, daß ich nicht zu ihrem Oheim zum Abendessen ginge. Diese Nichte war ein leckerer Bissen; ich fühlte mich durch den Vorwurf geschmeichelt und versprach ihr, schon am nächsten Tage zu kommen. In weniger als acht Tagen aber wurde die Sache ernsthaft; ich verliebte mich in sie. Die interessante Nichte jedoch, die ein geistreiches Mädchen war und sich nur amüsieren wollte, war nicht verliebt und bewilligte mir nichts. Indessen, da ich mich nun einmal gefangen sah, so hoffte ich; denn ich fühlte, daß dies das beste war, was ich tun konnte.

Eines Tages war ich in meinem Zimmer und dachte an sie, während ich meinen Kaffee trank. Plötzlich ging die Tür auf, ohne daß jemand sich hatte anmelden lassen, und es erschien ein junger Mann. Ich erkannte ihn nicht; aber bevor ich Zeit gehabt hatte, irgend eine Frage zu stellen, sagte er zu mir: »Mein Herr, ich habe die Ehre gehabt, bei Maler Sanson mit Ihnen zu speisen.«

»Ach ja! Entschuldigen Sie bitte, mein Herr, ich erkannte Sie nicht.«

»Es ist kein Wunder; denn Sie hatten bei Tisch nur Augen für Fräulein Sanson.«

»Das ist sehr leicht möglich; aber da Sie es bemerkt haben, so gestehen Sie, mein Herr, daß sie reizend ist.«

»Das kann ich ohne weiteres gestehen; denn ich weiß es zu meinem Unglück selber nur zu gut.«

»Sie sind also in sie verliebt?«

»Ach ja! Leider!«

»Leider? So erringen Sie doch ihre Gegenliebe!« »Hiernach strebe ich, mein Herr, seit einem Jahr. Ich begann gerade einige Hoffnung zu schöpfen, da kamen Sie, um mich in Verzweiflung zu stürzen.«

»Ich, mein Herr, um Sie in Verzweiflung zu stürzen?«

»Jawohl. Gerade Sie.«

»Das tut mir sehr leid, aber ich kann nichts dabei tun.«

»Es wäre indessen nicht schwer für Sie, sehr viel dabei zu tun, und wenn Sie es mir erlauben wollten, so würde ich Ihnen anraten, was Sie tun könnten, um mir einen großen Dienst zu erweisen.«

»Sprechen Sie ganz ohne Rückhalt!«

»Sie könnten in Zukunft ihrem Hause völlig fern bleiben.«

»Der Vorschlag ist eigentümlich; indessen gebe ich zu, daß dies das einzige ist, was ich tun könnte, wenn ich wirklich Lust hätte, Ihnen einen Gefallen zu erweisen. Glauben Sie aber, daß es Ihnen dann gelingen wird, die Liebe der jungen Dame zu gewinnen?«

»Das wird dann meine Sache sein. Gehen Sie nur nicht mehr hin. Für das übrige werde ich selber sorgen.«

»Ich könnte möglicherweise Ihnen dies außerordentliche Entgegenkommen erweisen; aber wollen Sie mir gütigst zugeben, daß es doch recht eigentümlich ist, wie Sie mich für einen Mann halten konnten, dem man derartige Zumutungen stellen kann?«

»Ich gestehe, mein Herr, daß dies allerdings eigentümlich erscheinen kann; aber ich habe Sie für einen vernünftigen und sehr klugen Mann gehalten und habe nach reiflicher Überlegung gedacht, Sie würden sich an meine Stelle versetzen und mich nicht unglücklich machen wollen. Andernfalls würden Sie auch nicht Ihr Leben aufs Spiel setzen wollen wegen einer jungen Dame, die Ihnen nur eine verliebte Laune einflößen kann, während ich mich mit allen Gedanken danach sehne, mein Schicksal mit dem ihrigen zu vereinen, mag es mich zum Glück oder Unglück führen.«

»Aber wenn ich nun zufällig gerade wie Sie die Absicht hätte, das Mädchen heiraten zu wollen?«

»Dann wären wir beide zu beklagen, und einer von uns müßte sterben, bevor der andere sein Ziel erreichte; denn solange ich lebe, wird Fräulein Sanson gewiß nicht die Frau eines anderen.«

Da steht nun dieser stattliche junge Mann vor mir: bleich, ernst, marmorkalt, bis zur Raserei verliebt, macht mir mit überraschender Gemütsruhe halb vernünftige, halb verzweifelte Vorschläge, und noch dazu in meiner eigenen Wohnung. Dies gab mir zu denken. Ganz gewiß hatte ich keine Furcht vor dem jungen Mann; andererseits war ich zwar in Fräulein Sanson verliebt, fühlte mich aber doch nicht dermaßen entflammt, daß ich um ihrer schönen Augen willen einem Mitmenschen den Hals abschneiden oder mich von ihm hätte totschießen lassen mögen wegen einer solchen, noch in den ersten Anfängen befindlichen Liebschaft.

