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Einer bläst die Hirtenflöte

Victor Auburtin: Einer bläst die Hirtenflöte - Kapitel 38
Quellenangabe
typesketch
authorVictor Auburtin
titleEiner bläst die Hirtenflöte
publisherHans von Hugo Verlag
editorWilmont Haacke
year1940
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070719
projectidbc5cee8a
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Ibsens neuestes Drama

Henrik Ibsen steht im Begriff, ein neues Drama zu schreiben.

Dieser Dichter, Henrik Ibsen, ist allerdings schon seit vielen Jahren tot und kann deshalb nicht mehr persönlich bei den Verlegern vorsprechen; aber so etwas macht heutzutage nicht die geringsten Schwierigkeiten mehr. Er hat sich an ein Medium gewandt, an die Frau Halmar in Kopenhagen, und diktiert dieser Dame sein Werk. Das Stück ist beinahe vollendet und soll in dem besten Stil des großen Skandinaviers geschrieben sein.

Wie das neue Drama heißen wird, darüber hört man noch nichts. Der Titel »Wenn wir Toten erwachen« läge nahe, aber diesen Titel hat der Dichter schon zu Lebzeiten vergeben, und offenbar ärgert er sich jetzt über seine Unvorsichtigkeit.

Ibsen hat sich sein ganzes Leben geärgert, und es liegt kein Grund vor, warum er sich nicht auch im Himmel ärgern sollte.

 

In den Kreisen, die es angeht, bei den Literarhistorikern und Kritikern, hat diese Nachricht keine allzu große Begeisterung erweckt, und am wenigsten entzückt scheinen die Theaterdirektoren zu sein.

Man findet allgemein, daß dieser Schriftsteller nun genug Stücke geschrieben hat und sich etwas Ruhe gönnen sollte. Und bei allem Respekt darf nicht geleugnet werden, daß wir Heutigen Ibsen besonders deshalb so schätzen, weil er schon tot ist und weil er nichts mehr anstellen kann.

Überhaupt fängt das Jenseits an, etwas zu weit zu gehen. Alle Buchläden sind voll von okkulten Werken; buddhistische und taoistische Verlautbarungen aus der anderen Welt erscheinen teils broschiert, teils in gelbem Pappband; woraus man schließen muß, daß die seligen Geister eine ganz merkwürdige Anhänglichkeit zu dieser unvollkommenen Erde bewahrt haben.

 

Wenn ich einmal tot bin, wenn ich als ein astraler Schemen zu den Ringen des Saturn aufsteigen kann, oder gar zu jener geheimnisvollen Sterngruppe, die unseren Augen unsichtbar blieb, weil sie nur aus ultravioletten Stoffen zusammengesetzt ist, wenn ich also einmal drüben bin und frei, keine zehn Pferde würden mich dazu bringen, noch ein Feuilleton zu schreiben.

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