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Eine seltsame Geschichte

Edward Bulwer-Lytton: Eine seltsame Geschichte - Kapitel 29
Quellenangabe
authorEdward Bulwer-Lytton
titleEine seltsame Geschichte
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (A. Benedict.)
year1861
translatorCarl Kolb
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170620
projectidf7a86070
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Achtundzwanzigstes Kapitel.

Das Gespräch mit Frau Poyntz hatte mich in hohem Grade beunruhigt. Zwar zweifelte ich nicht an Lilians Treue; aber konnte ich überzeugt sein, daß die Aufmerksamkeiten eines jungen Mannes von so glänzenden Vermögensverhältnissen ihre Gedanken nicht mit dem Gegensatz zu dem bescheideneren Loos und dem einförmigeren Lebensweg beschäftigten, wenn sie sich einen Gatten wählte, der durch die Ungleichheit des Alters sowohl, als durch den Ernst seines Berufes so weit abstand von der Romantik ihrer Jugend? Und war wohl meine Bewerbung, selbst bei einer so wenig weltlichen Dame wie Frau Ashleigh, jetzt noch ebenso willkommen als früher? Warum hatten Mutter und Tochter in Betreff der Kunde, daß ein Rival vorhanden sei, mich so ganz im Ungewissen gelassen und nicht wenigstens mir die tröstliche Versicherung gegeben, daß ich diese Nebenbuhlerschaft nicht zu fürchten brauche? Lilians Briefe beschäftigten sich allerdings nur wenig mit den Personen ihrer Umgebung, sondern waren die überströmenden Ergüsse eines treuen Herzens, gefärbt durch die Gluth einer goldenen Phantasie; sie schrieb, als stünden wir beide allein in der Welt, ausgeschieden von der Menge und geheiligt durch die uns verkettende Liebe, durch welche jedes dem andern in dem Licht einer höheren Weihe erschien. Frau Ashleigh's Briefe waren allgemeiner und ausgreifender gehalten: sie beschrieb, wie es in dem Hause herging, schilderte die Gäste und berührte ihre Furcht vor Lady Haughton, die sich nicht mindern wollte, ließ sich aber über Ashleigh Sumner nicht weiter aus, als ich Frau Poyntz mitgetheilt hatte. Ich berührte nun in meinem Schreiben an Lilian die Kunde, die mir zu Ohren gekommen, und sah mit Ungeduld ihrer Antwort entgegen.

Drei Tage nach meiner Besprechung mit Frau Poyntz und zwei Tage vor dem sehnsüchtig erwarteten Bürgermeisterball wurde ich zu einem Edelmann berufen, der mich in letzter Zeit zum Arzt angenommen hatte und ungefähr 12 Meilen von L– – wohnte. Der nächste Weg führte durch Sir Philipp Dervals Park. Ich wollte den Besuch zu Pferd machen und zugleich diese Gelegenheit benützen, um mich nach dem Verwalter zu erkundigen, den ich seit seinem Anfall nur ein einziges Mal, und zwar ein paar Tage nachher, als er mich in meinem Hause aufsuchte, um sich als vollkommen genesen zu melden und mir für meinen Beistand zu danken, wieder gesehen hatte.

Ich ritt ziemlich schnell durch den Park, zügelte aber mein Pferd, als ich den Verwalter vor seinem Hause stehen sah. Sein Aeußeres zeugte von seinem Wohlbefinden, und er antwortete auf meine Begrüßung in flüsterndem Tone:

»Ich habe Nachricht von Sir Philipp erhalten; sein Brief datirt von der Zeit, als – als – meine gute Frau Ihnen sagte, was ich sah; ja, von damals. Es muß also doch meinerseits, wie Sie gegen sie bemerkten, ein Sinnentrug gewesen sein. Dennoch – gleichwohl – ach, wir wollen nicht mehr davon reden, Doktor. Aber ich hoffe, Sie haben die Sache geheim gehalten; es würde einen üblen Eindruck auf Sir Philipp machen, wenn er nach seiner Rückkehr davon hörte.«

