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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 231
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie der Spiegelschwab in sich geht und sich bekehrt;
woraus ersichtlich, daß die Geschichte zu Ende geht.

Nachdem der Spiegelschwab auf dem heiligen Berg die Heiligtümer in der Kirche angesehen, wobei er sich viele fromme Gedanken gemacht: da, wie er wieder zur Kirche hinaus wollte, sah er im Beichtstuhl einen Pater sitzen. Und er dachte bei sich: Hat der nichts zu thun, und hab ich nichts zu thun, so versäumen wir beide nichts, und ich kann gelegentlich beichten. Also ging er in den Beichtstuhl, und beichtete. – Wir wüßten aber natürlich kein Wörtle von dem, was er gebeichtet, und wie's ihm ergangen, wenn nicht der Spiegelschwab selbst es erzählt hätte dem Blitzschwaben, seinem Freund, der es seinen Kindeskindern, und deren Kindeskinder mir es erzählt haben, wie folgt: Anfangs sei noch Alles passirlich gegangen, da er in Allem das Beste versprochen habe, namentlich wegen Wiederersatz dessen, um was er die Leute betrogen – bis es auf den Hauptpunkt gekommen: daß er nämlich uneins sei mit seinem Weib, und seit einem Jahr nicht mehr zusammen wohne mit ihr. Er hasse sie eben nicht, habe er gesagt, vielmehr er wolle fleißig für sie beten um ein seliges End; aber leiden könne er sie nicht, und er möchte lieber mit einem Drachen unter einem Dach sein, als mit ihr. Der fromme Pater aber verlangte, und blieb dabei, daß er zu seinem Weib heim gehen, und ihr wieder beiwohnen sollte; sonst könne er ihn nicht absolviren. Der Spiegelschwab war halsstarrig, und ging aus dem Beichtstuhl ohne Absolution. Draußen vor dem Beichtstuhl rührte ihn aber doch sein Gewissen, und er dachte an die Freythofblümlein auf seinem Kopfe, und es wurde ihm ganz curios ums Herz. Da stand er nun, den Hut drehend zwischen den beiden Händen, oft seitwärts blickend auf den Pater, ob er ihn etwa nicht zurück rufen möchte. Der saß aber ruhig, und schien still zu beten. Der Spiegelschwab dachte sich: da muß ich wol den Gescheidern machen. Und er redete den Pater an, und sagte: »Probieren will ich's – auf einen Monat, aber länger nicht.« Der Pater schüttelte den Kopf. – »Nun,« sagte der Spiegelschwab, »damit Ihr seht, daß ich mit mir markten lasse: auf ein Vierteljahr!« Der Pater schüttelte den Kopf. – »Auf ein halbes Jahr!« handelte der Spiegelschwab weiter, und hielt ihm die Hand hin, und sagte: »Wenn's Euch so recht ist, so schlagt ein.« Der Pater schüttelte den Kopf. Jetzt verlor der Spiegelschwab schier alle Hoffnung und Geduld; er nahm sich aber als ein ganzer Kerl zusammen, und sagten »Wenn Ihr doch nicht anders wollt, so sei's – in Gottes Namen! – auf ein Jahr!« – Der Pater, der seine Zerknirschung bemerkte, und ihn nicht bis zur Verzweiflung treiben wollte, winkte ihn zu sich in den Beichtstuhl, und er redete ihm noch einmal ernstlich zu, und der Spiegelschwab versprach alles Mögliche. Und das war recht. – Von Andex aus wandte sich der Spiegelschwab vorerst nach Grafrath. Dort liegt der Leichnam des heiligen Rasso, der, wie er hörte, ein großer Held gewesen ist. Der Spiegelschwab meinte: er müsse wol ein böses Weib oder sonst ein Unthier gebändigt haben. Und also verlobte er sich zu ihm.

Wer recht beichtet,
Das Herz erleichtet.
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