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Ein Wort

Georg Ebers: Ein Wort - Kapitel 4
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typefiction
authorGeorg Ebers
titleEin Wort
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
seriesGeorg Ebers Ausgewählte Werke
volumeSiebenter Band
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080910
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Drittes Kapitel

Pater Benedikt hatte den Schmied bald nach seiner Heimkehr aus der Haft zum letztenmal gesehen, und zwar vor dem Beichtstuhl im Kloster. Da der Mönch in der Jugend in einem kaiserlichen Reiterfähnlein gedient hatte, stand er nun trotz seiner geistlichen Würde der Stallung des reichen Klosters vor und war früher mit manchem Pferde vor die Schmiede am Markt gekommen, aber seitdem das Kloster mit der Stadt in Streit geraten, ließ Benedikt die Rosse anderwärts beschlagen.

Ein schwieriger Fall hatte ihn an den halb verschollenen, geschickten Meister erinnert, und als dieser mit einem Sack Kohlen aus dem Speicher zurückkam, begrüßte ihn Benedikt mit aufrichtiger Wärme. Auch der Schmied zeigte sich erfreut über den unerwarteten Besuch und stellte dem Kloster seine Kunst zur Verfügung.

»Es ist spät geworden, Adam,« sagte der Pater und lockerte den feuchten Gürtel, den er beim Reiten zu tragen pflegte. »Das Gewitter hat uns unterwegs überfallen. Bei dem Rollen und Flackern da oben hat der Goldfuchs dem Götz die Hand schier aus dem Gelenk gerissen. Drei Schritt beiseite und einen vorwärts – dabei ist's spät geworden, und im Dunkeln werdet auch Ihr mit dem Racker nicht fertig.«

»Ihr meinet den Goldfuchs?« fragte der Schmied mit tiefer, volltönender Stimme und steckte einen brennenden Kienspan in den Eisenring an der Esse.

»Ja, Meister. Er duldet nicht das Beschlagen und ist doch eine kostbare Kreatur; wir haben noch keine gleiche gezogen. Bei uns zwingt ihn niemand, aber Ihr, Ihr habt in früheren Tagen ... daß dich das Mäuschen ... Seid in den paar Jahren auch nicht jünger geworden, Adam! Setzt das Käpple nur auf, habt Haare gelassen! Die Stirn reicht Euch schon bis in den Nacken, aber der Arm, der Arm ist geblieben! Wißt Ihr noch, wie Ihr zu Rodebach den Amboß mitten entzwei hiebt?«

»Laßt das!« entgegnete der Schmied – nicht unfreundlich, aber bestimmt. »Ich beschlage das Roß morgen in aller Frühe, für heute ist es zu spät.«

»Hab' mir's gedacht!« rief der andere und schlug erregt in die Hände. »Ihr wisset, wie wir wegen des Brückenzolls mit den Städtern stehen. Lieber in die Nesseln als in das nichtsnutzige Nest! Der Stall da hinten ist groß genug! Habt Ihr keine Schütte Stroh für einen armen Bruder in Christo? Weiter brauch' ich nichts; den Imbiß führe ich bei mir.«

Der Schmied sah verlegen zu Boden. Er war nicht gastlich. Unter seinem Dache hatte noch kein Fremder geruht, und alles, was seine Abgeschiedenheit störte, war ihm zuwider. Aber er konnte nicht nein sagen, und so entgegnete er kühl: »Ich hause hier allein mit meinem Buben; – aber wenn Ihr vorliebnehmen wollt, Platz wird sich finden.«

Der Pater schlug so freudig ein, als sei er herzlich geladen worden, und nachdem die Pferde und der Knecht untergebracht waren, folgte er seinem Wirte in den neben der Werkstätte gelegenen Wohnraum und stellte die Satteltasche auf den Tisch.