»Ihr Geheimniß läuft bei mir keine Gefahr. Sie erwarten also, daß Sir Philipp heimkömmt?«

»Ich hoffe es, Doktor. Sein letzter Brief ist aus Paris, also der Heimath näher als seit vielen Jahren; und – aber Gott behüt' mich – wer kömmt da aus dem Haus? Ein junger Herr! Wer mag dies sein?«

Ich blickte auf und sah zu meinem großen Erstaunen Margrave die stattliche Treppe vor dem Hauptportal heruntersteigen. Der Verwalter ging auf ihn zu, und ich folgte ihm mechanisch, denn ich war begierig, zu erfahren, was den jungen Mann nach der Wohnung des lange abwesenden Reisenden geführt hatte.

Die Sache klärte sich schnell auf. Margrave hatte in L– – viel von den Gemälden und den inneren Verzierungen des Herrenhauses gehört und mit seinem zuthunlichen Wesen (seinem bezaubernden Lachen, wie er es nannte) die alte Haushälterin überredet, ihm die Zimmer zu zeigen.

»Es ist gegen Sir Philipps ausdrücklichen Befehl, das Haus Fremden zu zeigen, und die Haushälterin hat sehr unrecht gethan,« versetzte der Verwalter.

»Ich bitte, zanken Sie nicht mit ihr. Ich denke, Sir Philipp selbst würde mir die Erlaubniß nicht verweigert haben, da sein Verbot wahrscheinlich nur auf müßige Neugierige berechnet ist. Zwischen Reiseliebhabern besteht eine gewisse Freimaurerei, und ich habe viele von den Gegenden besucht, in denen auch er sich umtrieb. Dort hörte ich von ihm und könnte Ihnen mehr von ihm erzählen, als Ihnen wahrscheinlich bekannt geworden ist.«

»Sie, Herr? Oh, so bitte ich, thun Sie es.«

»Wenn ich das nächste Mal wieder herkomme,« versetzte Margrave heiter, nickte mir zu und verschwand unter die Bäume des nahen Hains, der sich an dem zum Pförtnerhäuschen führenden Fußpfad hinzog.

»Der ist kurz angebunden,« brummte der Verwalter. »Aber welche angenehme Art er an sich hat! Sie scheinen ihn zu kennen, Doktor – darf ich fragen, wer er ist?«

»Herr Margrave und in L– – auf Besuch. Er gibt sich für einen vielgereisten Mann aus und ist vielleicht in fremden Landen Sir Philipp begegnet.«

»Ich muß doch hören, was er Frau Gates vorgeschwatzt hat. Entschuldigen Sie, Doktor, aber ich bin so in Sorgen um Sir Philipp.«

»Ist es vielleicht zu viel verlangt, wenn ich um dieselbe Gunst bitte, die Herrn Margrave zu Theil wurde? Dem Aeußeren nach zu schließen, muß auch das Innere des Hauses sehenswerth sein. Freilich, wenn Sir Philipp es strengstens verboten hat – –«

»Sein Befehl lautet, seine Wohnung nicht zu einer Schaubude zu machen und Niemand ohne meine besondere Erlaubniß einzulassen; es wäre aber in der That undankbar von mir, wenn ich sie Ihnen verweigerte.«

Ich band mein Pferd an das rostige Gatter des Terrassenwegs und folgte dem Mann die breite Treppe der Terrasse hinan. Die großen Flügelthüren waren unverschlossen. Wir traten in eine hohe Halle mit einer gewölbten Decke und einer großen doppelten Treppenflucht im Hintergrund. Der Plan des Gebäudes rührte ohne Zweifel von Vanbrugh her, einem Baumeister, der, wie kein Anderer, die Wirkung des Großartigen weniger im Raum als in den Verhältnissen hervorzubringen strebte. Aber Vanbrugh's Bauten müssen durch Kostüm und Bewegung gehoben werden; es gehören nothwendig die pomphaften Gestalten einer früheren Generation dazu, die in prunkendem Sammt und in Spitzen unter den vergoldeten Säulen umhergehen oder mit stattlichem Schritt die breiten Palasttreppen niedersteigen. Seine Hallen und Gemächer sind berechnet für Gedränge und Festlichkeiten, und wo es daran fehlt, erscheinen sie in der unaussprechlichen Verödung verlassener Theater, wenn man sie ohne das Lampengeflimmer und die Bewegung der Schauspieler sieht.

