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Eine dunkle Geschichte

Honoré de Balzac: Eine dunkle Geschichte - Kapitel 11
Quellenangabe
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typenovelette
authorHonoré de Balzac
titleEine dunkle Geschichte
publisherErnst Rowohlt Verlag
yearo.J.
translatorFriedrich Oppeln-Bronikowski
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Michu begegnete Gotthard mit einem Sack auf der Schulter und rief ihm von weitem zu:

»Ich bin fertig, Kleiner! Trag ihn zurück und iß mit uns.«

Fröhlich betrat Michu die Küche seines Pachthofes, wo Marthas Mutter und Martha die Suppe auftrugen und ihn erwarteten. Seine Stirn war schweißbedeckt, seine Kleider mit Kalk und Resten der schmutzigen Kalksteine beschmiert, die aus dem Schutt der Bresche stammten.

In dem Augenblick, da Michu den Wasserhahn aufdrehte, um sich die Hände zu waschen, erschien der Friedensrichter in Begleitung seines Schreibers und des Feldhüters.

»Was wollen Sie von uns, Herr Pigault?« fragte Michu.

»Im Namen des Kaisers und des Gesetzes verhafte ich Sie«, sagte der Friedensrichter.

Nun zeigten sich die drei Gendarmen, die Gotthard herbeiführten. Beim Anblick der betreßten Hüte tauschten Martha und ihre Mutter einen entsetzten Blick.

»Ach was! Und warum?« fragte Michu, setzte sich an seinen Tisch und sagte zu seiner Frau: »Gib auf, ich bin halb verhungert.«

»Das wissen Sie so gut wie ich«, antwortete der Friedensrichter. Er winkte seinem Schreiber, das Protokoll zu beginnen, nachdem er dem Pächter den Verhaftungsbefehl gezeigt hatte.

»Na, du spielst den Erstaunten, Gotthard? Willst du essen, ja oder nein?« fragte Michu. »Laß die nur ihr dummes Zeug schreiben.«

»Sie erkennen den Zustand Ihrer Kleider an?« fragte der Friedensrichter. »Ebenso wenig leugnen Sie die Worte, die Sie auf Ihrem Hofe zu Gotthard sagten?«

Michu ließ sich von seiner Frau, die ob seiner Kaltblütigkeit starr war, die Suppe auftragen und aß heißhungrig, ohne eine Antwort zu geben. Sein Mund war voll und sein Herz unschuldig. Gotthards Eßlust war durch furchtbare Angst gelähmt. »Nun,« sagte der Feldhüter Michu ins Ohr, »was haben Sie mit dem Senator gemacht? Wenn man die Leute von der Justiz hört, geht es für Sie um Leben und Tod.«

»O mein Gott!« rief Martha aus, die die letzten Worte auffing und wie vom Blitz getroffen hinsank.

»Violette wird uns irgendeinen schlimmen Streich gespielt haben!« rief Michu aus, denn ihm fielen Laurences Worte ein.

»Ah, Sie wissen also, daß Violette Sie gesehen hat!« sagte der Friedensrichter.

Michu biß sich auf die Lippen und beschloß, nichts mehr zu sagen. Gotthard ahmte seine Zurückhaltung nach. Als der Friedensrichter sah, daß seine Bemühungen, Michu zum Reden zu bringen, umsonst waren, und da er überdies seine sogenannte Schlechtigkeit kannte, befahl er, ihm wie Gotthard die Hände zu fesseln und ihn nach dem Schloß Cinq-Cygne zu bringen. Er selbst lenkte seine Schritte gleichfalls dorthin, um wieder zu dem Direktor der Jury zu stoßen.

