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England. Zweiter Band

James Fenimore Cooper: England. Zweiter Band - Kapitel 9
Quellenangabe
typereport
authorJames Fenimore Cooper
titleEngland. Zweiter Band
publisherVerlag von Joh. David Sauerländer
year1837
translatorC. F. Nietsch.
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.7et
created20140704
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Zweiundzwanzigster Brief

Der einundzwanzigste Brief fehlt im Original. Die Vorrede sagt nichts darüber. Aus welchen Gründen ihn der Verfasser unterdrückte, kann nur gemuthmaßt werden. Anm. d. Uebers.

Englische Vorurtheile. – Entstellung von Thatsachen. – Entwürdigung der Nation. – Eifersucht auf Amerika. – Unfreundliche Gesinnung. – Englische Loyalität. – Steife Förmlichkeiten. – Englische und französische Dienstboten. – Englische und französische Seeleute. – Subordination. – Sociale Stufenleiter. – Kriegserklärung. – Staatsreligion. – Geistlicher Zweikampf. – Der junge Napoleon. – Sonderbare Meinung. – Gemeine Vorurtheile. – Ungereimte Beschuldigung. – Volksbegriffe. – Benehmen des Congresses. – Vorurtheil wider Amerika. – Literarischer Empirismus. – Volkseigenthümlichkeiten.

 

An Herrn Jacob Sutherland.

Ich habe eine sonderbare Unterredung mit einem Fremden gehabt, der Mann ist ein – Weltbürger, von Geburt aber ein – –; er hat sich lange in England und Amerika aufgehalten, und unser Gespräch bezog sich auf die An- und Aussichten, die man hier im Ganzen über unsern Nationalcharakter und über unsere Nationalbestimmung zu unterhalten gewohnt ist. Da mein Gesellschafter keinen Zweifel hatte, wie seine Bemerkungen und Mittheilungen von mir aufgenommen werden würden, so äußerte er sich ohne allen Rückhalt.

Er begann damit, zu sagen, daß in England fast allgemein die Meinung bestehe, daß ein Amerikaner nicht gleiche Geistesgaben besitze, wie ein Europäer. Da dieß bloß die alte Meinung war, die sich auch wohl bis auf unsere Zeit fortgepflanzt haben konnte, so hatte ich gegen das Bestehen einer solchen Meinung nichts einzuwenden. Wenn Kapitain Hall behauptet, es mangele dem amerikanischen Volk durchaus nicht an natürlichen Anlagen, aber ihre Mängel rührten blos von einer vernachlässigten Erziehung her, so ist diese Bemerkung blos eine Stütze für seine vorgefaßte Meinung. Fast jeder englische Schriftsteller, der über Amerika geschrieben hat, verräth dasselbe Vorurtheil auf die eine oder andere Weise; aber es ist für jeden Amerikaner etwas Leichtes, der von National-Eigenliebe nicht völlig geblendet ist, sich von der allgemeinen Verbreitung dieses Vorurtheils in England selbst zu überzeugen, wozu er blos nöthig hat, seine Abstammung zu verbergen und so mit der Post das Land zu durchreisen; so daß ich mich wirklich wundern müßte, wenn irgend ein Amerikaner, der in England gewesen ist, dieses Vorurtheil nicht sollte bemerkt haben.

Fast jeder Amerikaner, dessen Name wirklich England erreicht, weil irgend Etwas der Aufmerksamkeit und Achtung würdiges von ihm ausging, wird sogleich für einen expatriirten Europäer erklärt. Sie können sich kaum vorstellen, wie weit dieses Vorurtheil sich erstreckt. Ich kann Sie sogar versichern, daß ich selbst die Behauptung eines sonst achtungswürdigen Mannes mitanhörte, daß in einer der englischen Grafschaften unser Washington mit ihm in die Schule gegangen sei, ehe er auswanderte! Mr. Irving tritt hier in biographischen Notizen als ein Eingeborner von Devonshire auf, und selbst meine eignen bescheidnen Ansprüche hat man nicht übersehen. In einer Skizze meiner vorgeblichen Lebensgeschichte wird meine Herkunft nach der Insel Man verlegt, und in einer mehr ausgearbeiteten Schrift, einer Art blauen Buches, welches ein Verzeichniß von englischen Schriftstellern enthält, finde ich mich unter einer Reihe von Männern aufgeführt, die sich meiner weit mehr zu schämen haben, als ich mich ihrer zu schämen brauche. Vor Kurzem hat man mich noch gefragt, ob Macdonough kein Irländer sei, und ich bin ziemlich überzeugt, daß meine Behauptung, der gute Allen, der auf dem Argus getödtet wurde, sei ein Amerikaner gewesen, durchaus keinen Glauben gefunden hat. So fand ich vor einiger Zeit in einem englischen Journale die sonderbare Behauptung, Commodore Rodgers sei eigentlich ein schottischer Bäcker, Namens Grey! Die periodischen Blätter sind mit manchen falschen Schilderungen aus dem Leben der ausgezeichneteren Männer aus der Zeit unserer Revolution mit den gewöhnlichen Skurrilitäten und Unwahrheiten angefüllt; und die Zeit des letzten Kriegs hat abermals manche Proben von der liebenswürdigen englischen Wahrheitsliebe aufzuweisen gehabt.

Die Volksvorurtheile der Engländer erfahren manche freimüthige Rüge bei allen andern Völkern. Doch gehört jedes Vorurtheil mehr den einzelnen Menschen als ganzen Gemeinden und Völkern an, und ich glaube, daß Frankreich deren nicht weniger hat, als dieses Land, obschon sie von anderer Art sind und in einem einnehmenderen Gewande erscheinen. Doch bei dieser Vergleichung muß ich Amerika immer ausnehmen, denn was dieses Land und unser Volk betrifft, da hört gewöhnlich bei den Engländern alle Gerechtigkeitsliebe und alles gesunde Urtheil gänzlich auf.

Einer der Züge, womit die Engländer uns bezeichnen, ist die größere Neigung zu Unwahrheiten. Ich brauche nicht zu verhehlen, daß diese Nation die unsrige beschuldigt, diesem Laster auf eine ganz ungewöhnliche Weise ergeben zu sein. Es kann hierüber gar kein Irrthum stattfinden; denn Kapitain Hall, Mr. Dr. Roos und mehrere andere neuere Schriftsteller zeigen eben in der Weise, wie sie diesen Vorwurf von uns abzuwälzen suchen, daß diese Meinung wirklich bestehe; doch wir haben sogar hohe geistige Gewährsmänner, welche diese Sache in's Reine bringen mögen. Ich will nur den Bischof Heber anführen, der von den amerikanischen Seeleuten sagt: »Sie sind dem Lügen nicht so schrecklich ergeben, als man es ihnen sonst wohl nachgesagt hat. Sie zeigen weniger Haß gegen die Engländer, als ehemals, und ihr Charakter scheint sich wieder mehr dem natürlichen englischen Ton anzunähern.« Es möchte doch wohl dem Dr. Heber schwer fallen, sich darüber zu erklären, worin sich der »natürlich«-englische Charakter von jedem andern unterscheide, und zwar nach Grundsätzen der neununddreißig Artikel, wovon auch wir, wie ich glaube, eine ziemlich treue Abschrift in unserer eignen Kirche besitzen; doch von allen Sätzen der Orthodoxie abgesehen, und ohne auf die Wortverbindung mich genau einlassen zu wollen, frage ich, woher entstand jene Vorstellung von dem amerikanischen Volk und vorzüglich von ihren Seeleuten? Ich hoffe, die Sache erklären zu können.

Die Engländer waren gewohnt, sich als die geschicktesten Seeleute von der Welt anzuschauen. Wenn ihre amerikanischen Mitbewerber sich ihrer eignen Schiffe rühmten und behaupteten, sie könnten den Engländern voransegeln, in ihren Eigenschaften überträfen überhaupt ihre Schiffe die englischen, und ihre Behauptungen durch Anführung von Thatsachen zu beweisen suchten, so wurden letztere von den Engländern gradezu für Lügen erklärt. Wenn heutiges Tags ihrer hundert englische Schiffskapitaine behaupten wollten, ihre Schiffe könnten die unsrigen übersegeln, so würden unsre Seeleute vermutlich mit gleicher Lieblosigkeit verfahren, und die Engländer als Lügenverkäufer bezeichnen. Während der langen Kriege war unsere Schiffahrt eine Beute der kriegführenden Mächte – die Engländer, als die zahlreichere Seemacht, richteten das ärgste Unheil an; sie hinderten unsere Handelsunternehmungen, indem sie unsere Matrosen preßten und öfter die eingebornen Amerikaner ebensowohl von den Schiffen nahmen, als die geborenen Engländer. Dieses Benehmen erregte natürlich Bitterkeit, während unsere Regierung unter dem Einfluß einer unzeitig-sparsamen Politik, die endlich immer mehr kostet, als eine schnelle Gegenwehr, die Seeleute meistens ihrem Schicksal überließ, und lange Noten schreiben ließ, anstatt auf der Stelle sich zu waffnen. Ich weiß aus mir selbst näher bekannt gewordenen Umständen, daß manche unserer Schiffskapitaine sich damit brüsteten, wie sie die englischen Geschwader und einzeln kreuzenden Schiffe irre geführt hätten; denn es war dies der einzige Ausweg, der ihnen übrig blieb, um sich an solchen Feinden zu rächen.