Die Haushälterin, eine ruhige, schüchterne, alte Frau, war jetzt erschienen. Sie entschuldigte sich in nicht sehr verständlichen Ausdrücken, daß sie Margrave eingelassen; man sah deutlich, daß sie eben der »angenehmen Art« des jungen Mannes, wie es der Verwalter nannte, nicht hatte widerstehen können.

Um einem Verweis zu entgehen, schwatzte sie die ganze Zeit fort, während sie ängstlich durch die Zimmer eilte; ich folgte meiner Führerin mit leisen Tritten. Die Hauptgemächer befanden sich im Erdgeschoß oder vielmehr in einem Stock, der zehn oder fünfzehn Fuß höher lag als der Boden, und waren seit der Zeit ihrer Erbauung nicht modernisirt worden. Vorhänge von verblichener Seide, Tische von seltenem Marmor mit abgeriebener Vergoldung, unbequeme, soldatenartig an den Wänden aufgestellte Sessel und von Staub, Rauch und Sonnenlicht dunkel gewordene Gemälde, über deren Werth nur dem Kenner ein Urtheil zustand, halfen zusammen, um dem Ganzen den Charakter der Unbehaglichkeit aufzudrücken. Nicht ein einziges Zimmer, nicht ein einziger Winkel ließ die alte Traulichkeit einer Heimath wahrnehmen.

Während ich die Räume durchwandelte und die Gemälde betrachtete, entnahm ich aus den unbestimmten Antworten der Haushälterin auf die Fragen des Verwalters, daß Margrave's heutiger Besuch nicht sein erster, sondern er früher schon zweimal im Haus gewesen war. Er hatte sich für einen Freund von Gemälden ausgegeben, obschon ihm, wie ich schon früher bemerkte, der Sinn für dieses Gebiet der Kunst abging, und dabei jedesmal viel von Sir Philipp gesprochen. Seiner Erzählung nach war er zwar nicht persönlich mit Sir Philipp, wohl aber mit vertrauten Freunden desselben bekannt gewesen und hatte sich öfter in ausländischen Städten aufgehalten, die früher von Sir Philipp besucht worden waren; als aber der Verwalter fragte, ob der Besuch keine Auskunft über den Abwesenden gegeben, stellte sich heraus, daß Margrave nicht so fast Mittheilungen gemacht, sondern vielmehr die alte Frau durch Fragen ausgeholt hatte.

Wir befanden uns nun an dem Ende der Zimmerflucht, in welcher das letzte Gemach eine Bibliothek war. »Und es wundert mich nicht,« sagte die Haushälterin, »daß der Herr den Sir Philipp kannte, denn er scheint ein Gelehrter zu sein und hat sich die Bücher sehr genau angesehen, namentlich jene alten dort beim Kamin, über denen Sir Philipp (Gott segne ihn) so viel zu brüten pflegte.«

Mechanisch wandte ich mich den Simsen neben dem Kamin zu und musterte die Bücher, welche in dieser Abtheilung aufgestellt waren. Ich fand hier die Werke der Schriftsteller, welche wir unter der Allgemeinbezeichnung der »Mystiker« zusammenfassen können – Porphyr und Plotin, Swedenborg und Böhme, Sandirog, Van Helmont, Paracelsus, Cardan. Auch Schriften von weniger berühmten Autoren über Astrologie, Punctirkunst, Chiromantie u. s. w. waren vorhanden. Nun begann ich zu begreifen, aus welcher Klasse von Schriftstellern Margrave sich die seltsamen Vorstellungen, mit denen er die Lehren einer praktischen Philosophie zu durchweben pflegte, gesammelt hatte.

»Vermuthlich war diese Bibliothek Sir Philipp's Hauptaufenthaltsort?« fragte ich.

