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Erinnerungen

Giacomo Casanova: Erinnerungen - Kapitel 7
Quellenangabe
typeautobio
authorCasanova
titleErinnerungen
translatorHeinrich Conrad
publisherGeorg Müller
volume1
year1911
senderwww.gaga.net
created20050213
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Fünftes Kapitel

Tod meiner Großmutter und die Folgen davon. – Ich verliere das Wohlwollen des Herrn von Malipiero. – Ich habe kein Haus mehr. – Die Tintoretta. – Ich werde in ein Seminar gebracht. – Ich werde fortgejagt. – Ich werde in ein Fort gesperrt.

Während des Abendessens wurde nur vom Gewitter gesprochen, und der Pächter, der die Schwachheit seiner Frau kannte, sagte mir, er sei überzeugt, daß ich nicht mehr mit ihr fahren würde.

»Ebensowenig wie ich mit ihm!« rief schnell die kleine Frau; »denn er ist ein gottloser Mensch, der durch seine schlechten Witze den Blitz herausforderte!«

Die Frau verstand es, mir so geschickt auszuweichen, daß es mir nicht gelang, auch nur einen einzigen Augenblick mit ihr allein zu sein.

Nach Venedig zurückgekehrt, fand ich meine gute Großmutter krank und mußte infolgedessen mit allen meinen bisherigen Lebensgewohnheiten brechen; denn ich liebte sie zu sehr, als daß ich sie nicht mit aller nur möglichen Sorgfalt hätte pflegen sollen. Ich wich daher keinen Augenblick von ihr, bis sie den letzten Seufzer ausgestoßen hatte. Es war ihr unmöglich, mir etwas zu hinterlassen, denn sie hatte mir bei Lebzeiten gegeben, soviel sie nur konnte. Nichtsdestoweniger hatte ihr Tod für mich solche Folgen, daß ich einen ganz anderen Lebenswandel führen mußte.

Einen Monat nach ihrem Tode erhielt ich einen Brief von meiner Mutter; sie schrieb mir, da sie keine Möglichkeit sehe, nach Venedig zurückzukehren, so habe sie beschlossen, das Haus aufzugeben, wofür sie bisher die Miete bezahlt habe; sie habe den Abbate Grimani von ihren Absichten in Kenntnis gesetzt, und ich müsse mich nach seinen Anordnungen einrichten. Er habe Auftrag bekommen, das Mobiliar zu verkaufen und mich, sowie meine Brüder und meine Schwester, in eine gute Pension zu bringen. Ich glaubte mich zu Grimani begeben zu müssen, um ihm zu versichern, daß ich mich stets seinen Anordnungen fügen würde.

Die Hausmiete war bis zum Ende des Jahres bezahlt. Da ich nun wußte, daß ich dann keine Wohnung mehr haben würde und daß alle Möbel verkauft würden, so tat ich mir in meinen Bedürfnissen keinen Zwang mehr an. Wäsche, Vorhänge, Teppiche, Porzellan hatte ich bereits verkauft; jetzt machte ich mich an Spiegel, Betten usw. Ich verhehlte mir nicht, daß man das sehr schlimm finden würde; aber ich wußte, daß alles aus dem Nachlaß meines Vaters stammte, worauf meine Mutter keinerlei Anspruch hatte. Mit meinen Brüdern mich auseinanderzusetzen, hatte ich immer noch Zeit genug.

Vier Monate später schrieb meine Mutter mir wieder. Ihr Brief war aus Warschau datiert und enthielt beigeschlossen einen anderen. Meine Mutter schrieb mir:

»Ich habe hier, mein lieber Sohn, einen gelehrten Minimitenmönch, einen Kalabreser, kennengelernt, dessen hervorragende Eigenschaften meine Gedanken auf dich lenkten, so oft er mich mit seinem Besuch beehrte. Vor einem Jahre sagte ich ihm, ich hätte einen Sohn, der in den geistlichen Stand eintreten wollte; ich hätte aber nicht die Mittel, ihm Unterhalt zu gewähren. Er antwortete mir, dieser Sohn würde der seinige werden, wenn ich es bei der Königin durchsetzen könnte, daß er zum Bischof in seiner Heimat ernannt würde. Dies ließe sich leicht machen, wenn sie die Güte haben wollte, an ihre Tochter, die Königin von Neapel, zu schreiben und ihn dieser zu empfehlen.

Voll Gottvertrauen habe ich mich Ihrer Majestät zu Füßen geworfen und habe Gnade gefunden. Die Königin hat geruht an ihre Tochter zu schreiben, und der ehrenwerte Prälat ist vom Papst zum Bischof von Martorano gewählt worden; seinem Worte getreu, wird er um die Mitte des nächsten Jahres Dich, mein Sohn, mit sich nehmen; denn, um nach Kalabrien zu gelangen, muß er über Venedig reisen. Er schreibt es Dir selber in dem beigeschlossenen Brief; antworte ihm sofort und adressiere Deinen Brief an mich; ich werde ihn an ihn weiterbefördern. Er wird Dich auf den Weg bringen, der zu den höchsten Würden der Kirche führt; stelle dir vor, welch ein Trost es für mich sein wird, wenn ich in zwanzig oder dreißig Jahren das Glück habe, Dich wenigstens als Bischof zu sehen! In der Zwischenzeit bis zu seiner Ankunft wird Abbate Grimani für Dich sorgen. Ich gebe Dir meinen Segen und bin usw.«

Der Brief des Bischofs war lateinisch geschrieben und wiederholte den Inhalt des Briefes meiner Mutter. Übrigens war er sehr salbungsvoll. Er teilt mir mit, er werde sich in Venedig nur drei Tage aufhalten.

Ich antwortete, wie es sich schickte.

Diese beiden Briefe verdrehten mir den Kopf. Ade Venedig! Mit der sicheren Aussicht auf das glänzendste Glück konnte ich es kaum erwarten, in die Laufbahn einzutreten, die mich zu diesem Ziel führen sollte, und ich wünschte mir Glück, daß ich von dem, was ich in meiner Heimat zurücklassen sollte, ohne Bedauern schied. »Die Eitelkeiten sind vorbei!« sprach ich zu mir selbst; »in Zukunft werde ich mich nur für Großes und Solides interessieren.« Herr Grimani machte mir die größten Komplimente über mein Schicksal und versicherte mir, er werde die größte Sorgfalt aufbieten, um für mich eine gute Pension zu finden, in die ich zu Neujahr eintreten könnte, um die Ankunft des Bischofs abzuwarten.

