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Friedrich Gottlieb Klopstock: Epigramme - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Gottlieb Klopstock
titleEpigramme
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F. G. Klopstock

Epigramme

1. Gegenseitige Wirkung.

Ist dein Gedank' erhaben, dann macht er edler dein edles Wort und zugleich erhöht dieses den rhythmischen Ton. Aber, ist dein Wort ein gemeines, so sinkt der erhabene Sinn, und solcherlei Wort schwächt auch die metrische Kraft.

2. An einige Verurtheiler des deutschen Hexameters.

Sonderbar, daß Homers Hexameter, der mit so vieler Würde jetzt herwandelt und jetzt des eilenden Adlers Fittige schwinget, daß der auch oft mit Pyrrhichien hüpfet Und zu halben Pyrrhichien selbst Hauptworte verkleinelt. Kritiker, fällt's euch nicht auf, daß von Diesem ihr schweigt, wenn der Deutschen Liedern ihr den Gang des sanften Amphibrachys vorwerft? –

3. Überlebung.

Langsam reift die Entscheidung der Nachwelt über ein Kunstwerk. Aber was bringet sie öfter zur Reife? Ist es der Ausspruch Derer, die schreiben? oder ist es der Redenden Urtheil? Ueberlebt hab' ich der Unsterblichkeiten nicht wenig, Welche die Presse verhieß, und der Ungedruckte belachte.

4. Nach Horaz.

Denkt euch den Kupferstich von einem Gemälde, der ähnlich Wäre 'ner gallischen Dolmetschung aus dem Dichter Achäa's, Eben so gäbe, wie sie, des Eigenen, eben so nähme Und das Gelassene dann in gewähnter Verschönerung zeigte. Könnet ihr, Freunde, Dies denkend, euch des Lachens enthalten?

5. Der doppelte Mitausdruck.

»Silbenmaß, ich weiche dir nicht, behaupte mich, ziehe Dir mich vor!« »Wohlklang, ich liebe das Streiten nicht. Besser Horchen wir Jeder mit wachem Ohr dem Gesetz und vereinen Fest uns. Wir sind alsdann die zweite Seele der Sprache.«

6.

O der Theoreien für Dichtende, welche die deutschen Krittler Jahr aus Jahr ein aus der Luft uns greifen, die heiter Wenigstens doch sein sollte! und o der gegängelten Dichter, Welche für Tempel die Lehrgebäud' aus nebliger halten.

7.

Daß ihn etwas bewege, Dies ist das heißeste Dürsten Unsers Geistes: er liebt Alles, was so ihn erquickt. Darum nennen schön, was gerngefühlt und beweget, Und erhaben Das, was uns am Mächtigsten trifft. Suchet ihr andere Quellen des Schönen und des Erhabnen: So befürcht' ich, daß ihr euch in dem Sande verliert.

8.

Leiserer, lauterer Mitausdruck der Gedanken des Liedes Sei die Bewegung des Verses. So oft er diesem Gesetz nicht Treu und hold ist, gehet er nur, um zu gehn; und verirrter Tritt er einher, wenn er gar anwandert gegen den Inhalt. Doch stets treuen Gehorsam verbieten nicht wenige Worte Und die Stellungen, welche der Sinn und die Leidenschaft ordnen, Auch Gedanken, die dem Verein mit Bewegung sich weigern. Deutsche, strebet, ihr könnt's, nach dem Kranze der seltensten Untreu.

9. An Boileau's Schatten.

Jede der Sprachen ist arm, die von Dem, was am Schönsten der Alte Sagte, nur stammelt, sobald sie zu ihm dolmetschend sich aufschwingt. Neben dieser Dürftigkeit drückt noch ein anderer Mangel, Wenn sie die besten Gedanken des Neueren auch nur lallet Oder, erliegend der Noth, mit gewähnter Verschönerung trillert. Siehet der Sprachen eine nun gar auf die deutsche bei dieser Doppelten Kümmerlichkeit herab mit dem Blicke des Stolzes: Soll die deutsche vielleicht sich versagen das Lächeln des Mitleids? Zahllos sind die Exempel, die von der Verbildung der Alten In Dolmetschungen zeugen; doch dir genüget an einem: Denn dich hat Apollo gelehrt, und du kennest Dies alles. Höre denn! Dort vergleichet Virgil der Nachtigall Klage Mit der Klage Deß, den Eurydice liebte. Wir trauen Kaum dem Ohre, so ist uns der Ton des Römers verhallet. Schweige, Rhapsode, nur auch: denn Delille schweiget den Alten.

10. Wundercur.

Neben den Helden im Epos sind allegorische Götter Kinder, die, was sie auch thun, untheilnehmend wir sehn. Macht ihr im Staat die Vernunft zu 'ner Göttin: so helfe der Arzt euch, Wenn er dies Schwere vermag, wieder zu der Vernunft.