Ohne dem jungen Mann zu antworten, ging ich wohl eine gute Viertelstunde lang in meinem Zimmer auf und ab und erwog bei mir selber die Frage: Was wird für mich in den Augen eines Nebenbuhlers rühmlicher und in meinen eigenen Augen achtungswerter sein? Soll ich mich kalten Bluts auf einen Kampf um Leben und Tod mit ihn einlassen oder soll ich mich voller Würde zurückziehen und ihm den Platz räumen?

Die Eitelkeit sagte mir: Schlage dich! Die Vernunft sagte: Zwinge deinen Nebenbuhler, anzuerkennen, daß du vernünftiger bist als er.

Endlich sagte ich in festem Ton zu ihm: »Was würden Sie von mir denken, mein Herr, wenn ich mich bereit erklärte, Fräulein Sansons Haus nicht mehr zu betreten?«

»Ich werde sagen, mein Herr, daß Sie Mitleid mit einem Unglücklichen haben und daß Sie mich stets bereit finden werden, für Sie den letzten Tropfen meines Blutes zu vergießen, um Ihnen meine Dankbarkeit zu bekunden.«

»Wer sind Sie?«

»Ich heiße Garnier und bin der einzige Sohn des Weinhändlers Garnier in der Rue de Seine.«

»Nun denn, Herr Garnier, ich werde nicht mehr zu Fräulein Sanson gehen. Seien Sie mein Freund.«

»Bis in den Tod! Leben Sie wohl, mein Herr!«

»Leben Sie wohl, seien Sie glücklich.«

Fünf Minuten nach Garniers Fortgang trat Patu ein. Ich erzählte ihm den Vorfall; er fand, ich hätte wie ein Held gehandelt. »Ich hätte freilich«, fagte er, »nicht anders gehandelt wie du; aber ganz gewiß hätte ich mich nicht so wie Garnier benommen.«

Ungefähr um dieselbe Zeit ließ Graf de Melfort, Oberst des Regiments Orléans, mich durch Camille, die Schwester der von mir nicht mehr besuchten Coraline, bitten, mittels meiner Kabbala zwei Fragen zu beantworten. Ich verfertigte zwei sehr dunkle aber vielsagende Antworten, versiegelte sie und gab sie an Camille, die mich bat, ich möchte am nächsten Tage mit ihr an einen Ort gehen, den sie mir nicht nennen könnte. Ich willigte ein und begab mich mit ihr nach dem Palais-Royal, wo sie mich über eine kleine Treppe zu den Gemächern der Frau Herzogin von Chartres führte. Nachdem wir ungefähr eine Viertelstunde gewartet hatten, kam die Herzogin und dankte Camillen in der liebenswürdigsten Weise dafür, daß sie mich mitgebracht hätte. Hierauf richtete sie das Wort an mich und sagte mir in sehr vornehmer Haltung, aber recht huldvoll, sie finde eine Menge Schwierigkeiten in den von mir gegebenen Antworten; sie hatte diese gleich mitgebracht und hielt Sie in der Hand. Ich empfand zunächst eine gewisse Verlegenheit darüber, daß die Fragen von Ihrer Hoheit herrührten; dann aber sagte ich ihr, ich wüßte zwar die Kabbala zu stellen, besäße jedoch nicht die Gabe, sie auszulegen; Sie müßte die Güte haben, neue Fragen zu stellen, wodurch die Antworten klarer werden könnten. Infolgedessen schrieb sie alles nieder, was sie nicht verstand und zu wissen wünschte.

»Madame, Sie müssen sich die Mühe machen, die Fragen getrennt zu stellen; denn das kabbalistische Orakel antwortet nicht auf zwei Fragen zugleich.«

»Nun, so stellen Sie doch selber die Fragen!«

»Eure Hoheit werden mir verzeihen, aber alles muß von Ihnen eigenhändig geschrieben werden. Stellen Sie sich vor, Madame, Sie sprechen zu einer Intelligenz, die alle Ihre Geheimnisse kennt.«

Von neuem begann sie zu schreiben und stellte etwa sieben oder acht Fragen. Sie las diese aufmerksam noch einmal durch und sagte dann in vornehmem und zugleich zutraulichem Ton:

»Mein Herr, ich möchte gerne sicher sein, daß außer Ihnen niemand je erfährt, was ich hier niedergeschrieben habe.«

»Madame können auf meine Ehre rechnen.«

Ich las die Fragen aufmerksam durch und sah, daß ihr Wunsch berechtigt war; ich war sogar der Meinung, daß ich das Blatt Papier nicht in die Tasche stecken durfte; denn ich hätte es verlieren und sie und mich bloßstellen können.