Herr von Malipiero, der in seiner Art ein Weiser war und wohl sah, daß ich in Venedig im Strome von Vergnügungen und Zerstreuungen nur eine kostbare Zeit verlor, war entzückt darüber, daß ich schon in nächster Zeit anderswo mein Glück suchen sollte, und daß ich so bereitwillig mich den Umständen fügte. Er gab mir bei dieser Gelegenheit eine Lehre, die ich niemals vergessen habe: »Die berühmte Vorschrift der Stoiker: Sequere Deum – Folge Gott! – ist vollständig durch folgende Worte wiedergegeben: Überlasse dich dem, was das Schicksal dir bietet, sofern du nicht eine starke Abneigung dagegen empfindest. Dies war der Dämon des Sokrates, saepe revocans raro impellens – oft warnend, selten ermunternd – und daher stammte der Spruch derselben Stoiker: Fata viam inveniunt – Das Schicksal weist den Weg.«

Hierin bestand die Wissenschaft des Herrn von Malipiero; denn er war gelehrt, ohne ein anderes Buch studiert zu haben als das der natürlichen Moral. Aber wie wenn es den Beweis gegolten hätte, daß nichts vollkommen ist und daß alles seine schlechte und seine gute Seite hat, so ereignete sich, obwohl ich nur seine eigenen Grundsätze befolgte, einen Monat später ein Vorfall, der mir seine Ungnade zuzog und durch den ich nichts Neues lernte.

Der Herr Senator glaubte aus gewissen Anzeichen in den Gesichtszügen junger Menschen schließen zu können, daß sie in ihrem Leben alles dem Glück würden zu verdanken haben. Sobald er dergleichen zu bemerken glaubte, zog er den Betreffenden in seine Nähe, um ihn zu unterrichten, wie man dem Glück durch ein vernünftiges Benehmen zu Hilfe kommen könne; sehr richtig sagte er, in den Händen eines Unvorsichtigen sei die Arznei ein Gift, wie das Gift in den Händen des Weisen eine Arznei sei.

Zu meiner Zeit hatte er drei Schützlinge, für die er hinsichtlich ihrer Erziehung alles tat, was in seinen Kräften stand. Dies waren außer mir Teresa Imer, die der Leser zum Teil schon kennt und späterhin noch besser kennen wird, und als dritter Schützling die Tochter des Bootsführers Gardela, die drei Jahre jünger war als ich und in ihren Zügen einen entzückenden Ausdruck von Niedlichkeit hatte. Um sie auf den Weg zu bringen, ließ der spekulative Greis sie tanzen lernen; »denn unmöglich«, sagte er, »kann der Billardball in den Beutel laufen, wenn er nicht gestoßen wird.« Dieses junge Mädchen hat später unter dem Namen Augusta in Stuttgart eine glänzende Rolle gespielt. Sie war im Jahre 1757 die anerkannte erste Geliebte des Herzogs von Württemberg. Sie war reizend. »Zum letztenmal sah ich sie in Venedig, wo sie vor zwei Jahren gestorben ist. Ihr Gatte, Michele de l'Agata, vergiftete sich kurz nach ihrem Tode. – Eines Tages, nachdem wir alle drei bei ihm gespeist hatten, ließ der Senator uns allein, um seine Siesta zu halten. Dies war so seine Gewohnheit. Ein paar Augenblicke darauf entfernte sich die kleine Gardela, da sie ihre Stunde nehmen mußte; ich befand mich daher allein mit Teresa, die ich sehr nach meinem Geschmack fand, obgleich ich ihr bis dahin niemals den Hof gemacht hatte. Wir saßen nebeneinander an einem kleinen Tisch, mit dem Rücken nach der Tür des Kabinetts, worin, wie wir glaubten, der alte Herr schlief. Infolge einer Bemerkung bekamen wir Lust, den Unterschied unserer Körperbildung festzustellen. Aber als wir gerade beim interessantesten Teil der Aufgabe waren, mußten wir unsere Arbeit unvollendet lassen, denn ich erhielt einen heftigen Stockhieb über den Rücken und gleich darauf einen zweiten, dem ohne Zweifel noch viele andere gefolgt sein würden, wenn ich nicht das Hasenpanier ergriffen hätte. Ohne Mantel und Hut lief ich Hals über Kopf davon und schloß mich zu Hause in mein Zimmer ein. Kaum war ich eine Viertelstunde zu Hause, so erhielt ich die beiden zurückgelassenen Gegenstände durch die alte Haushälterin des Senators und zugleich einen Brief, worin mir verboten wurde, den Palazzo Seiner Exzellenz jemals wieder zu betreten. Ohne einen Augenblick zu verlieren, antwortete ich ihm folgendermaßen: »Als Sie mich schlugen, waren Sie im Zorn; folglich können Sie sich nicht rühmen, mir eine Lektion gegeben zu haben, und ich will nichts gelernt haben. Ebensowenig kann ich Ihnen verzeihen; denn da müßte ich vergessen, daß Sie ein Weiser sind, und das werde ich nie vergessen.«

Der vornehme Herr hatte vielleicht recht, wenn ihm der Anblick, den wir ihm darboten, nicht gefiel; aber trotz aller seiner Vorsicht handelte er in diesem Falle sehr unvorsichtig; denn alle Dienstboten errieten die Ursache meiner Austreibung, und es dauerte nicht lange, so lachte die ganze Stadt über meine Geschichte. Wie Teresa mir einige Zeit nachher sagte, wagte er nicht, ihr Vorwürfe zu machen; natürlich hatte sie aber nicht den Mut, ihn um Gnade für mich zu bitten.

Es nahte sich der Zeitpunkt, wo ich die Wohnung meines Vaters verlassen mußte. Eines schönen Morgens sehe ich vor mir einen Mann von ungefähr vierzig Jahren in schwarzer Perücke, scharlachrotem Mantel und mit sehr sonnverbranntem Gesicht. Er überbrachte mir von Herrn Grimani einen schriftlichen Befehl, ihm alle Möbel des Hauses zu überliefern, gemäß einem Inventar, das er bei sich hatte und dessen zweite Ausfertigung sich in meinen Händen befand. Ich nahm mein Verzeichnis und zeigte ihm alle Möbel, die darauf verzeichnet standen, sofern sie nicht einen andern Weg gewandert waren, und von denen, die nicht da waren, sagte ich, ich wüßte schon, was aus ihnen geworden wäre. Der Kerl aber schlug einen Ton an, als ob er der Herr im Hause wäre, und fing an zu schreien, er wolle wissen, was ich damit gemacht hätte. Dieser Ton gefiel mir nicht. Ich antwortete ihm, ich hätte ihm keine Rechenschaft abzulegen; und da er fortfuhr laut zu schreien, so riet ich ihm, sich schleunigst zu entfernen, und zwar sagte ich dies in einem Ton, der ihm zeigen mußte, ich wüßte wohl, daß in meinem eigenen Hause ich der Herr wäre.

Ich hielt mich verpflichtet, von dem Vorgefallenen Herrn Grimani zu benachrichtigen, und begab mich daher in aller Frühe zu ihm; ich fand aber bei ihm schon meinen Kerl, der ihm alles erzählt hatte. Nach einer scharfen Kopfwäsche, die ich stillschweigend über mich ergehen lassen mußte, verlangte der Abbate von mir Rechenschaft über alles Fehlende. Ich sagte ihm, ich hätte die Sachen verkaufen müssen, um keine Schulden zu machen. Darauf hin behandelte er mich wie einen Spitzbuben, sagte mir, ich hätte nicht das Recht dazu gehabt, er wisse aber wohl, was er zu tun hätte; schließlich befahl er mir, sein Haus sofort zu verlassen.