Bei der Unterredung, die ich mit Mr. – – hatte, sagte er mir, vor einiger Zeit habe man geglaubt, einer unserer Bekannten, ein Kapitain bei der Marine, sei bei der Attaque auf dem Fort Bowyer geblieben. Als ich ihn fragte, woher er die Nachricht bekommen habe, antwortete er ganz unwillkürlich: »O, es war blos eine Nachricht von einem amerikanischen Schiffer!« Ich lachte über dieses Bekenntniß, und er gab freimüthig zu, daß in England die Meinung herrsche, die amerikanischen Kapitaine seien ärgere Lügner, als man deren sonst findet.

Unsere Begebenheiten sind oftmals staunenswürdig, und erscheinen manchem Fremden, denen man sie erzählt, wunderbar. Uebrigens sind die Amerikaner, besonders die Leute in New-England, nicht frei von Klatschsucht, und wenn auch bei solchen Klätschereien gar keine vorsätzlichen Lügen vorkommen, so werden durch solche Klätschereien doch öfter aus Mißverstand viele Unwahrheiten in Umlauf gebracht. In sofern könnte man die Amerikaner wirklich beschuldigen, sie lögen mit der Zunge, während andere in ihren Gedanken lügen. Alles Lügen gehört aber zu den gemeinsten menschlichen Lastern.

Es ist ein Glück, daß die Vorsehung uns die Gerechtigkeit eines künftigen Lebens vorbehalten hat, da uns in diesem Leben solche so selten wiederfährt. Hier haben wir eine Nation, die, wenn einer ihrer Civilbeamten den Hans Tapps statt des Hans Rapps arretirt, solchen strenge bestraft, die auf den öffentlichen Ankläger die ganze Last der Beweisführung wälzt, und die dagegen aus ihrer Jurisdiktion heraus bei andern Völkern die Leute beschuldigt und von Fremden umgekehrt verlangt, daß sie ihre Unschuld beweisen sollen; und wenn dieß nicht geschieht, solche mit Gewalt ergreift, wo sie solche findet, und sie der Verstümmelung und dem Tod preis gibt in einem Streit, der sie nichts angeht, und sie überdieß auf eine Weise herabwürdigt, die durch keine Genugthuung ausgeglichen werden kann!

Dieß Alles ist arg genug; allein es ist keineswegs die schlimmste Seite, die ich hier aufgefaßt habe. Männer in achtbarer Stellung haben sich unter den Unterdrückten gefunden, welche sich dazu hergaben, das Unrecht zu verteidigen; denn Sie und ich sind beide alt genug, um uns genau der Zeit zu erinnern, als England laut und öffentlich von einer Partei in unserm Lande verteidigt wurde, die das Benehmen der Engländer auf eine Weise zu rechtfertigen suchte, welche alle Nationalehre und alle Nationalgerechtigkeit verhöhnte. Wohl sagt man, es könne in der Welt nichts vorfallen, was nicht schon da gewesen wäre; alle Ereignisse des Weltlebens seien blos neue Gestaltungen alter Dinge; – allein es scheint mir bisweilen, als ob in der That die Geschichte noch nirgends ein so überwiegendes Beispiel von Volksentwürdigung aufgestellt habe, als sich solches in den ausgesprochenen Ansichten, in Sprache, Urtheil und Handelsweise eines großen Theils derjenigen Amerikaner, die sich als die gebildeteren Klassen ausgeben möchten, in Beziehung auf England nachweisen läßt. Von allen Lasten scheint wahrlich das Joch der geistigen Abhängigkeit, das die Kolonialdienstbarkeit uns aufgebürdet hat, wenn man die Sache näher erwägt, am schwersten abzuschütteln. Es drückt auf uns noch immer schwerer als ein Alp, und wo nicht unsere Gewinnsucht unmittelbar betheiligt ist, in welchem Falle wir die Augen weit genug aufthun, und abgesehen von Parteipolitik, wo die Menschen »ihren Führern folgen, und sollte es auch zum Teufel gehen,« so gibt es in diesem Augenblick kaum einen Amerikaner, der einigermaßen in Ansehen steht, um Aufmerksamkeit in der Fremde zu erregen, der seinen Ruf im Vaterlande nicht einzig der Gnade der Engländer verdankt. Wir selbst sehen dieses Faktum nicht ein; aber die Fremden sehen es ein und verspotten uns wegen unserer Schwäche. Wir haben alle Ursache, Gott dafür zu danken, daß derjenige Theil unseres Volks, welcher Gebeine und Muskeln darstellt, obschon man ihn im Strudel der Meinungen nur zu leicht unbeachtet läßt, so durchaus praktisch, so unbiegsam in seiner Nationaleigenthümlichkeit ist, so fest bei seinen richtigen Ansichten beharrt, wenigstens in allen Dingen, die ihm unentstellt und faßlich vorgebracht werden, und dabei so wenig gneigt ist, sich fremden zerstörenden Einflüssen hinzugeben!

Eine andere von den in England herrschenden Vorstellungen ist die der feindlichen Gesinnung der Vereinigten Staaten wider Großbritannien. Alle, die in letzterer Zeit unser Land bereist haben, gestehen freimüthig, daß sie nichts gesehen oder gehört, was eine solche Meinung von uns rechtfertigen könne, sondern vielmehr grade das Gegentheil. Ich habe öfter Gelegenheit gefunden, meinen Freunden hier zu sagen, daß, nach meiner Meinung, und zwar nach meiner auf lange und vielfache Beobachtungen gegründeten Meinung, »man die Engländer in keinem andern Lande mit so freundschaftlichen Gesinnungen betrachte, als in den Vereinigten Staaten von Amerika.« Ich halte mich von dieser faktischen Wahrheit so völlig überzeugt, als man von irgend einer Sache moralisch überzeugt sein kann, und zu dieser Ueberzeugung bin ich durch meine vielfältigen Beobachtungen und Reisen gelangt. Doch glaube ich kaum, daß es mir gelungen ist, mit meiner Ueberzeugung in England auch nur bei einem Einzigen durchzudringen.

Einige wenige Publicisten steifen sich mit der Behauptung, es bestehe hier keine allgemeine feindselige Stimmung oder irgend ein entfremdendes Vorurtheil der Engländer gegen die Vereinigten Staaten, und an der Spitze dieser Behauptung steht die Edinburgh-Review. Eben so überzeugend läßt sich abläugnen, daß die Sonne in Osten auf- und in Westen untergehe. Die feindliche Gesinnung der Engländer gegen uns ist klar, wie der Tag; sie mischt sich jedem Gedanken bei, sie trübt jedes Zugeständniß, sie verfälscht selbst jede Regung von Menschenliebe. Jeder Amerikaner, der im Lande ansässig ist, empfindet diese feindliche Gesinnung, alle Reisenden erkennen sie an; selbst Kapitain Hall und andere Schriftsteller haben sie eingestanden, und wo es die Umstände mit sich bringen, finden sich unter fünf Engländern wenigstens vier zur Stelle, die das Bestehen dieser feindlichen Gesinnung willig einräumen. Wir wollen deßhalb die Ursache dieser in beiden Nationen einander widersprechenden Neigungen aufsuchen.

In dem Kampf zwischen beiden Völkern hat Amerika im Ganzen gewonnen, während England verloren hat. Der gewinnende Theil ist gewöhnlich freundlich; der verlierende unfreundlich. In Amerika sind die Begebenheiten den Meinungen vorangerückt, und weit entfernt, das Fortschreiten der Begebenheiten durch eine Tendenz zu vorgefaßten Meinungen wider England fördern zu wollen, schien vielmehr die Neigung vorwaltend die Fortschritte der Nation aufzuhalten, indem man sich mit Vergleichungen abmühte, welche zu Gunsten des frühern Zustandes ausfielen. Ein völlig umgekehrtes Verhältniß besteht in England. In Amerika besteht keine Gewalt, welche durch das Beispiel der Engländer in Gefahr käme; während die in England bestehende Gewalt von dem Beispiele Amerika's Manches zu fürchten hat. Diese Bemerkung paßt ganz besonders auf die Kirche von England, welche sich recht eigentlich bemühen sollte, christliche Gesinnungen an die Stelle der Zwietracht zu befördern. Es ist natürlich, daß ein junges Volk theilnehmenden Erinnerungen an seine Vorältern sich hingebe, und freundlich zurückblicke nach dem Lande seiner Abstammung; und es ist eben so sehr der menschlichen Schwäche gemäß, daß diejenigen, die sich einst im ausschließlichen Besitz mancher überwiegender Vortheile befanden, auf das rasche Wachsthum eines mit ihnen wetteifernden jungen Volks vorwärts blicken, das aus ihrer eignen Mitte hervorging.

