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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 59
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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46. Seltsames Roßfutter.

Der Müller von Knorringen war weit und breit in der Gegend als ein curioser Mann bekannt, der allerhand seltsame Streiche machte. Und also wunderten sich die Bauern nicht, die zu Grünwiesen im Wirthshaus um den Ofen herum saßen, daß er noch spät Abends bei grimmiger Kälte zu Pferd ankam; wol aber darüber, was er weiter that. Nachdem er nämlich in die Stube getreten, und sich darin umgesehen hatte, sagte er zur Kellnerin, sie solle eine Schüssel voll Salat mit Essig und Oel und harte Eier darauf zurichten lassen für sein Roß. Die Bauern dachten bei sich, das gibt wieder so einen Spaß, von dem man erzählen kann. Als der Salat fertig war, ließ er ihn wirklich in den Stall tragen für sein Roß; und die Bauern folgten alle neugierig der Kellnerin, zu sehen, wie es dem Vieh schmecke. Inzwischen setzte sich der Müller gemächlich auf die Ofenbank, breitete seinen Mantel aus, und ließ sich's wohl sein. Nach einer Zeit kam die Kellnerin zurück mit den Bauern, und sagte: Das Roß frißt den Salat nicht. Nicht? sagte der Müller; nun, so freß ich ihn; und setzte sich an den Tisch und aß. Darauf, nachdem er die Zeche bezahlt, holte er sich den Mantel vom Ofen, und sagte höflich zu den Bauern: Habt Dank, daß ihr mir Platz gemacht! und ging weiter. Jetzt merkten erst die Bauern, daß er sie gefoppt habe, der vermaledeite Müller. Und wenn der günstige Leser das Stücklein nicht glauben mag, so geh' er nach Grünwiesen und verlange nur im Wirthshaus, so laut, daß es die Bauern hören mögen, Salat mit Essig und Oel und harte Eier drauf; er gebe aber Acht, daß ihm die Speise nicht versalzen werde.

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