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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 234
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie der Spiegelschwab dem Blitzschwaben ein Kapitel vom Ehestand lieset.

Unterwegs, als sie dies und jenes sprachen, kam der Spiegelschwab wieder auf das Kapitel vom Ehestand und den Weibern. Der Mann ist allzeit angeführt mit dem Weib – sagte er – und die beste ist nichts nutz. Ist sie schön, so hat er viel Wartens; ist sie häßlich, so hört er viel Eiferns; ist sie häuslich, so ist sie auch bös; versperrst du sie, so klaget sie; lassest du sie gehen, so ist sie in der Leute Mäulern; zürnest du mit ihr, so hängt sie das Maul; sagst du nichts, so kann Niemand mit ihr zurecht kommen. Hat sie die Ausgaben in Händen, so weh dem Gelde; führst du die Ausgaben, so verkauft sie den Hausrath. Bleibst du zu Haus, so bist du ein Einsiedler; kommst du zu spat heim: Wo hat dich denn der Teufel gehabt? Gibst du ihr schöne Kleider, so will sie sich sehen lassen; kleidest du sie schlecht, so flucht sie dir den Tod. Hast du sie gar zu lieb, so achtet sie deiner wenig; gibst du dich aber wenig mit ihr ab, so schert sie sich um dich gar nicht. Willst du nicht sagen, warum sie dich fraget, so laßt sie nicht ab, bis du es sagest; kurzum: der Ehstand ist ein Wehstand. – – Der Blitzschwab hatte indessen, da der Spiegelschwab also sprach, die Geige zur Hand genommen, und er fing an, zu stimmen und zu klimpern, immer stärker, je mehr der andere sprach. »Aber du hörst nicht?« – fuhr der Spiegelschwab fort – »nun, so magst du denn fühlen. Als guter Freund will ich dir jedoch zum Ehrengeschenk noch einen weisen Spruch mitgeben, den die bayerischen Bauern im Brauch haben, und der unter Brüdern einen Thaler werth ist. Der lautet also:

Hast ein bös Weib am Montag,
Traktiere sie freundlich am Erchtag
Will's nicht helfen am Mittwoch,
Gib ihr gut Stöß am Pfinztag,
Thut's nicht gut am Freitag,
Hol's der Teufel am Samstag.
So hast du einen guten Sonntag.

»Daß dich der Gicker kratz', du Schukeler, du Schampedasche, du Schurimuri!« – sagte der Blitzschwab zornig. – »Jetzt schweig,« sagte er, »Trallewatsch! und laß dich heimgeigen.« Und er geigte und sang dazu: »Ich bin halt so!«

Während dem brummelte der Spiegelschwab wie ein Dudelsack:

Einem jeden Lappen
Gefällt sein Kappen;
Ist sie auch arm,
Macht sie doch warm.
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