»Ich brauche, Madame, nur drei Stunden, um die Arbeit zu machen, und ich wünsche, daß Eure Hoheit vollkommen beruhigt sind. Wenn Sie anderes zu tun haben, können Sie mich hier allein lassen; nur darf ich von keinem Menschen gestört werden. Sobald ich fertig bin, werde ich alles versiegeln; Eure Hoheit wollen geruhen, mir zu sagen, wem ich den Brief übergeben soll.«

»Mir selber oder der Frau von Polignac, wenn Sie diese kennen.«

»Jawohl, Madame, ich habe die Ehre, sie zu kennen.«

Die Herzogin gab mir ein kleines Feuerzeug, um eine Kerze anzuzünden, und entfernte sich mit Camille. Ich blieb allein hinter verschlossenen Türen, und drei Stunden darauf kam Frau de Polignac, als ich eben fertig geworden war; sie nahm die Papiere in Empfang, und ich ging.

Die Herzogin von Chartres, eine Tochter des Prinzen Conti, war damals sechsundzwanzig Jahre alt. Sie besaß in hohem Maße jene Art von Geist, der eine Frau anbetungswürdig macht. Sie war lebhaft, vorurteilsfrei, lustig, witzig und liebte Scherz und Vergnügen, die sie einem langen Leben vorzog. »Kurz und gut« waren die Worte, die sie stets im Munde führte. Sie war ferner gut, freigebig, geduldig, nachsichtig und beständig in allen ihren Neigungen. Sie war hübsch, aber sie hielt sich schlecht, und sie lachte über den Tanzmeister Marcel, der ihr ihre Haltung abgewöhnen wollte. Beim Tanzen streckte sie den Kopf vor und richtete die Füße einwärts, und trotzdem war sie entzückend. Unglücklicherweise hatte sie in ihrem Gesicht Pickeln, die ihrer Schönheit großen Abbruch taten. Man glaubte, dies rühre von einem Leberleiden her; in Wirklichkeit aber war es verdorbenes Blut, das schließlich ihren Tod verursachte, dem sie bis zum letzten Augenblick ihres Lebens Trotz bot.

Die Fragen, die sie an mein Orakel richtete, betrafen Herzensangelegenheiten; unter anderem wollte sie aber auch wissen, wie sie die entstellenden kleinen Pickeln vertreiben könnte.

Meine Orakelsprüche waren dunkel in allen Punkten, von denen ich nicht die näheren Umstände kannte; sie sprachen jedoch klar und deutlich in bezug auf ihre Krankheit, und dadurch wurden sie ihr lieb und notwendig.

Am nächsten Nachmittag schrieb Camille, wie ich erwartet hatte, ein Briefchen an mich, worin sie mich bat, ich möchte alles liegen lassen und um fünf Uhr im Palais-Royal in demselben Zimmer sein, in dem sie mich am vorhergehenden Tage verlassen hätte. Ich war pünktlich dort. Ein alter Kammerdiener, der auf mich gewartet hatte, entfernte sich sofort, und fünf Minuten darauf sah ich die reizende Prinzessin eintreten. Nachdem sie mir ein anmutiges Kompliment gemacht hatte, zog sie alle meine Antworten aus ihrer Tasche und fragte mich, ob ich Geschäfte hätte.

»Eure Hoheit können überzeugt sein, daß ich niemals dringlichere Geschäfte haben werde, als Ihnen zu dienen.«

»Sehr schön; ich werde auch nicht ausgehen, und wir wollen zusammen arbeiten.«

Hierauf zeigte sie mir eine Menge Fragen, die sie bereits niedergeschrieben hatte; diese betrafen verschiedene Gegenstände, besonders aber das Heilmittel gegen die kleinen Geschwüre. Was ihr mein Orakel kostbar gemacht hatte, war etwas, was kein Mensch wissen konnte. Ich hatte meine Mutmaßungen angestellt und richtig geraten; hätte ich nicht erraten, so wäre es auch gleichgültig gewesen. Ich hatte an der gleichen Unannehmlichkeit gelitten, und ich verstand genug von der Arzneikunst, um zu wissen, daß der Versuch, eine Hautkrankheit durch örtliche Mittel gewaltsam zu heilen, ihr hätte den Tod bringen können.

Ich hatte bereits geantwortet: Es bedürfe mindestens einer Woche, um sie von ihrer Krankheit wenigstens dem äußeren Anscheine nach zu heilen, zu einer gründlichen Genesung jedoch sei es erforderlich, daß sie ein Jahr lang sich genau nach gewissen Vorschriften richte.

Wir verbrachten drei Stunden damit, das Orakel zu befragen, was sie tun sollte. Sie war neugierig, ob das Orakel das rechte wisse, und ging auf alles ein: acht Tage darauf waren alle häßlichen Pickel verschwunden.

Ich ließ sie täglich ein gelindes Abführmittel nehmen, schrieb ihr vor, was sie essen sollte, und verbot ihr alle Schönheitsmittel; dagegen verordnete ich ihr, sich morgens und abends mit Wegerichwasser zu waschen. Das bescheidene Orakel befahl der Prinzessin, die gleichen Abspülungen an allen Stellen vorzunehmen, an denen sie die gleichen Wirkungen zu erzielen wünschte, und die Prinzessin gehorchte.