11. Lob der Becheidenheit.

Schamlos scheint dir zu sein, wer sich nicht nennt, wenn er meistert; Sei doch billig und schmäh seine Bescheidenheit nicht! »O, ich habe mich gröblich geirrt: denn wie könnte wol schamlos Der sein, welcher sogar seines Namens sich schämt.«

12. Popens vermuthliche Reue.

Jahre lang schwieg Pope und ließ von den Krit'kern sich lehren; Endlich brach er hervor, stellte dem Lacher sie hin. Zeigt' er hier Stärke des Geistes? Wenn's Schwäche nicht war, was er zeigte: War es Herablassung, die er nicht stets sich verzieh.

13. Die Antwort der Sängerin.

Freundin, was ist Gesang? »Gesang ist, wenn du nur hörest, Ernst wirst oder weinst, oder dich inniger freust. Arien all der Bravura sind nur Schulübungen, die man Hält, zu lernen des Tons Bildungen für den Gesang.« Also ist nicht Gesang die Bravura? »Sie sammelte schöne Farben in Massen mit Kunst; aber hat sie gemalt?«

14.

Seid ihr nicht anspruchslos, so seid ihr stolz und vielleicht gar Eitel: euer Verdienst könnte wol zweifelhaft sein.

15. Die beiden Gesetze.

Heilig ist das Gesetz, so dem Künstler Schönheit gebietet; Heiliger ist, das oft auf Edles gründet das Schöne. Ganz ist das erste Dem nicht bekannt, der das zweite verkennet.

16. An die Ausleger der Alten.

Winckelmann erklärt die Werke der zeichnenden Künste, Ihr der redenden. (Leicht wird das Herz von jenen berühret; Diese durchdringen's.) Wofern' ihr ihn zum Muster euch wählet, Werdet ihr uns mit Geschmack die neuen Bemerkungen sagen, Werdet von Mäoniden ihr reden im anderen Tone, Denn Aristarch. Doch gewarnt seid vor Einem auch: Lasset Euch nicht, wie Winckelmann, von dem wachenden Phantasos täuschen.

17. An ....

Als ihr von dem Genie die Sittlichkeit sondertet, trenntet Von der lebendsten Kraft, welche die Seele durchglüht, Jene Nährerin des heiligen Feuers – o, wißt ihr Auch, was ihr thatet? Ihr habt einen Tempel beraubt!

18.

Nun das hunderte Mal gesagt und nicht zu dem Lachen, Weniger noch zum Lächeln ist, was noch jetzt in Satiren Scherzen will, spaßt. Sie lese der Unbelesene, der sich Gern die Seiten hält und ausschlägt lautes Gelächter.

19.

Bildsamkeit ist ein Hauptzug, der die Sprache der Deutschen Unterscheidet. Die Freiere darf nicht Satzungen folgen, Die zur gegängelten Sklavin sie erniedrigen würden. Aber die weise Bildnerin liebt auch Winke des Urtheils.

20.

Widriger sind mir die redenden, als die schreibenden Schwätzer: Diese leg' ich weg; jenen entflieh' ich nicht stets.

21. Was man fordert.

»Sage, was nennst in den Werken der Kunst du Vollendetes?« Gut muß Jeder Theil und harmonisch mit den andern vereint sein. »Hat ein Künstler gelebt, der so hoch stieg?« Keiner. Man will nur Ueberall sehn, er habe nach Vollendung gerungen.

22.

Du, Gedanke, bist der Gebieter. Die folgsame Sprache Ist dir getreu und hold. Sie ist der edelsten Worte Geberin, ist der engsten bedeutendsten Wortvereinigung Geberin in dem Gedicht'. Ihr dient mitsingend der Wohlklang, Ihr mitsingend das Silbenmaß. Doch, wenn Einer der Lezten Herrscher wird, so verwundet die Sprache dieser Empörer; Bleich durch den Dolchstoß sinkt sie; mit ihr der entnervte Gedanke.

23. Der Ausdruck der Leidenschaften.

Von der leisesten an der Empfindungen bis zu der stärksten Leidenschaft steiget der Weg immer steiler empor, Ist für den Dichter der schwerste. Geleitet ihn, all' ihr gute Geister der Schönheit! Denn gehn muß er ihn sicheren Tritts. Manches wird ihm verziehn; doch hier verzeihen ihm Keine Niemals, wenden sich weg, folgen dem Wankenden nicht. Schrecket euch Dieses nicht, so ahnet mich, Dichter, der Lorbeer, Welchem ihr auch nur naht, ihn zu berühren, verwelkt.

24.

Schreckendes darf der Künstler, allein nichts Scheußliches bilden. Angelo, hat dich vielleicht der Zeichner Tucca belogen?

