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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 68
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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55. Von einer dienstfertigen Frau.

Mach uns ein Abendessen zurecht, für mich und meinen Freund. Aber geschwind! In einer Stunde muß es fertig sein. So rief der Hausherr seiner Frau zu, im Vorbeigehen, zum Fenster hinein; und ging dann mit seinem Freunde weiter. Die Hausfrau dachte bei sich: Heute ist mein Mann kurz angebunden. Es ist doch sonst dies seine Art nicht. Aber weiß Gott, welche Gedanken verdrießlicher Art seinen Kopf einnehmen! Vielleicht hat er auch Mittags bei seinem Freunde ein Gläslein zu viel getrunken. Sei's, wie es will! Er soll seinen gedeckten Tisch finden. Und sie legte das Kind in die Wiege, und machte sich in die Küche, um ein Süpplein zu kochen und ein Pfanzel zuzubereiten, die Lieblingsspeise ihres Mannes. – Die beiden Freunde waren indessen fortgegangen, um den Verdruß zu verdauen, den sie Mittags gehabt. Der Hausherr hatte bei seinem Freunde gespeist. Das Essen wäre gut, und der Wein nicht schlecht gewesen; aber die Frau, welcher die Einladung mißfallen, machte ein so saures Gesicht, daß alles nach Essig schmeckte, was sie aufsetzte. Darob gingen Beide verdrießlich hinweg; und unser Freund sagte: Willst du vorlieb nehmen mit Wenigem, so speise heut Abends bei mir. Du wirst wenigstens ein fröhliches Gesicht sehen und eine freundliche Rede hören von meiner Hausfrau, so ungelegen ihr auch die Gäste kommen mögen. – Die festgesetzte Stunde war indessen verflossen. Die Hausfrau deckte den Tisch. Das Kind ward unruhig. Sie setzte es auf den Tisch, und gab ihm die glänzenden Löffel hin, damit es damit spielen möge. Dann ging sie wieder in die Küche, um die Suppe anzurichten. Die Männer sprachen schon vor der Hausthür. Da, wie sie nun die Suppe auftrug, und das Kind wegnahm, bemerkte sie, daß es etwas auf dem Tische hinterlassen hatte, was nicht dahin gehörte. Die Männer öffneten schon die Stubenthür, und traten ein. Sie hatte aber Geistesgegenwart genug, und setzte den Leuchter auf das Ding, und empfing die Männer mit freundlicher Geberde. Der Hausherr fragte mit verstelltem Ernst: Ob das Essen fertig und ob genug da sei? Die Hausfrau sagte: Sie denke, mehr als genug. Nachdem die Suppe eingenommen war, trug sie das Pfanzel auf, die Lieblingsspeise des Mannes. Der aber schalt sie, und sagte: Das sei ein Alltagsessen, und keine Speise für einen Gast. Der Gast aber ließ sich's wohl schmecken, mehr der freundlichen Hausfrau zu Lieb' und Ehren, als um des Hungers willen. Auch schmeckte das Pfanzel gut. Nachher brachte sie Schinken, und geräucherte Zunge, und kalten Braten und Käs. Der Mann machte zu allem dem ein böses, trutziges Gesicht, und zuletzt fragte er. ob sie nichts weiteres mehr habe? Ja, was willst du denn noch mehr, Herz! fragte die Frau. Einen Dr . . , sagte der Mann. Da hast du ihn, Schatz! sagte die Frau ganz wohlgemuth, und hob den Leuchter hinweg. Die Freunde lachten hellauf, als sie diese Bescheerung sahen. Nun mußt du mir aber schon das Kind halten, sagte die Frau, damit ich das Zeug da bei Seite schaffen kann. Und nun erzählte sie, wie es geschehen sei. Und der Hausherr erzählte sodann auch ihr, wie er zu dem Einfall gekommen, ein Abendessen zu bestellen. Und der Freund war voll des Lobes über ihre Güte und Milde und Dienstfertigkeit. Also saßen die drei bis in die späte Nacht beisammen unter freundlichen Gesprächen. Sodann begleitete der Hausherr den Freund nach Haus. Da vernahmen sie denn, daß dessen Frau noch auf war, und beisammen saß mit mehreren Nachbarinnen und Gevatterinnen bei Thee und Punsch und Wein; und es war ein großes Geschwätze und Gelächter und Geschwirre im Zimmer. Die beiden Freunde schieden von einander, wobei jeder sich sein Theil dachte.

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