Außer mir vor Zorn, laufe ich zu einem Juden, um ihm alles zu verkaufen, was noch übrig war; aber gerade als ich mein Haus betreten wollte, fand ich vor meiner Tür den Gerichtsboten, der mir eine Verfügung übergab. Ich las diese und fand, daß sie auf Antrag eines Antonio Razzetta erlassen war. Das war der Mann mit dem verbrannten Gesicht. Die Siegel befanden sich schon an allen Türen und ich konnte nicht einmal in mein Zimmer hinein, denn der Gerichtsvollzieher war so vorsichtig gewesen, beim Fortgehen einen Wachtposten zurückzulassen. Unverzüglich laufe ich zu Herrn Rosa und trage ihm in großen Umrissen den Fall vor. Er nimmt die Verfügung, liest sie und sagt mir: »Die Siegel werden morgen früh abgenommen werden; unterdessen werde ich Razzetta vor den Avogador zitieren lassen. Diese Nacht, mein Lieber, werden Sie bei irgendeinem Freunde schlafen müssen. Es ist ein Gewaltstreich; aber er wird Ihnen teuer dafür bezahlen. Der Mann handelt im Auftrag des Herrn Grimani.«

»Das ist seine Sache.«

Ich verbrachte die Nacht bei meinen Engeln und begab mich am anderen Morgen nach meinem Hause, wo ich die Siegel abgenommen fand. Da Razzetta nicht erschienen war, lud Herr Rosa ihn in meinem Namen vor das Kriminalgericht und beantragte, ihn in Haft zu nehmen, wenn er auch auf die zweite Vorladung nicht erschiene. Am dritten Tage schrieb Herr Grimani mir einen Brief und befahl mir, mich zu ihm zu begeben. Ich gehorchte auf der Stelle. Sobald er mich sah, fragte er mich in schroffem Ton, was ich denn eigentlich wollte?

»Mich gegen Gewalt schützen, mich unter den Schirm der Gesetze stellen und mich gegen einen Menschen verteidigen, mit dem ich niemals etwas hätte zu tun haben sollen, und der mich gezwungen hat, die Nacht an einem schlechten Orte zu verbringen.«

»An einem schlechten Ort.«

»Natürlich. Warum hat er mich willkürlich verhindert, nach Hause zu gehen?«

»Jetzt bist du ja in deinem Hause. Aber vor allen Dingen gehe zu deinem Anwalt und sage ihm, er solle das ganze Verfahren einstellen; denn Razzetta hat alles nur auf meinen Befehl gemacht. Du wolltest vielleicht den ganzen Rest der Möbel verkaufen; dagegen haben wir Vorsorge getroffen. Du hast ein Zimmer in San Giovanni Crisostomo in einem mir gehörenden Hause, dessen erstes Stockwerk von unserer Prima ballerina, der Tintoretta, eingenommen wird. Lasse deine Sachen dorthin tragen und komme täglich zum Essen zu mir. Ich habe deine Schwester in eine gute Pension gebracht und deine Brüder in eine andere; so wird nun alles in bester Ordnung sein.«

Ich ging sofort zu Herrn Rosa, um ihm über das Vorgefallene zu berichten; da er mir riet, ich solle alles tun, was Herr Grimani verlange, so erklärte ich mich einverstanden. Übrigens war der Ausgang der Sache eine Genugtuung für mich, um so mehr, da die Einladung zum Mittagtisch mich ehrte. Auch war ich sehr neugierig auf meine neue Wohnung bei der Tintoretta, denn von diesem Mädchen wurde viel gesprochen wegen eines Fürsten von Waldeck, der große Ausgaben für sie machte.

Der Bischof sollte im Laufe des Sommers eintreffen; ich brauchte also höchstens noch sechs Monate in Venedig zu warten, um in eine Laufbahn einzutreten, die mich vielleicht auf den päpstlichen Stuhl führen konnte. Ich sah alles in rosenrotem Licht, und mein Geist erhob sich strahlend in die Himmelslüfte: ich baute die wundervollsten Luftschlösser.

Um die Mittagszeit ging ich zu Herrn Grimani, wo ich neben Razzetta sitzen mußte – für mich eine unangenehme Gesellschaft; ich tat während der ganzen Mahlzeit, als sehe ich ihn nicht. Nach dem Essen begab ich mich zum letztenmal nach meinem schönen Hause in San Samuele; von dort ließ ich mit einer Gondel alle mir gehörenden Sachen nach meiner neuen Wohnung bringen.

Fräulein Tintoretta, die ich nicht persönlich kannte, über deren Lebenswandel und Charakter ich aber ganz gut Bescheid wußte, war eine mittelmäßige Tänzerin, weder schön noch häßlich, aber ein geistreiches Mädchen. Der Fürst von Waldeck gab viel Geld für sie aus, aber er hatte nichts dagegen, daß sie ihren früheren Beschützer beibehielt; dies war ein edler Venezianer aus der jetzt erloschenen Familie Lin; er war damals sechzig Jahre alt und hielt sich den ganzen Tag bei ihr auf.

Dieser vornehme Herr, der mich kannte, kam am Abend zu mir mit einem Kompliment von seiten des Fräuleins, das mir sagen ließ, sie sei entzückt, mich in ihrem Hause zu haben, und es würde ihr Vergnügen machen, wenn ich ihre Gesellschaft besuchen wollte.

Ich entschuldigte mich bei Herrn Lin, ich hätte nicht gemußt, daß ich in ihrem Hause wäre, denn Herr Grimani hätte mir nichts hiervon gesagt; sonst würde ich es mir zur Pflicht gemacht haben, ihr meine Aufwartung zu machen, bevor ich noch meine Wohnung bezogen hätte. Nach diesen Entschuldigungen folgte ich dienstwillig dem Botschafter, der mich seiner Mätresse vorstellte, und die Bekanntschaft war gemacht.

Sie empfing mich wie eine Prinzessin, zog ihren Handschuh aus, um mir die Hand zum Kuß zu reichen, und nannte meinen Namen fünf oder sechs anwesenden fremden Herren, deren Namen sie mir einen nach dem andern sagte; hierauf ließ sie mich an ihrer Seite Platz nehmen. Sie war Venezianerin, und ich fand es daher lächerlich, daß sie französisch sprach. Ich sagte ihr also, diese Sprache verstände ich nicht und bäte sie, mit mir italienisch zu sprechen. Erstaunt, daß ich nicht französisch verstände, sagte sie mir mit etwas gekränkter Miene, ich würde bei ihr eine schlechte Figur machen; denn in ihrem Hause würde fast gar keine andere Sprache gesprochen, da sie viele Ausländer empfinge. Ich versprach ihr, es zu lernen. Eine Stunde darauf kam der Fürst; sie stellte mich vor, und er war gegen mich sehr liebenswürdig. Er sprach sehr gut italienisch und war während des ganzen Karnevals über alle Maßen huldvoll zu mir. Gegen Ende des Karnevals schenkte er mir eine goldene Tabaksdose zur Belohnung für ein sehr schlechtes Sonett, das ich auf seine schöne Margherita Grizellini gemacht hatte. Dies war der Familienname der Tintoretta, die ihren Spitznamen davon hatte, daß ihr Vater Färber gewesen war.