25. Sic se servavit Apollo.

Eine Sprache gehet; die andre fliegt. Den Apollo Blendet hier nichts, denn er liebt staubige Wanderung nicht. Jede der Sprachen, welche sich bildeten, meint, daß sie fliege; Aber Apollo kömmt, wenn sie es wähnet, ihr nicht, Wie sie auch rufe. Zuletzt wird erweicht, wie es scheint, der Betäubte, Weigert sich länger nicht mehr; aber er schickt sein Phantom.

26. Das Lächeln und die Lache.

Was von der Griechen Geist du für Schild'rung doch pinselst! Mit welcher Miene, wenn er sie säh, blickte wol Xenophon hin. Nicht mit Lächeln, wie Xenophon, mit lautwerdender Lache Würd' Archilochos sie und Aristophanes sehn.

27. Der Scheideweg.

Ist die Dichtkunst Ernst: so gehet sie nahe das Herz an, Freuet, entflammet Den, welcher zu handeln versteht. Wenn sie scherzet: so ist sie Belustigerin und umflattert Nur die Phantasie, schwebet zum Herzen nicht hin. Wähle, Jüngling, du stehst an dem Scheideweg', und du weißt es, Was der griechische Held wählte, und was ihm gelang.

28.

Ihrer goldenen Zeit Nachwelt verwirf nur nicht alle Außer Racine'n. Sei, Deutscher, nicht hart und verschone das Schooßkind. Denn der Richtende kann, wie du weißt, auch allzugerecht sein.

29.

Aendernd den Bau des Staates ward man in Frankreich, in Deutschland Ahmte man nach und ward, ändernd ein Lehrgebäu, toll.

30.

Wie der Deutsche denkt von seinen Dichtern, Dies zeigt er Auch in der Sprache. Vordem hieß ihm der Dichter Poet. Jener edlere Name begann, da, wer sich Homers Kunst Weihte, nicht strebt' a poet, nicht un poe`te zu sein. Dauernder ist der Ausspruch, den ein Volk durch die Sprache, Als der, welchen durch euch, einzelne Kenner, es thut.

31.

Ganz, wie es ist, erblickt das Gemälde dein Auge: so höret Ganz, wie es ist, Glucks Zauber dein Ohr. Das ward dem Gedicht nicht. Denn vertraut mußt du sein mit des Dichtenden Sprache, mit jedem Einzelnen Tone, zu dem ihr Allgemeines er stimmte, Jedem Mitausdruck, den er zum Gespielen ihr auskor. Auch entbehrest du, wenn der Rhapsode nicht kommt und vollendet. Bist du es selbst, so denkst du dir schweigend Vollendung; doch, wenn du's Nicht bist, gehet dir oft, was von Herzen kam, nicht zu Herzen.

32. An einige der heurigen Philosophen.

Wenn man vordem was schrieb, das Beweise schien zu bedürfen, Dann bewies man. So war's eh'mals; so ist es nicht mehr. Jetzo schreibt man hinein in den Tag, daß der Adler nicht fliege, Ströme stürzen bergauf. Und der Beweis? Er verstummt.

33. Der Unschuldige.

Viel der Beziehungen sind im Gedichte, wodurch es die Theile, Wie in dem süßen Bund' inniger Liebe, vereint. Jene dürfen auf sich mit dem Finger weisen; doch geben Oefter (des Schönen Gesetz will es so) Winke sie nur. Schlummert bei den Beziehungen dir dein Auge, so tappest Du im Dunkeln umher ohne des Dichtenden Schuld. Zürne du dann nicht mit dem Liede, daß du es nicht fassest, Laß die Unschuld in Ruh, Gähnender, zürne mit dir!

34. Erweiterung des Thierreichs.

Wenn ich der Krieger einen mit Recht Eroberer nenne, Von dem Augenblick' an ist er mir Mensch nicht, ist Thier. Sei sein Name berühmt, er heiße Gingiskan, Cäsar, Alexander: Mensch ist er mit nichten, ist Thier. Sei er kein Wolf denn, sondern kein Löwe; sei er ein Adler Und kein Geier: er ist doch nur ein anderes Thier.

35. Der nicht kleine Unterschied.

Wenn der Deutsche vermag, die Gedanken zu sagen des Griechen, Wie er selber sie sagt: so kann er auch eigne, die jenen Gleichen, und hat es vollauf zum weisen, frohen Genusse. Mögen Andere denn die Griechen reimen und lang' es Noch für Warnung nicht halten, wenn Cynthius ihnen am Ohr zupft!

36.

Sie zu verbergen, gehört zu der Kunst; doch, ist der Verbergung Schleier zu dünn, so entdeckt selber der Schleier die Kunst.

37. Der Unterscheidende.

Poesie, welche den Namen der descriptiven verdienet, Hätten für Poesie niemals die Alten erkannt. Deutscher, ward dir der Blick, Darstellung von der Beschreibung Rein zu sondern: so stehn weisere Dichter dir auf, Stände, wofern du hinab zu den Schatten Elysiens walltest Und dort redetest, selbst Ilions Sänger dir auf.

