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Einer bläst die Hirtenflöte

Victor Auburtin: Einer bläst die Hirtenflöte - Kapitel 25
Quellenangabe
typesketch
authorVictor Auburtin
titleEiner bläst die Hirtenflöte
publisherHans von Hugo Verlag
editorWilmont Haacke
year1940
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070719
projectidbc5cee8a
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Parthenon

Die athenische Stadtverwaltung hat beschlossen, den Parthenontempel in alter Pracht wieder herzustellen. Da aber Ausbesserungen jetzt teuer sind – man erwäge, daß das Besohlen eines Paares Stiefel 180 Mark kostet –, wird die athenische Stadtverwaltung die ganze Welt um Unterstützung bei diesem großen Werke bitten. Bei jedem Gebildeten wird sie anklopfen und eine kleine Gabe fordern.

So wird sie wohl auch bei mir anklopfen, und das würde mir endlich die Gelegenheit geben, ein altes Schlageisen zu erproben, das ich seit Jahren unbenutzt in der Tasche trage.

Dieses Werkzeug ist ein halbes Hufeisen von einem Maulesel, das ich einst am Strande von Korsika gefunden habe. Ein sachverständiger Korse hat mir gesagt, daß ein halbes Hufeisen sich gut dazu eignet, jemandem unauffällig den Schädel einzuschlagen, und deshalb trage ich es gern bei mir, habe es aber bis jetzt auch noch nicht ein einziges Mal anwenden können.

Wenn nun der Mann mit der Sammlung zu mir kommt, werde ich sehen, wie man ein solches Hufeisen handhabt. Ich glaube, es ist ganz einfach.

Selbstverständlich wird die Wiederherstellung des Parthenon nach den neuesten Errungenschaften der Wissenschaft vorgenommen werden.

Also zunächst einmal als polychrom. Die Kapitelle der Säulen und die – von Künstlerhand geschaffenen – Giebelfiguren... alles schön blau und gelb in wetterharter Ölfarbe.

Auch wird man diesen Anlaß benutzen, um auf der Akropolis da oben, wo jetzt alles wüst durcheinanderliegt, Ordnung zu schaffen. Kieswege, gärtnerische Schmuckanlagen und Bänke, die zum Verweilen einladen.

Jede dieser Bänke trägt die Inschrift V.V.G.A. (Verschönerungsverein Groß-Athen).

Mir ist es schon recht, weil ich dann vielleicht meine alte Unruhe loswerde.

Ich habe den Parthenontempel nie gesehen, und nun trage ich überall diese Sehnsucht mit mir einher, und die Selbstvorwürfe, warum man nicht hingefahren ist in den goldenen Tagen, wo es noch möglich war. Wenn das Haus der Athene aussehen wird wie der hygienische Pavillon auf der Gewerbeausstellung, dürfte diese Unruhe auf das erfreulichste verschwinden.

Ja, es wäre mir schon recht, wenn alle Kleinodien der unerreichbaren Ferne ähnlich betrachtet werden würden, also z. B. die Alhambra mit stilisierten Kacheln ausgeschmückt, oder eine Radrennbahn neben den Tempel von Paestum gelegt... dann würde das ewige Heimweh nachlassen und das Leben in Wilmersdorf wäre zu ertragen.

Sonst ist es nämlich kaum zu ertragen.

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