»Nein, er hielt sich hier nicht viel auf. Dies war sein Studirzimmer.«

Und die alte Frau öffnete eine durch falsche Bücherrücken maskirte Thüre. Ich folgte ihr in ein mäßig großes Gemach, das augenscheinlich aus einer viel älteren Zeit herrührte, als das übrige Haus.

»Es ist das einzige Zimmer, das von dem älteren Herrenhaus stehen blieb,« antwortete der Verwalter, als ich über diesen Umstand gegen ihn eine Bemerkung machte. »Ich habe gehört, es sei wegen des Kamins geschont worden. Hier ist eine lateinische Inschrift, welche Ihnen wohl den besten Aufschluß geben wird. Ich selbst verstehe nicht lateinisch.«

Das Kamin reichte bis an die Decke. Der Fries des unteren Theils ruhte auf rohgemeißelten steinernen Caryatiden, und weiter oben befand sich eichenes Getäfel mit dem wunderlichen geometrischen Schnörkelwerk, das unter Elisabeths und Jakobs Regierung so beliebt war, obgleich es mir doch einen andern Charakter zu haben schien, als dasjenige, das ich schon in den Bildern von alten Häusern gesehen hatte. Und ich war in solchen Dingen nicht ununterrichtet, denn mein seliger Vater war ein leidenschaftlicher Sammler von Allem, was sich auf die Kunst des Mittelalters bezog. Die Zeichnung auf dem Getäfel bestand aus mit sinnreicher Abwechslung ineinandergeschobenen Dreiecken und wurde von einem ringförmigen Band umschlossen, auf welchem die Zeichen des Thierkreises abgebildet waren.

Auf dem von den Caryatiden getragenen steinernen Fries, unmittelbar unter dem Holzwerk, befand sich eine Metallplatte, auf welcher in lateinischer Schrift einige Zeilen des Inhalts zu lesen waren, daß in diesem Zimmer Simon Forman, der Sucher nach der verborgenen Wahrheit, gegen ungerechte Verfolgung Zuflucht gefunden und die Naturgeheimnisse entdeckt habe, welche er zum Besten eines verständigeren Zeitalters der Obhut seines Gönners und Beschützers, des verehrlichen Sir Miles Derval, Ritters, vertraute.«

Forman! Der Name war mir nicht ganz fremd, doch mußte ich mein Gedächtniß sehr anstrengen, um ihn mit einem der berühmtesten von den Astrologen und Wahrsagern, welche der Aberglaube einer früheren Zeit abwechselnd verfolgte und verehrte, in Verbindung zu bringen.

Der Gesammtcharakter dieses Zimmers war freundlicher, als der der stattlicheren Gemächer, durch die ich bisher gekommen, denn man sah ihm wenigstens an, daß Jemand darin gewohnt hatte. Der Lehnstuhl neben dem Kamine, der für die Kniee ausgeschnittene Schreibtisch davor, der Sopha an dem Pfeiler neben der Fensternische mit einem an der Lehne festgeschraubten Lesebrett und Leuchter, unter dem Karnies in Reihen aufgestellte Kartenrollen und zu beiden Seiten des Gemachs niedrige Kassetten, die augenscheinlich die Bestimmung hatten, die Familienpapiere und Besitztitel zu verwahren, und an ihren Schlössern vorsichtig angelegte Sigel trugen. Auf dem Deckel dieser altmodischen Sicherheitsanstalten sah man für den neueren Gebrauch geeignete Gerätschaften: hier eine Vogelflinte, dort Fischruthen, zwei oder drei einfache Blumenvasen, einen Stoß Musikalien und eine Schachtel mit Zeichnungsstiften. Alles dieses deutete wenigstens auf Bewohnung und auf einen Eigenthümer; zwar waren darin die Eigenthümlichkeiten eines zurückgezogen lebenden unverheiratheten Mannes nicht zu verkennen, aber der Mann gehörte doch unserer Zeit an – ein Landgentleman von einfachen Gewohnheiten, aber nicht ungebildeten Liebhabereien.

