Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Georg Ebers >

Ein Wort

Georg Ebers: Ein Wort - Kapitel 28
Quellenangabe
pfad/ebers/einwort/einwort.xml
typefiction
authorGeorg Ebers
titleEin Wort
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
seriesGeorg Ebers Ausgewählte Werke
volumeSiebenter Band
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080910
projectida0a1468c
Schließen

Navigation:

Siebenundzwanzigstes Kapitel

Die fünfte Nacht nach der Elettowahl brach herein, es regnete leise, in den öden Zeltgassen ließ sich nur dann und wann der Schritt der Wache oder die Stimme eines schreienden Kindes hören.

In Zorrillos Zelt, das sonst auch noch in späterer Stunde hell erleuchtet zu sein pflegte, brannte heute nur ein elender Kienspan, bei dem die Schenkmagd schläfrig saß und ein Loch in der Friesjacke stopfte. Die Dirne erwartete niemand mehr und schrak zusammen, wie die Zelttür heftig aufgerissen wurde und ihr Herr, dem zwei neu ernannte Kapitäne folgten, gerade auf sie zutrat.

Zorrillo hielt den Hut in der Hand, das leicht ergrauende schwarze Haar hing ihm wirr in die Stirn, doch er trug sich so aufrecht wie immer. Sein Körper regte sich nicht, aber seine Augen wanderten von einer Ecke des Zeltes in die andere, und die Dirne bekreuzte sich und hielt ihm zwei Finger entgegen, denn der böse Blick traf sie, als er ihr endlich mit hohler Stimme zurief:

»Wo ist die Frau?«

»Fort, ich kann nichts dafür,« antwortete das Mädchen.

»Wohin?«

»Zu dem Eletto, dem Navarrete.«

»Wann?«

»Er kam und holte sie und das Kind, als Ihr kaum fort wart.«

»Und sie ist nicht wieder gekommen?«

»Vorhin hat sie ein gebratenes Huhn geschickt; ich sollt' es bewahren für Eure Heimkehr. Da steht es.«

Zorrillo lachte. Dann wandte er sich an die Begleiter und sagte: »Ich danke euch. Ihr habt nun ... Ist sie noch bei dem Eletto?«

»Ja freilich.«

»Und wer – wer hat sie in der Nacht vor der Wahl – erlaubt, daß ich mich setze – wer hat sie damals bei ihm gesehen?«

»Mein Bruder,« erwiderte der eine Kapitän. »Als er mit der Lagerwache vorbeizog, kam sie grad aus dem Zelte.«

»Nehmt Euch das Ding nicht zu Herzen,« sagte der andere. »Ihr findet Weiber genug. Wir werden grau, und mit einem schönen Kerl wie dem Navarrete nimmt's unsereiner nicht mehr auf.«

»Ich hätte die Sibylle für verständiger gehalten,« fügte der jüngere Kapitän hinzu. »Hab' sie schon vor sechzehn Jahren in Neapel gesehen. Damals, alle Wetter, das war ein Weib! Ist heut auch noch ein sauberes Geschöpf; aber der Navarrete, der könnte beinah ihr Sohn sein. Und Ihr habt sie immer gut gehalten, Pasquale. Ja, wer Dank von den Weibern erwartet. ..«

Da kam dem Quartiermeister die Stunde vor der Wahl in den Sinn, und wie sie ihm um den Hals gefallen war und ihm für seine Güte Dank gesagt hatte, und er biß die Zähne zusammen und stöhnte laut auf.

Die anderen schickten sich an, ihn zu verlassen, er aber faßte sich und sagte:

»Bring ihm den Brief vom Grafen, Renato. Was ich mit ihm zu reden habe, das findet sich später.«

Zorrillo brauchte lange Zeit, um den Koller aufzunesteln und das Schreiben herauszuziehen. Die beiden bemerkten wohl, wie die Finger ihm bebten, und schauten einander mitleidig an; der Ältere aber sagte, während er den Brief in Empfang nahm:

