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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 50
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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37. Vom Rathgeben.

Gib Acht, daß es dir nicht gehe, wie dem Spatzen, der andern Vögeln Rath gab, aber sich selbst nicht zu rathen wußte und vor Gefahr zu hüten. Es hat sich nämlich begeben, daß die Holztauben ein Nest mit Jungen auf einem hohen Baum gehabt haben; da ist der Fuchs gekommen, und hat gedrohet, er wolle hinauf steigen und die Jungen mit dem Neste nehmen, wenn sie ihm nicht ein Junges herabwerfen. Da sind die Tauben erschrocken und haben sich heftig gefürchtet. Zuletzt haben sie ihm ein Junges herabgeworfen; das hat der Fuchs genommen, und ist mit davon gezogen. Als er aber hinweg gewesen, hat der Spatz die Holztauben unterwiesen und gelehret: wenn er schon wieder käme, sollten sie ihm nichts geben, sondern sprechen, sie wären in ihrem Nest; wenn er kühn wäre, sollte er heraufsteigen. Da nun der Fuchs wieder gekommen, haben sie ihm nichts mehr geben wollen. Alsbald hat der Fuchs gemerkt, daß sie der Spatz gewarnt habe, der so eben auf einer nahen Dornhecke saß. Der Fuchs kehrte sich zu ihm, und schaute, wie er ihn möchte mit List hintergehen. Er sprach: Es ist doch ein freies Ding um einen Vogel, er kann hinfliegen, wo er will, und ist überall sicher vor dem Jäger. Allein das ist bös, daß ihr euch im Winter vor Kälte und Wind nicht könnt beschirmen. Darauf sprach der Spatz mit großem Rühmen: O es schadet uns der Wind nicht, denn wenn er auf der rechten Seite herwehet, so stecken wir den Kopf unter den linken Flügel; wehet er aber von der linken Seite her, so stecken wir den Kopf unter den rechten Flügel; und so können wir uns also vor allem Wind und Frost erretten. Da er nun ein langes und ein breites Geschwätz machet, spricht der Fuchs: Du sitzest zu hoch oben; ich kann dich nicht verstehen, denn ich höre sonst nicht recht wohl; und beredete also den Spatzen, daß er weiter herab saß. Da fragte ihn der Fuchs: Wie er denn thäte, wenn der Wind von vornen herwehete? Da stieß der Spatz den Kopf zwischen die Beine in die Federn und wollt' es ihm zeigen. Der Fuchs aber, nicht unbehend, erwischte den Spatzen und fraß ihn. Also kam der Spatz um, der andern gerathen hat, sich selber aber wußte er nicht zu rathen.

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