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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 82
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie die sieben Schwaben auf einen Bären stoßen,
und was sie dazu sagen.

Wir wollen aber die sieben Schwaben auf ihrem Weg einholen, und da treffen wir sie, vier bis fünf Stunden außer Augsburg in einem Hohlweg, den sie eben durchziehen. Und sieh da! ein großmächtiger Bär liegt da am Weg, und der Allgäuer bemerkt ihn nicht eher, bis er fast mit der Nase auf ihn fällt. Der schreit, was er kann: Ein Bär! ein Bär! und stößt den Spieß aus Leibeskräften gegen das Thier. Doch das rührte sich nicht mehr, denn es war maustodt. Drob erfreut, schaut der Allgäuer um, und sieht die Gesellen alle auf dem Boden liegen, und, vermeinend, sie seien auch todt, und er habe sie hinterrücks mit dem Spieß erstochen, fing er laut an zu lamentiren. Die aber waren, man weiß nicht, ob aus Schrecken, oder weil sie den Spieß zu fest gehalten, zu Boden gefallen; und, als sie hörten, daß der Bär todt sei, standen sie frisch und gesund wieder auf, und stellten sich um den Bären herum, und der eine rupfte ihn beim Pelz, und der andere steckte gar seine Hand in den Rachen, und kein einziger fürchtete sich mehr vor ihm. Und als sie den Bären näher untersuchten und kein Loch an ihm fanden, als das, was er schon bei seinen Lebzeiten gehabt, so merkten sie wol, daß er nicht erstochen sei, sondern verreckt; und der Spiegelschwab warf die Frage auf: woran er wol gestorben sein mag. Der Knöpfleschwab sagte: woran denn sonst als am Hunger. Nein, sagte der Gelbfüßler, aus Kälte. Und so hatte denn Jeder seine aparte Meinung, wie die Schildbürger ob des todten Wolfes. Errathen aber hat's wol nur der Spiegelschwab, der pfiffigste unter ihnen, welcher sagte: er sei, wo nicht an Wehtagen, doch am Tod gestorben. Hierauf hielten sie Rath, was sie mit dem Luder anfangen wollten, und nach langem Hin- und Herreden beschlossen sie, ihm die Haut abzuziehen; die sollte einst demjenigen zu Theil werden, der sich beim Abenteuer am männlichsten halten werde. Das Aas wollten sie liegen lassen. So mögen ihn die Schafe fressen, wie er zuvor die Schafe gefressen, sagte einer, ich weiß nicht mehr, was für einer.

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