38. Frage.

Geist hat der Mann! So rufst du. Vergebens frag' ich: Was ist denn Geist ohn' Urteil? denn du hörest nicht auf von des Manns Geiste zu schwatzen. Tauber, du bist auch blind; denn du siehst mir Meine Frage: was du, Theurer, denn habest? nicht an. Wer Beifall verschwendet, wie du, kann endlich so weit gehn, Daß er sogar von dem Geist' unsrer Scholastiker schwatzt.

39. Die gewissenhafte Declamation.

Fürchte die treue Sprechung, die ganz, was du, Dichter, ihr gabest, Bildet dem Ohre, wie du steiget und sinket wie du. Höre sie, lerne von ihr, warum kein Rousseau Horaz ist, Und, was Friedrich auch sagt, kein Voltaire Virgil. Reichen dir diese Fremden nicht zu: nun, so frage der treuen Sprechung Kenner. Es gibt deutscher Exempelchen auch.

40. Die ordothoxen Republikaner.

Auf mit dem Ketzer ins Feuer, ihr gallische Republikaner! Denn er ist, bei den Göttern, er ist sachgläubig. Wie können Wir, die so rein wortgläubig sind, den Fanatiker dulden? Auf, ist das Holz auch grün, es wird schon brennen, schon brennen!

41.

Jene Natürlichkeit, die auch oft Gesagtes verschönert, Hat des Reizes noch mehr, wenn ihr mit Großem sie hört. Schwestern sind die Grazien, doch nur ähnliche Schwestern, Gleiche nicht. Eine durchdringt, eine berührt nur das Herz.

42. Der Befürchtende.

Geht und vergleicht mit Hellänis der Neueren Sprachen und gebet Der den Kranz, die am Oeftesten sich durch Aehnliches hebet. »Unsere Sprache bedarf der Aehnlichkeit nicht mit Hellänis, Um die schönste zu sein der europäischen Sprachen!« Fast befürcht' ich, daß ihr mehr Kenntnis des Schönen bedürfet.

43. Der eingeschränkte Geschmack.

Zeigt nicht der Rühmer seines Geschmacks sich gerade durch dieses Rühmen geschmacklos? Aber das soll euch jetzo nicht treffen: Denn, nicht leicht zu der Strenge verführbar, lieb' ich die Schonung. Nichts lobpreiset ihr lauter, als euren Geschmack: und er ist doch Weniger Schönheiten nur und selten der höheren Kenner, Hat die Venus Urania kaum in der Ferne gesehen. Weiser wär't ihr, wenn ihr von dem engbegrenzten Geschmack schwiegt. »Aber (denkt ihr) nicht klüger. Denn wir wollen in Allem Herrschende sein, Das wollen wir! und wir kennen euch, Fremde, Wissen, ihr laßt euch gängeln und seid allglaubende Hörer!«

44.

Wenn Dolmetscher der Deutschen sie sind: so nehmen sie, geben Sie und entdecken nicht, daß der Beraubt' und Beschenkte des Zürnens Niemals sich würdigt und, kaum hinhörend, nur selten des Spottes.

45. Die goldnen Zeiten.

Alexanders wäre der Griechen goldenes Alter, Und doch lebte so lang vor dem Barbaren Homer? Nennet nicht mehr nach August das goldene Alter der Römer; Cicero's heiß' es euch, oder es heiße Virgils. Ueberträft ihr sie nicht, die Schmeichler der Könige waren In dem Leben, wenn ihr's selbst nach dem Tode noch wär't?

46. Der epikurische Leser.

Wenn ich die Dichter lese, so hüt' ich mich weislich und klüglich, Nachzuspähen, ob stets treu sie geblieben und hold Ihrer Beherrscherin sind, der Schönheit. Denn des Vergnügens Such' ich, suche Genuß, überschleiere gern. Aber, wenn Einer auch wo zum Hochverräter an ihr ward, Schon' ich seiner nicht mehr, lege den Schuldigen weg, Und dann liegt er auf immer; nichts reizet mich, daß ich ihn wieder Nehme, nicht Weiße des Blatts, selbst nicht der Griffel; er liegt!

47. Die Schriftstellerei.

Stellt man denn Schrift? Doch es sei: man stelle sie; ruft das gemeine Ei denn nicht überlaut, daß ohne Würde sie steht? Deutsche, zaudert nicht länger, dies Wort zu verbannen: man gibt sonst, Daß ihr's zu haben verdient, euch, ihr Unschuldige, Schuld.

48. Der schwere Sieg.

Hat auch mit mehr Harmonie dein Gedicht die Theile vereinet, Wie das bekämpfte: dann erst bringen dir Alle den Kranz.

49.

Ungerecht beleidigst du mich. Was brachte so sehr denn Gegen dich selber dich auf, daß du so hart dich bestrafst?

50.

