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Einer bläst die Hirtenflöte

Victor Auburtin: Einer bläst die Hirtenflöte - Kapitel 37
Quellenangabe
typesketch
authorVictor Auburtin
titleEiner bläst die Hirtenflöte
publisherHans von Hugo Verlag
editorWilmont Haacke
year1940
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070719
projectidbc5cee8a
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Der Galawagen

Als ich in der Richtung auf das alte Museum zu ging, begegnete mir am Werderschen Markt eine Galakutsche, die auf einem Lastautomobil spazierenfuhr.

Es war eine mittelgroße, zweisitzige Galakutsche, von oben bis unten vergoldet, und aus ihren Ornamenten konnte man erkennen, daß sie aus den letzten Teilen des achtzehnten Jahrhunderts stammte, was die beste Zeit für Galakutschen gewesen ist; ihre Blüteperiode, wie man zu sagen pflegt. Auf dem Schlag des Wagens war das komplizierte Wappen des Königs von Preußen angemalt.

Offenbar sollte diese Galakutsche aus irgendeinem Schloß in den Marstall gebracht werden; aber weil sie zu schwach oder zu vornehm war, selbst über die Straße zu fahren, deshalb hatte man sie auf das Lastautomobil gehoben. Und so fuhr sie nun, golden und hilflos, auf dem gewaltsamen Gefährt über den Markt einer fremden Welt.

Der gebildete Straßenbahnpassant mußte an Rokokoprinzessinnen denken, die auf dem Karren zu Sansons Guillotine gebracht wurden. Überall an dem Wege blieben die Leute stehen, und es bildeten sich Gruppen, die diesen Vorfall besprachen. Die Meinung, daß die Zeiten jetzt wesentlich anders seien als früher, wog vor und wurde in mannigfaltigster Weise abgehandelt.

Eine Frau aus dem Volke beispielsweise, die ein Marktnetz voll Kartoffeln trug, äußerte heftig zu mir: Ja, das waren bessere Zeiten, damals, mit dem Galawagen! Ich konnte mich nicht enthalten, ihr zu antworten: Ja, junge Frau, sind Sie denn früher im Galawagen zum Markt gefahren? Aber da sah sie mich so erstaunt und feindselig an, daß ich es vorzog, in der Menge zu verschwinden.

Es ist mir bekannt, daß viele Leute meine Bemerkungen nicht lieben, weil diese Bemerkungen wahr und deshalb ungewohnt sind.

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