Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Thomas Cobb >

Eine dunkle That

Thomas Cobb: Eine dunkle That - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
authorThomas Cobb
titleEine dunkle That
publisherVerlag von Robert Lutz
printrunDritte Auflage
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150827
projectid21a62e8f
Schließen

Navigation:

24. Kapitel.
Doktor Virets Erzählung.

»Was Sie für ein Frühaufsteher sind, Inspektor!« rief Doktor Viret, als er am Dienstag Morgen in das Speisezimmer kam, wo Inspektor Holt etwas nach neun Uhr bereits auf sein Erscheinen wartete. Florence hatte, trotz des Doktors Abmachung, darauf bestanden, der Unterredung beizuwohnen. Sie trat dicht hinter Viret ein, in gespannter Erwartung dessen, was Holt ihr in Betreff Arnolds mitteilen würde.

»Ich hoffe endlich auf der Spur zu sein, Herr Doktor,« antwortete der Beamte, »und kam, mir Ihre Hilfe zu erbitten. So viel ich weiß, wurden Sie Samstag Nacht in die ›Waldaussicht‹ berufen – darf ich Sie bitten, mir alles zu erzählen, was sich dort zugetragen hat, wen Sie sahen und sprachen, kurz, jeden Umstand, der Ihnen bemerkenswert erschien.«

Sofort eilten Florencens Gedanken von Arnold zu Owen, dessen Namen der Inspektor bei seinen Nachforschungen bisher noch nie erwähnt hatte. Tiefe Blässe überzog ihre Wangen; sie nahm Platz und versuchte in den Mienen der beiden Männer ihre Gedanken zu lesen.

»Eine geschäftliche Angelegenheit,« sagte Doktor Viret trocken. »Sie werden begreifen, daß ich hierüber Schweigen bewahren muß.«

»Ich muß Sie bitten, Herr Doktor, Ihr Schweigen zu brechen,« erwiderte Holt mit Entschiedenheit. »Wichtige Obliegenheiten rufen mich von Rookfield ab; ich bin nur noch hier geblieben, um Ihren Bericht zu vernehmen.«

»Was ich Ihnen sagen könnte, würde Ihre Sache durchaus nicht fördern,« versetzte Viret, der geneigt schien, des Inspektors Benehmen übel zu vermerken.

»Darüber könnte ich erst nach Anhörung Ihrer Erzählung urteilen. Sollte das, was Sie mir mitteilen, mit unserer Sache in keinem Zusammenhange stehen, so würde ich Ihr Vertrauen niemals mißbrauchen. Als Mann von Welt können Sie überzeugt sein, daß nur die Pflicht mich nötigt, auf meinem Verlangen zu bestehen. Wir haben den Mann verhaftet, welcher den Einbruch bei Oberst Askew verübte – er gesteht, Herrn Derwent gesehen zu haben.«

»Wie! er sah meinen Vater!« rief Florence, indem sie in heftiger Bewegung von ihrem Sessel aufsprang.

»Jawohl, am Morgen des fünften März gegen ein Uhr. Wir bekommen dadurch doch einige nähere Auskunft: Herr Derwent ging nach dem Kirchhofe und unmittelbar hinter ihm eine schwarz gekleidete Frau, die, wie ich bestimmt weiß, in der ›Waldaussicht‹ wohnte. Da außer Ihnen, Herr Doktor, allem Anscheine nach kein Mensch die Schwelle jenes Hauses überschritten hat und Sie erst in der vorletzten Nacht dort waren, so werden Sie einsehen, von wie unberechenbarem Werte jede Mitteilung hierüber für unsere Angelegenheit ist.«

So hatte Arnold wirklich recht! Owen lebte nicht allein – seit Florence ihn kannte, bewahrte er das tiefste Geheimnis über diese Frau. Nun das so lange Verborgene ans Tageslicht kam, fragte sie nicht, in welcher Beziehung dieselbe zu ihres Vaters Ermordung stand, sondern nur, welche Bande Owen an sie knüpften, ob sie sein Weib war oder nicht.