Die Tintoretta hatte viel mehr Eigenschaften als Giulietta, um vernünftige Menschen zu fesseln. Sie liebte die Poesie, und hätte ich nicht auf meinen Bischof gewartet, so würde ich mich in sie verliebt haben; sie selber liebte einen jungen Arzt, einen ausgezeichneten Menschen, namens Righellini, der in der Blüte seiner Jahre gestorben ist und um den ich noch jetzt trauere. Zwölf Jahre später werde ich Gelegenheit halben, von ihm zu sprechen.

Gegen das Ende des Karnevals schrieb meine Mutter dem Abbate Grimani, es wäre unanständig, wenn der Bischof mich bei einer Tänzerin wohnen fände; er entschloß sich daher, mir eine anständige und würdige Unterkunft zu verschaffen. Er beriet sich darüber mit dem Pfarrer Tosello, und die beiden Herren wußten nichts Schöneres zu tun, als mich in ein Seminar zu bringen.

Dies alles wurde ohne mein Wissen verabredet, und der Pfarrer übernahm es, mir die Nachricht beizubringen und zugleich mich zu bereden, gutwillig hinzugehen. Als ich ihn aber in seinem beruhigenden Tone sprechen hörte, der mir die Pille vergolden sollte, da mußte ich unwillkürlich laut auflachen; es wird ihn gewiß gewaltig überrascht haben, als ich ihm sagte, ich sei bereit überall hinzugehen, wohin er mich zu schicken für gut befinde.

Der Einfall der beiden Herren war lächerlich; denn wie konnten sie daran denken, einen siebzehnjährigen Jüngling, und noch dazu einen Jüngling wie mich, in ein Seminar stecken zu wollen! Da ich aber keine Abneigung dagegen verspürte und wie immer meinem sokratischen Dämon folgte, die Sache außerdem mir spaßhaft vorkam, so willigte ich nicht nur ein, sondern es drängte mich sogar, recht bald da zu sein. Ich sagte Herrn Grimani, ich sei zu allem bereit, vorausgesetzt, das Razzetta sich nicht hineinmische. Dies versprach er mir; aber er hielt nicht Wort, sobald ich aus dem Seminar heraus war. Ich habe niemals entscheiden können, ob dieser Abbate Grimani gut war, weil er dumm war, oder ob seine Dummheit ein Mangel war, der seiner Güte anhaftete; aber alle seine Brüder waren von demselben Schlage. Das Glück kann einem geistvollen jungen Mann keinen böseren Streich spielen, als wenn es ihn von einem Dummkopf abhängig macht. Wenige Tage darauf ließ der Pfarrer mich Seminartracht anziehen und brachte mich nach San Cipriano auf Murano, um mich dem Rektor vorzustellen. Die Patriarchalkirche von San Cipriano wird von Somaskenmönchen bedient. Dieses ist ein Orden, den ein venezianischer Nobile, der selige Geronimo Emiliani, begründet hat. Der Rektor empfing mich sehr herzlich und liebenswürdig; aber aus der salbungsvollen Ansprache, die er an mich hielt, glaubte ich herauszuhören, daß er der Meinung war, man brächte mich ins Seminar, um mich zu bestrafen oder wenigstens um mich zu verhindern, einen anstößigen Lebenswandel fortzusetzen. Da dies mein Selbstgefühl verletzte, so beeilte ich mich ihm zu sagen: »Mein Vater, ich nehme nicht an, daß jemand die Kühnheit besitzt, mich bestrafen zu wollen.«

»Nein, nein, mein Sohn! Ich wollte nur sagen, Sie werden sich hier bei uns sehr wohl fühlen.«

Hierauf zeigte man mir in drei Sälen mindestens hundertundfünfzig Seminaristen, ferner zehn bis zwölf Schulzimmer, den Speisesaal, den Schlafsaal, die Gärten für die Freistunden; man gab sich die größte Mühe mir einzureden, ich würde an diesem Ort das glücklichste Leben finden, das ein junger Mensch sich nur wünschen könnte; ich würde bei der Ankunft des Bischofs bedauern, daß ich fort müßte. Zugleich aber redeten sie mir Mut ein, indem sie sagten, ich würde ja höchstens nur fünf oder sechs Monate dableiben. Ihre Beredsamkeit machte mich lachen.

Anfang März traf ich im Seminar ein, und ich bereitete mich darauf vor, indem ich die vorhergehende Nacht zwischen meinen beiden Freundinnen verbrachte, die ihr Bett mit reichlichen Tränen netzten: sie konnten ebensowenig wie ihre Tante und der gute Herr Rosa begreifen, daß ein junger Mann meines Schlages sich so willig fügte.

Am Tage vor meinem Eintritt ins Seminar war ich so vorsichtig gewesen, alle meine Papiere der Frau Manzoni zur Aufbewahrung zu übergeben. Es war ein dickes Paket, das ich erst fünfzehn Jahre später mir von der wackeren Dame habe zurückgeben lassen. Sie lebt noch jetzt, neunzig Jahre alt, und hat sich ihre gute Laune und ihre Gesundheit bewahrt. Sie empfing mich lachend und sagte mir, ich würde keinen Monat in meinem Seminar bleiben.

»O doch, verzeihen Sie, gnädige Frau! Denn ich gehe gerne hin, und ich werde dort auf meinen Bischof warten.«

»Sie kennen sich selber nicht, und Sie kennen auch Ihren Bischof nicht, bei dem Sie ebensowenig bleiben werden.«

Der Pfarrer begleitete mich in einer Gondel nach dem Seminar; aber bei San Michele mußte er anhalten lassen, weil ich plötzlich heftiges Erbrechen bekam; der Bruder Apotheker stellte mich mit Melissenwasser wieder her.

Dieser Schwächeanfall rührte ohne Zweifel davon her, daß ich zuviel Weihrauch auf dem Altar der Liebe verbrannt hatte. Ein Liebender, der weiß, was man empfindet, wenn man mit geliebten Wesen zusammen ist, die man zum letzten Male zu sehen fürchtet – ein solcher Liebender wird sich leicht vorstellen können, in welchem Zustande ich mich während der letzten Augenblicke befand, die ich mit meinen beiden Freundinnen verbringen zu können glaubte. Man will niemals, daß eine Opfergabe die letzte sei, und so hört man nicht eher auf zu opfern, als bis kein Weihrauch mehr vorhanden ist.

Der Pfarrer übergab mich dem Rektor, und man trug meine Sachen nach dem Schlafsaal, wohin ich mich ebenfalls begab, um Mantel und Hut abzulegen. Ich wurde trotz meiner Größe nicht der Klasse der Erwachsenen zugeteilt, weil ich noch nicht das vorgeschriebene Alter hatte. Nebenbei bemerkt trug ich damals aus Eitelkeit immer noch mein Flaumhaar, weil dieses ein unwiderleglicher Beweis meiner Jugend war; ohne Zweifel war das eine Lächerlichkeit – aber in welchem Alter hört der Mensch auf, lächerlich zu sein? Man legt leichter seine Laster ab, als seine Lächerlichkeiten. Die Tyrannei, unter der ich stand, ging nicht so weit, daß sie mich zwang, mich rasieren zu lassen; nur in diesem einzigen Punkt habe ich sie duldsam gefunden.