Diese Ursachen möchten hinreichen; aber es gibt noch andere, welche wenn auch weniger offenbar, doch vielleicht desto thätiger mitgewirkt haben, jene feindliche Stimmung in England gegen uns hervorzubringen. Man darf in diesem Lande nie die Widersprüche übersehen, welche zwischen der Theorie des Verwaltungssystems und der praktischen Verwaltung selbst bestehen. Der Theorie gemäß soll dort dem Könige ein Einfluß zugestanden werden, den er aber in der That nicht auszuüben vermag. Keinem wohlunterrichteten Manne wird es in England einfallen, daß der König nach seinem eigenen Gutdünken einen Krieg erklären könne; die theoretischen Ausleger der Gesetze behaupten dagegen, das stehe ganz in seiner Willkür. Während die englische Aristokratie den König seines Ansehens faktisch entkleidet, ist sie gezwungen die Volksmeinung zu schonen, und die vornehmsten Mittel, deren die Aristokratie sich bedient, um die Meinung des Volks für sich zu haben, bestehen hauptsächlich darin, daß man den Nationalvorurtheilen schmeichelt. Nichts war mir auffallender, als die Art, wie die höhern Klassen, über alle diese Vorurtheile erhaben, durch ihre Organe, die öffentlichen Blätter, solche in der Masse des Volks zu unterhalten streben. Hierin spiele ich durchaus an auf die amerikanischen Angelegenheiten, denn die Aristokratie ist uns ebensowenig gewogen, als irgend andere Parteien der Bevölkerung Englands; und keineswegs wollte ich damit auf den allgemeinen Unterschied, der zwischen Aufklärung und Unwissenheit besteht, anspielen, sondern vielmehr auf solche Ansichten, die man weit eher unter den gebildetern als unter den ungebildetern Klassen sucht.

Ich bemerke nämlich, daß Kapitain Hall sehr viel Gewicht auf die Loyalität legt, als ein Zeichen eines gesunden Zustandes der Gesammtheit, der den Engländern natürlich, aber den Amerikanern völlig unbekannt sei. Dieser Eigenschaft hat er nach meinem Urtheil fast zu viel Gewicht beigelegt, wiewohl er unterlassen hat, diese Eigenschaft auch mit der nöthigen Schärfe zu untersuchen. Diese Loyalität ist nämlich in England weiter nichts als eine leere Abstraktion, in welcher, gehörig vorbereitet, die Nation ihren Vereinigungspunkt findet. Es liegt darin Nationalhochmuth, Nationaleigennutz und Nationalvorurtheil; allem diesen ist durch die Loyalität eine eigenthümliche Richtung gegeben, so weit solche wirklich ein Gefühl ist; denn, daß darunter eine wirkliche Anhänglichkeit an die Person des Königs verstanden werden könne wie man dies Wort wohl sonst zu deuten pflegt, ist durchaus ungereimt, da das Volk ruhiger Zuschauer bleibt, während man den König nach und nach der freien Ausübung seiner verfassungsmäßigen Rechte immer mehr beraubt. Niemand erscheint loyaler in England, als ein Herzog, welcher sich der Stimmen mehrer Wahlflecken zu versichern weiß, um die Ernennung von solchen Parliamentsmitgliedern zu bewirken, deren Hauptgeschäft sein soll, für alles zu stimmen, was das königliche Ansehen irgend zu schwächen vermag. Ein solcher Mann wird gewöhnlich überlaut gegen Alles, was nicht loyal scheint, seine Stimme erschallen lassen, wird die Vorrechte der Krone nicht blos selbst, sondern durch seine Partei überall vertheidigen; zugleich wird er aber gehörig dafür sorgen, daß diese königlichen Vorrechte durch keinen andern Minister ausgeübt werden, als von einem solchen, bei dessen Ernennung er die Hand bietet und mit welchem er nach Gutdünken verfahren kann. Es geht durchaus nicht, daß dieselbe Gesinnung bei denen, welche keine Macht besitzen, vorausgesetzt werde, wie bei denen, die im Besitz derselben sind, und sich in ihrem Benehmen nach dem öffentlichen Urtheil bequemen müssen, um sich ihren einmal gewonnenen Einfluß zu erhalten, noch dazu in einem Lande, wo das Publikum aus Leuten so verschiedenartiger Bildung besteht. Wollten sie nicht in der Erhaltung von Nationalvorurtheilen ihre Stütze suchen, so würde durch ihre Verschmelzung mit der Masse des Volks bald eben jene Gesinnung aufhören, die ihnen als Machthabern so vortheilhaft ist Ich zweifle gar nicht, daß auch unsere Doctrinären größtentheils behaupten werden, daß der König wirklich die Prärogative seines Amtes ausübe. Es wäre ein Leichtes, viele Beweise für das Gegentheil anzuführen; Eins mag aber hinreichen. Es ist bekannt, daß der König von England grade jetzt ein Tory-Ministerium wünscht, und es ist ebenso bekannt, daß es ihm nicht möglich wird, eines zusammenzusetzen, weil das Parliament solches nicht zugibt. Das Recht der Ernennung seiner Minister ist noch das einzige ihm selbst der Theorie nach unbestrittene Prärogativ; denn die Minister selbst sind verantwortlich für alle Namens seiner vollbrachten Handlungen. Doch hören Sie, was ein Zeuge, dessen Loyalität gar nicht bezweifelt werden kann, darüber sagt: »Es hat mich sehr geschmerzt zu hören, wie unser König gezwungen ist, sich von allen vertrauteren Freunden loszusagen, und seine ihm werthere Dienerschaft während des letzten Aufräumens entlassen mußte. Von hundert Dingen will ich nur das Eine anführen, weil es Ihren alten guten Bekannten Lord Bateman mit angehet; er kam, wie gewöhnlich noch spät zum Könige, um zu fragen: ob Sr. Majestät gefällig wäre am andern Morgen zu jagen? »Ja, Mylord,« sagte der König, »aber ich fühle, zu meinem Verdruß, daß ich das Vergnügen Ihrer Gesellschaft werde entbehren müssen.« Das war die erste Andeutung seiner bald darauf erfolgten Entlassung; und ich meine doch, der Streit zwischen Frankreich und Amerika hätte eben so gut geschlichtet werden können, wenn auch die Jagdhunde ihren alten Herrn behalten hätten.« Vergl. den Brief von Hannah Moore an ihre Schwester. London 1787. So ließen die Plantagenets nicht mit sich umgehn; und doch hieß es auch damals, England werde beherrscht vom Könige, von den Lords und von den Gemeinen!.

Die Macht dieser Täuschung – der Begriff der Loyalität wird zu einer durchaus leeren Täuschung, sobald man solchen auf die Gesinnung der Einzelnen bezieht, – ist von unvergleichlicher Wirkung; denn ich möchte wohl fragen, ob das englische Volk in seiner eignen Weise nicht das loyalste Volk von Europa ist. Ihre Gesinnungen können vielmehr dazu dienen, um es sehr zweifelhaft zu machen, ob nicht überhaupt der Mensch geneigt sei, sich mehr mit leeren Abstraktionen als mit prägnanter Realität zu befassen.

Eine andere Quelle englischer Vorurtheile ist die gläubige Anhänglichkeit an alle Fictionen ihres politischen Systems. In keinem andern Lande ist das gesellige Leben aus so vielen steifen Gewöhnungen zusammengesetzt. Lord – – machte einmal die Bemerkung gegen mich: »England ist eine Pyramide, worin jedem seine besondere Stelle angewiesen ist, und der König bildet die Spitze derselben.« Diese Bemerkung enthält einiges Wahre; aber der Peer beging den Fehler, daß er den wesentlichen Umstand übersah, daß da, wo die Spitze der Pyramide sich befinden sollte, die Basis derselben ist. Dieses steife Formenwesen (social drilling) im geselligen Verkehr hat wie alles Andere seine Vortheile und Nachtheile. Jemehr einer durchaus zum Soldaten gedrillt wird, desto weniger wird er zu etwas Anderm tüchtig sein. Sie können sich keine Vorstellung davon machen, wie weit man es hier mit der Standesmoral zu treiben pflegt; man überschreitet hierin eben so oft alle Grenzen des gesunden Menschenverstandes und selbstständiger Grundsätze in Einem Extrem, wie die Kunstgriffe der Presse und die Prahlerei der niedrigsten Parteipolitik solche in einem andern Extrem überschreiten. Mir ist ein Bedienten-Manual zu Gesicht gekommen, in welchem, außer der Erwähnung der wirklich zu leistenden Dienste, eine umfassende moralische Instruction dem lernbegierigen Leser, seinem Stande gemäß, mit der äußersten Genauigkeit und dem feierlichsten Ernst auseinandergesetzt wird. Es ist dies wirklich eine Art von socialem Catechismus. So weit hat man es in dem System gebracht, die Menschen zu drillen, daß ich wirklich geneigt bin, anzunehmen, daß in jetziger Zeit die Mehrzahl der Engländer jeden ernsthafteren Versuch, die Phasen des geselligen Verkehrs umzuwandeln, als ein unmoralisches Streben verabscheuen muß. Man hält dergleichen gleichsam für socialen Hochverrath, und knüpft an diese Vorstellung von Hochverrath, wie überall, die Idee eines unverzeihlichen Verbrechens.

Die vortheilhaften Folgen dieses Drillens sind große Ordnung und vollkommene Beobachtung des äußerlich Geziemenden und des streng Methodischen in der Leitung aller Lebensverhältnisse. Dagegen fuhren wir als nachtheilige Folge desselben an, daß den natürlich socialen Banden künstliche Bande substituirt werden, daß Förmlichkeit die Stelle der wirklichen Anhänglichkeit und der wahren Herzensmeinung einnimmt, bis die zurückgedrängte und beengte wirkliche Gesinnung der Menschen endlich die geglättete Oberfläche durchbricht, und den ganzen politischen Körper verunstaltet, wenn sie ihn nicht völlig zerstört. Es läßt sich hier kein Vergleich zwischen der Politur eines englischen und eines französischen Bedienten in Beziehung auf die Tausende von Kleinigkeiten des Dienstverhältnisses anstellen. Der erstere ist weit dem andern vorzuziehen, fast wie ein englisches Messer einem französischen; sieht man aber auf die Gesinnung, mit welcher beide ihre Dienstpflichten erfüllen, dann verhält sich die Sache ganz umgekehrt. Den englischen Bedienten darf man keine Vertraulichkeit, höchstens Freundlichkeit zeigen; der französische kann beides nicht entbehren. Zum englischen Bedienten spricht man nie, außer wenn man ihm etwas zu befehlen hat; der französische Bediente wird wie ein bescheidener Freund in weniger glänzender Lage behandelt. Die französische Revolution hat Beispiele von Treue und Anhänglichkeit gezeigt, welche die Folgen der verschiedenen Behandlungsweise waren, welche man vergeblich in England suchen würde, wenn dort eine Revolution ausbräche.

