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Eine dunkle That

Thomas Cobb: Eine dunkle That - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorThomas Cobb
titleEine dunkle That
publisherVerlag von Robert Lutz
printrunDritte Auflage
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150827
projectid21a62e8f
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22. Kapitel.
Joseph Bodger spielt seinen Trumpf aus.

»War nicht Herr Fairford noch gestern abend da? Ich glaubte seine Stimme zu hören.« Mit diesen Worten begrüßte Florence am Montag Morgen Doktor Viret, als sie im Speisezimmer zum Frühstück erschien.

»Jawohl, Florence, Sie haben ganz richtig gehört.«

»Und Sie verließen mit ihm das Haus?« fragte sie und blickte forschend in des Doktors unergründliches Antlitz. Er strich mit der Hand den Haarbüschel zurück, der sich über seiner hohen Stirn emporsträubte, gab aber keine Antwort.

»Es war zwei Uhr vorbei, als Sie heimkehrten,« beharrte Florence.

Wieder eine lange Pause, dann sah ihr Doktor Viret ernst in die Augen. »Sie scheinen ein großes Interesse an Fairford zu nehmen,« begann er in seiner geraden, aufrichtigen Art.

»Vor meines Vaters Tod verkehrte ich viel mit ihm,« antwortete Florence. »Bitte, lieber Doktor, sagen Sie mir, was gestern nacht geschehen ist.«

»Was soll ich Ihnen sagen?«

»Warum kam Fairford hierher? Warum begleiteten Sie ihn? Denn ich vermute, daß Ihr Weg Sie nach der ›Waldaussicht‹ führte.«

»Fragen Sie mich nicht!« erwiderte Viret, »von mir werden Sie nichts erfahren – es wäre umsonst.«

»Ach, warum dieses Geheimnis!«

»Weil Fairford nicht wünscht, daß jemand etwas davon weiß, weder Sie noch andere, und ich tiefstes Schweigen zu bewahren versprach. Ich kann Ihnen nur so viel sagen,« fuhr Doktor Viret fort, während es in seinem Gesicht lebhaft zu zucken begann, »daß ich hoffe, Sie werden den jungen Mann niemals wiedersehen! Verlangen Sie nicht mehr von mir,« schloß er in steigender Erregung, »ich habe im Laufe meines Lebens manche traurige Erfahrung durchgemacht, aber so tief ergriffen hat mich noch nichts. Ich möchte eine solche Nacht nicht um die Welt zum zweitenmal überstehen; es war entsetzlich, grauenhaft!«

Florencens Augen schwammen in Thränen, als sie ihren gewohnten Sitz am Frühstückstisch einnahm. Der Schmerz schnürte ihr die Brust zusammen und nur ein Gedanke erfüllte sie mit beruhigendem Troste: was auch Doktor Viret erfahren haben mochte, so weit es Owen betraf, konnte es nichts Unehrenhaftes sein. Aber heißer als je war ihr Wunsch zu wissen, was auf ihm lastete.

Von allen Bewohnern Rookfields war Doktor Viret der einzige, den Fairford freiwillig in sein Haus berufen hatte. Brauchte er einen Arzt? Lag jemand in der ›Waldaussicht‹ krank? War demnach Arnolds Verdacht begründet? Beherbergte das Haus, außer der Dienerschaft, thatsächlich eine geheimnisvolle Person, die verborgen gehalten wurde?

»Gehen Sie wieder zu Herrn Fairford?« fragte Florence, als Doktor Viret sich von seinem kaum berührten Frühstück erhob.

»Nein, Gott soll mich bewahren!« lautete die lebhafte Antwort.

Also hatte der Besuch keinem Kranken gegolten! Um eines leichten Unwohlseins willen würde Owen schwerlich seine strenge Zurückgezogenheit aufgegeben haben; bei einer ernsteren Erkrankung aber bedurfte es mehr als eines vereinzelten Besuches, selbst wenn er, wie Doktor Virets, über zwei Stunden dauerte.

»Wird Doktor Brown die weitere Behandlung übernehmen?« fuhr Florence unverdrossen zu fragen fort.