»In welche Klasse«, fragte mich der Rektor, »wollen Sie aufgenommen werden?«

»In die Dogmatik, ehrwürdigster Vater; ich will Kirchengeschichte lernen.«

»Ich werde Sie zum Pater Examinator führen.«

»Ich bin Doktor, Hochwürden, und ich will kein Examen bestehen.«

»Es ist notwendig, mein lieber Sohn; kommen Sie.«

Diese Notwendigkeit schien mir eine Beleidigung zu sein; ich war empört darüber; sofort aber beschloß ich mich zu rächen, indem ich sie anführte, und dieser Einfall gab mir meine gute Laune wieder. Ich antwortete so schlecht auf alle lateinischen Fragen des Examinators und machte so viele Sprachschnitzer, daß er sich genötigt sah, mich in die unterste Klasse, die Grammatik, zu schicken; so sah ich mich mit großer Befriedigung als Kameraden von zwanzig kleinen Jungen von zehn Jahren, die, sobald sie erfuhren, daß ich Doktor sei, unaufhörlich wiederholten: Accipiamus pecuniam et mittamus asinum in patriam suam! – Nehmen wir das Geld und schicken wir den Esel in seine Heimat zurück!

Die Erholungspause machte mir besonders viel Spaß; denn meine Schlafsaalkameraden, die alle mindestens in der philosophischen Klasse waren, sahen mich mit komischer Verachtung an; sie besprachen untereinander ihre erhabenen Thesen und machten sich über mich lustig, daß ich aufmerksam ihren Erörterungen zuhörte, die doch für mich ein vollkommenes Rätsel sein müßten. Ich dachte nicht daran, mich zu verraten; aber ein unausbleiblicher Zufall zwang mich, die Maske abzunehmen.

Der Somaskenmönch Vater Barbarigo vom Kloster della Salute in Venedig, bei dem ich Physikunterricht gehabt hatte, war zum Besuch beim Rektor; er sah mich, als wir aus der Messe kamen und machte mir tausend Komplimente. Die erste Frage, die er stellte, galt der Wissenschaft, mit der ich mich beschäftigte; und er glaubte, ich scherzte, als ich ihm antwortete, ich wäre in der Grammatikklasse. Der Rektor kam darüber hinzu, ich verabschiedete mich, und jeder ging in seine Klasse.

Eine Stunde später kommt der Rektor und ruft mich hinaus.

»Warum«, fragt er mich, haben Sie bei der Prüfung den Unwissenden gespielt?«

»Warum«, antwortete ich ihm, »haben Sie die Ungerechtigkeit begangen, mich einer Prüfung zu unterwerfen?«

Er machte ein etwas ernstes Gesicht, aber er brachte mich in die Dogmatikklasse, in die meine Schlafsaalgenossen mich mit großem Erstaunen eintreten sahen; am Nachmittag während der Erholungsstunde umringten sie mich alle, und jeder wollte mein Freund sein, so daß ich bald in heitere Stimmung geriet.

Unter ihnen war besonders einer, ein fünfzehnjähriger Jüngling – wenn er noch lebt, ist er jetzt Bischof – der mir durch sein schönes Gesicht und durch seine Geistesgaben auffiel. Er flößte mir eine lebhafte Freundschaft ein, und in den Erholungsstunden ging ich beständig nur mit ihm spazieren, anstatt mit den anderen Kegel zu schieben. Wir sprachen von Poesie und entzückten uns an den schönsten Oden des Horaz. Wir zogen Ariost dem Tasso vor und zollten Petrarca unsere ganze Bewunderung, wie dem Tassoni und Muratori, die ihn kritisiert hatten, unsere ganze Verachtung. In vier Tagen wurden wir so gute Freunde, daß wir aufeinander eifersüchtig waren und daß wir wie zwei richtige Liebhaber schmollten, wenn der eine den anderen verließ und mit einem Dritten ging.

Ein Laienbruder führte die Aufsicht über den Schlafsaal, und es war seine Aufgabe, die Ordnung darin aufrechtzuerhalten. Nach dem Abendessen begab die ganze Belegschaft unter Vortritt des Mönches, der Präfekt genannt wurde, sich nach dem Schlafsaal. Dort trat jeder an sein Bett, betete leise, zog sich aus und legte sich ruhig nieder. Sobald der Präfekt sah, daß alle Schüler zu Bett waren, legte auch er sich nieder. Eine große Laterne beleuchtete das Lokal, das ein Rechteck von achtzig zu zehn Schritt bildete. Die Betten waren in regelmäßigen Abständen aufgestellt, und am Kopfende jedes Bettes befand sich ein Betschemel, ein Stuhl und der Koffer des Seminaristen. An dem einen Ende des Saales befand sich die Waschvorrichtung, an dem anderen stand das Bett des Präfekten. Das Bett meines Freundes stand dem meinigen gegenüber und die Laterne befand sich gerade zwischen uns.

Es war die Hauptobliegenheit des Präfekten, aufzupassen, daß kein Schüler sich zu einem anderen ins Bett legte; denn man nahm an, daß ein solcher Besuch unmöglich unschuldig sein könne. Es galt als Kapitalverbrechen; das Bett war zum Schlafen da und nicht, um sich mit einem Kameraden zu unterhalten; es stand daher fest, daß ein Seminarist nur mit unmoralischen Absichten sich in ein anderes Bett legen konnte. Übrigens war er in seinem eigenen Bett vollkommen ungestört und eigner Herr; er konnte darin machen, was er wollte; um so schlimmer für ihn, wenn er mit dieser Freiheit Mißbrauch trieb. Man hat in Deutschland die Bemerkung gemacht, daß gerade in jenen Vereinigungsstätten junger Leute, deren Leiter sich besondere Mühe geben, die Onanie zu verhindern, das Laster besonders heftig auftritt.

Die Verfasser solcher Verordnungen waren unwissende Dummköpfe, die weder Natur noch Moral kannten. Die Natur hat Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen, und Tissot hat nur insofern recht, als feine Bemerkungen sich auf junge Leute beziehen, die ihre Freiheit mißbrauchen. Aber dieser Mißbrauch würde äußerst selten vorkommen, wenn die Direktoren klug und weise wären, und wenn sie es sich nicht einfallen ließen, ein besonderes Verbot dagegen zu erlassen; denn dann lassen die jungen Leute sich zu gefährlichen Ausschweifungen hinreißen aus bloßem Vergnügen am Ungehorsam; die Neigung dazu ist dem Menschen so natürlich, daß sie mit Adam und Eva begonnen hat.