»Hieraus folgt noch immer nicht, daß jene zum Ueberdrusse besprochene Frau Herrn Derwent gesehen haben muß,« murrte Doktor Viret, der offenbar jede weitere Aussprache zu vermeiden wünschte.

»Darüber dürfen wir nicht voreilig entscheiden,« gab Holt mit Bestimmtheit zurück. »Mein Gewährsmann behauptet, sie hätte ihn gesehen – er heißt Bodger, ein alter Bekannter von mir – er las die Anzeige von der ausgeschriebenen Belohnung, es gelang ihm, den Wohnort der geheimnisvollen Frau zu erspähen, worauf er sich, um deren Spur weiter zu verfolgen, bei Herrn Fairford als Diener verdingte.«

»So war Fairfords Diener der Dieb?« rief Florence.

»Ganz richtig – gestern machte er einen Erpressungsversuch bei Fairford, wurde aber auf Anregung des letzteren durch Wachtmeister Cadman verhaftet.«

»Würde Fairford so gehandelt haben, wenn er etwas Unehrenhaftes zu verbergen hätte?« fiel Doktor Viret ein.

»Darüber erlaube ich mir kein Urteil, Herr Doktor, jedenfalls war es ein kühner Streich. Wenn Fairford nichts zu fürchten hätte, warum verließ er Rookfield?«

»Er hat Rookfield verlassen?« stammelte Florence.

»Er ist nicht mehr hier?« rief gleichzeitig Doktor Viret.

»Er reiste gestern gegen neun Uhr abends ab. Nachdem Sie, Herr Doktor, Montag nacht bis zwei Uhr in der ›Waldaussicht‹ waren, verließ Fairford – wenn wir Bodgers Erzählung trauen dürfen – um sechs Uhr morgens das Haus und war bis zum Nachmittag abwesend; erst gegen neun Uhr verschwand er für immer aus Rookfield. Eine einzige Person, eine Art Haushälterin, hütet die vereinsamte Wohnung, doch war aus dem halsstarrigen Frauenzimmer kein Wort herauszubekommen. Voraussichtlich hatte Fairford alle Anordnungen für seine heimliche Flucht getroffen. Er rechnete darauf, binnen wenigen Stunden außer unserem Bereich zu sein und konnte daher Joseph Bodger ruhig dem Arm des Gesetzes übergeben. Hätte er seinen Wohnort nicht verlassen, so würde ich die Sache vielleicht von einem anderen Gesichtspunkt betrachten. Ich weiß, daß weder jemand von der Dienerschaft, noch Fairford selbst erkrankt war – es handelte sich demnach ausschließlich um die schwarze Dame. Was nützt es, Herr Doktor, wenn Sie mir heute jede Auskunft verweigern, einmal werden Sie doch reden müssen. Ich wiederhole Ihnen nochmals, daß es Ihre Pflicht ist, mir alles zu sagen.«

Nicht weniger gespannt als Inspektor Holt, harrte Florence auf Doktor Virets Antwort. Ihr Blick hing an seinem gefurchten Antlitz – sie hatte ihn noch nie so unruhig, so aufgeregt gesehen. »Florence!« sagte er nach kurzer Ueberlegung, »gehen Sie auf Ihr Zimmer und lassen Sie uns allein!«

»Nein!« antwortete das Mädchen entschlossen, »bitte, lassen Sie mich hier, ich glaube, es ist mein Recht – ich kann es verlangen.«