Ich besuchte die Oper eigens an dem Tage, an dem die Herzogin mit einer glatten und rosigen Haut sich dort zeigte. Nach der Oper ging sie, begleitet von ihren vornehmsten Damen, in der großen Allee des Palais-Royal auf und ab, wo sie von allen Anwesenden freudig begrüßt wurde. Sie bemerkte mich und beehrte mich mit einem Lächeln. Ich war überglücklich. Nur Camille, Herr von Melfort und Frau von Polignac wußten, daß ich das Orakel der Prinzessin war. Der Erfolg machte mich sehr stolz; aber schon am nächsten Tage erschienen wieder einige Knötchen auf der schönen Haut der reizenden Frau, und schnell erging Befehl, ich hätte mich im Palais-Royal einzufinden.

Der alte Kammerdiener, der mich nicht kannte, ließ mich in ein köstliches Boudoir eintreten, neben welchem sich ein Kabinett mit einer Badewanne befand. Bald erschien die Herzogin; ihre Miene war jedoch ein wenig traurig, denn sie hatte Knötchen auf der Stirne und am Kinn. In der Hand hielt sie einen Zettel mit einer Frage für mein Orakel; da diese nur kurz war, so beschloß ich, ihr ein Vergnügen zu machen und sie die Antwort selber finden zu lassen. Die von der Prinzessin übertragenen Zahlen machten ihr den Vorwurf, die vorgeschriebene Lebensweise außer acht gelassen zu haben, und sie gab zu, daß sie Liköre getrunken und Schinken gegessen habe.

Ganz erstaunt aber war sie, die Antwort gefunden zu haben; denn sie konnte nicht begreifen, wie diese aus einer Zahlenreihe hatte hervorgehen können. Eine ihrer Frauen trat ein und flüsterte ihr etwas ins Ohr; sie befahl ihr einen Augenblick draußen zu warten, wandte sich hierauf zu mir und sagte: »Es wird Ihnen nicht unangenehm sein, mein Herr, hier einen Freund von Ihnen zu sehen, der ebenso zartfühlend wie verschwiegen ist.« Mit diesen Worten steckte sie schnell alle Papiere, die sich nicht auf ihre Krankheit bezogen, in die Tasche; dann rief sie.

Ich sah einen Mann eintreten, den ich buchstäblich für einen Stallknecht hielt: es war Graf Melfort.

Die Prinzessin sagte zu ihm: »Sehen Sie doch, Herr Casanova hat mich die Kabbala gelehrt!« Zu gleicher Zeit zeigte sie ihm die Antwort, die sie selber gefunden hatte, der Graf wollte es nicht glauben. Da rief sie: »Ei nun, wir müssen ihn überzeugen; was soll ich fragen?«

»Was Eure Hoheit wollen.«

Sie dachte einen Augenblick nach, zog dann aus ihrer Tasche ein Elfenbeindöschen hervor und schrieb: »Sage mir, warum diese Pomade bei mir keine Wirkung mehr übt?«

Sie bildete die Pyramide, die Zahlenreihen und die Schlüssel, wie ich es ihr gezeigt hatte. Um die Antwort zu erhalten, lehrte ich sie Additionen und Subtraktionen machen, die aus den Zahlen hervorzugehen schienen, in Wirklichkeit jedoch rein willkürlich waren. Hierauf sagte ich ihr, sie möchte die Zahlen in Buchstaben übertragen; ich selber ging unter irgend einem Vorwand hinaus. Als ich glaubte, sie könnte mit ihrer Übertragung fertig sein, trat ich wieder ein und fand die Prinzessin in höchstem Erstaunen:

»Oh, welche Antwort, mein Herr!«

»Falsch vielleicht – aber, Madame, das kann vorkommen.«

»Falsch? Göttlich! Sie lautet: Die Pomade wirkt nur auf die Haut einer Frau, die noch nicht geboren hat.«

»Ich finde diese Antwort keineswegs erstaunlich, Madame.«

»Ich glaube es. Sie wissen eben nicht, daß dies die Pomade ist, die der Abbé de Brosses mir vor fünf Jahren gab und die mich damals heilte: dies geschah zehn Monate, bevor ich mit dem Herzog von Montpensier niederkam. Ich würde alles hergeben, was ich auf der Welt habe, wenn ich lernen könnte, ganz allein diese erhabene Kabbala zu machen.«

»Wie?« rief der Graf, »es ist jene Pomade, von der ich die Geschichte kenne?«

»Eben diese.«

»Das ist überraschend.«

»Ich möchte noch eine Frage stellen mit Bezug auf eine Frau, deren Namen ich nicht zu nennen wünsche.«

»Sagen Sie: die Frau, an die ich denke.«

Sie stellte nun die Frage: was für eine Krankheit hat diese Frau?

