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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 93
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie unsere Schwaben durch das blaue Meer schwimmen, ohne zu ersaufen.

Obwol sonst ein wackerer Schwab, wenn es sein muß, seine fünf Mäßle Bier trinken mag auf Einem Sitz, und er findet doch noch seine Wege und Stege; so haben doch unsere Schwaben zu tief in den Krug geguckt, und ist ihnen nicht recht just gewesen im Kopf, wie sich aus Folgendem zu ergeben scheint, was eine wahrhaftige Geschichte ist. Denn sie waren kaum außer dem Thor, so verirrten sie sich in den Hopfengärten, und verloren die Landstraße, und der Spiegelschwab suchte sie vergebens einzuholen auf dem Weg nach Leutkirch. Wie sie aufs freie Feld kamen, sagte der Allgäuer: Bygost! es ist Ein Ding; haben wir keinen Weg, so machen wir uns einen; die Iller werden wir doch finden, und dann kann die Brücke auch nicht weit davon sein. Und so ging es denn fort über das Brachfeld hopp, hopp! und der Allgäuer blies, der Blitzschwab sang: Ich laß ein klein Waldvögelein &c., der Knöpfleschwab keuchte und stolperte und fiel ein um das andere Mal, und mußte gleichwol wieder aufstehen. Inzwischen fing es an dunkel zu werden, und sie irrten umher, obwol der Allgäuer von fern noch den Grindten sehen mochte. Da standen sie auf einmal an einem Abhang, und unten, so däucht's ihnen, lag ein See, der Wellen schlug. Es war aber ein Feld voll Flachses, der in der Blüte war, und da der Wind heftig blies, so wallte und wogte es wol; aber es war kein Wasser. Potz Blitz! rief der Blitzschwab, was ist da zu machen? Durch müssen wir, sonst kommen wir nicht an Ort und Stelle. Allgäuer, mach den großen Christoph, und trag uns hinüber. Bygost! sagte der Allgäuer, ins Wasser mag ich wol gehen, aber weiter nicht, als bis an den Hals. Der Nestelschwab lamentirte, er könne nur mit einer Hand rudern, indem er mit der andern die Hose zu halten habe; und der Knöpfleschwab stand betrübt da, und lugte ins Wasser hinab, um zu schauen, ob keine Wallfische drin seien. Das sah der Blitzschwab, und er ging ganz stät hinterrücks auf ihn zu, und sagte: Frisch gewagt, ist halb geschwommen, und gab ihm einen Stoß, daß er, plumps! drunten lag. Der sinkt nicht, sagte der Gelbfüßler, es muß doch nicht tief sein, da kann man's wagen, und hüpfte flink und frisch hinunter, wie ein Laubfrosch. Dem folgte der Blitzschwab, nachdem er sich vorher in die Hände gespieen, und einen tüchtigen Anlauf genommen hatte. Bygost! sagte der Allgäuer, der letzte will ich auch nicht sein, und warf den Spieß voraus, und hupfte nach. Der Nestelschwab aber hatte sich an dessen Hosenbändel gehängt, und fiel darum unten gemächlicher auf, als die übrigen, und war dies das einzige Mal, daß er gescheidt gethan. Da lagen sie nun alle, anfangs unbeweglich wie Holzblöcke, dann rührten und streckten sie ihre Glieder, wie halb zerstampfte Würmer, dann krochen sie allmählich heraus, wie Schnecken aus ihrem Häusle, endlich standen sie wiederum da, wie andere Menschen, und sagten kein Wörtle, sondern griffen blos nach ihren Rippen, ob sie noch ganz seien. Und nachdem sie den Spieß aufgefischt hatten, zogen sie querfeldein weiter.

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