Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Aurbacher >

Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 49
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
Schließen

Navigation:

36. Von dem Handel zwischen den Edelleuten und den Bauern.

In einem alten Buch lieset man einen guten Schwank von dem Handel zwischen den Edelleuten und den Bauern. Die Edelleute, ihres Standes und ihrer Ehren eingedenk, wollten zu mehr Einkommen gelangen; und sie beschlossen daher, sich deshalb an den rechten Mann zu wenden, an St. Peter, dem, wie sie wußten, die Schlüssel zu allen Herrlichkeiten des Himmels und der Erde vom Herrn gegeben waren. Der Himmels-Fürst nahm sie auch auf in allen Ehren, als solche, die von Gott selbst schon der Geburt nach ausgezeichnet sind vor den übrigen Menschen; und er bewilligte ihnen alles, was sie verlangten: Auf- und Abfahrtsgeld, Besthaupt, Frohnen, Gilten, Heimfall, Küchendienst, Landemien, Leibreicht, Scharwerk, Stift, Vogteihaber, Todtheil, Zehenten, Groß- und Kleinzehenten, Blut- und Naturalzehenten, und noch viele andere Steuern und Abgaben, wie sie des Namens heißen mögen. So nahmen sie denn mit Dank Abschied, und kamen, mit ihren Rechten und Gewalten zufrieden, in ihre Heimat zurück. Alsbald empfanden auch die Bauern die Noth, und sie erseufzten schwer und erlagen schier unter den Lasten, die ihnen von den Edelleuten auferlegt wurden. Und wenn sie sich nun bei ihren Herren beklagten, so bekamen sie im gelindesten Falle die Weisung, daß es also im Himmel beschlossen sei, den Handel zwischen Edelleuten und Bauern betreffend. Da geriethen endlich die geplagten Bauern auf den Einfall, daß sie ebenfalls gen Himmel, zu St. Peter, zögen, und von ihm Wohlthaten ausbitten möchten; und sie setzten sogleich den Entschluß ins Werk. St. Peter nahm sie auch in Gnaden auf, und hörte ihr Gesuch in Geduld an; und nach angehörter Bitte übergab er ihnen einen langen Zettel, worauf alles verzeichnet war, was er zu verschenken und zu vergeben in der Macht hatte. Die Bauern durchsahen das Register fleißig und genau, von vorn und von hinten, aber sie fanden alles durchgestrichen von dem, was die Menschen sich wünschen mögen für dieses Erdenleben. Nur der Himmel war übrig und stand noch offen. Also baten sich die betrübten Bauern von St. Peter mindestens den Himmel aus, als absonderliche Wohlthat und Bauern-Privilegium; wogegen den Edelleuten, den Bauernschindern, die Hölle zum Erbtheil werden solle. Das ward ihnen denn auch bewilliget, und sie gingen fröhlich zurück in ihre Heimat. Als nun die Edelleute vernommen, daß die Bauern also lustig heimgekehrt seien, so fragten sie nach der Ursache solcher Freude, und was ihnen denn Gutes zugefallen sein möge, da doch St. Peter nichts mehr zu vergeben gehabt hätte. Diesen antworteten die Bauern: Sollen wir denn nicht fröhlich sein, da wir von St. Peter den Himmel erhalten haben? Da sagten die Edelleute: Hol uns der Teufel! Wir haben nicht an den Himmel gedacht. – Merk: Dies ist ein Schwank, und nichts weiter; aber die Bauern können daraus etwas lernen, und die Edelleute auch.

 << Kapitel 48  Kapitel 50 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.