Viel des Verdienstes hat dieser bescheidene Mann; und es strebt doch Ihn zu verkleinen Atom. Kennt ihr was Niedrigeres? Jener Mann da ist Zwerg an Verdienst, an Dünkel ein Riese; Gleichwol preist ihn Atom. Kroch wol noch Jemand so tief?

51.

Grübelt der Künste Gesetzen nicht nach. Sehr Weniger Augen Wurde der Blick, sie zu sehn. Zeigten die Satzungen nicht, Daß auch Denker nicht kannten den weisen Rath, dem der wahren Künstler Begeisterung folgt? Grübelt nicht, aber genießt.

52. Streit unter zwei Franzosen.

1. Dieses darfst du nicht im Französischen sagen. 2. Du siehst doch Hoffentlich daß es verdient gedacht zu werden. Ich sag' es! 1. Aber du darfst nicht! 2. Du bist ein Sklav' der gehorsamsten Sklaven Einer Akademie, die von allerlei Scheine beherrscht ward.

53.

Keine der Nationen hat feinere Kritiker, größre, Denn die Franzosen; doch Eins führet sie tief in die Irr'. Ihnen ist Meisterwerk (Einheimisches nur!), was sich über Mittelmäßiges kaum flatternden Fluges erhebt. (Denkt euch das Meisterwerk vor dem Stuhl des olympischen Richters, Sie vernehmen auch dort keinen gelinderen Spruch.) Wie sie euch Alles vergolden, was silbern ist, fast auch des Kenners Scharfe Blicke getäuscht täuschen: so gleißet ihr Gold.

54. Eine gute Regel.

Weniger reich, wie sie scheint, ist unsere Sprache dem Kenner, Welcher sie braucht, wie er soll. Ihm sind viele der Worte nicht da; auch höret er lang' hin, Eh' ihm ein neues gefällt. Und er verwirft es, auch wenn's ihm gefällt, wofern er die rechte Stelle vergebens ihm sucht.

55.

Beide waren sich gleich am Geiste; aber der Eine Kannte die Sprache nicht. Diesen wird auch der Enkel nicht kennen.

56. Die philosophische Carricatur.

Welche Verbildung der Philosophie, die der Icher im Ernst macht! Noch verbildete so niemals ein Maler im Scherz.

57.

Wenn Lehrdichter du wählest zu sein, so kannst du des Stolzes Schein nicht vermeiden. Denn ohne die leidenschaftliche Handlung Wagst du zu gehn des Dichtenden Pfad; der Sterblichen opferst Du die Göttin auf, Darstellung auf der Beschreibung.

58.

Aber ihr kennt dies Lied nicht. »Wir lasen's!« Laset es nur, saht Also, weil ihr es nicht sprachet, durch einen Flor ein Gemälde. Doch ihr könnt es vielleicht nicht sprechen. So laßt es denn Andre Thun: sonst hänget auf immer vor eurem Auge der Schleier.

59. Frommer Wunsch.

Singung des Liedes, du übertriffst auch die schönere Sprechung; Aber wir hören, ach, tönst du im Chore, kein Wort. Schaffe, du bist ja Göttin, Musik, uns hörender oder Blase das Lebenslicht schmetternd dem Liede nicht aus!

60.

Dissertationen verfassen in singenden Strophen Hat von der Ode Ton' auch nicht den leisesten Laut. Rousseau, Flaccus hat dich vergebens gelehrt; denn du sahst nicht, Welchen Weg sein Entwurf nahm auf der lyrischen Bahn.

61. Vorlesung der Henriade.

»Wie erhebt der Rhapsode, was in der Höh' in der Fremd' ist! Wähl' er sich Andre: denn uns täuschet der Fälschende nicht.« Doch er hörte nicht auf, zu erheben. Siesäumten nicht länger Sich zu retten, und er blieb mit dem Henri allein; Aber er sah nicht und las stets fort. So hatte zum Schwunge Seiner Künstelei brennendes Stroh ihn entflammt.

62.

Wenn du Wissenschaft lehrst und sie nicht mit lebender Anmuth Vorträgst, gehet der Jüngling, der hört, zu dem lieberen Buche. Schneller lernt er sie dort und besser, weil er sie froh lernt. Aber es kann auch kein Buch den erfreuenden Lehrer verdrängen, Der, mit Beredsamkeit sprechend, den horchenden Jüngling begeistert. Er bereitet sich vor, wie, wer gefällt auf dem Schauplatz. Dies hat er oft zwei Stunden gethan, um eine zu lehren.

63.

Du hälst Dieses für schön; die Gespielin nicht. So entwickl' es Ihr denn, warum sie sich täuscht; aber erhebe dich nicht Ueber sie, deinen Geschmack lobpreisend. Ich fürchte, Dem fehl' es Der ihr durch diesen Stolz lächerlich wird, an Geschmack.