»Alles gut, Meister,« sagte er lachend und holte ein gebratenes Huhn und ein Weißbrot hervor. »Aber wie wird's mit dem Wein? Ich brauche nach dem nassen Ritt etwas Warmes hier drinnen. Habt Ihr ein Tröpflein im Keller?«

»Nein, Herr!« entgegnete der Schmied. Aber gleich darauf besann er sich eines andern und sagte: »Doch; ich warte Euch auf.«

Dabei öffnete er den Wandschrank, und als der Pater ein wenig später den ersten Becher leerte, folgte seine Hand mit einem langgezogenen »Ah!« dem feurigen Trunke und blieb befriedigt in der Gegend des Magens ruhen. Seine Lippen spielten noch ein wenig im Nachgenusse, dann sah er den Schmied mit den sonderbar runden Augen wohlwollend an und sagte listig: »Wenn solche Trauben an Eurem Nadelholz wachsen, dann wollte ich, der gütige Herrgott hätte dem Vater Noah statt einer Rebe ein Tannenbäumlein geschenkt. Bei meinen Heiligen; der Erzbischof führt keinen besseren Tropfen im Keller! Gönnt mir noch ein Schlücklein und sagt mir, durch wen Ihr die herrliche Gabe bezieht?«

»Costa gab mir den Wein.«

»Der Hexenmeister, der Jude?« fragte der Pater und schob den Becher von sich. »Ja freilich,« fuhr er dann halb ernst, halb schelmisch fort, »wenn man es recht bedenkt, hat der Wein beim ersten heiligen Nachtmahl und bei der Hochzeit von Kana und der Rebensaft, an dem König David sich letzte, auch einmal in jüdischen Kellern gelegen.«

Benedikt hatte wohl erwartet, daß sein Wirt ein Lächeln oder ein Wort des Beifalls für ihn finden würde, aber des Schmiedes bärtiges Gesicht blieb regungslos und wie erstorben.

Der Pater schaute weniger munter drein, als er von neuem anhob:

»Ihr solltet Euch auch einen Becher gönnen, Meister; der Wein in Maßen genossen macht froh, und Ihr seht nicht aus wie ein zufriedener Mann, 's ist Euch nicht alles nach Wunsch im Leben gegangen; aber es hat jeder sein Kreuzlein zu tragen, und Ihr, Ihr heißt Adam, und so kommt das Eure auch von der Eva.«

Der Schmied hatte bei dieser Rede die Hand von dem Barte entfernt und rückte das runde Lederkäppchen auf dem kahlen Scheitel hin und her. Eine rauhe Entgegnung lag ihm schon auf den Lippen, als er Ulrich bemerkte, der verblüfft auf der Schwelle stehengeblieben war. Der Knabe hatte außer dem Doktor noch keinen Gast am Tisch des Vaters gesehen, aber er sammelte sich schnell und küßte dem Pater die Hand. Der Mönch faßte das Kinn des schönen Buben, bog ihm das Haupt munter zurück, blickte auch Adam ins Antlitz und rief dann: »Mund, Nase und Auge hat er wohl von Eurem Weibe, aber Stirn und Schädel sind aus der gleichen Form wie die Euren gegossen.«

In die Wangen des Schmiedes stieg eine leise Röte, und als hab' er genug gehört, wandte er sich rasch dem Buben zu und rief: »Kommst spät. Wo warst du so lange?«

»Im Wald mit der Ruth; Reisig binden für Costas.«

»Bis jetzt?«

»Rahel hatte Nudeln gebacken. Da hieß der Doktor mich bleiben.«

»Geh denn zur Ruh'. Aber erst reichst du dem Knecht im Stall einen Imbiß und legst frisches Linnen auf mein Lager. Morgen ganz früh bist du in der Werkstatt, es gibt ein Roß zu beschlagen.«

Der Knabe schaute bedenklich auf und sagte: »Ja, aber der Doktor hat die Stunden verlegt; morgen beginnt die Lektion nach Sonnenaufgang, Herr Vater.«

»Recht; wir werden auch ohne dich fertig. Gute Nacht denn.«

Der Mönch war diesem Gespräch mit Spannung und wachsender Mißbilligung gefolgt, und sein Gesicht hatte ein ganz neues Aussehen gewonnen, denn die ohnehin eingefallenen Muskeln zwischen Nase und Mund hatten sich weiter zurückgezogen und bildeten mit der Unterlippe einen nach innen gekehrten Winkel. So schaute er eine Zeitlang stumm und strafend auf den Schmied. Dann schob er den Becher weit von sich und rief mit aufrichtigem Unwillen:

»Was sind das für Dinge, Freund Adam? Den Judenwein lass' ich gelten, meinethalben auch die gebackenen Nudeln, obgleich es ein Christenkind nicht eben gottgefälliger macht, mit denen, über die das unschuldige Blut des Heilands gekommen, aus einer Schüssel zu essen; aber daß Ihr, daß ein gläubiger Christ es einem verfluchten Juden gestattet, einen unverständigen Buben ...«

»Laßt das,« unterbrach der Schmied abweisend den erregten Mönch; doch dieser ließ sich nicht meistern, sondern fuhr nur lauter und entschiedener fort: »Mitnichten werd' ich es lassen. Ist das erhört? Ein getaufter Christ, der seinen leiblichen Sohn zu dem ungläubigen Seelenverderber in die Kinderlehre schickt!«

»Höret mich, Pater!«

»Nichts da. An Euch ist das Hören; an Euch! Was hab' ich gesagt? An Euch, der für sein armes Kind einen ungläubigen Seelenverderber zum Lehrer aussucht. Wißt Ihr, was das ist? Das ist die Sünde gegen den Geist – von allen Sünden die schlimmste. Solcher Greuel! Mit dieser Schuld werdet Ihr's im Beichtstuhl schwer haben, Meister!«

»Nichts Schuld – nichts Greuel!« entgegnete der Schmied trotzig.

Da schoß dem Pater das Blut in die Wangen, und drohend rief er: »Oho, mein Herr Meister! Das Kapitel wird Euch zu Eurem Schaden eines Besseren belehren! Haltet den Buben fern von dem Juden, denn sonst ...«

»Sonst?« wiederholte der Schmied und schaute Benedikt fest ins Antlitz.

Dieser zog die Lippen wiederum tiefer ein und entgegnete nach einer kurzen Pause: »Sonst kommt Bann und gerechte Strafe über Euch und den hergelaufenen Doktor. – Lektion gegen Lektion. Wir sind weichmütig geworden und haben lange nicht zum Exempel für viele einen Juden gebrannt.«

Diese Worte verfehlten nicht ihre Wirkung, denn wohl war der Schmied ein mutiger Mann, aber der Pater drohte mit Dingen, gegen die er sich so machtlos fühlte wie gegen die Gewalt des Sturmes und den aus den Wolken zuckenden Blitz. Tiefe Seelenpein sprach nun aus seinen Zügen, und indem er die Hände abwehrend gegen seinen Gast ausstreckte, rief er angstvoll: »Nicht, nicht! An mir ist nichts mehr gelegen. Kein Bann, keine Strafe kann schwerer machen, was ich ohnehin trage, aber wenn Ihr dem Doktor wehe tut, so will ich die Stunde verwünschen, in der ich Euch einlud, über diese Schwelle zu treten.«

Der Pater sah den anderen verwundert an und entgegnete in milderem Tone: »Ihr seid von jeher Eure eigenen Wege gewandelt, Adam; aber wohin geratet Ihr nun? Hat Euch der Jude verhext, oder was knüpft Euch sonst an ihn, daß Ihr um seinetwillen dreinschaut wie vom Donner gerührt? Niemand soll es verwünschen, den Benediktus zu Gaste geladen zu haben. Findet Euch wieder zurecht, und wenn Ihr Vernunft annehmt – gütiger Himmel – so hat auch unsereins zwei Augen, um eines zuzudrücken, wo es am Platze ist. – Habt Ihr dem Costa etwas Besonderes zu danken?«

»Viel, Pater, viel!« rief der Schmied, und aus seiner Stimme klang noch immer die nur zu wohl begründete schwere Angst um den Freund. »Hört mich, und wenn Ihr wißt, was er für mich getan hat, und Ihr habt den guten Willen, milde zu richten, so traget Ihr das, was Euch hier zu Ohren kommt, nicht vor das Kapitel – nicht, Herr, ich beschwöre Euch – nicht! Denn sehet, wenn ich es sein sollte, durch den der Doktor ins Verderben geriete, ich, gerade ich ...«

Die Stimme versagte dem Schmied, und sein Atem wogte so heftig, daß sein starker Lederschurz sich bald in die Höhe schob, bald hinabsank.