In der Nacht des neunten oder zehnten Tages meines Aufenthaltes im Seminar fühlte ich, wie jemand sich neben mich in mein Bett legte. Er ergriff meine Hand, schüttelte sie und nannte mir seinen Namen; kaum konnte ich mir das Lachen verhalten. Es war mein Freund; er war aufgewacht, und da er die Laterne erloschen sah, war ihm die Laune gekommen, mir einen Besuch abzustatten. Einige Augenblicke später bat ich ihn zu gehen, denn ich fürchtete, der Präfekt könnte aufwachen; dann hätten wir uns in einer sehr großen Verlegenheit befunden, in der wir vielleicht irgendeines scheußlichen Verbrechens beschuldigt wurden. Im selben Augenblick, wo ich ihm diesen guten Rat gab, hörten wir Schritte; der Abbate schlüpfte aus meinem Bett; gleichzeitig aber hörte ich jemanden fallen und unmittelbar darauf den Präfekten brüllen: »Ha, Schurke! Morgen, morgen!« – Er zündete hierauf die Laterne wieder an und legte sich wieder zu Bett.

Am nächsten Morgen betrat, noch bevor die Glocke das Zeichen zum Aufstehen gab, der Rektor in Begleitung des Präfekten den Schlafsaal und sagte: »Hört mich alle an! Ihr wißt, was für eine Ungehörigkeit heute nacht vorgekommen ist. Zwei von euch müssen schuldig sein, aber ich will ihnen verzeihen, und um ihre Ehre zu schonen, verspreche ich, daß ihre Namen nicht bekannt werden sollen. Ihr alle werdet vor der Erholungspause zu mir kommen und mir beichten.«

Mit diesen Worten entfernte er sich, und wir standen auf. Nach dem Mittagessen gingen wir, seinem Befehle folgend, allesamt zu ihm und beichteten; hierauf begaben wir uns in den Garten, wo der Abbate mir erzählte, er habe das Unglück gehabt, gegen den Präfekten anzurennen, und habe sich nicht anders zu helfen gewußt, als indem er ihn umgestoßen habe; dadurch habe er die Zeit gewonnen, unerkannt sein Bett zu erreichen.

»Und jetzt», sagte ich ihm, »bist du der Verzeihung gewiß, denn du hast natürlich sehr vernünftigerweise deinen Fehltritt gebeichtet.«

»Du machst wohl Spaß!« antwortete mir mein Freund; »der gute Rektor hätte auch nicht mehr erfahren, als er jetzt weiß, selbst wenn mein Besuch bei dir sündhaft gewesen wäre.«

»Du hast also eine unvollkommene Beichte abgelegt, denn du warst auf alle Fälle des Ungehorsams schuldig.«

»Das ist möglich; aber dafür muß er sich an sich selber halten; denn er hat uns ja zur Beichte gezwungen.«

»Mein lieber Freund, was du da sagst, ist wundervoll logisch, und der hochwürdige Herr muß jetzt wissen, daß unsere Schlafsaalbelegschaft klüger ist als er.«

Die Geschichte wäre damit zu Ende gewesen, wenn ich nicht einige Nächte darauf Lust bekommen hätte, meinem Freund den schuldigen Gegenbesuch abzustatten. Gegen ein Uhr nach Mitternacht mußte ich einmal aufstehen; als ich den Präfekten schnarchen hörte, drückte ich schnell den Docht der Nachtlampe aus und legte mich zu meinem Freunde ins Bett. Er erkannte mich und freute sich ebenso wie ich über den gelungenen Streich; aber wir horchten beide aufmerksam auf das Schnarchen unseres Präfekten. Sobald er aufhörte zu schnarchen, bemerkte ich die Gefahr, stand auf und begab mich, ohne einen Augenblick zu verlieren, wieder in mein Bett; kaum aber lag ich drin, so hatte ich zwei Überraschungen für eine. Die erste bestand darin, daß an meiner Seite schon jemand lag; die zweite, daß ich den Präfekten im Hemd und mit einer Kerze in der Hand langsam durch den Saal gehen und rechts und links die Betten der Seminaristen mustern sah. Daß der Präfekt im Augenblick an einer Kapsel mit Schießpulver hatte eine Kerze anzünden können, begriff ich wohl; unbegreiflich aber war mir, was ich in meinem Bette sah! Da lag, den Rücken mir zugewandt, einer meiner Kameraden in tiefem Schlaf. Ich faßte den unüberlegten Entschluß, mich ebenfalls schlafend zu stellen. Beim zweiten oder dritten Stoß, den der Präfekt mir gab, tat ich, als wachte ich auf, und der andere wurde wirklich wach. Erstaunt, sich in meinem Bett zu sehen, entschuldigte er sich mit den Worten: »Ich habe mich geirrt; ich kam im Dunkeln von einem gewissen Ort zurück, fand Ihr Bett leer und hielt es für das meinige.«

»Das ist wohl möglich,« antwortete ich ihm, »denn ich habe ebenfalls aufstehen müssen.«

»Aber«, sagte der Präfekt, »wie kommt es denn, daß Sie sich in Ihr Bett gelegt haben, ohne ein Wort zu sagen, als Sie Ihren Platz schon besetzt fanden? Da Sie im Dunkeln waren, hätten Sie doch vermuten müssen, daß Sie sich im Bette geirrt hätten.«

»Ich konnte mich nicht täuschen; denn als ich herumtastete, berührte ich das Fußende dieses Kruzifixes, und dadurch wurde jeder Zweifel beseitigt; den Schüler aber habe ich überhaupt nicht bemerkt.«

»Das ist nicht wahrscheinlich!« erwiderte der Argus; und mit diesen Worten ging er an die Lampe heran, deren Docht er ausgedrückt fand.

»Der Docht schwimmt im Öl, meine Herren; die Lampe ist nicht von selber ausgegangen; das hat einer von Ihnen getan. Morgen werden wir das Weitere sehen.«

Mein Dummkopf von Kamerad entfernte sich und legte sich in sein Bett. Der Präfekt zündete die Lampe wieder an und ging ebenfalls wieder zu Bett. Nach diesem Auftritt, bei dem der ganze Saal wach geworden war, schlief ich ruhig wieder ein und schlummerte, bis mit dem Morgengrauen der Rektor in Begleitung seines Trabanten, des Präfekten, mit wütendem Gesicht bei uns eintrat.

Der Rektor machte zunächst eine Ortsaufnahme des Tatbestandes und hielt ein langes Verhör mit meinem Mitangeklagten ab, der natürlich als Hauptschuldiger dastand, sowie auch mit mir, der ich niemals überführt werden konnte; dann ging er hinaus, indem er befahl, wir alle sollten uns anziehn und in die Kirche gehen, um die Messe zu hören. Sobald wir fertig waren, trat er wieder ein und sagte zu uns beiden in sanftem Ton: »Sie sind überführt, in sträflichem Einverständnis mit einem anderen gewesen zu sein; denn sonst hätte die Lampe nicht ausgelöscht sein können. Ich will glauben, daß die Ursache dieser ganzen Ungehörigkeit entweder ganz unschuldig war oder doch wenigstens nur von einer großen Unbedachtsamkeit herrührte; aber es ist dadurch dem ganzen Schlafsaal ein Ärgernis gegeben worden, der Gehorsam ist verletzt und die Hausordnung gestört worden. Dies erheischt eine Sühne. Gehen Sie hinaus!«

Wir gehorchten; kaum aber befanden wir uns zwischen den beiden Türen des Schlafsaals, so ergriffen uns vier Bediente, banden uns die Hände auf dem Rücken zusammen und führten uns in den Saal zurück, wo sie uns vor dem großen Kruzifix niederknien ließen.