64. Die äthiopische, französische und deutsche Orthographie.

Sechs der Bezeichnungen haben die Aethiopier für jeden Laut, die Franzosen fürs E (fabelhaft scheint's und ist wahr) Zweimal die böse Sieben! drei Zeichen fürs Ef wir. Barbaren Sind Aethiopier nicht nur; Deutsche sind es, wie sie.

65. An einen ausländischen Vorleser.

Eben der Ton für jedes Gedicht? O, mal' in der Landschaft Strom auch, Klippe, Gewölk', Heerden und Hürden uns grün.

66. Die bösen Nachbarn.

Mir auch ist es Vergnügen, daß ihr an Gedanken so reich seid; Aber ihr liebet sie all', aber ihr wählet nicht aus. Habt ihr denn nie gewittert, daß selbst der schönste Gedanke Durch den tödtlichen Hauch aller der hübschen verblüht?

67.

Sei, wenn Neues du wagst, so bestimmt als möglich; doch sei auch Völlig gewiß, man seh's schief und erkläre dich falsch. Denn du begehst ja nur einmal den schrecklichen Fehler der Neuheit, Und kein Leisten ist noch, dem man sie passe, gemacht.

68. Unsere Sprache.

Daß keine, welche lebt, mit Deutschlands Sprache sich In den zu kühnen Wettstreit wage! Sie ist, damit ich's kurz, mit ihrer Kraft es sage, An mannichfalter Uranlage Zu immer neuer, und doch deutscher Wendung reich; Ist, was wir selbst, in jenen grauen Jahren, Da Tazitus uns forschte, waren, Gesondert, ungemischt nur sich selber gleich.

69. Darstellung ohne Schönheit.

Warum man Shakespear mit der Bewund'rung liest, Ihn, dessen Gegenstand so selten Schönheit ist? Weil er, was er auch wählt, Mit Leben beseelt. Was würd' er sein, hätt' er dies Leben Der Schönheit gegeben!

70. Entdeckung und Erfindung.

Wer unruhvollen, hellen Geist hat, scharfen Blick, Und auch viel Glück, Entdeckt; Doch wer, um Mitternacht vom Genius geweckt, Urkraft, Verhalt, und Schönheit tief ergründet, Der nur erfindet.

71. Gleichheit und Ungleichheit.

Kurz sprach der Sparter, aber sanften Halles War gleichwol, was er sprach; Der alte Deutsche sprach auch kurz, und rauhen Halles War, was er sprach: Der Sparter durft's, wie gut er auch bewaffnet war, Doch nur dem Perser bieten; Allein, wie schlecht er auch bewaffnet war, Der Deutsche dem Quiriten.

72. Die Antwort auf ein andermal.

Die Britten nehmen's im Gedicht oft ohne Wahl Aus der Natur; bald wird's Gemäld' und bald Gemal': Die Gallier erkiesen oft mit Wählerei, Und machen Bilder itzt, itzt Pinselei. Die Griechen sehen jede leise Spur Der unerschöpflichen Natur, Und nehmen selten ohne Wahl; Mit immer richtigem Verhalt Zur Sache, machen sie dort Zeichnung nur, Erheben hier Vollendete Gestalt. Und wir?

73. Aufgelöster Zweifel.

»Nachahmen soll ich nicht; und dennoch nennet Dein lautes Lob mir immer Griechenland?« – Wenn Genius in deiner Seele brennet, So ahm' den Griechen nach. Der Griech erfand!

74. Unser Jahrhundert.

Weniger getäuscht vom Schein Entdeckten wir der Dinge Grund; allein Wir sä'n nicht Korn, wir pflanzen Blumen drein, Und darben auch dafür, und stehen kraftlos still Wenn Mannthat Brod zur Stärkung haben will.

75. Eingeschränkte Einsicht.

»Sprich, daß ich dich sehe!« – So scharf, wie dein Gesicht, Ist meines nicht: Handle du, daß ich dich sehe!

76. Die Neides Art.

Minervens Vogel soll die Eule sein; Und nicht Apolls die Nachtigall? Das eine hat der Neid der Göttin angedichtet, Das Andre von dem Gott verschwiegen.

77. Beschreibung und Darstellung.

In der Dichtkunst gleicht Beschreibung der Schönheit Pygmalions Bilde, Da es nur noch Marmor war; Darstellung der Schönheit gleicht dem verwandelten Bilde, Da es lebend herab von den hohen Stufen stieg. Geht hin in den Tempel der Ehre, Bei den Malen umher der grauen Zeit, Bei den Malen der spätern Zeit umher, Und seht, wenn's anders eurem Auge In des Tempels heiliger Dämmerung tagt: Wie viele der Male nur Bilder von Marmor sind, Wie wenige leben!

78. Ein gewisser Umstand.

'S hat Händ' und Füße, was du schreibest, doch gewaschen Hat sich's nun einmal nicht; und wenn was so Beschaffen ist, kann ich nur naschen, Allein so ganz mich dran zu letzen, Versteh' ich nicht. Verstand ich's, dir den rechten Floh Ins Ohr zu setzen?

