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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 56
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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43. Die Faulheit in der Klemme.

Die Faulheit weiß immer eine Ausrede; hat sie keine, so macht sie eine . . . Ein junger Herr von Adel hatte die Gewohnheit, daß er jeden Morgen im Bett liegen blieb bis in den Tag hinein. Seine Freunde machten ihm deshalb oft Vorwürfe, und schalten ihn seiner Faulheit halber. Da sprach er einstmals zu ihnen: Wie mögt ihr nur so reden? Ihr wißt nicht, was ich so lange zu schaffen habe im Bette. Jeden Morgen, wie ich die Augen aufthue, treten zwei Gestalten vor das Bett, die Strenge zur Rechten, die Milde zur Linken. Da nimmt nun die erstere das Wort, und spricht: Stehe auf, fauler Knabe! Es ist schon hoch an der Zeit. Du hast der Ruhe genug gepflegt. Auf, die Arbeit harret dein! Darauf spricht die andere: Bleibe liegen, lieber Knabe! Es ist noch zu guter Zeit. Die Arbeit kann warten; sie läuft dir nicht davon. Gönne dir immerhin noch einige Ruhe, Bester! Wiederum nimmt die Strenge das Wort, und sagt: Das Leben des Menschen ist kurz, und die Kunst ist lang. Sei ein Mann, und geh' freudig an dein Tagwerk. Hierauf die andere: Die Ruhe ist süß, und die Arbeit ist sauer. Sei kein Narr, sondern wiege dich noch, wie ein Gott, auf dem flaumenen Pfühle. So reden denn beide lange hin und her; und ich, was soll ich thun? Ich versehe das Amt eines Richters, der beiden Parteien sein Ohr leiht, und sich weder zur Rechten noch zur Linken neigt, sondern eben sich ruhig verhält, bis der Streit zu Ende ist. Dann stehe ich auf. – Nun sage mir noch Einer, daß ich faul sei!

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