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Eine seltsame Geschichte

Edward Bulwer-Lytton: Eine seltsame Geschichte - Kapitel 84
Quellenangabe
authorEdward Bulwer-Lytton
titleEine seltsame Geschichte
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (A. Benedict.)
year1861
translatorCarl Kolb
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170620
projectidf7a86070
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Dreiundachtzigstes Kapitel.

Das Gold wurde mit leichter Mühe gewonnen. Ich wußte, wo ich unter dem Rasen oder in dem Strombett danach zu suchen hatte. Aber Margrave's Augen, welche hungrig jede Stelle untersuchten, wo ich das Metall ausgrub, konnten nichts von der Substanz entdecken, die er nur vom Ansehen kannte. Ich begann zu glauben, daß er durch die ihm gegebene Beschreibung getäuscht worden sei und daß es einen solchen Stoff gar nicht gebe; als wir jedoch von dem Strombett zurückkamen, bemerkte ich zwischen den Wurzeln einer riesigen Schmarotzerpflanze, deren Blätter und Blüten an der Wand der Knochenhöhle hinankrochen, ein blaßgelbes Blinken. Es rührte von Gold her, und nachdem wir von den Wurzeln die lose Erde weggeschafft hatten, kamen wir auf – nein, ich will nicht, wage es nicht, es zu beschreiben. Der Goldgräber würde es bei Seite geworfen, der Naturforscher es unbeachtet gelassen haben. Beschriebe ich es nun und wollte die Chemie es einer Analyse würdigen, könnte sie allein die gerühmten Tugenden dieser Substanz entdecken oder in Freiheit setzen?

Sie bestand aus winzigen losen Partikelchen von der sphärischen Form des Eis, das den Keim des Lebens birgt, in der That so klein wie das Ei, welches dem Leben eines Insekts zum Ausgangspunkt dient.

Aber Margrave's scharfes Auge erschaute sogleich im Mondenschein die zu Tag gekommenen Körnchen und rief mir zu: »Gefunden! Ich werde leben!« Dann faßte er mit zitternden Händen davon auf und rief dem entschleierten Weib, das noch immer regungslos auf ihrem Steinblock saß. Als sie dieses Aufgebot vernahm, erhob sie sich, ging nach dem Platz, wo das Holz aufgeschichtet lag, und machte sich dort zu schaffen. Ich fand keine Muße, auf sie zu achten, sondern fuhr fort, in dem weichen nachgiebigen Boden zu wühlen, welchen die Zeit und der Verfall vegetabilischen Lebens über der präadamitischen Schichte, die dem mächtigen Bogen der Höhle zur Unterlage diente, angehäuft hatten.

Nachdem wir ungefähr drei Hände voll gesammelt, schien das Lager erschöpft zu sein. Gold war noch immer vorhanden, aber nichts mehr von dem kostbaren Stoff, gegen welchen in unseren Augen das Gold nur Troß war.

»Genug,« sagte endlich Margrave, der nur mit Widerwillen sein Suchen einstellte. »Was wir gewonnen haben, wird ausreichen, um ein Leben dreimal so lang zu machen, als das, welches der Sage nach Harun erreichte. Ich werde leben – werde noch Jahrhunderte leben.«

»Vergessen Sie nicht, daß auch ich meinen Theil anspreche.«

»Ihren Theil – den Ihrigen? Ja so – Ihre Hälfte von meinem Leben! Richtig!« Er hielt inne, brach dann in ein spöttisches, boshaftes Lachen aus und fügte, sich erhebend und aus der Höhle hinaustretend, bei: »Aber es steht uns noch die Arbeit bevor.«

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