Eine der Folgen der Vorurtheile des Landes besteht darin, daß man wirkliche Zustände und vernünftige Urtheile völlig übersieht und statt dessen an unhaltbaren Ansichten festhält, welche die Engländer ihrer Herkömmlichkeit wegen für unumstößlich halten. Ich könnte Ihnen dafür Hunderte von Beweisen anführen; doch mag ein einziges hinreichen.

In einem kleinen Streit mit dem Dirigenten einer periodischen Schrift, der den Amerikanern persönlich nicht abgeneigt ist, hatte ich Gelegenheit, folgende Irrthümer in Bezug auf uns anzumerken. Es war die Rede von der Nord-Expedition des Kapitän Parry, und er ertheilte dem Benehmen des Schiffvolks das verdiente Lob, welches er ihrem tüchtigen Eingeschultsein, als Engländern, zuschreibt. Um nun den Unterschied des englischen Systems des Einschulens, um dieses Ausdrucks mich zu bedienen, von einem andern, das man mit vollem Recht ein jenem völlig entgegengesetztes nennen könnte, recht herauszuheben, hatte er einer Entdeckungs-Expedition erwähnt, welche die Regierung der Vereinigten Staaten nach dem stillen Meer geschickt hätte, und bei welcher die Mannschaft ihre Officiere an die Küste ausgesetzt habe und auf den Seehundsfang ausgegangen sei! Ich darf nicht übergehen, daß mein Bekannter mich darum angelegen hatte, Beiträge zu seinem Werke zu liefern, um manche Irrthümer zu berichtigen, welche in England über Amerika bestehen möchten.

»Hier,« sagte ich, »ist ein Beispiel von oberflächlichen Beweisführungen, die so oft von Engländern gebraucht werden. Sie bilden sich oft irgend eine Thatsache blos ein; und ohne sich weiter darum zu kümmern, ob diese Thatsache wirklich bewiesen werden könne, machen sie sich frischweg daran, Schlüsse daraus abzuleiten. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat noch nie eine solche Expedition ausgesendet, und folglich hat ein solches Ereigniß in der Art, wie es hier erzählt wird, auch nie stattgefunden. Was aber den Grundsatz betrifft, der hierdurch vertheidigt werden soll, so kann ich vielmehr versichern, und zwar aus eigner Erfahrung, daß die englischen Matrosen die widerspenstigsten unter allen, dagegen die amerikanischen Seeleute grade die lenksamsten sind, und daß sie am allerwenigsten gegen einmal nöthig gewordene Gesetze sich auflehnen, unter allen, mit denen ich jemals in Berührung gekommen bin.

»Uebrigens ist es Thatsache, daß den Officieren amerikanischer Kreuzer noch nie eine Stunde lang der Gehorsam von ihrer Mannschaft aufgekündigt wurde, ich könnte sagen, noch nie auch nur eine Minute; obwohl einige kleine Vorfälle von Insubordination vorgekommen sind, als noch die englischen Gesetze bei uns galten, und zwar nur, als die Dienstzeit der in Rede stehenden Mannschaft bereits gesetzlich abgelaufen war; und dennoch, vermöge der Besonnenheit der Offiziere und der Gewöhnung der Mannschaft an Gehorsam, wurde der versuchte Widerstand im ersten Entstehen sogleich erstickt. Nehmen wir jetzt die Kehrseite des Gemäldes. Haben nicht die Mannschaften mehrer englischer Schiffe ihre Offiziere gemordet? und sind sie nicht mit den Schiffen, während des letztern Kriegs, nachdem sie sich ihrer Vorgesetzten entledigt, in alle Welt gesegelt? Nehmen wir nur zum Beispiel den Fall mit der Hermione, mit der Bounty, – und doch werden Behauptungen, wie jene, im Angesicht des notorischen Faktums gemacht, wo das englische Reich bis in's Innere erbebte, wegen der Meuterei auf dem Nore!«

Es schien, daß mein Bekannter über meine Weise, die Dinge darzustellen, erstaunte; ich erwartete eine Erläuterung darüber in seinen Blättern zu finden; aber die nächste Nummer enthielt einen Paragraphen, welcher den Widerruf einiger aufgeführten Umstände enthielt, welche mit den Nationalvorurtheilen in Conflikt kamen!

So weit man nur den äußern Schein, die bloße Manier betrachtet, bringt das englische Drillungs-System im alltäglichen Leben manche bessere Wirkungen hervor, als sich von unserm Durcheinander (pêle-mêle) auf den ersten Blick erwarten läßt. Ein guter Theil der scheinbaren Grobheit oder des Mangels an äußerer Unterwürfigkeit bei uns rührt von dem fehlenden nähern Zusammenhalten der gebildeteren Klassen her, wovon ich so oft gesprochen habe, so wie von der moralischen Kleinmüthigkeit vieler Menschen, welche öfter mit großer Begierde sich Alles zueignen möchten, was dem äußern Leben Glanz verleihen kann, ohne daß sie es durch selbstständiges Benehmen dahin zu bringen vermögen, nicht gegen das Geziemende zu fehlen. Ein spaßhaftes Beispiel, wie man in Amerika öfter die Benennungen mißbraucht, erzählte mir neulich der Richter – – aus Louisiana. Ein Constabel erschien im Gerichtssaal mit zwei Schelmen und redete ihn an und sagte: »Mit Verlaub, dies sind die beiden geehrten Herren, welche dem Oberst – – die Pferde gestohlen haben.« Könnten die beiden Nationen einander hierin auf halbem Wege entgegenkommen, so würden beide wesentlich dabei gewinnen; wir im äußern Benehmen und in gefälligen Manieren, und die Engländer in der Aufrichtigkeit und Lauterkeit der Gesinnung. Ohne Zweifel nimmt bei uns ein Benehmen überhand, welches alle rechte Art, die Verhältnisse des Lebens zu beachten, verdirbt und welches nicht ohne üble Folgen sein kann, da es oft das Wesen der Dinge mit ihrem Schatten verwechselt. Demokratie hat keinen nothwendigen Zusammenhang mit Gemeinheit, denn Demokratie will nichts weiter bedeuten, als daß Jedermann gleiche politische Rechte besitzen soll. Aber es kann keine größere Täuschung geben, als die Behauptung, daß die Menschen einander in allen Dingen durchaus gleichstehen. Vor Gottes Angesicht sind wir alle gleich, und glücklich ist das Land, wo es nicht gefährlich ist, das auszusprechen, daß wir auch in allen gesetzlichen Ansprüchen einander gleichstehen; weiter aber läßt sich der Grundsatz der Gleichheit nicht ausdehnen, ohne daß fortschreitende Entwicklung ein Unding sein würde. Der Eine hat mehr Geschmack oder Einsicht, bessere Grundsätze oder größere Thatkraft als ein Anderer, der eine ist schöner, der andere gewandter u. s. w.

Ich bin der Meinung, daß grade die geselligen Einrichtungen bezwecken sollen, daß derjenige, der im Besitz seines natürlichen oder erworbenen Vortheils sich als der Stärkere fühlt, den Schwächern nicht unterdrücke, der dieser Vortheile entbehrt. Dadurch werden die Verhältnisse zwischen Herrn und Diener nicht aufgehoben; derjenige, der um Lohn sich der Arbeit unterzieht, dient unter der Leitung des Dienstherrn, während der andere befiehlt. Diese Pflichten können dabei mit zu wenig oder mit zu viel Nachgiebigkeit gegen äußere Manieren erfüllt werden. In einem civilisirten Zustande besteht eine Gewöhnung an solche Manieren, welche sich erst da recht befestigt, wo die gewöhnlichen Verhältnisse der Bevölkerung zum Boden nicht mehr unbestimmt sind; denn die äußere Sitte ist eine Folge des näheren Zusammendrängens der Bevölkerung, und wir brauchen nicht zu besorgen, daß wir nicht in einiger Zeit auch unsern Theil davon bekommen werden, wenn auch, bis dies geschieht, bei gelegentlichen Vorfällen einzelne Menschen insolentes Betragen mit unabhängiger Haltung verwechseln mögen. Vielleicht ist auch der Ausdruck Insolenz etwas zu stark, zumal da ich weit mehr wahrhafte Insolenz in den niedern Ständen Englands angetroffen habe, als in Amerika, denn Insolenz ist die natürliche Folge der Reaction; dagegen findet man freilich bei den Amerikanern keine solche Fügsamkeit wie bei den Engländern. Wenn sich in Amerika in einem nicht zu großen Raum etwa zwölf anständige Familien zusammenfinden, so werden sie durch ihren natürlichen Einfluß bald eine Atmosphäre von Decenz um sich verbreiten, die alles, was man nur wünschen kann, in sich vereinigen wird. Dieses natürliche Gefühl für Sitte, Recht und Schicklichkeit, das jedem Menschen innewohnt, welches in moralischer Beziehung zur Gewissenssache wird, würde alsdann das Vertrauen rechtfertigen, welches man unbedingt in dasselbe setzen kann, indem es das gegenseitige Benehmen der verschiedenen, sich in allen gesetzlichen Beziehungen übrigens gleichstehenden Stände, ganz von selbst zu regeln im Stande sein wird.