»Mann, Mann, so geht es nicht gut. Die Weiber sind wie das Glück. Heute dem, morgen jenem. Nimm das Ding, wie es tausend andere genommen, und mach keine Streiche. Du führst eine gute Klinge; aber mit dem Navarrete anbinden, ist Selbstmord. Ich bring' ihm den Brief. Sei klug, Zorrillo, und suche dir bald eine andere.«

»Gleich, gleich, das versteht sich,« entgegnete der Quartiermeister; aber sobald er auch die Magd fortgeschickt hatte und ganz allein war, drückte er die Stirn an den Tisch, und die Schultern flogen ihm auf und nieder. So verweilte er lange; dann schritt er mit erzwungener Gravität hin und her. Es dämmerte längst, als er das Lager aufsuchte.

Am nächsten Morgen erstattete er vor dem versammelten Kriegsrat dem Eletto Bericht, und als dieser aufbrach, trat er gegen Navarrete hin und sagte so laut, daß es jedermann hören mußte:

»Ich wünsche Euch Glück zu der neuen Geliebten.«

»Mit gutem Grund,« entgegnete der Eletto. »Wartet ein wenig, und was gilt die Wette, Ihr gratuliert mir mit besserem Herzen als heute?«

Die Vorschläge aus Brüssel hatten sich wiederum als unannehmbar erwiesen. Nun galt es zu handeln, und der Meutererführer benützte die Zeit. Es war ihm, als verdopple »die Macht« seine Spannkraft und Frische. Es war so köstlich, nach dem Marsch, dem Kriegsrat und der Tagesarbeit bei der Mutter auszuruhen, ihr zuzuhören und ihr das Herz zu eröffnen. Wie hatte sie sich in der Unruhe, den Gefahren, im Schlamm des Lagerlebens trotz allem und allem – ja, er durfte es sagen – so vornehm erhalten! Wie klug und fesselnd wußte sie über Menschen und Dinge zu reden, wie drollig waren die Einfälle, mit denen sie das Gespräch zu würzen verstand, und wie tief bewandert fand er sie in allem, was die Lage der Regimenter und seine eigene Stellung anging. Wahrlich, sie war nicht vergebens die Vertraute der Leiter des Heeres gewesen!

Auf ihren Rat gab er es auf, Mecheln zu nehmen, nachdem er durch Kundschafter erfahren, daß es wohl gerüstet sei und den Anmarsch der Meuterer erwarte.

Auf eine lange Belagerung konnte er sich mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln nicht einlassen; sein erster Schlag durfte kein Fehlschlag sein. So zeigte er sich denn nur in der Nähe von Brüssel, sandte den Kapitän Montesdocca, der noch einmal zu parlamentieren versuchte, unverrichteter Sache zurück, schlug, um die Gegner irrezuleiten, eine neue Richtung ein und stürzte sich unversehens auf das reiche Aalst in Flandern.

Die überraschten Einwohner versuchten es wohl, ihre wohlbefestigte Stadt zu verteidigen, aber die Kraft der Bürger hielt dem wütenden Ansturm des kriegsgewohnten, beutegierigen Heeres nicht stand.

Die eroberte Stadt gehörte dem Könige. Sie war das Pfand, dessen die Meuterer bedurften, und sie hielten sich in ihr schadlos für den vorenthaltenen Sold. Was Widerstand zu leisten versuchte, verfiel dem Schwert, was der Bürger besaß, riß der Soldat an sich als Lohn, der ihm zukam.

In den Hallen unter dem Belfrid, dem großen Turm, von wo aus die Glocke die Einwohner zusammenrief, wenn Gefahren drohten, lagen in den Tuchhallen Stoffe genug für neue Wämser. An Gold und Silber fehlte es nicht im Schatz auf dem Rathaus, in den Kassen der Kaufherren, in den Truhen der Bürger. Das silberne Tafelgerät, der Goldschmuck der Frauen, die Patentaler der Kinder fielen in die Hand der Eroberer, und hundertundsiebzig reiche Pfarrdörfer in der Umgebung von Aalst hatten für die Ernährung der Meuterer zu sorgen.