Viret, der bereits auf der Schwelle stand, kehrte zurück und schloß die Thür des Speisezimmers. »Florence,« sagte er in eindringlichem, bittendem Tone, »lassen Sie diese ganze Angelegenheit auf sich beruhen! Sprechen Sie nicht mehr davon! Glauben Sie mir, liebes Kind, es ist am besten, wenn Sie das, was heute nacht geschah, ein für allemal aus ihren Gedanken verbannen.«

Das Mädchen schwieg, weil sie einem so klar ausgesprochenen Willen sich nicht länger widersetzen konnte, doch war sie nur um so eifriger mit der Lösung des neuerstandenen Rätsels beschäftigt. Sie beruhigte sich jedoch einigermaßen mit der Hoffnung, Fairford in den nächsten Tagen selbst zu begegnen, denn in dem kleinen Dorfe konnten zwei Personen kaum umhin, mit einander in zufällige Berührung zu kommen.

Als im Laufe des Nachmittags Arnolds Besuch angekündigt wurde, lehnte es Florence ab, ihn zu empfangen. Sie hatte heftige Kopfschmerzen und die Erinnerung an seinen Triumph, bei der Auffindung von ihres Vaters Leiche, machte ihr seine Gegenwart höchst unerwünscht. Sie wollte Arnold nicht wiedersehen, bevor ihr nicht Inspektor Holts Mitteilungen zugegangen wären.

Es war bereits acht Uhr, als Joseph Bodger sich im Wohnhause der ›Waldaussicht‹ einfand. Müde und mißmutig über die erfolglose Anstrengung der verflossenen Nacht, kümmerte er sich wenig um Frau Cawdreys Unzufriedenheit. Die Ereignisse näherten sich offenbar einem Wendepunkte; daß es aber schon so bald zur Entscheidung kommen würde, ahnte er freilich nicht.

Er fand Sarah damit beschäftigt, Frau Cawdreys gewohnte Obliegenheiten in der Küche zu besorgen. »Holla!« rief er erstaunt, »wo steckt denn der alte Drache?«

»Oben.«

Joseph pfiff leise vor sich hin.

»Hübsch ist es heute nacht bei uns zugegangen,« grollte Sarah, »ein Fremder im Hause, nachdem ich bereits zu Bett gegangen und in meinem Zimmer eingesperrt war. Ich hörte ihn sprechen und auch Herrn Fairfords Stimme. Ich stand auf, um zu sehen, was es gab, aber Frau Cawdrey hatte dafür gesorgt, daß ich so klug blieb, wie zuvor. Die Thür nach dem Gange war verschlossen. Wäre das Haus in Flammen geraten, ich hätte darin verbrennen können! Erst heute früh, als Herr Fairford sein Frühstück verlangte, ließ er mich heraus.«

»Wo ist der Herr jetzt?« fragte Joseph.

»Was weiß ich!« gab Sarah mürrisch zurück, »ich sah ihn vor sechs Uhr – kaum hatte er seine Tasse Kaffee hinuntergeschluckt, so ging er auch schon davon.«

»Hat er den hohen Hut aufgesetzt?«

»O ja, er war ganz im Wichs; aber recht jämmerlich und abgehärmt sah er aus.«

Joseph vermutete nicht ohne Grund, Fairford sei nach London gereist; er schenkte sich daher heute die Arbeit und schlenderte nach dem Frühstück zum ›Löwen‹. Als er in seine Behausung zurückkehrte, packte er den kleinen Blechkoffer, um auf alle Fälle zur Abreise fertig zu sein, entfernte den Stuhl, der ihm am Fenster des Heubodens, als Beobachtungsposten gedient hatte und schloß die Verbindungsthür wieder, wie er sie bei seiner Ankunft gefunden.

Wie sehr wünschte Joseph, er hätte Owen schon vor Doktor Virets Besuch klaren Wein eingeschenkt; zum Glück war es immer noch nicht zu spät – weder der Doktor, noch sonst jemand, wußte so viel wie er, auch hatte er den häuslichen Frohndienst in Rookfield herzlich satt, und sehnte sich danach, den Staub der ›Waldaussicht‹ von seinen Sohlen zu schütteln.