In England ist auch die Meinung ziemlich allgemein verbreitet, wir hätten grade den Augenblick abgewartet, ihnen den Krieg zu erklären, in welchem England sich mit dem übrigen Europa in den schwierigsten Verwickelungen befunden habe. Zum Theil ist diese Meinung Mitursache des Widerwillens der Engländer gegen uns, obschon diese Meinung ebenfalls nur aus ihren Vorurtheilen hervorgeht, denn es ist auch nicht das Geringste von Wahrheit darin. Ich erinnere mich nicht, mit irgend einem Engländer über diese Sache gesprochen zu haben, der diese Meinung nicht ebenfalls gehabt hätte. Man nimmt gar nicht Rücksicht darauf, daß geschichtliche Data einem solchen Ansinnen widersprechen. Amerika erklärte England den Krieg am 18. Juni 1812, nachdem es zwanzig Jahre lang das völkerrechtwidrige Matrosenpressen und ungerechte Beraubungen aller Art geduldet hatte, und es erklärte England den Krieg nicht eher, als bis letzteres einen unwiderruflichen Beweis gegeben, daß es damit umgehe, den Bund der Vereinigten Staaten vernichten zu wollen, und sich fest entschlossen gezeigt hatte, die einmal beschlossenen Maßregeln nicht zurücknehmen zu wollen. Ueber den Krieg selbst gibt die Geschichte hinreichende Auskunft, wie über die der Engländern zu Gebote stehenden Hülfsmittel; denn es vergingen keine drei Monate, so erbot sich England willig zu Allem, was es vorher standhaft verweigert hatte. Im Juni 1812 waren Spanien und Portugal bewaffnet auf der Seite Englands, und Schweden wie Rußland rüsteten sich im Stillen zu einem Bündniß mit demselben, und alle die großen Ereignisse, durch die endlich Frankreichs Macht gebrochen wurde, waren eben im Entstehen; doch im Angesicht aller dieser Facta besteht dennoch bei den Engländern die eben erwähnte Meinung.

Die Engländer haben sich überreden lassen, zur Aufrechthaltung des religiösen Sinnes sei eine Staatsreligion oder die Beaufsichtigung der vermiedenen Religionen im Staate durch die Regierung unumgänglich erforderlich. Was die religiösen Einrichtungen Italiens, Frankreichs, Spaniens, der Türkei, wie der ganzen übrigen Welt betrifft, so wird man von freien Stücken zugeben müssen, daß die verschiedenen bestehenden Religionssysteme nicht frei von wesentlichen Fehlern sind; da aber jede Sekte, sich im Alleinbesitz der Wahrheit zu befinden, vorgeben muß, so gereicht es ihnen sämmtlich zum Vortheil, sich durch gesetzliche Bestimmungen und ausschließliche Vorrechte zu behaupten. Von allen lästerlichen Vergehungen, deren die Welt Zeuge gewesen ist, waren diejenigen, welche die sanften Lehren des Christenthums dadurch herabwürdigten, daß sie dessen Lehrer mit Reichthümern und Ehren unter dem nichtigen Vorwande der Aufrechthaltung der Religion überhäuften, sicherlich der Verbreitung der Wahrheit am meisten hinderlich, und am meisten den Grundsätzen der Demuth widerstrebend. Das sind aber die Früchte herrschender Religionssysteme und ihrer Benutzung zu den eigennützigen Zwecken der Aufrechthaltung nicht geistlicher Regierungssysteme. Zwar ist es möglich, daß rechtliche Leute selbst unter solchen nachtheiligen Einrichtungen sich wohl befinden; aber nur die nicht rechtlichen Leute können wirklich dabei nicht anders, als sich wohl befinden. Es ist ein Kunstgriff des Teufels, wenn dieser gefallene Engel wirklich sich mit geistlichen Dingen abgibt.

Da wir nun weder eine Staatsreligion noch religiöse Einrichtungen überhaupt unter der Leitung der Regierung besitzen, so besteht eine vorherrschende Meinung, wir hätten gar keine Religion. Manche gebildete Engländer haben eine solche Meinung gegen mich ausgesprochen, was sie gar nicht nöthig gehabt hätten, gegen mich einzugestehen; denn ich hatte mich von dem Bestehen dieses Vorurtheils in England wiederholt überzeugt, als kaum ein Monat meiner dortigen Anwesenheit verflossen war. Einer hatte sich sogar mit Beziehung auf faktische Beweise an mich gewandt, um die Gründe derer bestreiten zu können, welche die gegenwärtigen Zustände bei uns vertheidigen, seitdem man immer wieder mit der Behauptung durchzudringen strebt, der gegenwärtige Zustand von Amerika sei ein Beweis der Notwendigkeit, daß die Leitung der religiösen Angelegenheiten von der Regierung ausgehe, damit Ordnung und Moralität bestehen könne. Meine Antwort war: »wenn die höhern Stände von England mit ihren jetzigen Gewohnheiten und Ansichten sich auf einmal nach Amerika versetzt sähen, so würde es unter Hunderten keinen Einigen geben, der sich nicht über den religiösen Fanatismus und die übertriebene Frömmigkeit der Amerikaner laut beschweren würde.«

Meiner Meinung nach, habe ich in dieser Antwort ganz und gar das wahre Verhältniß bezeichnet. Hier in England besteht ein äußerer Schein demüthiger Hochachtung vor allen geistlichen Gegenständen bei Standespersonen, den man nicht so häufig oder doch nicht so allgemein bei uns antrifft. Denn da die englische Regierung sich in den Händen einer aristokratischen Körperschaft befindet, und die kirchliche Einrichtung jene in allen Dingen unterstützen muß, so würden die Glieder der aristokratischen Körperschaft eine große Unbesonnenheit begehen, wenn sie, die den größten Nutzen von der bestehenden Einrichtung haben, unter den jetzigen Verhältnissen ein gleichgültiges Benehmen gegen die Kirche, ihre mächtige Verbündete, äußern wollten. Diese Leute erinnern mich öfter an jenen englischen Matrosen, der, als er von den Türken gefangen genommen worden, von ihnen bedrängt wurde, er möchte zu ihrem Glauben übertreten. »Was?« sagte er: »ich soll meine Religion ändern? Ich will lieber verd – t sein! ich thu's nicht!« – Was das äußerliche religiöse Benehmen, ich möchte fast sagen, den religiösen Ton in Europa betrifft, so läßt sich solcher am besten aus den wirklichen Begebenheiten beurtheilen. Seit ich in Europa war, haben unter andern Dingen folgende vor meinen Augen sich ereignet.

Ein Duell fand bei Boulogne in Frankreich statt zwischen dem Hochehrwürdigen – – und Herrn – –. Der erstere hatte dabei seinen Bruder, den Hochehrwürdigen – – zum Secundanten. Beide hochehrwürdige Herren waren ordinirte Geistliche der Anglikanischen Kirche, und letzterer war, wie man sagt, mit der Tochter eines Bischofs verheiratet.

Vor einer Londoner Magistratsperson trat Jemand als Kläger auf wegen einer Rencontre. Der Beklagte vertheidigte sich, indem er sagte: »er sei mit einem Frauenzimmer in einem »Gig« gefahren; Kläger sei zu Pferde mehrmals vorübergekommen, und habe seine Gesellschafterin verhöhnt; indem er ihr unter den Hut in's Gesicht geblickt habe, darauf habe er den Beleidiger mit der Peitsche bedient.« – »Haben Sie Ihrem Angreifer diese Karte behändigen lassen?« fragte der Richter den Kläger. – »Ja, ich that es, wie es unter anständigen Leuten Sitte ist, wenn ihnen eine solche Beschimpfung widerfährt.« – »Die eine Ecke der Karte ist abgerissen. Wie? haben Sie die abgerissen?« – »Ich gehöre zum geistlichen Stande, Herr, und da dachte ich, das Hochehrwürdig passe nicht bei einer solchen Gelegenheit.« Die ganze Verhandlung mit den Namen der Betheiligten ist, während ich mich hier aufhielt, in den Polizeiberichten erschienen.

»Auch der hochehrwürdige Mr. O – – hat mit Mr. – – noch ganz kürzlich bei Boulogne einen Zweikampf bestanden, wobei der hochehrwürdige Herr seinen Gegner gezeichnet hat.« Dies stand ebenfalls in öffentlichen Blättern.

Es gibt gewiß vielerlei Vergehungen im geistlichen Stande, so weit die Welt reicht; denn sie haben ihre Schwächen als Menschen, wie wir Alle. Wahrscheinlich gibt es unter den Geistlichen in England verhältnismäßig nicht mehr tadelnswürdige Leute, als es deren in allen andern vom Staate beschützten geistlichen Gemeinden gibt, wo irgend die Anreizung vorhanden ist, des Erwerbes einträglicher Pfründen halber, sich in dieselbe aufnehmen zu lassen. Doch mir ist es blos darum zu thun, in dieser Beziehung Ihnen das anzuführen, was mehr unmittelbar zur Vergleichung des geistlichen Standes in England mit dem amerikanischen führen kann. Ich glaube, es würde sich in Amerika schwerlich ein Nichtgeistlicher finden, der es über sich gewinnen könnte, mit einem Geistlichen einen Zweikampf auszufechten, und noch viel weniger würde man bei uns einen Geistlichen finden, der einen Zweikampf bestehen möchte. Wenn »Heuchelei die Huldigung ist, welche das Laster der Tugend darbringt,« so kann man freilich einwenden, daß die öffentliche Meinung in Amerika einem Geistlichen mehr Beschränkungen auflegt, als seinem äußerlichen Betragen in England aufgelegt wird.