Viret zuckte ärgerlich die Achseln und wandte sich dem Beamten zu. »Seit vielen Jahren habe ich der Ausübung des ärztlichen Berufes entsagt,« begann er. »Als Herr Fairford Sonntag nacht zu mir kam, um mich zu bitten, ihn nach der ›Waldaussicht‹ zu begleiten, schlug ich es ihm zuerst kurzweg ab. Ich riet ihm, Doktor Brown aus Wisborough kommen zu lassen. Er erklärte jedoch den Fall für äußerst dringend – was sich durchaus nicht bestätigte – und schien derart bestürzt, daß mir nach langem Hin- und Herreden nichts übrig blieb, als seinem Drängen nachzugeben. Gleichzeitig nahm er mir das Versprechen ab, sein Geheimnis nicht zu verraten, er begründete diesen Wunsch, nach meiner Ansicht, in vollkommen ausreichender Weise. Wenn Sie auf Ihrem Willen beharren, Herr Inspektor, so muß ich freilich das gegebene Wort brechen; und doch kann ich Sie versichern, daß meine Aussage Ihnen bei Erforschung der Wahrheit nicht vom mindesten Nutzen sein wird.«

»Ich bedauere sehr, Herr Doktor, aber ich bin genötigt, auf der Mitteilung zu bestehen; ich würde sonst die Pflicht meines Amtes verletzen.«

Doktor Viret wandte sich nochmals zu Florence. »Liebes Kind,« sagte er weich, »verlassen Sie uns, was ich dem Herrn Inspektor berichten muß, würde Sie auf das peinlichste berühren.«

»O, ich bin ja an Leid und Schmerz gewöhnt!« antwortete das Mädchen. »Uebrigens,« fuhr sie von ihrer inneren Erregung hingerissen fort, »mein Vertrauen trügt mich nicht – was Sie uns auch erzählen werden, es kann Herrn Fairford nicht zur Unehre gereichen.«

Viret warf einen raschen Blick auf Florencens glühende Wangen. Seine Stirn war tief gefurcht, die Brauen zogen sich finster zusammen, doch in den Augen loderte die Flamme warmer Begeisterung. »Nein,« rief er, »das gewiß nicht – der junge Mann ist ja in seiner Art ein wahrer Held.«

»Bitte, zur Sache,« rief der Inspektor und sah ungeduldig auf die Uhr. »Kommen Sie zu dem Weibe!«

»Seine Mutter – sie ist eine Aussätzige.«

Holt steckte die Uhr wieder in die Tasche. »Sahen Sie die Kranke?« erkundigte er sich ruhig.

Florence starrte Doktor Viret wortlos an, ihr Herz pochte stürmisch – nicht das Grauen über den Zustand der bedauernswerten Frau machte ihre Pulse fliegen, ihre Augen in Thränen schwimmen; sie dachte nur an Owens edles Opfer. Nun war ihr alles klar und – die Frau war nicht seine Gattin.

»Fairford erzählte mir seine Leidensgeschichte bei unserem nächtlichen Gange,« berichtete Viret. »Da ich Frau Fairford notwendig sehen mußte, konnte er ohne Scheu von ihr sprechen – über seine eigene Person bewahrte er die größte Zurückhaltung, aber mein Interesse war wach geworden, und ich fragte ihn aus. Fairford war mit hohen Ehren, als vierter seines Jahrganges, von der Universität Cambridge abgegangen. Eine glänzende Laufbahn stand ihm bevor; er widmete sich dem Rechtsstudium und ein Sitz im Parlamente konnte ihm nicht fehlen. Vor etwa acht Jahren, als Fairford das Alter von sechsundzwanzig erreicht hatte, erkrankte sein Vater an einer schweren Lungenentzündung, von welcher er sich nie mehr ganz erholte. Er reiste in Begleitung seiner Gattin nach Honolulu, wo er ein Jahr später seinem Leiden erlag. Kurz darauf verfiel Fairfords Mutter in eine langwierige Krankheit – sie lag dem Tode nahe, und hatte nur Eingeborene zu ihrer Pflege. Als der Sohn Honolulu erreichte, fand er sie bereits auf dem Wege der Besserung und trat mit ihr die Rückreise nach der Heimat an.