79. Die Orakelsprüche.

Wie von des Helden Degen Die Herrn Politiker Urtheilen thun, so thun Urtheile von des Dichters Feder Die Herren Kritiker.

80. Ein Wort alter Lehre.

Der Grieche nennt des Künstlers Anmuth Grazie, Venus der Römer; Und beide geben zur Gespielin Der Anmuth die Vortrefflichkeit. Diese nennet Virtus Horaz, Und läßt auch sie im Liede tönen. Von ihr entzündet malt der Schleierer Timanth Den Halbgott; Von ihr entzündet malet selbst Apell Den Halbgott. Anmuth und Vortrefflichkeit Vereint der Meister, nennt die vereinten: Hohe Schönheit; sondert sie sehr selten, Nur wo er muß. Denn vereint sind beide mehr sie selbst.

81. Das Vitilitigium.

Kaum sehen mit aristidischen Zügen Gemalt den Macedonier siegen, Die Mutter sterben,noch säugen, die Schwester schon entschlafen Die Vitilitigatoren; So springen sie auf, und bellen, Daß einem die Ohren Von ihrer Beredsamkeit gellen: Dann laufen sie hin und leckendie Rhyparographen.

82. Luther.

Der ernste Luther liebt' auch Scherz; Das macht, er war Er selbst, und hatte Luthers Herz.

83. Malezieux Meinung.

Wir Franzosen, sagt der zweite Patrü zu Voltaire, Haben keinen epischen Kopf. Der Tropf! Denkt Arouet, und geht, und schreibt die Henriade. O Jammerschade Um diese gut gereimte Henriade; Wenn Patrü nicht, allein Voltaire Der Tropf Gewesen wäre!

84. Meister und Gesell.

Im Zeitenstrome bleiben oben Die Werke, die den Meister loben. Wer's umkehrt, ist Gesell; sein Werkchen trinkt Des Stroms, und sinkt.

85. Vergebliche Warnung.

Jedes Wort, das ihr von dem Fremden, Deutsche, nehmt, Ist ein Glied in der Kette, Mit welcher ihr, die stolz sein dürften, Demüthig euch zu Sklaven fesseln laßt.

86. An die Verächter der Regel.

Ihr scheltet auf die Cultur, Weil's Cultivirerei Auch gibt; und merkt nicht, daß selbst diese besser sei, Als eure dumme Natur.

87. Die doppelte Täuschung.

Altes und Neues sind Zauberer. Federleichte Gründe für jenes Wiegen dem armen Bezauberten Centnerschwer; Und solche für dieses ihm federleicht.

88. Vom Genie.

Die Sprache brauchen, wie man muß, Ist Kenntnis nur, und kein Genie; Allein, bis zu des Gedankens Verzerrung, Sie aus Unwissenheit verbilden, Das ist Genie.

89. Musik und Dichtkunst.

Wenn die Musik das Gedicht ausdrückt, so ist sie Gesellin: Wenn sie für sich ihr weniges Allgemeines, so ist sie Meisterin zwar; allein nur Schade, daß die Gesellin Ueber der Meisterin ist.

90. Die Mitzählung.

Daß, wie seines Gleichen, Klos sogar Deutschlands gute Schreiber mustert, Und dann stets mehr als von dem Stiefel schustert, Dies Ding ist zwar Schon gar sehr lächerlich; Allein, wenn er bei sich sie überzählet, Daß Klos dann sich Mitzählet, Dies dumme Ding ist allzu lächerlich.

91. Das Entscheidende.

Wenn ich die schöne Sprechung dir nenne, so mein' ich nicht jene, Die durch erhebenden Ton, künstelnden, Schmeichlerin ist. Oberrichterin ist des Gedichts die Sprechung. Was ihr nicht, Ganz sie selber zu sein, mächtiger Reiz ist, vergeht.

92. Kant.

Nehmt ihm, was lange bekannt, zu oft, und bestimmter gesagt ist, Nehmt's Unerklärbare mit; aber nun bleibt ihm auch nichts. »O du Blinder, wie falsch, was zu sagen du wagtest.« Ich habe Gröblich geirret, weil ihm eure Bewunderung bleibt.

93. Leibnitz.

Leibnitz kam zu früh für seine Zeiten; und damals Lebte doch der und der Deutsche, so über ihm war, Wie er vermeinte, und wie man auch wol vermeinte. Jetzo Ist das anders; denn uns ist nur Leibnitz bekannt.

94. Die Republikaner.

Je scharfsinniger denkt der Geist der Franzosen, je toller Treiben mit ihm ihr Spiel Leidenschaft und Phantasie, Denn es erfindet nun für die beiden herrschenden Mächte Gründe, die scheinbar sind, desto leichter der Geist. »Aber sie sind gleichwol Republikaner.« Mit dir treibt Noch, wie ich sehe, das Wort ohne die Sache sein Spiel.

