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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 9
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Achtes Kapitel.

Es waren ungefähr vierhundert Jahre nach Christi Geburt verflossen – beinahe in der ganzen damals bekannten Welt war schon das Zeichen des schmählichen Kreuzes als Triumphzeichen des Heiles aufgerichtet – da kehrte Ahasverus, der ewige Jude, wieder zurück aus fernen Welttheilen über Jerusalem gen Rom zu. Hundert Geschlechter der Menschen waren indessen dahin gegangen; viele Städte, der Stolz und die Pracht ihrer Zeit, waren verschwunden, und nur Trümmer davon waren noch sichtbar, als Zeichen ihrer ehemaligen Größe; ganze Nationen von anderer Herkunft bewohnten nun jene Länder, worin die alten Heiden hausten, und er stand allein da unter ihnen, der einzige Mensch aus einer urgrauen Zeit; aber die Zeit hatte nichts vermocht über ihn, denn er war noch in der Kraft des Mannesalters, wie damals, wo der schreckliche Fluch über ihn ergangen. Wie er nun so das Land durchwanderte und die Inseln des Mittelmeeres, und alles verändert sah, nur sich selbst nicht; und als er die Christo geweihten Tempel vorbei zog, und die Gräber der Christen, die nun ausruhten von den Mühen des Lebens, der Früchte ihres Glaubens theilhaftig; und wie er sah und hörte, daß der Name Dessen, den er von seiner Schwelle weggestoßen, von allen hochgepriesen wurde als der Heiland der Welt, da ergriff ihn eine unendliche Wehmuth, und er versank schier in Verzweiflung wegen seiner Schuld, ob sie ihm je vergeben werden könne. Und er rief aus: »Ist denn keine Sühne für mich, Herr des Lebens und des Todes? Soll ich noch länger umher wandeln, wie Kain, als ein von Gottes Fluch getroffener Sünder? Er, der erste Mörder, ist doch gestorben; und ich soll fortleben zu meiner Qual und zum Aergerniß Anderer? Ich will die Welt befreien von meiner verhaßten Gegenwart, und Gott genade mir, wenn ich mich in die Arme seiner Barmherzigkeit werfe.« So sprach er, und er stieg den Aetna hinan, der so eben aus seinem weiten und tiefen Schlunde Feuer auswarf, das wie Blitze Gottes durch das Rauchgewölke leuchtete, während der Donner furchtbar aus seiner Tiefe herauf scholl. Und er stand am Schlund, und sah hinab, und Grausen packte ihn. Aber er faßte Muth, und rief: »Wenn noch ein Himmel für mich ist, so ist er nur in der Hölle!« und stürzte sich hinab.

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