Sobald wir uns in dieser Stellung befanden, sagte der Rektor ihnen, sie sollten seinen Befehl ausführen, und die Trabanten versetzten einem jeden von uns sieben bis acht Hiebe mit einem Strick oder Stock, die ich, ebenso wie mein dummer Kamerad, ohne einen Klagelaut hinnahm. Sobald man mich aber losgebunden hatte, fragte ich den Rektor, ob ich auf der Stelle, am Fuße des Kruzifixes, zwei Zeilen schreiben dürfte. Er ließ mir sofort Tinte und Papier bringen, und ich schrieb folgendes nieder:

»Ich schwöre vor diesem Gott, daß ich niemals ein Wort mit dem Seminaristen gesprochen habe, den man in meinem Bett gefunden hat. Meine Unschuld erheischt daher, daß ich Protest erhebe und mich wegen dieser gemeinen Vergewaltigung an Seine Gnaden den Patriarchen wende.«

Mein Leidensgenosse unterschrieb mit mir diesen Protest; hierauf wandte ich mich an alle anwesenden Schüler, las ihnen unsere Erklärung vor und forderte sie auf, der Wahrheit gemäß zu sagen, ob jemand das Gegenteil von dem behaupten könne, was ich niedergeschrieben habe. Sofort riefen alle wie aus einem Munde, man habe uns niemals miteinander sprechen sehen, und man könne nicht wissen, wer die Lampe ausgelöscht habe. Der Rektor wurde verhöhnt und ausgepfiffen und entfernte sich, ohne ein Wort vorzubringen; trotzdem aber schickte er uns ins Karzer im fünften Stock, wo wir in zwei getrennten Zellen saßen. Eine Stunde später brachte man mir meinen Koffer, mein Bett und alle meine Sachen, und jeden Tag wurde mir mein Essen hinaufgetragen. Am vierten Tage erschien Pfarrer Tosello mit dem Befehl, mich nach Venedig zu bringen. Ich fragte ihn, ob er über meine Angelegenheit unterrichtet sei; er antwortete mir, er habe schon mit dem anderen Seminaristen gesprochen, wisse also alles und halte uns für unschuldig; der Rektor wolle aber kein Unrecht haben, und er wisse daher nicht, was dabei zu machen sei.

Ich warf meine Seminaristentracht ab und legte die Kleider an, die ich in Venedig getragen hatte. Während meine Sachen auf einen Kahn geladen wurden, stieg ich in die Gondel des Herrn Grimani, mit der der Pfarrer gekommen war, und wir fuhren ab. Unterwegs sagte der Pfarrer dem Kahnführer, er solle meine Sachen im Palazzo Grimani abladen; hierauf erklärte er mir, er habe auf Befehl des Abbate bei der Landung in Venedig mir zu sagen: Wenn ich jemals die Kühnheit besitzen sollte, mich bei ihm einzufinden, so hätten seine Bedienten Befehl, mich hinauszuwerfen.

Beim Jesuitenkloster setzte er mich an Land; ich hatte keinen Soldo und besaß absolut nichts anderes, als was ich auf dem Leibe trug.

Zum Mittagessen begab ich mich zu Frau Manzoni, die von Herzen lachte, als sie sah, daß ihre Prophezeiung in Erfüllung gegangen war. Nach dem Essen ging ich zu Herrn Rosa, um auf gesetzlichem Wege gegen die Tyrannei vorzugehen; nachdem er den Fall angehört hatte, versprach er mir, am Abend zu Frau Orio einen Antrag auf außergerichtliche Erledigung mitzubringen. Ich begab mich zu der Dame, um ihn dort zu erwarten und mich an der Überraschung zu weiden, die ich meinen reizenden beiden Freundinnen bereiten würde. Die Überraschung war wirklich sehr groß, und die Erzählung meiner Erlebnisse erstaunte sie nicht minder, als meine Anwesenheit. Herr Rosa kam und gab mir die von ihm aufgesetzte Eingabe zu lesen, die er aber wegen der Kürze der Zeit noch nicht hatte notariell beglaubigen lassen; er versprach mir jedoch, am nächsten Morgen würde er alles in Ordnung bringen.

Zum Abendessen ging ich zu meinem Bruder Francesco, der bei einem Maler namens Guardi in Pension war; die Tyrannei bedrückte ihn wie mich; aber ich versprach ihm, ihn davon zu befreien. Gegen Mitternacht suchte ich meine beiden liebenswürdigen Schwestern auf, die mich mit zärtlicher Ungeduld erwarteten; aber – ich muß es in aller Demut gestehen – der Kummer, den ich empfand, tat der Liebe Eintrag, trotz meiner vierzehntägigen Abwesenheit und Enthaltsamkeit. Mein Kummer tat ihnen leid, und sie beklagten mich von ganzem Herzen. Ich tröstete sie mit der Versicherung, das würde vorübergehen, und die verlorene Zeit ließe sich wieder einholen.

Da ich nicht wußte, wohin ich meine Schritte lenken sollte, und keinen Heller in der Tasche hatte, ging ich in die Bibliothek von San Marco, wo ich bis Mittag blieb. Dann ging ich, in der Absicht, bei Frau Manzoni zu Mittag zu essen; aber als ich aus der Tür trat, wurde ich von einem Soldaten angeredet, der mir sagte, ein Herr in einer Gondel – die er mir zeigte – wünsche mit mir zu sprechen. Ich antwortete ihm, wenn jemand mit mir zu sprechen wünsche, so brauche er nur zu kommen. Er versetzte mir jedoch in freundlichem Tone, er habe noch einen Kameraden da, um mich mit Gewalt hinzubringen; ohne Zögern ging ich nun zur Gondel. Ich hatte einen Abscheu vor Skandal und schämte mich vor der Öffentlichkeit. Ich hätte Widerstand leisten können; die Soldaten waren nicht bewaffnet, und man würde mich nicht verhaftet haben; denn auf solche Art und Weise jemanden zu verhaften, war in Venedig nicht erlaubt. Aber ich dachte nicht daran. Mein Wahlspruch: Sequere deum mischte sich hinein; auch verspürte ich kein inneres Widerstreben. Außerdem gibt es Augenblicke der Abspannung, wo der Mutige nicht mutig ist oder es nicht sein will.

Ich steige in die Gondel ein; man zieht den Vorhang zur Seite, und ich sehe meinen bösen Genius, Razzetta, und einen Offizier. Die beiden Soldaten nehmen im Vorderteil Platz; ich erkannte die Gondel des Herrn Grimani; sie stieß vom Ufer ab und schlug die Dichtung nach dem Lido ein. Da die beiden Herren mir kein Wort sagten, so beobachtete ich das tiefste Schweigen. Nach einer halben Stunde hielt die Gondel an der Nebenpforte des Forts Sant' Andrea, das am Eingang in das Adriatische Meer genau an der Stelle liegt, wo der Bucentoro hält, wenn am Himmelfahrtstage der Doge von Venedig sich mit dem Meere vermählt.