Die Edelleute und Laurence waren zu hungrig, und das Mahl war zu bedeutungsvoll für sie, als daß sie es noch hinausgeschoben hätten, um sich umzukleiden. Laurence erschien im Reitkleid, die Herren in weißen Lederhosen, Reitstiefeln und grüner Tuchjacke, in dem Salon, wo sie Herrn und Frau von Hauteserre ziemlich besorgt fanden. Der Biedermann hatte das Kommen und Gehen bemerkt, vor allem auch das Mißtrauen, das man ihm bezeigte, denn Laurence hatte ihn nicht von den Leuten beaufsichtigen lassen können. In dem Augenblick also, da einer seiner Söhne einer Antwort auswich, indem er fortging, hatte er zu seiner Frau gesagt:

»Ich fürchte, Laurence macht uns wieder Scherereien!«

»Was habt Ihr denn heute gejagt?« fragte Frau von Hauteserre Laurence.

»Ach, du wirst eines Tages schon erfahren, an welchem schlimmen Streich Eure Kinder teilgenommen haben!« antwortete sie lachend.

Obwohl im Scherz gesprochen, ließen diese Worte die alte Dame erzittern. Katharina meldete, daß angerichtet sei. Laurence gab Herrn von Hauteserre den Arm und lächelte über die Bosheit, die sie ihren Vettern antat, indem sie einen von ihnen zwang, seinen Arm der alten Dame zu bieten, die nach ihrer Vereinbarung zum Orakel geworden war. Der Marquis von Simeuse führte Frau von Hauteserre zu Tisch. Die Situation ward nun so feierlich, daß Laurence und ihre beiden Vettern, als das Tischgebet gesprochen war, heftiges Herzklopfen verspürten. Der Frau von Hauteserre, die die Suppe aufgab, fiel die Angst auf, die sich in den Gesichtern der beiden Simeuses malte, und die Erregung, die Laurences Lammsgesicht verriet.

»Aber es ist irgend etwas Außergewöhnliches geschehen!« rief sie aus, indem sie alle anblickte.

»Mit wem sprichst du?« fragte Laurence.

»Mit Euch allen«, entgegnete die alte Dame.

»Was mich betrifft, Mutter,« sagte Robert, »ich habe Wolfshunger.«

Frau von Hauteserre, noch immer verwirrt, reichte dem Marquis von Simeuse einen Teller für den Jüngeren.

»Ich bin wie Eure Mutter,« sagte sie zu ihm, »ich irre mich stets, trotz Eurer Halsbinden. Ich glaubte, deinem Bruder den Teller zu reichen.«

»Du reichst ihm mehr, als du denkst«, sagte der Jüngere und erbleichte. »Nun ist er Graf von Cinq-Cygne.«

Der arme, so fröhliche Jüngling ward für immer traurig. Aber er fand noch die Kraft, Laurence lächelnd anzublicken und seinen tödlichen Schmerz zu bemeistern. In einem Augenblick versank der Liebende im Bruder.

»Wie! die Gräfin hat ihre Wahl getroffen?« rief die alte Dame aus.

»Nein,« sagte Laurence, »wir haben es dem Zufall überlassen, und du warst sein Werkzeug.«

Sie erzählte die Vereinbarung vom Morgen. Der ältere Simeuse sah, wie das Gesicht seines Bruders immer bleicher ward, und er empfand von Augenblick zu Augenblick den Drang auszurufen: »Heirate du sie, ich will sterben!« Als der Nachtisch aufgetragen ward, hörten die Bewohner von Cinq-Cygne an das Saalfenster klopfen, das nach dem Garten ging. Der ältere Hauteserre stand auf, um zu öffnen, und ließ den Pfarrer ein, dessen Beinkleid beim Überklettern der Parkmauer am Spalier zerrissen war.

»Fliehen Sie! . . . Man kommt, Sie zu verhaften!«

»Warum?«

»Ich weiß es noch nicht, aber man geht gegen Sie vor.«

Diese Worte wurden mit allgemeinem Gelächter aufgenommen.

»Wir sind unschuldig«, riefen die Edelleute.

