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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 34
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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21. Hauszucht.

Mann und Weib müssen nicht nur ihre Kinder in Zucht halten und ihre Dienstboten, sondern auch sich selbst unter einander, und das letzte ist sogar das Notwendigste – und auch das Schwerste. Mit guten Worten und gutem Beispiel geht's aber doch, es müßte denn nur der Mann ein ganz ausgemachter Bruder Liederlich sein, und das Weib eine überjährige Schwester Schlampampe. – Eine Frau hatte einen Mann, bei dem das Liederlichsein so eben im Anflug war. Der saß manchen lieben Tag im Wirthshaus bei einem Krug Wein und einem Kapaunen, und spielte, statt daß er zu Haus gearbeitet, und mit dem Hafermuß und mit einem Krug Wasser vorlieb genommen hätte. Die Frau ertrug's lange Zeit mit Stillschweigen und Geduld; sie lag nach wie vorher fleißig ihrer Arbeit ob, und nach verrichtetem Tagwerk aß sie mit ihren Leuten das Hafermuß und trank das Wasser; und es hätte ihr noch besser geschmeckt, wenn der Mann mitgehalten hätte. Endlich, wie sie sah, daß es immer noch schlimmer wurde, statt besser, beschloß sie, den liederlichen Mann zur Rede zu stellen, und ihn frei von der Leber weg zu fragen: Willst? oder willst nicht? Und das war recht; denn Stillschweigen hätte in diesem Falle nicht geholfen, und Zanken die Sache gar verdorben. Wie denn ihr Mann eines Abends spät wieder nach Haus kam, und hatte nichts getan den ganzen Tag, aber viel verthan, so fand er den gedeckten Tisch zu Haus; auf der einen Seite stand das Hafermuß und ein Krug mit Wasser, auf der andern ein gebratener Kapaun, weißes Brod und eine Kanne Wein. Und der Mann, wie er das sah, dachte bei sich: So ein Bißlein und ein Schlücklein kannst du noch mitnehmen vor dem Schlafengehen. Die Frau aber sagte: Hauswirth, nun setze dich an welchem Eck du willst, an den Tisch. Willst du dich zum Hafermuß setzen, so will ich dir helfen mitarbeiten, daß mir das Blut zu den Nägeln ausgeht, falls du anders auch mit arbeitest. Willst du dich aber zum Kapaunen setzen, so mußt du mich gehen lassen an Ort und Ende, daß ich sehe, wo ich sie her bekomme. Der Mann bekam Respect vor der Rede, vielmehr vor seiner Frau, und er sagte: Appetit habe ich heute keinen mehr zum Hafermuß, aber an die Arbeit will ich morgen mit dir, und ins Wirthshaus nimmer. Er hielt Wort, und des andern Tags war er schon mit dem frühesten Morgen auf dem Felde; und Mittags aßen die beiden Leute den Kapaunen, und tranken die Kanne Wein in Frieden und Einigkeit zusammen; und es war ein so fröhliches Fest, wie an ihrem Hochzeittag.

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