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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 58
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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45. Schalk wird mit Schalk gefangen.

Ein abgedankter Soldat, der ein lustiger Geselle war, kam eines Tages in ein Wirthshaus, und wie er sah, daß man eben den Gästen das Essen auftrug, setzte er sich auch ohne Umstände an den Tisch; denn er dachte: Kann ich auch nicht zahlen, wie andere, so kann ich doch essen, wie sie, und das Uebrige will ich schon mit dem Wirthe abmachen. Die Gäste, welche vornehme Leute waren, Schreiber, Musterreiter und dergleichen, sahen den Soldaten nicht gern bei sich, und wollten ihn auf eine höfliche oder grobe Art auf die Seite schieben. Als daher die Suppe auf den Tisch kam, griff ein jeder nach einem Löffel, deren eben so viele auf dem Tische waren, als der Gäste; und sie sagten: Ein Schelm, der keinen Löffel hat. Der Soldat wurde nicht verlegen, sondern er machte geschwind einen Löffel von Brodkruste, die er an die Gabel steckte, und fuhr damit in die Schüssel und ins Maul. Und als die Suppe gegessen war, sagte er: Ein Schelm, der seinen Löffel nicht ißt. Was denn die andern bleiben ließen, und sie hatten den Schelm wieder, den sie ausgegeben. – Die Gäste hätten ihm wieder gern eins angehängt, und sie nahmen zuletzt einen Becher mit Wein, und ließen den herumgehen, mit dem Bescheid: Wer den Wein im Becher fett oder schmutzig machen würde, der sollte die Zeche bezahlen. Das thaten sie aber darum, weil der Soldat einen großen Schnauzbart hatte, der lange nicht geschoren war, und sie meinten daher, es würde nicht fehlen können, daß er den Wein schmutzig machte. Aber als es an ihn kam, blies er dem Becher das Gesicht also aus, daß der Staub fast aus dem Becher gefahren, und nicht so viel darin geblieben, daß eine Mücke ihren Durst hätte löschen können. Worauf er den Becher den Gästen wies, und sie fragte, ob der Wein schmutzig sei oder nicht. Also mußten sie für ihn die Zeche bezahlen, was sie auch gern thaten, um des Spaßes willen, den ihnen der Soldat gemacht hat.

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