Ich trat ans Fenster; es ließ sich aufziehen und führte auf einen großen Balkon hinaus, von welchem aus eine hölzerne Treppe in einem Bogen nach einem kleinen, von der Vorderseite des Hauses her nicht sichtbaren Garten hinunterlief; um diesen her zog sich eine Gruppe von immergrünen Bäumen mit einer Vista, in deren Hintergrund sich das Mausoleum befand.

Ich trat in den Garten hinaus – ein freier Platz mit einer Fontaine in der Mitte und Rabatten, die aber mehr Unkraut als Blumen wahrnehmen ließen. Links in der Ecke befand sich ein hoher hölzerner Pavillon, dessen Thüre weit offen stand.

»Hier pflegte Sir Philipp manche lange Sommernacht im Studium zuzubringen,« bemerkte der Verwalter.

»Wie, in diesem dumpfen Sommerhaus?«

»Es war damals ein recht hübsches Plätzchen; aber es ist schon sehr alt – wie man sagt, so alt wie das Zimmer, das Sie eben verlassen haben.«

»Dann muß ich es schon näher betrachten.«

Die Wände des Pavillons waren einmal mit Arabesken im Renaissancestyl gemalt gewesen, die Figuren aber jetzt kaum mehr zu erkennen. Das Holzwerk klaffte an vielen Stellen, und die Sonnenstrahlen stahlen sich durch die Spalten und spielten auf dem Boden, der in wunderlichen Würfel- und Triangelformen, wie ich sie an dem Kamin wahrgenommen, mit farbigen alten Backsteinen belegt war. Das Zimmer des Pavillons hatte eine ansehnliche Größe und einige alte wurmstichige Tische und Sessel zur Ausstattung.

»Sir Philipp machte nicht nur hier, sondern bisweilen auch in dem oberen Zimmer seine Studien,« sagte der Verwalter.

»Wie kommt man in dieses obere Zimmer? Ah, ich sehe – vermittelst jener Treppe in der Ecke.«

Ich stieg mit einiger Vorsicht hinan, denn die Stufen waren verkrümmt und mürbe. Als ich das Gemach betrat, erkannte ich sogleich, warum sich Sir Philipp gerne hier aufgehalten hatte.

Der Deckenkarnies ruhte auf Pfeilern, zwischen denen die Füllungen offene, nicht mit Scheiben versehene Bogen bildeten, und außen herum lief ein Balkon mit einem Geländer. Durch diese Bogen genoß man nach drei Seiten hin eine prächtige Aussicht, während man nach der vierten das Mausoleum vor sich hatte. In dem Zimmer befand sich ein großes Telescop, und als ich auf den Balkon hinaustrat, bemerkte ich, daß eine gewundene Treppe nach einer Plattform auf der Höhe des Sommerhauses, die vielleicht seiner Zeit Forman als Observatorium benützt hatte, hinaufführte.

»Der Herr, der heute hier war, hatte eine große Freude an diesem Lugaus,« bemerkte die Haushälterin.

»Wer sollte dies nicht? Vermuthlich hatte Sir Philipp eine Liebhaberei für Astronomie?«

»Wird wohl so sein,« versetzte der Verwalter, indem er eine ernste Miene annahm. »An was kein anderer Christenmensch denkt, das ist ihm immer am liebsten.«

Der Stand der Sonne erinnerte mich daran, daß meine Zeit drängte und ich mein Thier scharf ausholen lassen mußte, wenn ich zur anberaumten Stunde bei meinen Patienten eintreffen wollte. Ich eilte daher zu meinem Pferd zurück, gab ihm den Sporn und machte mir unterwegs Gedanken, ob es in der Ideenverknüpfung, welche so fein die Bestrebungen des Mannes mit den Eindrücken der Kindheit in Verbindung bringt, wohl die lateinische Inschrift auf dem Kamin gewesen sein mochte, was ursprünglich Sir Philipp Derval Geschmack für das mystische Kauderwelsch der Bücher einflößte, auf die ich einen so verächtlichen Blick geworfen hatte.

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