Ich ließ sie die Zahlen aufstellen und richtete es so ein, daß sie die Antwort erhielt: »Sie will ihrem Mann etwas weis machen.«

Die Herzogin stieß einen lauten Ruf des Erstaunens aus.

Da es schon sehr spät war, so wollte ich gehen, aber Herr von Melfort hatte inzwischen mit Ihrer Hoheit gesprochen und sagte mir, wir würden miteinander fortgehen. Dies taten wir denn auch, und unterwegs sagte er mir, die kabbalistische Antwort bezüglich der Pomade sei wirklich erstaunlich; er erzählte mir folgendes: »Die Frau Herzogin hatte, so hübsch wie sie war, im Gesicht so viele Pickeln, daß dem Herzog davor ekelte und er sich nicht überwinden konnte, sie als Gatte zu umarmen; so schmachtete denn die arme Prinzessin in vergeblichem Sehnen nach Mutterschaft dahin. Abbé de Brosses heilte sie mittels dieser Pomade, und mit einem atlasglatten Gesicht begab sie sich in die Loge der Königin im Französischen Theater. Gegenüber in der Loge des Königs befand sich der Herzog von Chartres, der keine Ahnung davon hatte, daß seine Frau im Theater war, denn sie besuchte dieses nur selten. Ohne die Herzogin zu erkennen, fand er sie schön und erkundigte sich, wer die Dame sei. Man sagte es ihm. Er wollte es nicht glauben, verließ die Loge des Königs, begab sich zu seiner Frau, sprach ihr seinen Glückwunsch aus und ließ ihr noch in derselbigen Nacht seinen Besuch anmelden. Das Ergebnis war, daß die Frau Herzogin neun Monate später den Herzog von Montpensier zur Welt brachte; dieser ist jetzt fünf Jahre alt und vollkommen gesund. Während der ganzen Dauer der Schwangerschaft behielt die Herzogin ein schönes Gesicht, aber sofort nach der Niederkunft kehrten die Knötchen zurück, und die Pomade ist ohne Wirkung geblieben.«

Nachdem er mir diese Geschichte erzählt hatte, zog der Graf eine Schildpattdose mit dem sehr ähnlichen Porträt der Herzogin aus der Tasche und sagte zu mir: »Ihre Hoheit bittet Sie, ihr Porträt anzunehmen; und wenn Sie es fassen lassen wollen, so möchten Sie bitte, dies dazu nehmen.« Das dies war eine Rolle von hundert Louis. Ich nahm die Dose und die hundert Louis und bat den Grafen, Ihrer Hoheit meine volle Dankbarkeit auszusprechen. Das Porträt habe ich niemals fassen lassen, denn ich brauchte damals Geld zu anderen Zwecken.

In der Folgezeit erwies die Herzogin mir mehrere Male die Ehre, mich rufen zu lassen, aber von einer Heilung ihres Leidens war nicht mehr die Rede: sie war außerstande, die erforderliche Enthaltsamkeit zu üben. Manchmal ließ sie mich fünf oder sechs Stunden hintereinander arbeiten, bald in dem einen Winkel, bald in dem anderen; dabei ging sie selber fortwährend ab und zu. Mittag- oder Abendessen ließ sie mir durch den guten alten Kammerdiener besorgen, der niemals den Mund auftat.

Die Kabbala betraf nur geheime Angelegenheiten, über die sie aus Neugier näheres zu wissen wünschte; dabei entdeckte sie oftmals Wahrheiten, von denen ich selber nichts wußte. Sie wünschte, ich sollte ihr das Geheimnis beibringen; doch drängte sie mich niemals. Aber sie ließ mir durch Herrn von Melfort sagen: Wenn ich sie mein Geheimnis lehren wollte, so würde sie mir eine Stelle mit einem jährlichen Einkommen von fünfundzwanzigtausend Livres verschaffen. Leider war die Sache unmöglich. Ich war rasend in sie verliebt; doch erlaubte ich mir niemals, sie dies merken zu lassen: meine Eitelkeit hielt meine Liebe im Zügel. Ich befürchtete von ihrem Stolz gedemütigt zu werden – und vielleicht hatte ich unrecht. Soviel weiß ich: Es tut mir noch jetzt leid, auf eine dumme Furcht gehört zu haben. Allerdings erfreute ich mich mehrerer Vorrechte, die sie mir vielleicht entzogen haben würde, wenn sie meine Liebe gekannt hätte.

Eines Tages wollte sie durch meine Kabbala erfahren, ob der Brustkrebs der Frau de la Popelinière heilbar sei; aus Laune ließ ich ihr antworten, die Dame hätte überhaupt keinen Krebs, sondern befände sich vollkommen wohl.

