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Einer bläst die Hirtenflöte

Victor Auburtin: Einer bläst die Hirtenflöte - Kapitel 30
Quellenangabe
typesketch
authorVictor Auburtin
titleEiner bläst die Hirtenflöte
publisherHans von Hugo Verlag
editorWilmont Haacke
year1940
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070719
projectidbc5cee8a
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Blitz-Schach

Die Berliner Schachfreunde haben eine neue Methode dieses Spieles erfunden, die sie das Blitzschach nennen und in ihrem Café vorführen. Das Blitzschach besteht darin, daß man zwischen den einzelnen Zügen nur zehn Sekunden überlegen darf, so daß eine mittlere Partie ungefähr fünf Minuten dauert.

Wenn es gelänge, die Figuren durch Elektrizität zu bewegen, würde man sogar noch mehr Zeit gewinnen, worauf es beim Schachspiel hauptsächlich ankommt.

Das erinnert mich daran, daß wir im Gefangenenlager auf Korsika schon etwas Ähnliches erfunden haben, nämlich das Artillerieschach, bei dem alle Figuren sich so bewegen und so schlagen wie die Königin. Selbstverständlich begann dieses Spiel sofort mit einer fürchterlichen Holzerei und war nach einigen Zügen aus. Und als ich zum ersten Male eine solche Partie spielte, habe ich erkannt, daß zwischen dem Schach und dem Fußballspiel eine gewisse innere Verwandtschaft vorliegt.

Die Perser allerdings, die das Schach erfanden, haben von diesen Späßen sicher noch nicht das Geringste geahnt. Die saßen auf dem bunten Teppich um das Brett mit den vielen Figuren, und wenn ein Zug besonders schwierig und reich an Möglichkeiten war, so geschah es, daß sie Stunden oder Tage darüber nachsannen. Im Kreise herum aber hockten die Kiebitze und flüsterten untereinander voll Ehrfurcht und auf Persisch.

Diese Leute standen, wie man sieht, auf einer viel tieferen Stufe der Intelligenz als wir; es waren wohl noch halbe Tiere.

 

Immer, wenn ich die Fixigkeit betrachte, die in unserer lieben Stadt betrieben wird, immer dann wundere ich mich, warum man bei uns noch nicht die Automobilleichenwagen eingeführt hat, die sich in anderen Städten, zum Beispiel in der Schweiz, auf das Erfreulichste bewährt haben.

Das ist eine höchst patente Einrichtung, die eine prompte Aufräumung ermöglicht. Das Leichenauto fegt und tutet durch die Straße und nimmt die Kurven, daß die Funken stieben; und hinterdrein jagen in den anderen Automobilen die Hinterbliebenen, gramgebeugt und mit der Uhr in der Hand.

Auch der Tote kann immer noch einen Rekord brechen. Und ich glaube, erst im Grabe werden wir einsehen, wieviel Gutes die Ruhe hat und wie förderlich für die Gesundheit es ist, wenn man sich einmal ordentlich ausstreckt und still verhält. Aber dann dürfte die Einsicht etwas spät kommen.

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