»Ruhe, Meister, Ruhe,« sagte nun der Pater, indem er besänftigend an die unterbrochene Rede des anderen anknüpfte. »Es macht sich noch alles, es macht sich. Setzet Euch, Mann, und vertraut mir! Was habt Ihr dem Doktor so grausam Großes zu danken?«

Der Schmied blieb trotz der Aufforderung des anderen stehen und begann mit niedergeschlagenen Augen:

»Ich bin kein Erzähler. Kurz! Wie sie mich ins Verlies geschleppt haben, wegen des Valentin, das wißt Ihr ja alles, aber wie mir dabei zumute war, das kann kein anderer ermessen. Fort ging es zwischen zwei Gäulen, immer fort, und hier unter dem elenden Gesindel blieb der Ulrich allein – und niemand war da, um für ihn zu sorgen, denn unsere alte Magd war an siebzig, und meine Habe hatte ich an einer sicheren Stelle vergraben, und im Hause nichts als ein Brot und kleine Münze auf kaum drei Tage. Das Kind, nur das Kind hatt' ich stets vor Augen, und ich sah es hier betteln, verlumpen, kläglich verkommen. Aber am meisten hat die Angst mich gemartert, nachdem sie mich freigelassen und ich von der Burg wieder nach Hause zog. Zwei Stunden Weges mögen es sein, aber sie sind mir länger geworden als ebenso viele Johannistage. Fand ich den Ulrich, fand ich ihn nicht? Und was war aus ihm geworden? Es war schon dunkel, als ich endlich hier vor dem Hause stand. Ausgestorben alles, und die Tür verschlossen. Hinein mußt' ich doch, und so pocht' ich denn mit dem Finger, schlug mit der Faust an das Tor und die Läden, aber vergebens. Da trat aus dem roten Hause hierneben das Spittellorle. Und nun bekam ich's zu hören. Die Alte war närrisch geworden und saß im Stock. Ulrich lag auf den Tod. Doktor Costa hatte ihn zu sich genommen. Als ich das vernahm, Herr, da war mir nicht besser zumute als Euch vorhin, und mich packte der Ingrimm und ich schämte mich, als stund' ich am Pranger. Mein Kind bei dem Juden! Es gab da nicht viel zu besinnen, und mit langen Schritten stieg ich auf das Haus des Doktors los. Durch das Fenster schien Licht. Es liegt hoch über der Straße, aber weil es weit offen stand und ich groß bin, konnte ich gut hineinsehen und das erleuchtete Zimmer ganz überblicken. Rechts an der Wand stand ein Bett, und darin lag in weißen Kissen mein Bube. Der Doktor saß ihm zur Seite und hielt die Hand des Kindes in seiner. Die kleine Ruth schmiegte sich an ihn und fragte: »Nun, Vater?« Da lächelte der Mann. – Kennt Ihr ihn, Pater? – Er ist noch ein Dreißiger und hat ein stilles, bleiches Gesicht. Da lächelte er und sagte so dankbar, so ... so froh, als wär' der Ulrich sein eigen: »Gottlob, er bleibt uns erhalten!« Und die Kleine sprang zu der stummen Mutter, die am Ofen saß und Garn wickelte, und rief: »Mutter, er wird wieder gesund. Ich hab' auch alle Tage für ihn gebetet.« Da neigte sich der Jude über mein Kind und küßte ihm mit den feinen Lippen die Stirn – und ich, ich – ich habe die Faust nicht länger geballt, und es faßte mich so, daß ich weinen mußte, als wär' ich selbst noch ein Kind, und seitdem, Pater Benediktus, seitdem ...«

Der Schmied sprach nicht weiter; der Mönch aber erhob sich, legte die Hand auf die Schulter Adams und sagte:

»Es ist spät geworden, Meister. Weist mir mein Lager. Morgen früh ist auch noch ein Tag, und wichtige Dinge soll der Mensch überschlafen. Aber dabei bleibt es und muß es bleiben – auf alle Fälle: der Bube geht nicht mehr zu dem Juden in die Lektion! Er ist Euch morgen beim Beschlagen zur Hand. Ihr werdet verständig sein, Meister!«

Der Schmied entgegnete nichts und leuchtete dem Pater in das Zimmer voran, wo er sonst mit seinem Sohn zu schlafen pflegte. Sein eigenes Lager war für den Gast mit frischem Linnen bedeckt; – Ulrich lag schon auf dem seinen und schien zu schlummern.