»Wie?« rief sie, »ganz Paris glaubt ja daran, und sie läßt einen Arzt nach dem anderen kommen. Aber einerlei: ich glaube der Kabbala!«

Am selben Tage traf sie bei Hofe den Herzog von Richelieu und sagte zu diesem, sie wisse bestimmt, daß Frau de la Popelinière gar nicht krank sei. Der Marschall, der in das Geheimnis eingeweiht war, sagte ihr, sie täusche sich. Sie aber schlug ihm eine Wette um hunderttausend Franken vor. Ich zitterte, als die Herzogin mir dies erzählte, und fragte sie ängstlich: »Hat er angenommen?« »Nein; aber er war erstaunt, und er muß, wie Sie wissen, eingeweiht sein.«

Drei oder vier Tage darauf sagte sie mir mit triumphierender Miene, Herr von Richelieu habe ihr gestanden, daß der angebliche Krebs nur eine List sei, um das Mitleid ihres Gatten zu erregen, zu dem sie gerne zurückkehren wollte. Sie erzählte mir ferner, daß der Marschall ihr gesagt habe, er wolle gerne tausend Louis bezahlen, um zu erfahren, wie sie die Wahrheit entdeckt habe.

»Wenn Sie die tausend Louis verdienen wollen,« sagte sie zu mir, »so werde ich ihm alles sagen.«

»Nein, nein, Madame! Ich flehe Sie an, es nicht zu tun.«

Ich fürchtete eine Falle. Ich kannte den Marschall als Hitzkopf, und die Geschichte von dem Loch in der Wand, durch das der Kavalier bei seiner Dame Einlaß gefunden hatte, war in ganz Paris bekannt; Herr de la Popelinière hatte selber dazu beigetragen, die Sache öffentlich zu machen, indem er sich weigerte, seine Frau wiederzusehen, und ihr nur eine Rente von zwölftausend Franken jährlich aussetzte.

Die Herzogin von Chartres hatte reizende Gedichte auf dieses Ereignis gemacht, die jedoch außerhalb ihres vertrauten Kreises niemandem bekannt wurden, als dem König. Dieser hatte sie sehr gerne, obgleich sie ihm oft derbe Bemerkungen ins Gesicht warf. Eines Tages zum Beispiel fragte sie ihn, ob es wahr sei, daß der König von Preußen nach Paris kommen werde. Ludwig antwortete ihr, das Gerücht entbehre jeder Begründung. »Das tut mir sehr leid!« rief sie aus; »denn ich sterbe vor Verlangen, einen König zu sehen.«

Mein Bruder hatte inzwischen mehrere Gemälde vollendet; er beschloß, eins davon Herrn de Marigny zu zeigen, und eines schönen Morgens begaben wir uns zu dem hohen Herrn, der im Louvre wohnte. Dort machten alle Künstler ihm ihre Aufwartung. Wir waren an diesem Morgen die ersten und warteten in einem Saal unmittelbar vor seinen Gemächern auf sein Erscheinen. Das Gemälde war zur Besichtigung ausgestellt; es war ein Schlachtstück im Geschmack von Bourguignon. Der erste Besucher, der erschien, blieb vor dem Bilde stehen, besah es aufmerksam und ging dann weiter, indem er bei sich selber sagte: »Schlecht!«

Einen Augenblick darauf kamen zwei neue Besucher, sahen das Bild und sagten lachend: »Schülerarbeit!«

Ich schielte nach meinem Bruder, der neben mir saß ; er schwitzte Blut und Wasser. Es dauerte keine Stunde, so war der Saal voll von Leuten, und ein jeder machte seine Witze über das unglückselige Bild. Mein armer Bruder fühlte sich dem Tode nahe und dankte Gott, daß ihn wenigstens kein Mensch kannte.

Da er mir leid tat, so stand ich auf, um mit ihm in einen anderen Saal zu gehen, und sagte, nur um ihn zu trösten: Herr von Marigny würde kommen und sein Bild gut finden; dies würde dann eine Rache für alle beleidigenden Bemerkungen sein. Zum Glück war er nicht derselben Meinung, und so gingen wir schnell hinaus, stiegen in einen Fiaker und fuhren nach Hause, wo wir unserem Bedienten befahlen, das Bild wieder abzuholen.

Sobald das arme Gemälde bei uns im Hause war, machte mein Bruder ein wirkliches Schlachtstück daraus, denn er durchbohrte es mit zwanzig Degenstößen. Sodann faßte er den Entschluß, sofort seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, Paris zu verlassen und an einem anderen Ort eine Kunst zu studieren, die er abgöttisch liebte. Wir beschlossen, uns nach Dresden zu begeben.

Zwei oder drei Tage vor meinem Abschied von meinem reizenden Paris speiste ich allein bei denm Schweizer der Porte de Feuillants in den Tuilerien; er hieß Condé. Nach dem Essen brachte seine ziemlich hübsche Frau mir die Rechnung, worauf jeder Gegenstand mit dem Doppelten seines Wertes angesetzt war. Ich machte sie darauf aufmerksam, aber sie antwortete ziemlich kurz angebunden, es könnte kein Heller abgelassen werden. Ich bezahlte; da aber die Rechnung mit den Worten Femme Condé quittiert war, so nahm ich die Feder und schrieb hinter den Namen Condé: labré [R1: Condé-labré, also: con délabré.]. Ich ließ die Rechnung auf dem Tisch liegen und ging.