95. Die epischen Hauche.

Wer in Homers Gesang gern ny, ge, ke, gar, de, men, po hört, Wünsch' auch an Pallas Helm allerlei Blümchen zu sehn.

96. Grausame That.

Dein Gedicht hat edle Gestalt; bald sehend den Plan, fälscht Ihn der Kritler, und ihr sind nun die Glieder verrenkt.

97. Ursache und Schuld.

Mundart heißet die Sprache dem kennenden Adelung; Maulart Lallt er zur Strafe dafür, wenn er sich lehrhaft ergießt. Ist die Ursach' an etwas Schuld; so ist auch die Schuld auch Ursach' an etwas: er hat gleichwol das erste gelallt.

98. Guter Rath an die neuen Herolde der Griechheit.

Neu sei das Bild, ihr wollt es ja! das von den Griechen ihr aufstellt, Aber verlangt nur nicht das es das ihrige sei. Wenn ihr zu fragen verstündet, so würd' ich euch rathen, der Griechen Werke zu fragen, bevor von den Verkannten ihr schreibt. Lasset doch endlich euch die Geschichte lehren, daß nie noch Schiefgesehenes wahr wurde durch Modegeschwätz.

99. Die Rhapsoden.

Wird das Gedicht nicht gesprochen; so seht ihr die Seelen nicht, denen Inhalt, treffendes Wort mit zu erscheinen gebot. Spricht man's nicht gut; so entbehrt ihr nicht jene Seelen nur, anders Zeigt sich der Inhalt auch, ist auch der wahre nicht mehr.

100. An die Bewunderer eines Meisters.

Ihr versteht ihn nur nicht, den Meister. »Daß dieses der letzte Winkel der Ausflucht sei, das verstehn wir, Gesell.«

101. Gründlichkeit.

Ist es uns angeboren? ist es erlernet? wir Deutschen Sind weitläufig, und ach selber die Denkenden sind's. Wenn es erlernt ist; so sei, Apoll, noch einmal Barbar, und Wie den Marsyas einst, kleide die Lehrenden aus.

102. Ruga senilis. – Die Runzeln.

»Alt ist dieses Gedicht, neu jenes.« Das frag' ich nicht; frage: Welches von beiden das bessere sei? »Vieles entschuldigt die Zeit.« Kann nur beschönigen! Wollt ihr Ewig denn Mitbeschöniger sein?

103. An Fr. Schiller.

Ward dir Blickes genug, Darstellung von der Beschreibung Rein zu sondern; so stehn weisere Dichter dir auf: Stände, wofern du hinab zu den Hainen Elysiens walltest, Und dort redetest, selbst Ilions Sänger dir auf.

104. Der Gerührte.

Wenn man sich widerspricht, so lächelst du: Und lachst, thut's einer, der des Geistes viel Zu haben glaubt. Allein wenn einer, wo der Philosoph Am tiefsten gehen muß, bei metaphysischer Bestimmung, da sich widerspricht, Dann schlägst du wol ein laut Gelächter auf? »Das Mitleid weint.«

105. Neuer Beweis.

Nun, so führt denn auf immer der Krieg den eisernen Scepter, Und die Vernunft entscheidet umsonst. Denn sie selbst, der Franzosen erhabene Stellvertreter, Prügeln, wenn Rath sie pflegen, sich aus.

106. Patriotische Ausgleichung.

Hat's Manifest? hat die Hymne Delillens mehr von den Deutschen In die Grube gesandt? Mir ist die Frage zu schwer.

107. Er, und Sie.

Mana, der Gott (wir nennen den Mond ihn) glaubte, die Sonne Wär' eine Göttin; denn sie däucht ihm das schönste Gestirn. Warum unsere Väter so fabelten? Weil sie die Weiber Mehr verehrten, als sonst irgend ein anderes Volk. Väter, empfahet den Dank der Enkel, daß euch in den Weibern Etwas, so Zukunft sah, etwas vom Göttlichen war. Fahret denn fort, Ausländer, den Mond zu besie'n, und die Sonne Er zu nennen, ihr habt niemals die Liebe gekannt.

108. Der alte und der neue Faust.

Was man erzählt von Doctor Faust, Ist weiter nichts als Lug der Möncherei; Die Dichtung, die vor uns in wilden Dramen braust, Wie Windsbraut sanft Won Doctor Faust, Ist, bei den Alten! lediglich, Kraft männiglich Verwünscht Geschrei Der traurigen Genieerei. Ob's Alte oder Neue besser sei, Zu schlichten, wär' Bockmelkerei.

109. Schreibakademien.

Dieser schreibt mit der Hand, und der mit der Faust; mit der Pfote Das da, und preiset die Faust, aber bekrittelt die Hand.

110. Der Ruf und die Ehre.

Ruf ist ein Leben, das athmet der Mund des Schwatzenden, Ehre, Das in dem Herzen des Edleren schlägt.








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