»Wir haben keine Kammer für Euch allein,« sagte Adam und wies auf den Knaben; der Mönch aber war mit dem Schlafgenossen zufrieden, und nachdem sein Wirt ihn verlassen, schaute er Ulrich in das frische, schöne Antlitz.

Die Erzählung des Meisters hatte ihn ergriffen, und er legte sich nicht allsogleich zur Ruhe, sondern ging nachdenklich und leise, um das Kind nicht im Schlummer zu stören, auf und nieder.

Adam hatte Grund, dem Manne dankbar zu sein, und warum sollte es keinen guten Juden geben?

Er dachte an die Erzväter und Moses und Salomo und die Propheten, und war denn nicht der Heiland selbst und Johannes und Paulus, den er vor allen Aposteln liebte, das Kind einer jüdischen Mutter gewesen und unter Juden erwachsen? Und Adam, dem armen Schelm, war es über Gebühr traurig ergangen, und wer sich von Gott verlassen meint, der wendet sich leicht an den Teufel. Er war nun gewarnt, und dem Unfug mit dem Sohne mußte ein für allemal ein Ende gemacht werden. Was konnte das Kind von dem Juden nicht alles hören, in dieser Zeit, wo die Ketzerei wie ein brüllender Löwe umherlief und an allen Wegen saß wie eine Sirene! Nur durch ein Wunder war dies abgelegene Tal von den Irrlehren verschont geblieben, aber die Bauern hatten schon gezeigt, daß sie den Rittern die Macht, den Städten den reichen Erwerb, und der Geistlichkeit die ihnen von Gott verliehene Gewalt und den irdischen Besitz nicht gönnten. Er war geneigt, Milde walten zu lassen und den Juden diesmal zu schonen – aber nur unter einer Bedingung.

Als er die Kutte ablegte, suchte er nach einem Haken, um sie aufzuhängen, und dabei bemerkte er auf dem Simse eine Reihe von Brettern. Er nahm eines von ihnen herab und fand darauf den Entwurf zu einem kunstvollen Brunnengitter von der Hand des Schmiedes, und dann gerade seinem Bette gegenüber eine Tafel von Lindenholz, auf der mit Kohle ein Bildnis gezeichnet war. Dies reizte seine Neugier, und als er es mit dem Kienspan beleuchtete, fuhr er zurück, denn es stellte in unbeholfener Ausführung, aber erstaunlich ähnlich, den Kopf des Juden Costa dar. Er erinnerte sich seiner wohl, denn er war ihm mehr als einmal begegnet.

Verdrießlich schüttelte er das Haupt, aber er hob das Bild dennoch vom Simse und betrachtete näher die fein geschnittene Nase und die edle Wölbung der Stirn des Doktors. Dabei murmelte er unverständliche Worte vor sich hin, und als er endlich das bescheidene Kunstwerk wenig behutsam an den alten Platz zurückstellte, erwachte sein junger Schlafgenosse und rief nicht ohne Stolz:

»Herr Pater, das habe ich selbst gezeichnet.«

»Sieh da,« entgegnete der Mönch, »ich wüßte bessere Vorbilder für einen frommen Schmiedeburschen. Jetzt sollst du schlafen, und morgen bist du zeitig auf und hilfst dem Vater. Verstanden?« Dabei drehte er mit einer unsanften Handbewegung das Haupt des Buben nach der Wand hin, und die Milde, die des Meisters Erzählung in ihm geweckt hatte, war in alle Winde verflogen.

Adam ließ seinen Sohn Abgötterei mit dem Juden treiben und Bildnisse von ihm machen. Das war zuviel! Unwillig warf er sich auf das Lager und begann zu erwägen, was in diesem schwierigen Falle zu tun sei, aber der Schlaf machte bald seinem Sinnen ein Ende.

In aller Frühe erhob sich Ulrich, und als Benedikt ihn im Licht des jungen Tages wiedersah und das Bild des Juden, das der schöne Bub gezeichnet, ihn nun abermals anschaute, kam ihm, als sei es eine Eingebung seines Heiligen selbst, der Gedanke, den Schmied zu bestimmen, seinen Sohn in das Kloster zu geben.

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