Navarrete wehrte den Plünderern nicht. Was der Soldat mit stürmender Hand genommen, war nach seiner Überzeugung wohl erworbene Beute. Ihm galt die Einnahme von Aalst für eine Tat der gerechtesten Notwehr, und die Regimenter dachten wie er und waren mit dem Eletto zufrieden.

Die Meuterer suchten und fanden Quartier im Hause des Bürgers, schliefen in seinen Betten, aßen von seinem Geschirr und tranken ihm den Weinkeller leer. Drei Tage lang blieb das Rauben gestattet. Am fünften war der Dienst und das Quartierwesen geordnet, und die Bürgerschaft durfte sich wieder auf dem Rathaus versammeln, dem Handel und Gewerbe nachgehen, und tun und treiben, was sie gewohnt war. Das gerettete Eigentum wurde nun für unantastbar erklärt; das Rauben hatte ohnehin aufgehört lohnend zu sein.

Dem Eletto stand es frei, sich ein Quartier zu wählen, und es fehlte in Aalst nicht an schönen Gebäuden. Wohl hätte es Ulrich gereizt, den Palast des Freiherrn von Hièrges zu beziehen, aber er unterließ es und wählte als Wohnung für sich und seine Mutter ein kleines, schmuckes Haus am Markte, das ihn an die väterliche Schmiede erinnerte. Die Erkerstube mit dem Blick auf den Belfried und das stattliche Rathaus ließ Ulrich für die Mutter gar freundlich herrichten, und die Gärtner der Stadt erhielten Befehl, die schönsten Zimmergewächse bei ihm abzuliefern. Bald sah der mit Blumen geschmückte und von singenden Vögeln belebte Wohnraum weit freundlicher und stattlicher aus als das Nest, von dem er geträumt hatte. Auch ein weißes Hündchen, gerade wie das, welches Florette in der Schmiede besessen, wurde angeschafft, und wenn am Abend die warme Sommerluft in die offenen Fenster zog und er sich allein mit ihr in Erinnerungen erging oder Zukunftspläne entwarf, so war es, als habe ein neuer Lenz in seine Seele Einkehr gehalten. Der Jammer der Bürger kümmerte ihn nicht. Sie waren der verlierende Teil im ernsten Spiel des Krieges, Feinde – Rebellen. Unter den Seinen sah er nichts als frohe Gesichter; er übte die Macht, sie gehorchten.

Zorrillo grollte ihm, das las er aus seinen Augen, aber er hatte ihn zum Kapitän ernannt, und der Mann stand seiner Pflicht als Quartiermeister in mustergültiger Weise vor. Florette wünschte, ihm mitzuteilen, daß der Eletto ihr Sohn sei, aber er bat sie, damit zu warten, bis seine Macht festere Wurzeln geschlagen, und wie hätte sie dem Liebling etwas abzuschlagen vermocht? Sie war bekümmert, tief bekümmert gewesen, aber das hatte sich bald gegeben, und nun konnte sie in Gesellschaft Ulrichs wieder froh sein und Schmerz und Herzweh vergessen.

Welches Glück, ihn zurückzuhaben, sich von ihm lieben zu lassen! Wo gab es einen zärtlicheren Sohn, wo ein lieblicheres Heim als das ihre? Die erbeuteten Samt- und Brokatgewänder der Frau von Hièrges waren dem Eletto zugefallen. Wie jung sah sie in ihnen aus! Wenn sie sich in dem Spiegel sah, staunte sie über sich selbst.

Im Stall des Freiherrn waren zwei schöne Damenpferde und reiches Geschirr gefunden worden. Das hatte Ulrich ihr mitgeteilt, und sogleich war der Wunsch in ihr rege geworden, mit ihm ins Freie zu reiten. Mit Grandgagnage war sie immer geritten, und wenn sie nun im tief herabwallenden Samtkleide mit wallenden Federn am zierlichen Hütchen neben dem Sohne herritt, bemerkte sie bald, wie ihnen selbst die feindlichen Bürger und Bürgerfrauen beifällig nachschauten. Und es war auch ein schönes Schauspiel, den prächtigen, von Kraft und Selbstbewußtsein strotzenden Krieger auf dem mutigen Hengste neben der schönen Frau im weißen Haar, aus deren Augen frische Lebenslust glänzte, dahingaloppieren zu sehen.

