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Epipsychidion / Introibo

Stanislaw Przybyszewski: Epipsychidion / Introibo - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDe profundis und andere Erzählungen
authorStanislaw Przybyszewski
year1990
publisherIgel Verlag
addressPaderborn
isbn3-927104-04-3
titleEpipsychidion / Introibo
pages73-76
created20040216
sendergerd.bouillon
firstpub1900
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Stanislaw Przybyszewski

Epipsychidion


Das von uns Beiden,
erträumte, erdichtete und erlebte Buch
Dir, Dagny, zu eigen.

Introibo

Die Du mir mit lichttrunkenen Fingern die Schönheit welkender Herbsttrauer, den müden Glanz lustsatter Pracht, die fiebernden Farben sonnenzerfressener Paradiese in meine schweren Träume verwebst –

Geliebte –

viele Monde sind gegangen, seit ich Dich gesehen, aber noch immer glänzt mein Herz über den Sternen, die Du in mein Leben gesät; noch immer wachsen aus meinem Blut Hände, ringend, flehend nach dem Glück, das Du mir einst entfacht.

 

Die Du mir im Dämmerungsdunkel mit leisen Händen auf verwunschenen Harfen ein irres Gewebe nie geahnter Melodien spinnst: von seligen Stunden, die wie ein fernes Echo verwehen; von Sonnen, die versinkend ihre schlaftrunkene Glut über die Meere gießen; von Nächten, die mit weichen Flügeln das kranke Herz umfangen –

Geliebte –

viele Monde sind gegangen, seit Du mir meine tiefste Trauer und mein schwerstes Glück gesungen, aber noch immer seh' ich im Dämmerungsdunkel deine Augen im weltfremden Schmerze tränen, und eine leuchtende Hand seh ich, die sich gespenstisch aus dem Dunkel zu mir herüberschiebt und im flackernden Verzweiflungsschrei die meine umspannt.

 

Die Du mir den Tag zur Nacht umwandelst, in dunklen Gründen mein Licht verlöschest, alle Weiten mir nahe rückst und alle Nähen in unendliche Fernen breitest – die Du mir im Herzen trübe Irrlichter entflammst und schwarze Traumblüten züchtest –

Geliebte –

viele Monde sind gegangen, seit Dein letzter Blick in mein Blut sich schmerzlich wühlte, und immer seh ich Dein mondlichtblasses Gesicht, die goldne Krone von seidnen Haaren um Deine Stirn, und in das kranke Lächeln seh ich zwei Tränen schwer und langsam unter den langen Wimpern fließen, und Deine Stimme hör ich, wie sie mir ins Herz ihr düsteres Leid blutet.

 

Die Du mir die Siegel aller Heimlichkeiten erbrichst und mir die heiligen Runen verborgener Kräfte deutest, und nach allen Stürmen des Lebens Dich immer von neuem wie ein Regenbogen von einem Himmel der Gnade zum anderen über meinem Gramgeschick entspannst –

Geliebte –

nie noch sah ich meine Sterne in so wilden Stürmen über den Himmel schießen; nie noch hat meine Seele ihre Flügel weiter nach Dir entschwungen; nie haben meine Arme sich schmerzlicher nach Dir gebreitet; nie noch sah ich die Glorie, die meine Sehnsucht um Dein Haupt entfacht, so blutig flackern, wie jetzt, da Du mir in den Ozeanen der Ewigkeit versunken bist.

Geliebte!

Hier meine Träume! Um Deine Füße winde ich die Kränze, die mein schweres Glück geflochten –

Hier mein Herz – mein Herz! In Deine Hände leg ich mein Herz!


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