Es hieße den Einfluß der gewöhnlichsten natürlichen Wirkungen ableugnen wollen, wenn man behaupten wollte, daß eine Kirche, deren Wege zu großen Reichthümern und zu hohem Rang im Staate führen, unter ihren Dienern durchaus so redliche, uneigennützige, herzensreine Männer zählen könne, als eine solche, die weit weniger zeitliche Güter zu bieten hat, als jede andere Beschäftigung im Leben. Wenn man daher darauf bestehen wollte, eine vom Staate geleitete kirchliche Einrichtung sei zur Förderung des religiösen Sinnes nothwendig, so müßte man dabei zugeben, daß man auch die Vortheile einer solchen Einrichtung nicht ohne jene überwiegenden Nachtheile erlangen kann. Es ist ein notorisches Faktum, daß man in England die Söhne vornehmer Familien schon recht eigentlich für die Kirche bestimmt, wenn sie noch Kinder sind, um ihnen den Genuß geistlicher Pfründen zu erwerben, welche von der Familie selbst oder ihren Freunden vergeben werden, oder um ihrem Vermögen durch geistliche Einkünfte aufzuhelfen, welche denselben durch den Einfluß verwandter oder befreundeter Gönner zugewendet werden können. Von allen solchen Dingen hat man bei uns keine Vorstellung,

Lord – – machte bei einem Diner, dem ich in seinem Hause beiwohnte, gegen mich die Bemerkung, das Beste, was wir in Amerika hätten, wäre unsere Befreiung von dem Joch durch die Regierung geleiteter kirchlicher Einrichtungen. Dadurch ermuntert, theilte ich mit, was ich in Amerika selbst einmal mit angehört hatte. Ich fuhr einmal in einer Schaluppe in Begleitung zweier junger Wallfischfänger längs der Küste; sie waren eben von einer Seereise zurückgekehrt. Ein Mann, der sich an Bord befand, fragte mich, was aus dem jungen Napoleon geworden sei, der damals ein Knabe von zwölf Jahren war. Ich antwortete, einem Gerüchte zufolge werde er von den Oesterreichern zum geistlichen Stande erzogen. Meine beiden jungen Wallfischfänger horchten auf unser Gespräch, und als der zarten Jugend des jungen Napoleon erwähnt wurde, rief der eine schnell dem andern zu: »Hörst du's Ben? Sie richten ihn zum Pfaffen ab, mit dem Leitband!« – »Ja wohl, ja wohl; es gibt'n Zuchtkalb-Priester!«

Mich belustigte das Treffende und Stechende dieser Anmerkungen damals außerordentlich, und jeder Amerikaner wird leicht einsehen, warum; aber noch mehr ergötzte mich die Art, wie meine englischen Zuhörer diese Anekdote anhörten. Ich glaube, daß kein einziger von ihnen den eigentlichen Witz bemerkte; doch da die Sag-Harbour-Männer sich vom Landbau hergenommener Ausdrücke bedient hatten, um ihre Gedanken zu erläutern, so mußte ich mich zugleich darüber erklären, wie solche Leute etwas mehr als blos halbe Seeleute sein könnten, und ob wohl Amerika genug Seeleute aufstellen könnte, um eine große Seemacht zu werden! Deutschen Lesern braucht man nicht zu erklären, was mit dem Leitbande und Zuchtkälbchen gemeint ist. Die Engländer wollten vermuthlich den Witz nicht verstehen. Daß übrigens Wallfischfänger sich landbau-üblicher Ausdrücke bedienten, zeigt einerseits, daß selbst unter den niedern Ständen in Amerika keine einseitige Richtung statt findet, weil dort Niemand an einen Beruf ausschließlich gebunden, und ebenso wenig der sociale Verkehr auf Berufsgenossen allein beschränkt ist. Andererseits mochten diese Wallfischfänger wohl einen von der Viehzucht hergenommenen Vergleich am passendsten finden. Die Engländer suchten in diesem Fall wohl nur eine Veranlassung, ein anderes Gespräch herbeizuführen.

Eine Dame, mit der ich hier längere Zeit umgegangen bin, um bei ihr mich aufrichtig äußern zu dürfen, sprach von dem Sohn eines adlichen, mit ihr nahe befreundeten Hauses, welcher zum geistlichen Stande gehört. »Es ist recht unangenehm,« sagte sie, »wenn man erfahren muß, daß ein Mensch, den man achtet, in solchen Dingen ein Querkopf wird. Dieser – – ist ein ganz ernster Mensch geworden und dabei ein wenig fanatisch überspannt; die Familie hat mir den Auftrag gegeben, ihm Vorstellungen zu machen!« – Dieser – – ist ein Geistlicher, dessen Frömmigkeit von einem unserer Bischöfe hoch erhoben worden ist, und dessen Hingebung gegen den Erlöser ihm bei uns den Ruf erworben hat, er stehe bei den vornehmen Engländern deßhalb in großem Ansehen! So weit die Sache ihn selbst betrifft, mag er wohl wissen, wie und warum; aber die Art, wie die englische »Nobility und Gentry« sein Benehmen betrachtet, gibt Ihnen einen hinlänglichen Beweis von dem, was ich vorhin gesagt habe.

Ich will von diesem Gegenstand abbrechen, von dem ich überhaupt ungern rede. Die Kirche von England, so weit ihre religiösen Sätze in Betracht kommen, ist diejenige, in welcher ich selbst erzogen worden bin und in welcher ich meine eignen Kinder habe erziehen lassen; und Niemand kann für ihre trefflichen Lehren empfänglicher sein, als ich, wenn sie von ihren Mißbräuchen gehörig gesondert werden. Ich hätte gern auch von den Mißbräuchen geschwiegen; aber ich fühle mich überzeugt, daß ein habsüchtiger, weltlicher Geist die Kirche zum Werkzeug in den Händen arglistiger, vorurtheilsvoller Menschen gemacht hat, welches einen geselligen Zustand herabwürdigt, der vielleicht nicht freier von eigenthümlichen Gebrechen ist, als es überhaupt das Loos der Menschen zuläßt.

Eine andere Vorstellung scheint ebenfalls tief in der Sinnesart der Engländer eingewurzelt zu sein, daß nämlich alle Menschen von liberaler Erziehung und anständiger, ehrenhafter, gebildeter Lebensgewöhnung nothwendiger Weise gegen die Gleichheit der Rechte im Volke eingenommen sein müssen und nur eine solche Freiheit vertheidigen dürfen, wie ihre englische Freiheit, wenn sie überhaupt irgend eine Freiheit zu vertheidigen wagen dürfen. Eines der ersten Dinge, welches der geistliche Kritiker der wohlbekannten Predigt des Dr. Hobart, anmerkt, ist seine Verwunderung, daß ein Mann von anständig-ehrenhafter Bildung (gentleman-like habits) solche Ansichten äußern könne, wie diese Predigt sie enthalte! Es scheint, daß ohne Zweifel bei vielen Menschen, welche nicht über das Aeußere hinweg zu blicken vermögen, was die wenigsten Menschen im Stande sind, eine ziemliche Geneigtheit besteht, den äußern Geschmack mit innerer Bildung zu verwechseln. Es gibt viele Dinge, in welchen die Resultate des englischen Systems weit mehr meinem Geschmack und selbst meinen Gewohnheiten zusagen, als ich dieses von den Resultaten unseres Systems sagen kann, wiewohl ich überzeugt bin, daß bei uns manche Dinge mit der Zunahme unserer Bevölkerung eine günstigere Gestalt gewinnen werden; – demungeachtet geht mein Wohlbehagen an solchen Dingen nicht so weit, daß ich glauben sollte, ein ehrenwerther Mann könne sich damit oberflächlich begnügen, ohne diese Dinge in ihrem Innern näher untersuchen zu wollen. Man kann nicht das durchaus Gedrillte socialer Zustände, wie es die Herrschaft ausschließlich bevorrechteter Stände mit sich bringt, hinnehmen wollen, ohne die Bedingungen, unter welchen solches allein bestehen kann, mit in den Kauf zu bekommen. Jede Staatsgewalt, welche nicht auf die Masse des Volks selbst gegründet ist, sieht sich zu ihrer eignen Sicherheit genöthigt, die Thatkraft sowie die Fortbildung dieser Masse aufzuhalten und zurückzudrängen, und davon ist die weite Kluft zwischen den höchsten und niedrigsten Ständen in Europa die unmittelbare Folge.

