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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 92
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie sie gegen Wissen und Willen in die Stadt Memmingen kommen,
und dorten Bierbeschau halten.

Die sechs andern Schwaben aber waren weiter gegangen, und standen jetzt vor einem Thor, welches man ihnen, auf ihr Befragen, wie es heiße, Leutkircher-Thor nannte. Da müssen wir also hinaus, sagte der Nestelschwab, oder ein anderer, gleichviel welcher. Sie gingen also durch das Thor, und kamen in die Stadt, ohne es zu wissen und zu wollen. Wie aber kein Unglück ohne Glück ist, so hat sich's hier auch begeben. Denn das erste Haus, das ihnen auffiel, war ein Wirthshaus, vor dem ein Maienbaum stand, und ober der Thür war zu lesen: Hier schenkt man Märzenbier aus. Als das unsere Schwaben sahen, dachten sie, umsonst sei das Märzenbier mitzunehmen. Der Wirth, der sie kommen sah mit dem großen Spieß, kam ihnen erschrocken entgegen, und fragte: was sie schafften. Sie möchten ein wenig sein Bier kosten, sagte der Allgäuer, und er ging mit den Gesellen in die Zechstube. Der Wirth, vermeinend, sie seien abgesandt von der schwäbischen Kreisregierung, um im Schwabenland das Bier zu beschauen, und zu schätzen, ob es pfennigvergeltig sei – was wol noth thäte auch zu unsern Zeiten – der holte das beste, das er im Keller hatte, und es war noch nicht gut. Doch tranken die Gesellen eine Bütsche um die andere aus; und wie sie' s bis auf einen halben Eimer gebracht hatten, sagte der Wirth: er sehe mit Freuden, daß es ihnen wohl schmecke. Der Blitzschwab meinte, es könnte besser sein, und es sei zu wenig Malz und Hopfen drin. Mit Verlaub, sagte der Wirth, der ein Schalk war; Hopfen und Malz ist nicht zu wenig drin, aber zu viel Wasser. Drob lachten die Gesellen: und dem Blitzschwab fiel der Spruch ein, und er sagte ihn:

Zu Langensalz                            

könnte eben so gut Memmingen heißen, sagte er –

        Zu Langensalz
Braut man drei Bier aus einem Malz;
Das erste heißet man den Kern,
Das trinken die Bürgermeister gern;
Das andere heißt das Mittelbier,
Das setzt man gemeinen Leuten für;
Das dritte heißt Covent,
Trink dich potz schlapperment.

Drauf spielte er ein Paar lustige Stücklein auf, dem Wirth zu Ehren. – Nachdem nun die Gesellen vollauf getrunken, so standen sie auf und gingen davon, als wären sie Niemanden etwas schuldig. Der Wirth ließ sie gehen, in der obgedachten Meinung; und er sagte, daß es ihm eine große Ehre gewesen, und sie sollten nur das Beste reden von seinem Bier. Das thaten sie denn auch, und sie konnten sich nicht genug verwundern, daß man in Memmingen das Märzenbier ausschenke. Und so ward denn der Wirth gefoppt von seinen Landsleuten, ohne deren Wissen und Willen. Man sagt aber, daß ihm der freie Trunk wohl bezahlt worden sei von andern Landsleuten; wie man denn den Wirthen gern viel Böses nachsagt.

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