Die Schildwache ruft den Korporal, wir steigen aus, und der begleitende Offizier stellt mich dem Major vor, dem er gleichzeitig einen Brief übergibt. Dieser liest den Brief und befiehlt sodann seinem Adjutanten, Herrn Zeno, mich in die Wachtstube zu bringen. Eine Viertelstunde später sah ich meine Begleiter wieder abfahren, und Herr Zeno brachte mir dreieinhalb Lire, indem er mir sagte, soviel würde ich jede Woche erhalten. Es war genau die Löhnung eines gemeinen Soldaten.

Ich verspürte in mir keinen Zorn, aber ich war durchdrungen vom stärksten Unwillen. Gegen Abend ließ ich mir etwas zum Essen kaufen, um nicht vor Hunger zu sterben; hierauf streckte ich mich auf das Feldbett aus und verbrachte die ganze Nacht inmitten der Soldaten, ohne ein Auge zu schließen; denn diese Slavonier sangen unaufhörlich, aßen Knoblauch, rauchten einen schlechten Tabak, der die Luft verpestete, und tranken slavonischen Wein, der schwarz wie Tinte ist und den nur diese Leute trinken können.

Am nächsten Morgen, zu sehr früher Stunde, ließ Major Pelodoro – so hieß der Kommandant des Forts – mich zu sich kommen und sagte mir: indem er mich die Nacht in der Wachtstube habe verbringen lassen, habe er nur dem Befehl gehorcht, den er aus Venedig vom Kriegsminister, dem sogenannten »Weisen der Schrift« erhalten habe. »Jetzt, Herr Abbate,« fuhr er fort, »habe ich weiter keinen Befehl, als Sie innerhalb des Forts in Arrest zu halten und für Sie aufzukommen. Ich weise Ihnen also als Gefängnis die ganze Festung an. Sie werden ein gutes Zimmer haben und darin Ihr Bett und Ihren Koffer finden. Spazieren Sie herum, wo es Ihnen beliebt, und bedenken Sie, daß Sie mich ins Unglück stürzen würden, wenn Sie entflöhen. Es tut mir leid, daß man mir vorgeschrieben hat, Ihnen täglich nur zehn Soldi zu geben; aber wenn Sie in Venedig Freunde haben, die Ihnen Geld geben können, so schreiben Sie an diese, und verlassen Sie sich auf mich: Ihre Briefe werden sicher bestellt werden. Nun legen Sie sich zu Bett, falls Sie es nötig haben sollten.«

Man führte mich in ein Zimmer; es war schön, lag im ersten Stock und hatte zwei Fenster mit einer prachtvollen Aussicht. Ich fand mein Bett und meinen Koffer, der, wie ich mit Vergnügen sah, nicht erbrochen worden war; die Schlüssel hatte ich bei mir. Der Major war so aufmerksam gewesen, auf meinen Tisch alles zum Schreiben Notwendige legen zu lassen. Ein slavonischer Soldat kam und sagte nur höflich, er würde mich bedienen und ich möchte ihn bezahlen, sobald ich könnte; es war allgemein bekannt, daß ich nur zehn Soldi hatte. Zunächst ließ ich mir eine gute Suppe bringen und nachdem ich diese gegessen hatte, legte ich mich zu Bett und hatte einen tiefen Schlaf von neun Stunden. Bei meinem Erwachen ließ der Major mich zum Abendessen einladen; ich sah nun, daß es mir gar nicht übel gehen würde.

Ich begab mich zum wackeren Major, bei dem ich eine große Gesellschaft versammelt fand. Nachdem er mir seine Gattin vorgestellt hatte, nannte er mir alle Anwesenden. Die Gesellschaft bestand aus mehreren Personen: dem Beichtvater der Festung, dem Organisten der Kirche von San Marco, namens Paolo Vida, und seiner hübschen Frau. Sie war die Schwägerin des Majors, und ihr Mann ließ sie im Fort wohnen, weil er sehr eifersüchtig war, und die Eifersüchtigen sind in Venedig immer schlecht untergebracht. Außerdem waren noch einige andere Damen da, die nicht mehr jung waren, die ich aber reizend fand, weil sie mich liebenswürdig behandelten.

Ich war von Natur lustig, und so versetzte die angenehme Tischgesellschaft mich bald in gute Laune. Da alle den Wunsch aussprachen, Genaueres über die Gründe zu hören, die Herrn Grimani veranlaßt hätten, mich einsperren zu lassen, so erzählte ich ihnen der Wahrheit gemäß alles, was mir seit dem Tode meiner guten Großmutter begegnet war. Mein Bericht dauerte drei Stunden, und ich erzählte ohne Bitterkeit; ja ich gab sogar gewissen Dingen, die in anderer Darstellung hätten mißfallen können, eine scherzhafte Wendung. Die Gesellschaft hörte mir mit der größten Teilnahme zu, und beim Abschied versicherten alle mich ihrer Freundschaft und boten mir ihre Dienste an. Solches Glück ist mir bis zu meinem fünfzigsten Jahr immer zuteil geworden, wenn ich mich in Bedrängnis befand. Sobald ich ehrenwerte Menschen fand, die den Wunsch hatten, die Geschichte des Unglücks kennenzulernen, das mich zu Boden drückte, brauchte ich es ihnen nur zu erzählen, um ihnen Freundschaft einzuflößen und die Teilnahme zu erwecken, die ich brauchte, um sie mir günstig zu stimmen und sie mir nützlich zu machen.

Um dies zu erreichen, brauchte ich keinen weiteren Kunstgriff, als daß ich die Sache einfach und genau so, wie sie war, erzählte, und dabei auch Umstände, die mir schädlich sein konnten, nicht verschwieg. Dies ist ein Geheimnis, das nicht alle Menschen anzuwenden wissen, weil die Menschheit zum größten Teil aus Feiglingen besteht und weil man Mut haben muß, um immer wahr zu sein. Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß die Wahrheit ein Talisman von unfehlbarem Zauber ist, vorausgesetzt, daß man sie nicht an Schelme vergeudet. Ich glaube, ein Schuldiger, der sie einem rechtlich denkenden Richter offen einzugestehen wagt, wird leichter freigesprochen als ein Unschuldiger, der Winkelzüge macht. Aber wohlverstanden: der Erzähler muß jung sein oder zum mindesten in der Blüte der Jahre stehen; denn ein alter Mensch hat die ganze Natur zum Feinde.

Der Major machte viele Witze über den Bettbesuch des Seminaristen und meinen Gegenbesuch; aber der Beichtvater und die Damen schalten ihn deshalb. Er riet mir, meine ganze Geschichte dem »Weisen der Schrift« einzureichen; er werde sie ihm übergeben, und er versicherte mir, daß der Weise mich in seinen Schutz nehmen werde. Alle Damen redeten mir zu, diesen Rat zu befolgen.

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