Wenig nur will ich von dem ganz rohen und gemeinen Vorurtheil reden, daß man hier nämlich den frommen Glauben nährt, der Engländer erfreue sich eines angeborenen moralischen wie physischen Uebergewichts über das ganze übrige Menschengeschlecht; denn man findet etwas diesem Aehnliches bei den meisten Nationen. Doch scheint es mir, daß die Vorurtheile der Engländer in dieser Hinsicht weit beleidigender für andere Nationen sich gestalten, als z. B. die unsrigen. Die englischen Vorurtheile machen sich indessen vor den amerikanischen noch durch einen besonderen Unterschied bemerklich. Der gemeine Engländer vermag sich nicht aufrichtiger über seinen transatlantischen Vetter erhaben zu dünken, als ihm diese Anmaßung von dem gemeinen Amerikaner erwiedert wird; aber während der Engländer der obern Stände den Amerikaner als unwichtig und unbedeutend auffaßt, so überschätzt dagegen der Amerikaner der höhern Stände die Wichtigkeit und Bedeutendheit des Engländers. Gewiß gibt es beiderseitige Ausnahmen in Menge, besonders unter denen, welche gereist sind; aber das, was ich eben behauptet habe, kann meines Bedünkens als Regel gelten. Unsere Schwäche, die Engländer zu überschätzen, ist eine natürliche Folge unserer Abstammung, als eine Kolonie Englands, sowie unseres Lesens englischer Bücher und der durch den weiten Abstand und durch geistige Abhängigkeit bewirkten übertriebenen Vorstellungen. Es ist eine geistige Schwäche, welche Alle bemerken und belächeln, nur die nicht, welche sie selbst haben.

Ich zweifle, ob anerzogene und rücksichtslose Vorstellung von persönlicher Ueberlegenheit in der Schale des socialen Lebens so überwiegend sein könne, oder ob sie bei irgend einem Volk von Bildung, oder irgend einer menschlichen Gesellschaft zu solcher Uebertreibung führen könne, als bei den Engländern. In dieser Beziehung bilden wir uns eher weniger als mehr ein; denn während man durch ganz Amerika, in den obern Klassen nämlich, von denen ich ja jetzt allein rede, die Leute fast bis zum Aerger reizen würde, wenn man bezweifeln wollte, bei uns seien die Sachen von weniger vortrefflichem Werthe, als bei andern Nationen; so besteht dagegen ein fast allgemeiner Mangel an Selbstvertrauen gegen unsern persönlichen Werth, an unsere Gleichstellung mit andern Nationen in Dingen, die einzig die Würde und den Charakter des Mannes auszeichnen. Einer Ihrer Freunde wurde des Nationalhochmuths und des Nationaldünkels beschuldigt – eine, beiläufig gesagt, sonderbare Beschuldigung, denn ich möchte wohl wissen, ob es in der ganzen Republik einen Mann gibt, der weniger stolz auf seinen Nationalcharakter ist, als der, von welchem ich spreche – weil er sich bemüht hat, einige der gröberen Anzüglichkeiten abzuwehren und zu bekämpfen, welche Arglist und Vorurtheil in diesem Winkel der Erde vorsätzlich und absichtlich wider uns geschleudert hatten; und blos der einfältige Umstand, daß er sich bei dieser Gelegenheit herausnahm, die englische geträumte Vorzüglichkeit etwas genauer zu beleuchten, ist die Veranlassung gewesen, daß er alle Gunst einbüßte, die er jemals bei'm lesenden amerikanischen Publikum früher als Schriftsteller besessen haben mochte; denn von der Gnade Englands hängt jetzt ganz und gar der Ruf und der Charakter jedes Amerikaners ab, den es zu erschüttern für gut findet, wenn er nicht von der Masse seines Volks unterstützt wird. Denn England erhebt mittelst der Presse Alle, welche ihm huldigen, und stürzt mittelst der Presse Alle, die es wagen, sich ihm zu widersetzen. Die erwiesenen Behauptungen Ihres Freundes sind öffentlich verspottet worden, weil er die Rechte und die Verdienste der Masse in ihrem wahren Lichte gezeigt hat, in welchen doch allein für uns die Grundlage besteht, auf welche wir unsere vergleichungsweisen Ansprüche auf Nationalvorzüge gründen können; und jetzt frage ich Sie, ob Sie in irgend einem kritischen Blatte, in irgend einer beiläufigen Bemerkung, oder in irgend einem Aufsatz jemals bei uns solche oberflächlich absprechende Behauptungen in dem Sinne eines angeborenen, eingebildeten Nationalübergewichts ausgedrückt gefunden haben, als sie der folgende Abschnitt enthält?

»Es würde vergeblich sein, die Gründe zu erforschen, ob dieses Uebergewicht, welches, wie wir, ohne Anstand zu nehmen, behaupten können, sich, wenige Fälle ausgenommen, jederzeit offenbar erwiesen hat, wo irgend britische Truppen unter gleichen Verhältnissen mit fremden Truppen sich messen konnten, ob dieses unverkennbare Uebergewicht, sagen wir, von einer kräftigen Leibesbeschaffenheit oder von einer bestimmteren geistigen Richtung herrühre; doch es ist gewiß, daß der englische Krieger, obschon er dem Franzosen in allgemeiner Bildung und in persönlicher Bekanntschaft mit dem Kriegshandwerk nachstehen dürfte, dennoch im blutigen Zusammentreffen des wirklichen Handgemenges einen entschiedenen Vortheil voraus hat, welcher besonders da sich zeigt, wo das Bajonet, Mann gegen Mann, den Kampf entscheidet. Es ist merkwürdig zugleich, daß diese Zaubermacht nicht etwa der einen oder der andern der drei verbundenen Nationen eigenthümlich ist; sie ist vielmehr allen Eingeborenen derselben überhaupt eigen, so verschieden auch ihre Lebensgewöhnung und ihre Erziehung sein mag. Die Garde, welche die City von London stellt, mag immerhin mit den in ihren üppigen Fluren ausgehobenen Irländern oder mit einer Schaar von Schottländern aus ihren heimischen Wildnissen contrastiren, und so schwer es sein dürfte, einem der drei vereinigten Völker vor den beiden andern die Palme zuzuerkennen, so wird man bei allen doch denselben unerschütterlichen, verzweifelten Muth bewundern müssen, welcher, ohne zögerndes Ermessen ihrer Kräfte, ohne vorbedächtige Erwägung des Erfolgs, seinen Feind anfällt, wie der Bullenbeißer den Bären anpackt

Damit Sie nicht etwa glauben, ich hätte die Erzeugnisse der Minerva-Presse durchwühlt, um eine ihrer pausbackigen Windbeuteleien aufzutreiben, so ist es nöthig, daß ich Ihnen erkläre, daß diese ruhig und stetig gehaltene, tief empfundene, durchaus naive Probe von Unkunde und Voreingenommenheit aus Sir Walter Scott's Beschreibung der Schlacht von Maida in seinem »Leben Napoleon's« entlehnt ist. Man beschuldigt uns mit Recht der Selbstgefälligkeit; aber unsere Literatur enthält nichts der Art, das man damit vergleichen könnte. Ich habe dieses Beispiel von der Verbreitung von Vorurtheilen durch die ganze englische Nation deßhalb vorzüglich gewählt, um Ihnen zu zeigen, wie hoch die Schwäche, an ein persönliches Uebergewicht ihrer Nation zu glauben, sich bis in die obern Regionen der gebildetsten Männer erstreckt; denn ich zweifle keineswegs, daß Sir Walter Scott von allen Dem gläubig überzeugt war, was er schrieb.

Die Zurschaustellung der englischen Vorurtheile hält sich nicht immer innerhalb der Grenzen des Schicklichen; selbst nicht allezeit bei denen, welche diese Dinge besser verstehen sollten. Damit der Leser die Natur und den Umfang der Vorurtheile, von welchen England durchknetet ist, recht kennen lerne, sofern sie unser Land betreffen, will ich hier Einiges aus einem Schulbuch ausziehen, das keinen geringen Ruf hat und von einem Geistlichen geschrieben ist. Die Ausgabe führt die Jahrzahl 1830. »Die Frauen (in Amerika) besitzen überall im höchsten Grade die Tugenden der Häuslichkeit, sie sind sanfter und besser geartet und zeigen vielleicht nicht weniger Muth, mehr wahre Empfindung und weit liberalere Gesinnungen als die Männer.« In der That müssen Vorurtheile in England tief eingewurzelt sein, wo man diesen schlechtgewählten Scherz über den Muth der Amerikaner nicht augenscheinlich bemerkte. Einer der am besten unterrichteten Männer, die ich in England gefunden habe, hat mir gesagt, daß kein Ereigniß zu seiner Zeit eine so ergreifende Sensation in Amerika gemacht hat, als der unerwartete blutige Widerstand der bewaffneten Bevölkerung gegen die englischen Truppen bei Bunkershill. Eine der Grundursachen aller Irrthümer, die in ganz Europa über uns verbreitet sind, liegt in dem Umstande, daß ihre Schriftsteller, um recht viele Leser zu bekommen, sich lieber mit Ausnahmen, als mit dem, was Regel ist, befassen mögen. Der ganze Artikel »Amerika« in dem angeführten Buche verräth diesen Fehler. Unter andern Ungereimtheiten findet sich darin auch Folgendes: »Im ganzen Lande gibt es kaum zwanzig eingeborene Amerikaner – nämlich Weiße – die als Hausbedienten leben mögen.« Es gibt aber deren Zehntausende, beider Geschlechter und jedes Alters. Darüber klagen alle Fremden und, wie ich meine, mit Recht. Was uns betrifft, so erlauben sie sich, den Ton einer stillschweigend zugestandenen Ueberlegenheit anzunehmen, der ihnen, als bestehe darüber kein Zweifel mehr, durchaus ein Recht gibt, ihre Bemerkungen über unsere Nation, ihren Charakter und ihre Einrichtungen rücksichtslos äußern zu dürfen. Sie haben eine Art sich angewöhnt, dieses zu thun, die bei Weltleuten keinen Widerspruch aufkommen läßt; und diese Mode versteigt sich nur zu oft zu persönlich geringschätzender Behandlung.