»Unschuldig oder schuldig,« sagte der Pfarrer, »steigen Sie zu Pferde und erreichen Sie die Grenze. Da werden Sie imstande sein, Ihre Unschuld zu beweisen. Eine Verurteilung in Abwesenheit läßt sich rückgängig machen; eine Verurteilung vor Gericht, unter dem Druck der Volksleidenschaften und durch Vorurteile begünstigt, ist unwiderruflich. Denken Sie an das Wort des Präsidenten de Harlay: ›Würde ich angeklagt, die Türme von Notre Dame fortgetragen zu haben, so würde ich zunächst fliehen‹.«

»Aber fliehen, heißt das nicht seine Schuld eingestehen?« fragte der Marquis von Simeuse.

»Flieht nicht! . . .« entschied Laurence.

»Stets erhabene Dummheiten«, sagte der Pfarrer verzweifelt. »Besäße ich Gottes Macht, ich entführte Sie. Aber wenn man mich hier in diesem Zustand findet, wird man diesen eigentümlichen Besuch gegen Sie und gegen mich ausbeuten. Ich mache mich auf dem gleichen Wege davon. Denken Sie nach! Noch haben Sie Zeit! Die Leute von der Justiz haben nicht an die Grenzmauer des Pfarrhofs gedacht, und Sie sind ringsum umstellt.«

Der Schall vieler Schritte und das Säbelklirren der Gendarmerie erfüllte den Hof und drang in den Speisesaal, als der arme Pfarrer kaum fort war. Er hatte mit seinen Ratschlägen nicht mehr ausgerichtet als der Marquis von Chargeboeuf mit den seinen.

»Unser gemeinsames Leben,« sagte der jüngere Simeuse schwermütig zu Laurence, »ist eine Ungeheuerlichkeit, und wir hegen eine ungeheuerliche Liebe. Diese Ungeheuerlichkeit hat dein Herz ergriffen. Vielleicht sind die Zwillinge, deren Geschichte uns überliefert wird, alle unglücklich gewesen, weil die Naturgesetze in ihnen umgestoßen werden. Sieh, wie beharrlich uns das Schicksal verfolgt. Nun ist dein Entschluß schicksalsvoll verzögert.«

Laurence war geistesabwesend. Wie ein Summen vernahm sie die für sie unheilvollen Worte, die der Direktor der Jury sprach:

»Im Namen des Kaisers und des Gesetzes verhafte ich die Herren Paul Maria und Maria Paul von Simeuse, Adrien und Robert von Hauteserre. – Die Herren,« setzte er hinzu, indem er seinen Begleitern die Schmutzspuren auf den Kleidern der Verhafteten zeigte, »werden nicht leugnen, daß sie einen Teil dieses Tages zu Pferde verbracht haben.«

»Wessen klagen Sie sie an?« fragte Fräulein von Cinq-Cygne stolz.

»Verhaften Sie das Fräulein nicht?« fragte Giguet.

»Ich lasse sie gegen Bürgschaft in Freiheit, bis das, was ihr zur Last gelegt wird, näher untersucht ist.«

Goulard bot seine Bürgschaft an und forderte der Gräfin nur ihr Ehrenwort ab, nicht zu entfliehen. Laurence schmetterte den früheren Bereiter des Hauses Simeuse durch einen hochmütigen Blick nieder, der ihr diesen Mann zum Todfeinde machte. Eine Träne quoll aus seinen Augen, eine jener Tränen der Wut, die eine Hölle von Schmerzen verraten. Die vier Edelleute tauschten einen furchtbaren Blick aus und blieben unbeweglich stehen. Herr und Frau von Hauteserre, die sich von den vier jungen Leuten und von Laurence hintergangen glaubten, saßen in einem Zustand unsäglicher Bestürzung auf ihren Lehnstühlen wie festgebannt. Diese Eltern, die ihre Kinder sich entrissen sahen, nachdem sie für sie alle Ängste ausgestanden und sie endlich zurückerhalten hatten, blickten vor sich hin, ohne zu sehen, und hörten, ohne zu hören.