Ohne weiter an meine Halsabschneiderin zu denken, ging ich in einer Allee spazieren, als plötzlich ein kleiner Mann, den Hut auf dem linken Ohr, einen riesigen Strauß im Knopfloch und ein langes Schlachtschwert an der Seite mit unverschämter Miene auf mich zutrat und ohne weitere Umschweife zu mir sagte, er habe Lust, mir die Gurgel abzuschneiden.

»Na, mein Kerlchen, da müßten Sie aber auf einen Schemel steigen. Aber ich, ich werde Ihnen die Ohren abschneiden.«

»Potz Blitz nochmal, mein Herr!«

»Keine Rüpeleien! Sie brauchen nur mit mir zu kommen; ich werde es Ihnen sofort besorgen.«

Mit großen Schritten ging ich nach dem Stern. Da ich dort keinen Menschen sah, drehte ich mich plötzlich um und fragte ihn, was er wollte und warum er mich angriffe. »Ich bin der Chevalier de Talvis; Sie haben eine ehrbare Frau beschimpft, die ich beschütze. Ziehen Sie!«

Mit diesen Worten zog er seinen langen Degen. Ich tat das gleiche, legte aus, machte einen Ausfall und verwundete ihn an der Brust. Er sprang zurück und rief, ich hätte ihn in hinterlistiger Weise verwundet.

»Du lügst, Lümmel! Und gib zu, daß du lügst, oder ich renne dir meinen Degen durch den Leib!«

»Nicht doch! Nicht doch! Ich bin ja verwundet; aber ich werde von Ihnen Revanche verlangen, und wir werden den Stoß beurteilen lassen.«

»Erbärmlicher Klopffechter! Wenn du nicht zufrieden bist, schneide ich dir die Ohren ab.«

Ich ließ ihn stehen. Nach meiner Überzeugung war mein Stoß vollkommen regelrecht, denn er hatte den Degen vor mir in die Hand genommen, und wenn er sich nicht sofort deckte, so war es nicht meine Sache, ihn daran zu erinnern.

Etwa Mitte August reiste ich mit meinem Bruder von Paris ab. Ich hatte zwei Jahre lang in der einzigen Stadt gelebt, hatte dort viel Vergnügen gefunden und keine andere Unannehmlichkeit, als daß ich zuweilen ein bißchen knapp bei Gelde war. Wir reisten über Metz, Mainz und Frankfurt, und kamen gegen Ende desselben Monats in Dresden an. Meine Mutter nahm uns mit der zärtlichsten Liebe auf und war entzückt über das Wiedersehen. Mein Bruder verbrachte vier Jahre in dieser hübschen Stadt mit beständigem Studium seiner Kunst; er kopierte in der kurfürstlichen Galerie alle schönen Schlachtenbilder der größten Meister.

Nach Paris kehrte er erst zurück, als er die Gewißheit erlangt hatte, der Kritik die Spitze bieten zu können; ich werde später erzählen, wie wir fast zur gleichen Zeit dort ankamen. Was bis dahin gutes und schlechtes Glück abwechselnd für und gegen mich machten, das, mein lieber Leser, wirst du sehen.

Das Leben, das ich bis zum Ende des Karnevals 1753 in Dresden führte, bietet nichts Besonderes. Um den Schauspielern und besonders meiner Mutter ein Vergnügen zu machen, verfaßte ich eine Tragikomödie, worin ich zwei Harlekins auftreten ließ. Es war eine Parodie der feindlichen Brüder von Racine. Der König lachte herzlich über die komischen Bosheiten, mit denen mein Stück gespickt war, und ich erhielt von ihm ein herrliches Geschenk. Er war prachtliebend und verschwenderisch, und er fand für diese Neigungen einen wunderbaren Helfer in dem berühmten Grafen von Brühl.

Bald darauf reiste ich von Dresden ab. Ich ließ dort meine Mutter, meinen Bruder und meine Schwester zurück, die sich dem Hofklavierlehrer Peter August verheiratet hatte. Er ist vor Jahren gestorben und hat seine Witwe in behaglichem Wohlstand und seine Familie in glücklichen Verhältnissen zurückgelassen.

