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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 60
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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47. Seltsame Jagdpacht.

Ein böser Streich, den man einem andern spielt, ist ein böser Streich, und wenn er gleich eine lustige Jacke trägt, wie ein Hanswurst. Aber lachen muß man. – Solch ein lustiges Stücklein erzählt man von einem Franzosen, der wie der Leser merken wird, ein rechter Filu war. Der war bei einem Bauern im Quartier. Nachmittags, wie er hinter dem Ofen lag – die Fliegen ließen ihm nicht Ruh und Rast – dachte er aus langer Weile daran, wie er seinem Wirthe einen Possen spielen und ihm auf gute Manier einen dicken Thaler oder zwei aus der Tasche praktiziren könnte. Auf böse Einfälle kommt man leichter, als auf gute, absonderlich bei dem Müßiggang. Nun sagte er zum Bauern: Wirth, ick will dir abkauf die Fliegen in der Stube. Der Bauer meinte, der Soldat wolle ihn foppen, und sagte, er gebe sie ihm umsonst, und er solle sie nur alle todt schlagen, es geschehe ihm damit ein Gefallen. Nein, sagte der Soldat, umsonst ick nit mag, aber ick will kaufen sie, wenn sie will, um einen dicken Thaler. Der Bauer dachte sich: Ist der Soldat ein Narr, so ist er's in meinen Sack; und sagte, wenn er so wolle, ihm sei's ganz recht. Der Soldat gab ihm den Thaler, und der Bauer steckte ihn lachend ein. Er hatte aber bald Ursache, mehr zu weinen, als zu lachen. Denn der Soldat holte jetzt seine Muskete hinter dem Ofen hervor, lud sie mit Schrot, und schoß, mir nichts dir nichts, auf das Getäfel, wo die meisten Fliegen hockten, daß es krachte, und die Fenster davon klirrten. Um's Himmels willen, was macht Ihr? rief der erschrockene Bauer. Ick schieß todt die Fliegen, die ick hab Euch abgekauft, – sagte der Franzose ganz ernsthaft, als ob sich das so von selbst verstünde; und er lud wiederum, und legte nochmals an. Da fiel der Bauer ihm in die Arme und auf die Kniee und bat ihn bei allen Heiligen, er sollte doch sein Haus verschonen, und ihn nicht unglücklich machen. Der Soldat gab ihm zu verstehen: Solle er auf sein Recht Verzicht leisten, so müsse er Entschädigung haben, und Gewinn obendrein; und er verlangte nochmals so viel, als er dem Bauern gegeben hatte. Dem mochte es lieb sein, oder nicht, er mußte sich den Handel gefallen lassen, und bezahlen, was jener wollte. Und so merkte er denn zu spät, daß der Franzose kein Narr sei, oder wenn auch ein Narr, doch in seinen Sack. Lustig ist der Streich, und man muß lachen. Aber der redliche Leser denkt sich dabei: Ein Filu war er doch, der Franzose, und ich denk's auch.

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