»Muß ich Sie bitten, für mich zu bürgen, Herr von Hauteserre?« rief Laurence ihrem früheren Vormund zu, der durch diesen Ruf erwachte. Er war für ihn schrill und schneidend, wie die Posaune des jüngsten Gerichts.

Der Greis trocknete die Tränen, die ihm in die Augen traten, begriff alles und sagte mit schwacher Stimme zu seiner Verwandten:

»Verzeihung, Gräfin . . . Sie wissen, ich bin mit Leib und Seele der Ihre.«

Lechesneau war zuerst betroffen von der Ruhe dieser tafelnden Schuldigen und kam auf seine erste Meinung über ihre Schuld zurück, als er die Bestürzung der Eltern und Laurences nachdenkliche Miene sah, die die ihr gestellte Falle zu erraten suchte.

»Meine Herren,« sagte er höflich, »Sie sind zu wohlerzogen, um vergeblichen Widerstand zu leisten. Folgen Sie mir alle vier in die Ställe, wo wir in Ihrer Gegenwart die Eisen Ihrer Pferde abnehmen müssen. Sie werden wichtige Beweisstücke für den Prozeß sein und vielleicht Ihre Unschuld oder Ihre Schuld erweisen. – Kommen Sie mit, Fräulein . . .«

Der Hufschmied von Cinq-Cygne und sein Geselle waren von Lechesneau als Sachverständige hinzugezogen worden. Während des Vorgangs in den Ställen kam der Friedensrichter mit Gotthard und Michu an. Es dauerte eine Weile, bis jedem Pferde die Eisen abgenommen, diese mit Zeichen versehen und zusammengetan wurden, um sie mit den Hufspuren zu vergleichen, die die Pferde der Attentäter im Park zurückgelassen hatten. Trotzdem ließ Lechesneau, als ihm Pigaults Ankunft gemeldet wurde, die Angeklagten bei den Gendarmen und ging in den Eßsaal, um das Protokoll zu diktieren, und der Friedensrichter machte ihn auf den Zustand von Michus Kleidung aufmerksam und erzählte die Umstände seiner Verhaftung.

»Sie werden den Senator getötet und ihn irgendwo eingemauert haben«, sagte Pigault schließlich zu Lechesneau.

»Jetzt fürchte ich es auch«, entgegnete der Richter. – »Wo hast du den Kalk hingetragen?« fragte er Gotthard.

Gotthard begann zu weinen.

»Die Justiz erschreckt ihn«, sagte Michu, dessen Augen Flammen sprühten, wie die eines in einem Netze gefangenen Löwen.

Alle Dienstboten, die beim Bürgermeister verhört waren, kamen nun zurück und erfüllten das Vorzimmer, in dem Katharina und die Durieus weinten. Von ihnen erfuhren sie die Bedeutung der Aussagen, die sie gemacht hatten. Gotthard beantwortete alle Fragen des Direktors und des Friedensrichters mit Schluchzen; durch sein Weinen geriet er schließlich in eine Art Krampfanfall, der beide erschreckte, und so ließen sie ihn in Ruhe. Als der kleine Schlingel sich nicht mehr bewacht sah, blickte er Michu lächelnd an, und Michu warf ihm einen beifälligen Blick zu. Lechesneau verließ den Friedensrichter, um die Sachverständigen anzutreiben.

»Herr Pigault,« fragte Frau von Hauteserre schließlich, »können Sie uns den Grund dieser Verhaftungen erklären?«

»Die Herren werden beschuldigt, den Senator mit bewaffneter Hand entführt und ihn seiner Freiheit beraubt zu haben, denn wir nehmen trotz des Anscheins nicht an, daß sie ihn getötet haben.«

»Und welche Strafe hätten die Urheber dieses Verbrechens zu gewärtigen?«

»Da die Gesetze, die das jetzige Gesetzbuch nicht aufhebt, in Kraft bleiben, steht Todesstrafe darauf«, entgegnete der Friedensrichter.

»Todesstrafe!« rief Frau von Hauteserre und fiel in Ohnmacht.

