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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 45
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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32. Ein braver Hausknecht.

Ein Christenmensch darf wol auch von seinem sauern Wochenlohn an Sonn- und Feiertagen oder sonstigen Festen sich eine ehrliche Lustbarkeit verschaffen, das wissen wir alle. Aber wenn er Gelegenheit hat, damit einem Elenden seine Noth zu erleichtern, so soll er sich lieber die Lustbarkeit versagen, und Gutes thun; das wissen wir auch alle, thun's aber nicht alle. Ein Hausknecht aber hat's gethan. Der war so eben drum und dran, auf eine Hochzeit zu gehen; und er hatte sein schönstes Kleid angelegt, und wie er sich so in seinem Schmuck vom Kopf bis zu den Füßen besehen, hat er bei sich gedacht: Ein schöner Kerl bist du, das ist wahr, und dein Mädel muß ihre Freud' an dir haben, wenn sie dich so geputzt sieht, wie ich an meinem Mädel desgleichen. – Und er drehte seinen Hut auf dem Kopf herum, und wollte schier in seines Herzens Freude einen Juchezer thun zum Voraus: Da trat ein fremder Mann in die Stube, der bat um einen christlich barmherzigen Beitrag für Abgebrannte. Das war nun so einer von den Augenblicken, wo es die Probe gilt, ob's mit der Frömmigkeit und der Nächstenliebe beim Menschen so oder so stehe. Bei unserm Hausknecht ist's gut gestanden. Er besann sich nicht lange, sondern dachte blos: Ei was! geh' ich zur Hochzeit, so sind erstlich drei Gulden zum Henker; zweitens bring' ich einen matten und müden Leichnam nach Haus, und drittens – mein Mädel denkt christlich, und wenn ich ihr's sage, so krieg ich ein schiefes Aug' von ihr. Und kurz, ich lasse Hochzeit Hochzeit sein, und gebe das Geld den Unglücklichen! Und das that er denn auch. Und wie er auf seine Kammer ging, und die Kleidungsstücke wieder ablegte, wollte ihm freilich die Hochzeit nicht recht aus dem Kopf und daß er ein schöner Kerl sei. Aber noch stärker und süßer war der Gedanke: Du hast als ein braver Kerl gehandelt, und Gott wird dir's vergelten im Himmel droben. – Das ist geschehen in Tyrol, im Jahre 1824. Der Name des braven Hausknechts ist in den Zeitungen nicht gestanden, aber in dem Buche des Vaters der Armen ist er aufgezeichnet.

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