Nach dem Mittagsmahl trieb er sich müßig im Hause herum, mit Sarah scherzend, die noch Pflichttreue genug besaß, die nötigsten Geschäfte zu besorgen. Von Frau Cawdrey war den ganzen Tag keine Spur zu sehen. Um vier Uhr saß Bodger schläfrig in der Küche, als er Owen heimkommen hörte. Bald darauf tönte es vom Gang her:

»Wilhelm!«

»Ja, Herr!«

»Kommen Sie zu mir ins Speisezimmer.«

Nachdem Joseph die Thür geschlossen hatte, setzte sich Owen müde an den Tisch, und stützte den Kopf auf. »Ich bedarf Ihrer Dienste nicht länger,« begann er, »ich werde Ihnen einen vollen Monatslohn, von heute an gerechnet, auszahlen, außerdem eine Summe für Ihren Unterhalt, wünsche jedoch, daß Sie Ihren Koffer packen und mein Haus sofort verlassen.«

Joseph erwiderte kein Wort, sondern blickte mit verschlagenem Ausdruck vor sich hin, während Owen das Geld aus verschiedenen Taschen hervorsuchte und zusammenzählte. »Ich denke, so wird die Rechnung stimmen – wünschen Sie ein Zeugnis über Ihr Verhalten?«

Joseph schritt zum Tische und strich das Geld mit der rechten Hand in die bereitgehaltene linke. »Wie wär's, Herr, wenn wir ein wenig über Ihr Verhalten sprächen?« sagte er mit Ruhe.

Owen sah ihn erstaunt an. »Sind Sie betrunken?« fragte er scharf.

»O nein, durchaus nicht,« lautete die Antwort, »ich bin vollkommen nüchtern, aber ich habe nicht umsonst diese vielen Wochen in Ihrem Hause gelebt – ich hielt die Augen offen und den Mund zu. Was hätten Sie gesagt, wenn ich bei der Gerichtsverhandlung als Zeuge vorgetreten wäre? Ein wenig verdutzt dreingeschaut, nicht wahr? Noch ist's nicht zu spät! Die tausend Pfund Belohnung hat bisher noch niemand eingestrichen; ich hoffe sie in kürzester Zeit von einem oder dem anderen ausbezahlt zu erhalten.«

Wiewohl Bodger diese Rede mit möglichster Frechheit vom Stapel ließ, war er doch äußerst gespannt auf die Wirkung, welche sie bei Owen hervorbringen würde. Der auffällige Wechsel in dessen Haltung und Aussehen überstieg seine kühnsten Erwartungen – der Schlag hatte offenbar getroffen. Fairford warf den Kopf heftig zurück, die auf dem Tische ruhende Hand zitterte, sein Gesicht war geisterhaft bleich bis auf die dunklen Ringe unter den Augen. »Ich verstehe Sie nicht, Saunders,« sagte er dumpf.

»Sie werden mich verstehen, Herr, bevor wir miteinander fertig sind.«

»Sie erwähnten die Gerichtsverhandlung vom verflossenen Freitag – wollten Sie mir andeuten, daß Sie Enthüllungen über Herrn Derwents Ermordung beibringen können? Ist das der Fall – warum besprechen Sie diese Angelegenheit mit mir?«

Eins stand für Joseph fest, – wäre Owen nicht in die Sache verwickelt gewesen, so hätte er ihn sofort zur Thür hinausgeworfen – die einfache Thatsache, daß er Bodger geduldig anhörte, bewies seinen Zusammenhang mit dem Verbrechen.

»Erstens,« begann Joseph mit possenhafter Förmlichkeit, »kann ich Enthüllungen über den an Herrn Derwent verübten Mord machen; zweitens komme ich damit zu Ihnen, weil Sie das, was ich weiß, nicht hoch genug bezahlen können, drittens, sind Sie der Erste, dem ich mein Angebot mache.«

Owen verriet deutliche Zeichen von Ungeduld. »Kommen Sie zur Sache!« sprach er hastig.