Zorrillo begegnete ihnen oft, wenn sie am Rathaus vorbeisprengten, und dann grüßte sie ihn immer freundlich mit der Gerte, er aber schaute geflissentlich beiseite, oder dankte, wenn es nicht anders ging, mit kühlem Gruße.

Das kränkte sie bitter, und wenn sie allein war, geschah es wohl, daß sie in sich zusammensank und alt und müde zu Boden starrte. Aber das Nahen Ulrichs ermunterte, verjüngte sie schnell.

Was er im Leben erfahren, was sein Herz, seine Seele bewegt hatte, sie kannte es nun, und sie wußte ihm nicht zu widersprechen, wenn er ihr sagte, die Macht sei das Höchste im Leben.

Mit dem kleinen Aalst konnte sich der hochfliegende Sinn des Eletto nicht begnügen. Die Meuterer waren von Brüssel aus in Acht und Bann getan worden, aber mit dieser Maßregel hatte der König nichts zu schaffen; das schmähliche Edikt hatte keinen anderen Zweck, als den niederländischen Schreihälsen die Mäuler zu stopfen, und das sollten sie teuer bezahlen! Es war etwas Großes im Werke!

Man hatte das Antwerpen von damals ganz Indien in einer Stadt genannt, und es galt nichts Geringeres, als diese Herberge des Reichtums den Meuterern in die Hände zu spielen, und die gesamte spanische Armee in den Niederlanden stand im Begriff, dem Beispiel der Regimenter in Aalst zu folgen.

Die Mutter war der Freund und Rat des Sohnes. Aber jeden Schritt, den er unternahm, hörte er ihre Ansicht und gab oft die eigene zugunsten der ihren auf. Diese Teilnahme an der Leitung großer Geschicke beschäftigte den gewandten Geist der Sibylle. Wenn sich bei mancher Angelegenheit die Gründe und Gegengründe die Wage hielten, legte sie Karten aus, und dies Orakel gab dann gewöhnlich den Ausschlag.

Kein höheres Ziel, kein Wille, in weiteren Kreisen Gutes und Großes zu wirken, beeinflußte das Denken und Tun dieser beiden.

Was kümmerte es sie, daß von ihrer Entscheidung das Wohl und Wehe der Tausende abhing? Die tödliche Waffe in ihrer Hand war für sie nur ein kostbares Gerät, woran man sich ergötzt und mit dem man Früchte von den Bäumen herabholt.

Don Juans Wort, daß die Macht ein Ackerfeld sei, sah er jetzt schon erfüllt; denn es gab ja in Aalst manche volle Ähre für sie beide zu ernten.

Die Soldatenwaise, die Flora mit zu ihrem Sohne genommen, pflegte sie nach wie vor mit mütterlicher Sorgfalt, aber das auf Stroh geborene Kind trug jetzt feine Leinwand und Spitzen und anderen wunderlich ausgeklügelten Putz. Es war ihr nötig; denn wenn sie in den langen Vormittagsstunden, in denen Ulrich abwesend war, von trüben Gedanken gar zu schmerzlich heimgesucht wurde, machte sie sich mit dem hilflosen Wesen zu schaffen.

Ulrich blieb oft recht lange aus, weit länger als der Dienst es erheischte. Was mochte er treiben? Besuchte er eine Geliebte? Warum auch nicht? Es wunderte sie nur, daß die schönen Frauen nicht zu dem herrlichen Mann von nah und fern gewallfahrtet kamen.

Ja, der Eletto hatte eine alte Geliebte wiedergefunden! Die Kunst, die er grollend verlassen. Es war ihm zu Ohren gekommen, daß bei der Verteidigung der Stadt auch ein Maler gefallen sei. Um seine Werke zu sehen, hatte er sich in das Haus des Verstorbenen begeben, und wie fand er die Wohnung des Künstlers! Die Fenster, das Gerät waren zerschlagen, die aufgesprengten Schranktüren neigten sich an den verbogenen Angeln in das Zimmer hinein. Die Witwe lag mit den Kindern auf Stroh in der Werkstatt.

