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Einer bläst die Hirtenflöte

Victor Auburtin: Einer bläst die Hirtenflöte - Kapitel 28
Quellenangabe
typesketch
authorVictor Auburtin
titleEiner bläst die Hirtenflöte
publisherHans von Hugo Verlag
editorWilmont Haacke
year1940
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070719
projectidbc5cee8a
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Die Geheimnisse der Dichter

Einem italienischen Gelehrten ist der Nachweis gelungen, daß Dante einen unehelichen Sohn gehabt hat. Dieser uneheliche Sohn hat Giovanni geheißen, man weiß aber weiter nicht, was aus ihm geworden ist, und wer seine Mutter war.

Als der italienische Gelehrte diese Entdeckung gemacht hatte, wurde er außerordentlich froh und glücklich. Dante selbst in dem Augenblick, da er erfuhr, daß er einen unehelichen Sohn habe, Dante selbst wird kaum so froh und glücklich gewesen sein, wie der erwähnte italienische Gelehrte bei seiner Entdeckung gewesen ist.

Denn es ist von größter Wichtigkeit zu wissen, daß Dante einen unehelichen Sohn gehabt hat. Die dämmernden Schluchten der Göttlichen Komödie, ihre Rätsel und bitteren Schönheiten werden ja erst verständlich, wenn wir wissen, daß Dante einen unehelichen Sohn gehabt hat, daß er also seiner Frau und der Beatrice untreu gewesen ist. Alles erscheint in einem neuen Licht. Im Licht der Lokalreportage.

Ähnlich haben vor einigen Jahren die französischen Literarhistoriker die Affäre Victor Hugo durchsucht und schließlich glücklich entdeckt, daß dieser Dichter von seiner Frau betrogen worden ist. Und als sie dies heraus hatten, da haben sie in ihren Wochenschriften ein wildes Jubelgeschrei ausgestoßen und viele Bücher darüber geschrieben.

Um diese Entdeckung hat sich besonders Herr Louis Barthou verdient gemacht, den wir ja auch sonst kennen. Herr Barthou ist also nicht nur ein Staatsmann, er ist auch ein feinsinniger Literarhistoriker.

Schön. Wie steht es aber nun mit der Frage: War Homer geschlechtskrank? Es wird ja ein bißchen schwer halten, das zu untersuchen, aber Heil dem klassischen Philologen, dem es gelingt, zu dieser Frage die bewußten Aufklärungen und Entdeckungen zu liefern, die wir so gern vernehmen.

All das erklärt sich so: zu dem Studium der Dichtkunst drängen viele herbei, die mit diesem Studium nur eine Stellung erwerben oder sich in einer bürgerlichen Anstellung halten wollen. Manche dieser Leute haben für die Idee und den Wohllaut der Dichtung nicht das geringste Gefühl; Idee und Wohllaut sind ihnen vollständig gleichgültig; wenn nicht gar verhaßt. Da sie doch aber irgend etwas tun müssen, untersuchen sie das Nachtgeschirr des Dichters, das ihnen geistig näher steht.

 

Es gibt Rosenzüchter, die sich mit den Blattläusen mehr beschäftigen als mit den Rosen.

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