»Ich bin eben dabei! Haben Sie keine Sorge! Zuerst und vor allem: Wer ist die schwarzgekleidete Frau, die in Ihrem Hause wohnt und während der Nacht durch das Dorf streift?«

»Ich werde Ihre kecken Fragen nicht beantworten. Sie behaupten, gewisse wichtige Kenntnisse zu besitzen – worin bestehen diese?«

»Ich bin der geheimnisvollen Frau, ebenso wie Ihnen, mehr als einmal gefolgt,« antwortete Joseph, »auch sah ich, daß Sie verschiedene Gegenstände in der Küche verbrannten.«

»Sie waren somit nichts anderes, als ein Spion in meinem Hause!«

»Das war ich, doch nicht allein bei Ihnen,« gab Joseph frech zurück. »Nette Dinge, die man überall beobachten konnte! Die Hauptsache ist: jenes Weib, wenn es überhaupt ein weibliches Wesen ist, wohnt hier im Hause und kennt Herrn Derwents Mörder.« Bodger bemerkte, wie Owen zusammenzuckte: er beeilte sich daher, seinen Vorteil auszunützen. »Die Frau kennt ihn und Sie, Herr Fairford, auch – leugnen Sie es nicht, Sie wissen, wer Herrn Derwent umgebracht hat. Wir wollen nun auf den Kern der Sache kommen. Sie waren bisher ängstlich bemüht, die Geschichte im Dunkel zu erhalten; wenn Sie Ihr Geheimnis auch ferner bewahren wollen, so giebt es nur den einen Weg, mit mir vernünftig zu unterhandeln.«

»Erklären Sie sich deutlicher,« erwiderte Owen finster.

»Sobald ich rede, befördert Holt die bewußte Frau in kürzester Frist ans Tageslicht. Nicht, daß ich ein besonderes Bedürfnis fühlte, mit Holt zu verkehren, doch müßte ich unter allen Umständen auf meinen Vorteil bedacht sein.«

»Ich fange an, Sie zu verstehen,« versetzte Owen. »Bei Ihrem fortwährenden Spionieren sind Dinge zu Ihrer Kenntnis gekommen, von denen Sie glauben, daß ich sie zu verbergen trachte.«

»Ganz richtig, Herr.«

»Sie bieten mir Ihr Schweigen unter gewissen Bedingungen an.«

»Ueber die wir uns schon einigen werden,« ergänzte Joseph, dem alles übrige ein Kinderspiel dünkte.

»Sollte ich mich weigern, auf Ihre Bedingungen einzugehen, dann drohen Sie mir, Ihre Enthüllungen der Polizei mitzuteilen.«

»Man würde jedenfalls nicht viel Zeit verlieren, daraus Nutzen zu ziehen.«

»Möglich; doch eines haben Sie vergessen – Sie sagten mir nicht, worin Ihre wertvolle Entdeckung besteht, sprechen von einer Frau ...«

»Welche in diesem selbigen Hause wohnt; was nur Ihnen, Frau Cawdrey und mir – ja mir – bekannt ist; eine seltsame Persönlichkeit, die den ganzen Tag unsichtbar bleibt und nur des Nachts ausgeht.«

»Das haben Sie mir bereits erzählt, auch daß sie die näheren Umstände von Derwents Ermordung kennen soll. Bleiben wir bei der Sache. In welcher Weise gelangte die bewußte Frau zu dieser Kenntnis?«

Bodger überlegte einige Augenblicke, er war nahe daran, den entscheidenden Schlag zu führen. Die trockenen Lippen befeuchtend, sah er Owen scheu aus den Augenwinkeln an. »Sie folgte Herrn Derwent in der verhängnisvollen Nacht vom vierten März auf dem Fuße,« sagte er endlich. »Sie beobachtete seine Schritte, und war keine hundert Ellen von ihm entfernt.«

»Woher wissen Sie das?« fragte Owen. Er sprach vollkommen ruhig, doch das Zittern der Stimme, sein erhitztes Gesicht, die von Aufregung leuchtenden Augen verrieten Joseph den Sturm, der in ihm tobte.

»Das Woher geht Sie nichts an,« antwortete Bodger kühn, »meine Angaben beruhen auf voller Wahrheit, und können nicht bestritten werden. Sie, Herr Fairford, streben nur Eines an: ein friedliches, ungestörtes Leben, und das erreichen Sie durch kein anderes Mittel, als wenn Sie meine Bedingungen annehmen.«

»Das mag alles ganz richtig sein,« entgegnete Owen, »allein Inspektor Holt wird Ihrer bloßen Aussage eben so wenig Glauben schenken, wie ich. Sie stellen eine Behauptung auf, ohne dieselbe zu beweisen. Gesetzt, Sie sprächen die Wahrheit und ich wäre geneigt, Ihr Schweigen zu erkaufen – wer bürgt mir dafür, daß Sie nicht auf Betrug oder gemeine Gelderpressung ausgehen?«

