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Einer bläst die Hirtenflöte

Victor Auburtin: Einer bläst die Hirtenflöte - Kapitel 39
Quellenangabe
typesketch
authorVictor Auburtin
titleEiner bläst die Hirtenflöte
publisherHans von Hugo Verlag
editorWilmont Haacke
year1940
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070719
projectidbc5cee8a
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Im Kaffeehaus

Vor der gläsernen Drehtür des Kaffeehauses steht der Zigarettenhändler und wartet auf den richtigen Augenblick. Denn er möchte in dieses Kaffeehaus hinein, um seine Waren bei den Gästen abzusetzen.

Von seinem Standort kann er die ganze Lage im Innern des gläsernen Kaffeehauses übersehen.

Und er rechnet so: Ich muß warten, bis der Oberkellner zum Büfett geht; dort bleibt er durchschnittlich drei und eine halbe Minute. Wenn ich also gleich hineinflitze, kann ich schnell die ersten zehn Tische abklappern, und vielleicht fällt doch etwas ab.

Der Oberkellner rafft die sechsunddreißig leeren Mokka- und Mokka-Double-Tassen seines Reviers zusammen und verschwindet nach dem Büfett zu. Und im selben Augenblick ist der Zigarettenhändler durch die gläserne Drehtür drinnen im Café.

Bosnische Zigaretten, echte Ägypter, haucht er atemlos und eilt mit fiebernden Augen von Tisch zu Tisch...

Der Herr mit der silbergrauen Krawatte hat das ganze Manöver beobachtet und durchschaut. Er hat zwar vor sich eine Stachelbeertorte, die er zu verzehren gedenkt, aber vorher muß er doch noch dem Kerl zeigen, daß man seine Absicht erkannt hat.

Zeigen Sie mal her, was haben Sie denn da für Sorten, so sagt er zu dem Händler, der ungeduldig weiter möchte; und fängt nun an, ganz langsam eine Schachtel nach der anderen vorzunehmen und zu besichtigen.

Alles Dreck, sagt er bei jeder Schachtel.

Das dauert glücklich so lange, bis der Oberkellner mit den sechsunddreißig gefüllten Mokka- und Mokka-Double-Tassen zurückkehrt und den Händler erblickt und durch die Drehtür hinauswirft.

Und nun kann der Herr mit der silbergrauen Krawatte sich endlich an seine Stachelbeertorte machen; und er verzehrt sie mit Behagen und Innigkeit...

Warum, Freunde, quälen wir uns eigentlich, die Welt durch unser Wort zu bessern und zu belehren? Warum streben wir nach Aufklärung, Durchgeistigung?

Da die Fundamente und Basen der menschlichen Gemeinheit heute noch dieselben sind, wie zur Zeit des Kambyses, und da sie sich nun nicht mehr ändern werden, so lohnt sich unsere Mühe doch kaum.

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