»Eine Woche nach der Abfahrt bekam Frau Fairford einen ernsten Rückfall, und drei Tage bevor sie in England landeten, nahm der Schiffsarzt den Sohn beiseite und teilte ihm mit, daß zu dem ursprünglichen Leiden seiner Mutter noch der Aussatz, wahrscheinlich in Folge von Ansteckung hinzugetreten sei. Nachdem sie das Schiff verlassen hatten, mußte sich Fairford der traurigen Pflicht unterziehen, die Kranke über die Natur ihres Leidens aufzuklären. Sie hatte auf der Insel Erfahrung genug gesammelt, und täuschte sich nicht über ihren entsetzlichen Zustand. Doch graute ihr davor, ihn öffentlich kundzugeben. Sobald die Wahrheit bekannt wurde, war sie gezwungen, sich der Behandlung und den Vorschriften zu unterwerfen, welche für Aussätzige bestehen.

»Die Symptome verschlimmerten sich rasch, der letzte Schein von Hoffnung schwand. Was sollte nun weiter geschehen. In dieser entsetzlichen Lage,« fuhr Doktor Viret mit steigender Bewunderung fort, »beschloß der junge Mann, sein künftiges Leben ausschließlich der Mutter zu opfern, kurz vor der Wahl zog er seine Kandidatur zurück, mietete ein Haus in Ponders Green, zwanzig Meilen von hier; schloß das obere Stockwerk von den übrigen Räumen ab und richtete es vollkommen für die Bedürfnisse der Kranken ein. Nach vielen Schwierigkeiten gelang es Fairford, für ungewöhnlich hohen Lohn eine Frau zu finden, – dieselbe Frau Cawdrey, welche bis heute sein Hauswesen leitete – die sich bereit erklärte, den nötigen Verkehr mit Fairfords Mutter zu unterhalten. Sie übernahm gleichzeitig die meisten häuslichen Besorgungen, da es wünschenswert erschien, daß so wenig Personen als möglich im Hause Zutritt hatten.

»Je weiter Frau Fairfords entstellendes Leiden um sich griff, desto mehr begehrte sie nach gänzlicher Abgeschlossenheit. Sie kam um Mitternacht in Ponders Green an – außer Frau Cawdrey wußte niemand von der Dienerschaft um ihre Anwesenheit. Zuerst besorgte Frau Cawdrey die persönliche Bedienung der Kranken, doch als diese, bei fortschreitender Verunstaltung, sich selbst nicht mehr vor ihrer Wärterin zeigen wollte, traf Fairford die nötigen Anstalten, daß seine Mutter sich ihre Mahlzeiten allein bereiten und ungesehen ihr trauriges Dasein fristen konnte.

»Der übrigen Hausgenossen wegen, mußte die äußerste Vorsicht beobachtet werden. Fairford verbrannte die abgelegten Kleider der Kranken und leistete ihr manchen Dienst, den eine minder aufopferungsfähige Natur für ungeziemend oder entwürdigend erachtet hätte. Zur Nachtzeit erging sich Frau Fairford im Garten, während der Sohn mittlerweile ihre Zimmer ordnete, stets bemüht, so viel Behagen um seine Mutter zu verbreiten, als es ihr Zustand irgend gestatte. Später ließ sie sich verleiten, ihre nächtlichen Spaziergänge bis zur Dorfstraße auszudehnen – die abenteuerlichsten Gerüchte begannen aufzutauchen, die Diener klagten über seltsame Geräusche, Schritte unbekannter Hausgenossen, das Volk erklärte das Haus für verhext; einige Male unternahm es Fairford auf Wunsch seiner Mutter, doch sehr gegen seine Ueberzeugung, in einer dunkeln Vermummung des Nachts durch das Dorf zu gehen. Allein auch diese Maßregel erwies sich als nutzlos. Sie waren in Ponders Green nicht mehr vor Entdeckung sicher und sahen sich genötigt, hierher überzusiedeln, wo sie die gleiche Taktik mit demselben ungünstigen Erfolge wiederholten. Das ist alles, Herr Inspektor, was ich Ihnen mitzuteilen habe.«

So traurig Doktor Virets Erzählung lautete, versetzte sie dennoch Florence in jene gehobene, begeisterte Stimmung, welche jedes edle junge Herz erfaßt, sobald es von einer That selbstlosester Aufopferung hört. Doch Holt ließ ihr keine Zeit, diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. »Eine unglückselige Geschichte, Doktor,« sagte er, »aber Sie haben uns noch nicht gesagt, weshalb Sie Sonntag nacht berufen wurden?«