Zum erstenmal zögerte Joseph. Wenn Owen nicht Willens gewesen wäre, mit ihm zu unterhandeln, hätte er sich nicht herabgelassen, die Sache des näheren zu besprechen. Daß er vorsichtig zu Werke ging, war nicht zu verwundern. Aber, wie sollte Joseph, ohne seine eigene Schuld zu gestehen, die Sache auf eine Weise erklären, welche Fairford genügte? Der ganze Schlachtplan gründete sich auf die Annahme, daß Owen sein Geheimnis um jeden Preis auch ferner vor den Augen der Welt zu verbergen wünschte. Darin allein lag auch Josephs Sicherheit. »Ich will es Ihnen aufrichtig sagen,« sprach er entschlossen, »ich selbst sah die bewußte Frau.«

»Dann sahen Sie Herrn Derwent ebenfalls?«

»Jawohl, beide.«

»Wo?«

»Auf der Straße, dort ...« Joseph deutete mit dem Kopfe nach der Richtung des Fensters.

»Jedenfalls seltsam, daß Sie als Fremder damals zu so später Stunde im Dorfe herumstreichen – es war, wenn ich nicht irre, ein Uhr vorbei.«

»Oho, wie gut Sie über die Zeit unterrichtet sind!« gab Bodger schlagfertig zurück.

Von dem Augenblicke an, als Derwent seiner Tochter um elf Uhr gute Nacht gesagt hatte, wußte man nichts mehr von ihm. Joseph war der Einzige, welcher bezeugen konnte, daß der Ermordete um ein Uhr auf der Straße gewesen war, und nicht etwa erst gegen Morgen das Haus verlassen hatte.

Fairford war aufgesprungen und schritt erregt im Zimmer hin und her. »Also,« begann er, vor Bodger stehen bleibend, »Sie waren zufällig um ein Uhr auf der Dorfstraße und begegneten Herrn Derwent?«

»Ich sah ihn und die Frau, die hinter ihm drein ging; sie war schwarz gekleidet, fast so groß wie Sie, dicht verschleiert und schaute gerade vor sich hin. Nun dächte ich aber, Herr, wir hätten genug geplaudert – wie wär's, wenn wir unser Geschäft zum Abschluß brächten?«

»Ich gebe zu, Saunders, Sie besitzen Kenntnis von Dingen, die, wenn sie jetzt in die Oeffentlichkeit drängen, mir viel Sorge und Unannehmlichkeiten bereiten könnten. Auch ich kann Sie auf mein Ehrenwort versichern, daß gar nichts für Sie herauskommen würde, wenn Sie auf der Stelle Holt Ihre Enthüllungen machten; doch will ich nicht leugnen, daß es mir lieber wäre, wenn Holt vorläufig nichts davon erführe.«

»Das glaube ich Ihnen gern.«

»Von Ihnen verlange ich, daß Sie Rookfield so rasch als möglich verlassen. Ich will kein weiteres Wort über Ihre Aufführung verlieren. Sie kennen meine Wünsche. Packen Sie jetzt Ihre Sachen!«

»Sobald Sie auch meinen Wunsch erfüllen,« antwortete Joseph tückisch, »und mir die Kleinigkeit von tausend Pfund freundlichst auszahlen. Geben Sie mir das Geld, und ich fliege davon; wie ein Vogel.«

»Um zurückzukehren und mehr zu holen, wenn die erste Summe verpraßt ist.«

»Damit hat's gute Wege,« meinte Joseph, »zahlen Sie mir das Geld, und ich bin stumm wie ein Fisch.«

»Glauben Sie etwa, ich hätte tausend Pfund hier im Hause bereit?« warf Owen ein.

»Das nicht,« gab Bodger zur Antwort. »Sie haben mich ja schon öfters nach Wisborough auf die Bank geschickt und brauchen mir nur eine Anweisung zu geben, mit der Ermächtigung, sie in Geld umzusetzen.«

Owen stand dicht neben Joseph und blickte nachdenklich in dessen verschmitztes Gesicht. Er schien einen plötzlichen Entschluß zu fassen. »Sie müssen sich einige Minuten gedulden,« sagte er. »Setzen Sie sich und warten Sie auf mich!« Hierauf öffnete Fairford die Thür und verließ rasch das Zimmer.

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