In diesem Augenblick erschien der Pfarrer mit seiner Schwester, die Katharina und die Durieu herbeirief.

»Aber wir haben ihn gar nicht gesehen, euren verfluchten Senator!« rief Michu aus.

»Frau Marion, Herr und Frau Grévin, der Kammerdiener des Senators und Violette können das gleiche von Ihnen nicht sagen«, entgegnete Pigault mit dem bittren Lächeln des überzeugten Richters.

»Ich begreife nichts mehr!« sagte Michu, durch diese Antwort verblüfft und schon in dem Glauben, daß er mit seinen Herren in ein gegen sie gesponnenes Netz von Ränken verwickelt war.

In diesem Augenblick kamen alle aus den Ställen zurück. Laurence eilte auf Frau von Hauteserre zu, die wieder zu sich kam und zu ihr sagte: »Es steht Todesstrafe darauf!«

»Todesstrafe! . . .« wiederholte Laurence und blickte die vier Edelleute an.

Dies Wort verbreitete Schrecken, was Giguet, der von Corentin gelernt hatte, benutzte. Er führte den Marquis von Simeuse in eine Ecke des Eßsaales und sagte zu ihm:

»Alles läßt sich noch ins reine bringen. Vielleicht war es nur ein Scherz! Zum Teufel, Sie sind Soldaten gewesen! Unter Soldaten versteht man sich. Was haben Sie mit dem Senator gemacht? Wenn Sie ihn getötet haben, so ist alles aus. Wenn Sie ihn aber verschleppt haben, so geben Sie ihn frei! Sie sehen doch, daß Ihr Streich mißglückt ist. Ich. bin sicher, daß der Direktor der Jury die Strafverfolgung im Einvernehmen mit dem Senator niederschlagen wird.«

»Wir verstehen nicht das mindeste von Ihren Fragen«, sagte der Marquis von Simeuse.

»Wenn Sie diesen Ton anschlagen, kann es weit kommen«, sagte der Leutnant.

»Liebe Base,« sagte der Marquis von Simeuse zu Laurence, »wir gehen ins Gefängnis. Aber beunruhige dich nicht; wir sind in ein paar Stunden wieder zurück. Hier liegen Mißverständnisse vor, die sich aufklären werden.«

»Ich wünsche es für Sie, meine Herren«, sagte der Richter und winkte Giguet, die vier Edelleute, Gotthard und Michu abzuführen. »Bringen Sie sie nicht nach Troyes«, sagte er zu dem Leutnant. »Behalten Sie sie auf Ihrem Posten in Arcis; sie müssen morgen bei Tage zugegen sein, wenn die Eisen ihrer Pferde mit den Hufspuren im Park verglichen werden.«

Lechesneau und Pigault brachen erst auf, nachdem sie Katharina, Herrn und Frau von Hauteserre und Laurence vernommen hatten. Die Durieus, Katharina und Martha erklärten, ihre Herren nur beim Frühstück gesehen zu haben; Herr von Hauteserre sagte aus, er hätte sie um drei Uhr noch gesehen. Als Laurence um Mitternacht mit Herrn und Frau von Hauteserre, dem Abbé Goujet und dessen Schwester zusammen war, ohne die vier jungen Leute, die seit achtzehn Monaten Leben, Liebe und Freude ins Schloß gebracht hatten, schwieg sie lange still, und niemand wagte ihr Schweigen zu unterbrechen. Nie war ein Kummer tiefer und vollständiger. Endlich hörte man einen Seufzer und blickte auf. Martha, die vergessen in einer Ecke saß, stand auf und sagte:

»Der Tod, gnädige Frau! . . . Man wird sie uns töten, trotz ihrer Unschuld!«

»Was haben sie getan?« fragte der Pfarrer.

Laurence ging ohne ein Wort hinaus. Sie bedurfte der Einsamkeit, um inmitten dieses unerwarteten Unglücks ihre Kraft wiederzufinden

*

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