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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 232
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Ein Kapitel, worin nichts von Streichen vorkommt;
was also überschlagen werden kann.

Der Mensch ist nie langweiliger, als wenn er über sich selbst nachdenkt. Und also ist nichts von weitern Streichen des Spiegelschwaben zu erzählen, wie er jetzt seines Weges geht nach Meitingen zu seinem Freund, dem Blitzschwaben. Um jedoch den günstigen Leser von ihm zu unterhalten, will ich von seinen Sprüchen reden, die er im Brauch hatte; woraus neuerdings erhellet, daß er ein sinnreicher Kopf gewesen; wie es denn die Schwaben alle sind, die dummen ausgenommen. – Wenn von Weibern und Heirathen die Rede war, so pflegte er zu sagen: Weib und Geld ängstigen manchen, wie sieben Hund einen Hasen im Feld. Und: Der Ehestand ist kein Geschleck, sondern ein Joch. Und: Gilt die Bosheit etwas, so ist ein Weib theurer, als hundert Männer. – Wenn von seinem Weib Meldung geschah, sagte er: Böse Hund sind gute Wächter, sang ein Bauer von seinem bösen Weib. – Von den Weibern überhaupt: Sie hätten einen vielfältigen Rock, und einen einfältigen Kopf. – Gefragt, wie es ihm ergehe, antwortete er: »Vortrefflich; ich lebe stattlich, trinke viel, eß' nicht wenig, und bin Niemand schuldig, als den Leuten.« – Sonst hatte er auch im Spruch: »Was den Leuten zuwider ist, das treib ich; wo man mich nicht gern hat, da bleib ich.« – Vom Essen und Trinken pflegte er zu sagen: »Das Trinken geht alle Tag; und gegessen muß sein, und wären alle Bäum' Galgen.« Und: »Guter Wein verdirbt den Beutel, der schlechte den Magen; doch besser der Beutel, als der Magen verdorben.« – Zu einem Nachtlichtle und Saufbruder sagte er einmal: »Nicht wahr, Nachbaur, die ganze Nacht gesoffen ist auch gewacht?« – Wenn sich einer über schwere Arbeit beklagte, pflegte er zu sagen: »Wenn's so lustig und so leicht wäre, so thät's der Bürgermeister selbst.« – Warf man ihm vor, daß er sich seine Arbeit zu theuer bezahlen lasse, so sagte er: »das braune Bier muß seine Ursach haben.« – Von einem faulen Menschen sagte er: »Er hat Lust zum Arbeiten, wie der Hund zum Hechellecken; und: es steht ihm die Arbeit so gut an, wie einer Geiß der Klagmantel.« – Von einem Lump und nichtsnutzigen Menschen sagte er: »Der gilt nichts, wo die Menschen theuer sind.« Oder: »Er ist einer, wo 13 auf ein Dutzend gehen. – Auch: »Wenn man ihn verschenken wollt, man müßte einen Batzen darauf legen.« – Wenn er einen unwilligen Menschen sah, sagte er: »Du bist so lieblich wie ein Essigkrug; wenn du nur in die Milch siehst, so wird sie sauer.« Oder: »du wärest ein rechtes Muster auf den Essigkrug.« Auch: »Wenn dein Gesicht am Himmel stünde, die Bauern würden zum Wetter läuten.« – Von einem hoffärtigen Menschen pflegte er zu sagen: »Er hält viel auf sich, aber andere Leute halten auf ihn desto weniger.« – Von einem Neidischen: »Er sieht auf die Seite, wie eine Gans, die Aepfel sucht.« – Von einem Groben: »Er ihrzt Niemanden, als sich und den Herrn Pfarrer.« – Von einem Zornigen: »Er thut sich auf, als wenn er zehn Teufel gefressen, und hätte den eilften im Maul.« – Von einem Lügner: »Er bleibt bei den Worten, wie der Has bei der Trommel.« Sonst pflegte er auch vom Lügen zu sagen: »Lügen sei eine Hauptsprache, denn sie gehe durch das ganze Land. – Und: »Wenn Lügen so schwer wäre, wie Holztragen, so würde Jeder die Wahrheit sagen.

Weise Sprüche, gute Lehren,
Muß man thun, und nicht nur hören.
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