Das ging ihm zu Herzen, und er gab der klagenden Frau mit offener Hand. An den Wänden hingen einige Heiligenbilder, welche die Spanier verschont hatten; auch die Staffelei, die Farben und Pinsel waren unangetastet geblieben.

Da kam ihm ein Gedanke, an dessen Ausführung er sich ungesäumt begab. Er wollte eine neue Standarte malen! Und wie hoch schlug ihm das Herz, als er wieder vor der Staffelei stand!

In den Ketzern sah er Heiden. Die Spanier kämpften zunächst gegen sie und für den Glauben. So malte er denn das Bild des Gekreuzigten auf eine, das der Jungfrau auf die andere Seite der Standarte. Die Künstlerwitwe saß ihm zur Madonna, ein junger Soldat für den Christus.

Jetzt hemmte kein Bedenken, keine Rücksicht auf krittelnde Meister die schaffende Hand; denn ihm gehörte die Macht, und was er auch immer zustande brachte, das mußte gut sein.

Das Haupt Costas, wie er es bei Tizian gemalt hatte, setzte er auf den sanft geneigten Leib des Erlösers, und die Madonna empfing das Antlitz der Sibylle, den strengen Richtern in Madrid zum Trotz, sich selbst zur Lust, seiner Mutter zu Ehren. Er verjüngte sie, verwandelte das Weiß ihrer Haare in schimmerndes Goldblond, und eines Tages bat er Flora, stillzuhalten und an etwas recht Ernstes zu denken; er wolle sie zeichnen.

Da setzte sie sich munter in Positur und sagte:

»Mach schnell; denn was ernst ist, hält nicht lang bei mir aus.«

Wenige Tage später waren beide Gemälde fertig, und sie sahen nach etwas aus, und es freute ihn, daß er trotz der langen Pause immer noch etwas zustande brachte. Seine Mutter war entzückt über die Meisterwerke des Sohnes, und besonders über die Maria, denn sie erkannte sich gleich und war gerührt über sein treues Gedächtnis. Als junge Frau, sagte sie, habe sie genau so ausgesehen, und es sei wunderbar, wie er die Farbe ihres Haares von damals getroffen; aber sie fürchte doch, daß es Lästerung sei, eine Maria mit ihrem Antlitz zu malen: sie sei eine arge Sünderin und nichts weiter. Sie war froh, daß dieses Werk zum Abschluß gekommen; denn die Unruhe begann sie wieder zu quälen, und die Vormittage waren so einsam gewesen. Pasquale – das tat ihr brennend weh – hatte nicht ein einzigesmal zu ihr aufgeschaut, und der Verkehr mit Männern, an den sie gewohnt war, begann ihr zu fehlen. Aber sie klagte niemals und zeigte Ulrich stets das gleiche fröhliche Gesicht, bis er eines Tages erklärte, sie auf einige Zeit verlassen zu müssen.

Schon mehrmals hatte er in kleinen Scharmützeln zusammengelaufene Scharen von Bauern und Bürgern, welche gegen die Meuterer ins Feld gezogen waren, zu Paaren getrieben; jetzt rief ihn der Oberst Romero gegen ein großes Heer von Patrioten auf, welches sich unter dem edlen Herrn von Floyon zwischen Löwen und Tirlemont gesammelt hatte. Es sollte aus Studenten und anderen rebellischen Schreiern bestehen, und so verhielt es sich in der Tat; aber die »Rebellen« waren die Blüte der Jugend des schmählich bedrückten Volkes, edle Seelen, denen es unerträglich erschien, das Vaterland von meuternden Horden geknechtet zu sehen.

Ulrich trennte sich leicht von der Mutter. Er war des Sieges und der Heimkehr gewiß, aber die leicht erregbare Frau zerfloß beim Abschied in Tränen.

Der Eletto zog mit einer stattlichen Schar ins Feld. Die Hauptmacht der Meuterer, und mit ihr der Kapitän und Quartiermeister Zorrillo, blieb zurück, um die Bürger im Zaum zu halten.

 << Kapitel 27  Kapitel 29 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.