Mein Dresdener Aufenthalt wurde mir denkwürdig durch ein Liebesangebinde, das ich mir, wie bereits frühere, durch sechswöchentliche Enthaltsamkeit vom Halse schaffte. Ich habe oft darüber nachgedacht, daß ich den größten Teil meines Lebens mit dem Streben verbrachte, mich krank zu machen; wenn ich dann meinen Zweck erreicht hatte, suchte ich ebenso eifrig wieder meine Gesundheit zu erlangen. Beides ist mir gleich gut gelungen; aber heute, da ich mich in dieser Hinsicht vollkommener Gesundheit erfreue, ist es mir schmerzlich, daß ich mich nicht mehr krank machen kann: das Alter, diese ebenso grausame wie unvermeidliche Krankheit, zwingt mich wider meinen eigenen Willen gesund zu sein. Die Krankheit, von der ich spreche und die wir Italiener sehr dummer Weise Franzosenkrankheit nennen – denn wir können mit vollem Recht den Anspruch erheben, sie zuerst eingeführt zu haben – diese Krankheit verkürzt nicht das Leben, obgleich sie unzerstörbare Spuren hinterläßt. Diese Narben, die vielleicht weniger ehrenvoll sind als die in den Kämpfen des Mars erworbenen, dürfen ihrem Träger kein Bedauern erwecken, wenn er sie mit Lust gewonnen hat.

Ich hatte in Dresden häufig Gelegenheit, den König zu sehen; er liebte seinen Minister, den Grafen Brühl, weil sein Günstling das doppelte Geheimnis besaß, noch verschwenderischer zu sein als sein Gebieter, und ihm alles zu ermöglichen.

Niemals war ein Monarch ein so abgesagter Feind der Sparsamkeit; er lachte über die Schelme, die ihn bestahlen, und gab viel aus, um viel lachen zu können. Da er nicht Geist genug hatte, um über die Dummheiten anderer Fürsten und über die Lächerlichkeiten des menschlichen Geschlechtes lachen zu können, so hatte er vier Spaßmacher in seinem Lohn; man nennt sie in Deutschland Narren, obgleich diese herabgekommenen Menschen für gewöhnlich klüger sind als ihre Herren.

Diese Spaßmacher sind amtlich dazu angestellt, ihren Herrn durch alle möglichen Späße zum Lachen zu bringen; für gewöhnlich sind dies ekelhafte Fratzenschneidereien oder seichte Grobheiten.

Zuweilen gewinnen jedoch diese berufsmäßigen Narren solchen Einfluß auf ihren Herrn, daß sie von ihm bedeutende Gnadenbeweise für Personen, für die sie sich interessieren, zu erwirken imstande sind. Infolgedessen werden sie von den ersten Familien ausgezeichnet behandelt. Welchen Menschen brächte nicht das Bedürfnis dazu, Niedrigkeiten zu begehen? Sagt nicht bei Homer Agamemnon, sie wären in einer Lage, daß sie solche begehen müßten? Und diese Herren lebten doch lange, lange vor uns. Dies scheint zu beweisen, daß zu allen Zeiten die Menschen sich von denselben Antrieben be- wegen lassen, nämlich dem Eigennutz.

Man tut unrecht, wenn man sagt, Graf Brühl sei Sachsens Verderber gewesen, denn er war nur der getreue Diener der Wünsche und Neigungen seines Herrn. Er hat seine Kinder in Armut zurückgelassen, und damit ist sein Andenken hinreichend gerechtfertigt.

Dresden hatte den glänzendsten Hof, den es damals in Europa gab. Die Künste standen in hoher Blüte. Galanterie sah man jedoch nicht. Denn König August war nicht galant, und die Sachsen sind nicht zur Galanterie veranlagt, wenn Ihnen nicht ihr Herrscher das Beispiel gibt.

In Prag, wo ich nicht zu verweilen gedachte, bestellte ich nur einen Brief an den Opernunternehmer Locatelli; dann machte ich einen Besuch bei einer alten Bekannten, Frau Morelli, die ich liebte und bei der ich für zwei oder drei Tage alles fand, was mein Herz begehrte. Im Augenblick, da ich abreisen wollte, traf ich auf der Straße meinen Freund Fabris, der damals Oberst war. Er nötigte mich, mit ihm zu speisen. Ich umarmte ihn und machte ihm klar, daß ich sofort abreisen müßte. Vergeblich! »Du kannst heute abend mit einem meiner Freunde abfahren; ihr werdet den Postwagen einholen.« Ich mußte nachgeben und war nachher entzückt, daß ich's getan, denn wir verbrachten den ganzen Tag auf eine köstliche Weise. Fabris sehnte sich nach Krieg, und seine Wünsche wurden zwei Jahre später erhört. Er gewann in diesem Kriege großen Ruhm.

Ich muß noch ein Wort über Locatelli sagen. Er war ein origineller Charakter, dessen Bekanntschaft zu machen sich verlohnte. Er hielt jeden Tag Tafel von dreißig Gedecken, und die Gäste bestanden aus feinen Schauspielern und Schauspielerinnen, Tänzern und Tänzerinnen, sowie einigen Freunden. Mit vornehmer Würde führte er den Vorsitz beim leckeren Mahl; denn gutes Essen war seine Leidenschaft. Ich werde noch Gelegenheit haben, von ihm zu sprechen, wenn wir zu meiner russischen Reise kommen. In Petersburg traf ich ihn wieder; dort ist er vor kurzem im Alter von neunzig Iahren gestorben.

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