»Sind Sie noch immer nicht befriedigt?«

»Nicht so ganz! Auch bleibt mir zu erfahren übrig, warum Mutter und Sohn abgereist sind und wohin?«

»Davon weiß ich nichts,« antwortete Viret. »Wäre ich gefragt worden, so hätte ich der Kranken geraten, einen oder zwei Tage zu warten. Den Grund meines Besuches sollen Sie hören: Im Interesse seiner Mutter hatte Fairford sich einige medizinische Kenntnisse angeeignet – er gab ihr, wenn er es für nötig hielt, geringe Dosen Opium – was vom ärztlichen Standpunkt durchaus nicht zu rechtfertigen war, wie ich ihm erklärt habe. Sonntag abend ließ er unvorsichtigerweise eine ziemliche Menge des genannten Arzneimittels im Bereiche der Kranken stehen. Frau Fairford, die schon seit längerer Zeit an Schwermut und Lebensüberdruß litt, bemächtigte sich der Flasche und leerte deren Inhalt, in der Absicht, ihrem elenden Dasein ein Ende zu machen. Als Fairford die Folgen seiner Unachtsamkeit entdeckte, verlor er alle Besonnenheit und rief nach Frau Cawdrey. Durch rechtzeitiges Einschreiten war zwar das Unheil noch abgewendet, aber die Haushälterin drohte in ihrer Angst, selbst einen Arzt herbeizuholen, wenn Herr Fairford es nicht thäte. Owen zögerte so lange als möglich und suchte Frau Cawdrey zu beruhigen. Sie ist eine vortreffliche, treu ergebene Person, und hegt die größte Hochachtung für Fairford. Doch ließ sie sich von der Ueberzeugung, daß seiner Mutter Leben bedroht sei, nicht abbringen. So sah sich der Sohn denn gezwungen, meine Hilfe in Anspruch zu nehmen und mir das düstere Geheimnis anzuvertrauen. Ich werde es nicht leicht verwinden, daß Sie, Herr Inspektor, mich genötigt haben, zum erstenmal im Leben ein gegebenes Wort zu brechen. Sie wissen nun alles – sagen Sie mir offen, was haben Sie damit gewonnen?«

Inspektor Holt hatte doch wenigstens den Grund der geheimnisvollen Vorgänge in der ›Waldaussicht‹ erfahren. Er war noch immer der Meinung, daß Frau Fairford wichtige Aufschlüsse über das begangene Verbrechen zu geben vermöchte, ja vielleicht Zeugin desselben gewesen war. Ihr Schweigen erschien ihm jetzt leicht erklärlich – das Widerstreben, ihr elendes Dasein zu verraten, die unbesiegbare Scheu mit Menschen zu verkehren, boten genügende Entschuldigung dafür.

Nachdem der Inspektor Abschied genommen hatte, saßen Doktor Viret und Florence einander schweigend gegenüber. Das Mädchen war noch außer stande, ihre Empfindungen zu beherrschen und der Doktor, der ihre Zuneigung für Fairford ahnte, hatte tiefes Mitleid mit ihr. »Sie hätten sich die Qual dieser Stunde ersparen sollen, Florence,« sagte er endlich voll Teilnahme. » Wären Sie nur meinem Rat gefolgt.«

»Nein, mein Freund!« rief Florence unter Thränen, »um keinen Preis der Welt möchte ich die Kenntnis der Wahrheit missen! Ich wußte immer, daß Fairford ein Ehrenmann ist – aber er ist mehr als das: er ist ein Held! wie sie selbst gesagt haben.«

Viret legte die Hand mit väterlicher Zärtlichkeit auf ihre Schulter. »Gott segne Sie, mein Kind,« sprach er bewegt, »und stehe Ihnen mit seiner Hilfe bei!«

 << Kapitel 24  Kapitel 26 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.