Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Aurbacher >

Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 26
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
Schließen

Navigation:

13. Hans Pfriem.

Hans Pfriem, der Fuhrmann, hatte die böse Gewohnheit an sich, daß er alles an andern beschnarchte, und daß ihm niemand etwas recht thun konnte. Wenn er die Straße fuhr, und ihm ein Wagen begegnete, so blieb er jederzeit stehen, und musterte die Pferde, das Fuhrwerk, den Mann und hatte immer was auszustellen; bald waren ihm die Pferde zu kurz angespannt, bald schien ihm der Wagen nicht gut beladen zu sein; und er schüttelte dabei den Kopf, oder sagte es laut, so daß der andere den Tadel wol merken oder hören mochte. So machte er's in allen Sachen, auch in denen, die nicht zu seinem Gewerbe gehörten; und die Wirthsleute, bei denen er einkehrt, hatten schwere Noth mit ihm, und sie sagten oft: Dem Hans Pfriem könnte es nicht einmal ein Engel im Himmel recht machen.

Einstmals träumte ihm, er sei gestorben. Er kommt vor die Himmelsthür, und St. Peter läßt ihn hinein, jedoch mit Verwarnung, daß er zu allem stillschweigen und ja nichts beschnarchen und tadeln solle, was er auch sehen möge. Hans Pfriem verspricht's. Wie er nun so im Himmel sich befand unter den lieben Engeln und Heiligen, und vor sich hinschaute: da sah er zwei Engel vorbeigehen, welche einen Balken in der Quere trugen, daß sie allenthalben damit anstießen. Hans Pfriem war schon Willens zu tadeln; doch besann er sich noch und dachte: Wenn man nur durchkommt, so ist's zuletzt gleichviel, ob man den Balken so oder so trägt. – Nach einer Weile, als er wieder aufschaute, bemerkte er zwei Engel, welche aus einem Brunnen Wasser schöpften in ein durchlöchertes Faß. Hans Pfriem dachte bei sich, der Warnung eingedenk: Hm! wer eben nichts Besseres zu schaffen hat, der mag so etwas auch thun, wenn's ihm Pläsir macht. – Bald darauf, als er sich umsah, gewahrte er einen Wagen, der in einem tiefen Loche stecken geblieben war; und es kam ein Engel herbei, und spannte zwei Pferde vornen und zwei hinten an. Da das Hans Pfriem sah, kam er ganz außer sich, und sagte: Talk! was machst du denn? Und er wollte den Engel zu recht weisen. Es hatte ihn aber schon ein anderer gepackt, der ihn nun zur Himmelsthür hinaus trillte. Unter der Thür blickte Hans Pfriem nochmals hinein, zu sehen, was aus dem Wagen geworden. – Und siehe da! der Wagen ging in die Höhe, von den vier geflügelten Pferden getragen. – Hiermit erwachte Hans Pfriem. – Und nun, was glaubt ihr, liebe Zuhörer, was zu lernen sei aus der Geschichte von Hans Pfriem?

 << Kapitel 25  Kapitel 27 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.