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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 38
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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25. Eine Desperations-Kur.

Ein braver, ehrlicher Mann hatte einen Sohn, der ein Lump war, ein Fall, der eben nicht selten vorkommt in der Weltgeschichte. Als jener nun zu seiner Tage Ende gekommen, so ließ er den Sohn zuletzt noch vor sein Bett rufen, und sprach zu ihm: Erwarte nicht, daß ich noch vergebliche Worte an dich richte, weder im Guten noch im Bösen. Ich habe beiderlei nicht gespart zu seiner Zeit; es ist aber alles umsonst gewesen. Ich sehe auch deines Lebens Lauf und Ablauf voraus. Du wirst in kurzer Zeit all mein Geld und Gut verdemmen und verschlemmen und es wird dir zuletzt nichts übrig bleiben, als Armuth und Schande. Dann aber stehen dir nur zwei Wege offen: entweder zu rauben oder zu verzweifeln; und das Ende wird sein, daß du gehenkt wirst, oder dich selbst henkest. Für den ersten Fall wird nun schon die Obrigkeit sorgen, für den andern Fall – sieh, lieber Sohn! – hab' ich gesorgt. In der hintern Kammer droben, wo der Plunder liegt, da habe ich noch in den jüngsten Tagen, um dir Mühe und Geld zu ersparen, einen Strick befestigt an einem Nagel, der hält. An diesem magst du dich dann aufhängen; es sieht dich da kein Mensch und es kräht dir kein Hahn nach. Erwäge denn die Sorgfalt deines Vaters und erfülle seine letzte Willensmeinung. Nach diesen Worten starb der Vater. Der Sohn that, wie der Vater gesagt. Er verschlemmte und verdemmte in kurzer Zeit all dessen Geld, Hab' und Gut, und es blieb ihm zuletzt nichts übrig, als Armuth und Schande. Und wie er nun bedachte, was weiter zu thun wäre, so hielt er's noch für's beste, daß er sich selbst aufknüpfe, wie es des Vaters Wille gewesen. Also eilte er zur dunkeln Kammer hinauf, und legte sich den Strang um den Hals. Aber in dem Augenblicke, als er anzog, sieh! da lösete sich die Falle an der Decke, und es überrieselte ihn alsbald mit Gold- und Silberstücken. So hatte es der gute Mann veranstaltet, und er hat sich auch in seiner Hoffnung nicht betrogen. Der Sohn erwägte die Sorgfalt seines Vaters, und erfüllte nun seine rechte letzte Willensmeinung. – Merk: eine solche Desperations-Kur ist ein Fall, der gar selten vorkommt in der Weltgeschichte.

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