Von der letztern Art ist ein Vorfall, der sich am Tische des Lord – – ganz kürzlich erst ereignete. Einer der Gäste machte sich ganz ruhig damit zu schaffen, ohne daß er irgend eine motivirte Einleitung vorangehen ließ, zu beweisen, daß das ungehörigste Benehmen der Mitglieder des amerikanischen Congresses, verglichen mit der Haltung des englischen Parliaments, aus dem Mangel an Bildung bei der amerikanischen Nation herrühre! Ich entgegnete ihm auf der Stelle, weil ich noch in keiner anständigen Gesellschaft ehrenhafter Männer ein ärgeres Probestück von persönlicher Ungebühr erfahren hatte, indem ich seinen Prämissen gradezu widersprach. In allem Ernst glaube ich, daß, wenn man beide miteinander vergleicht, man das Benehmen im Congreß weit manierlicher finden wird, als im Parlament, obschon man im Congreß weit weniger Mystificationen antrifft; Alles, was man, um das Gegentheil zu beweisen, geschrieben hat, gründet sich mehr auf die Vorstellung, wie es eigentlich sein sollte, als darauf, wie es wirklich ist.

So oft ich diesen Zügen des englischen Dünkels begegne, fühle ich alle meine innere Hinneigung zu den Engländern erkalten. Ich glaube, daß ich gegen solche Männer gerecht sein kann, aber lieben kann ich sie nicht. Was diese gefühllosen und unwissenden Bemerkungen durchaus aller Nachsicht unwerth macht, ist, daß jeder Versuch, diesen Angriffen zu begegnen, mit einem Stillschweigen erwidert wird, dessen Auslegung keinen Zweifel zuläßt. Darüber erstaunt, wie tief und allgemein diese Vorurtheile hier wider Amerika Wurzel gefaßt haben, beschloß ich, den Versuch zu machen, in gleicher Absicht zu entgegnen. In den meisten Fällen fand ich, daß diejenigen, welche es willig übernommen hätten, ganze Abende mit der Aufzählung amerikanischer Gebrechen anzufüllen, sogleich verstummen, sobald irgend eine Anspielung auf ähnliche Schwächen in England oder auf ähnliche Fehler im englischen Charakter vernehmbar wird. Da ich nicht die Veranlassung sein wollte, allen Umgang unter solchen Umständen aufzugeben, so ließ ich gewöhnlich alle Bemerkungen dieser Art sogleich fallen, und nie versuchte ich, dergleichen falsche Vorstellungen zu widerlegen, als wo ich sah, daß dergleichen Vorurtheile aus unverschuldetem Irrthum und nicht aus feindseliger innerer Stimmung hervorgingen. Ich bin überzeugt, daß die Weltgeschichte kein ähnliches Beispiel von solcher Voreingenommenheit einer Nation gegen die andere aufzuweisen hat, die so grell und durchgängig sich offenbart, als die Voreingenommenheit Englands wider Amerika, so daß dieselbe Sprache und dieselbe Literatur, beiden gemeinschaftlich, nicht zum Annäherungsmittel, sondern zum Werkzeug der Anfeindung gedient hätte.

Obgleich Vorurtheile unmittelbar endlich böse Folgen herbeiführen müssen, so können sie mittelbarer Weise auch einigermaßen Gutes herbeiführen. In England sind die Vorurtheile gegen andere Nationen die Grundlage der Nationalität des Volks. Bei uns ist das Volk national durch Vaterlandsliebe und durch das Bewußtsein, unter einer Verfassung zu leben, welche seine Rechte und Interessen beschützt; doch das wahre Nationalgefühl besteht bei uns nur in der Masse des Volks, während falsche Nationalität, Nationaldünkel sich durch alle Klassen erstreckt. In Amerika kann Niemand wahren Nationalstolz haben, worin eben der Grund aller Nationalität besteht, der nicht stolz ist auf die Verfassung; und diesen Stolz auf unsere Verfassung hat alles jenes fremdländische Treiben unserer höheren Stände immer mehr zu unterdrücken gestrebt. Unsere sociale Aristokratie ist in dieser Hinsicht ein bloßer Widerschein der gemeinern englischen Vorurtheile – Vorurtheile, welche bei uns aus Unkunde und in gutem Vertrauen nach und nach sich einschleichen, so wie immerwährendes Tropfen endlich einen Stein durchlöchert.

Es kann nicht leicht ein ärgeres Beispiel von literarischem Empirismus gegeben haben, als die Behauptung, daß das amerikanische lesende Publikum amerikanischer Gegenstände bedürfe; wohl mag es amerikanische Dinge bis zu einem gewissen Umfang fordern, obschon es ganz natürlich und vielleicht zu entschuldigen ist, wenn es fremde Dinge vorzieht, was, wie ich glaube, auch wirklich stattfindet; wo es aber entscheidend auf amerikanische Ansichten und amerikanische Grundsätze ankommt, so möchte ich wohl von der Mehrheit dieser Klasse unserer Mitbürger behaupten, daß sie solche nicht einmal erkennen, wenn sie ihnen vor Augen kommen. Es gibt auf der Welt kein Volk, bei welchem eine solche Verkehrtheit des Sinnes, eine so große Empfänglichkeit für Täuschungen besteht, als bei dem unsrigen in der Art sich bemerklich macht; und man möchte fast lieber mit manchen englischen Vorurtheilen sich befassen, wenn man mehr Männlichkeit und Selbstständigkeit mit ihnen zugleich sich aneignen könnte. Unsere Fehler dieser Art sind die Resultate unserer Abstammung und geographischen Lage; die Fehler der Engländer sind die Resultate der Zeit, der Macht, der Arglist und einiger politischer und physischer Vortheile.

Alle großen Nationen pflegen selbstsüchtig zu sein und sich in Beziehung auf ihre Ueberlegenheit zu täuschen. Der beständige Einfluß einer thätigen Schaar von Schriftstellern, die vermöge ihrer Lage als eben so viele Schmeichler auftreten, wirkt auf die Angelegenheiten einer starken Gesammtheit ein, indem es die Menschen verleitet, die Zuversicht, die blos den vereinten Bestrebungen Aller geziemt, den Einzelnen mitzutheilen, als ob solche zu ihrem Nationalcharakter und zu ihren persönlichen Eigenschaften gehöre. Die Weltgeschichte beweist, daß die Bürger kleiner Staaten weit mehr große und glänzende persönliche Handlungen vollbracht haben, und zwar außer Verhältniß zur Volkszahl, und davon liegt die Ursache vermutlich in dem größern Bedürfniß nach Auszeichnung, das ihre eigentümliche Lage mit sich brachte; doch, wo weit weniger Menschen zu größeren Handlungen angeregt werden, da ist es nicht gewöhnlich, daß sie den Ruhm einernten, der selbst den verdienstlosesten Mithelfern in einem mächtigen Staate zu Theil werden kann.

Ich will diese kurze Uebersicht von Nationaleigenheiten durch Anführung von noch einer Art beschließen. Fremde beschuldigen die Engländer eines sonderbar launischen Wesens im gewöhnlichen Umgange. Man sagt ihnen nach, sie seien treue Freunde, aber es halte schwer, mit ihnen näher bekannt zu werden. Der Mann oder die Frau, welche heute Jemanden mit freundlichem Lächeln und vertraulichem Händedruck empfängt, könne vielleicht demselben morgen schon mit kalter und abstoßender Förmlichkeit begegnen. Ich habe Einiges der Art erlebt, und ich glaube, daß diese Beschuldigung in einigem Grade auch nicht grundlos ist. Die Engländer sind in ihrem Benehmen voll Förmlichkeiten, und nur zu oft begehen sie Mißgriffe in dem, was eigentlich den Geist des gebildeten Umgangs ausmacht. Der Nordamerikaner erträgt diese Launen weit geduldiger, als andere Leute; denn er ist gläubig überzeugt, seinen Götzen lächeln zu sehen, wo Andere nichts als Grimassen erblicken. Ein ächter englischer Doctrinär liest das Buch, welches John Bull über seine eignen Verdienste verfaßt hat, mit eben solchem eifrigen Vertrauen, als manche gute alte Frau ihren Kalender nachschlägt, um zu sehen, wann es schneien wird. Während dieses Buch der Presse übergeben war, erschien Tucker's »Jefferson.« An einer Stelle, wo von den Grundsätzen die Rede ist, in welchen ein Gedenkbuch dieses Mannes von ihm selbst abgefaßt sei, werden absichtlich folgende Worte Jefferson's angeführt: »Der Sprung, welchen ich damals in Vorschlag brachte, war zu lang, als daß die Masse unserer Mitbürger ihn bereits hätte wagen können.« Seit jener Zeit sind fast siebzig Jahre verflossen, daß wir zu einer Nation geworden sind, und doch – in wie vielen Dingen, welche die Ueberlegenheit der englischen Meinungen und englischer Theorien betreffen, ist »der Sprung« noch immer »viel zu lang« für die »Masse unserer Staatsbürger!« Diese »langen Sprünge« sind es aber eben, wodurch die Menschen sich von einander unterscheiden.

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