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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 228
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie der Spiegelschwab in die Hölle kommt,
und was er dort erfahrt.

Eine Stunde außerhalb Weilheim, auf dem Weg nach dem heiligen Berg Andex, fiel ihm ein, gehört zu haben, daß in Polling extra gutes Bier zu trinken sei. Also scheute er nicht den Umweg, und ging wieder zurück und dahin. Und es schmeckte ihm gut. Das hörte der Abt des Klosters, ein leutseliger, niederträchtiger Herr, und es wurde ihm hinterbracht: »im Trinkstüble sitze ein Schwab, der könne saufen trotz einem Bayern.« Der Abt sagte, man solle ihm genug geben, und umsonst. Und der Blitzschwab profitirte auch von der gnädigen Erlaubniß, und er trank und sagte eins ums andere Mal: das müsse man sagen, und es sei wahr: im Kloster ist ein Leben wie im Himmel. Und er guckte so oft und so lange in die Bierbütsche, bis sein Himmel, das Capitolium, sternvoll wurde und er bewußtlos da lag, wie ein Sack. Das wurde dem Abt hinterbracht; und der sagte: »Weil denn der Schwab den Himmel verkostet, so solle er auch die Hölle verkosten.« Und also ließ er ihn in ein tiefes, kuhfinsteres Kellerloch tragen. Des andern Tags, wie der Spiegelschwab erwachte und sich den Rausch aus den Augen rieb, standen zwei kohlschwarze Männer vor ihm mit Fackeln in der Hand; und auf die Frage des Spiegelschwaben: »wo bin ich denn?« sagten sie: »in der Hölle.« Und sie gaben ihm alsogleich den Willkomm, wie's im Zuchthaus und in der Hölle herkömmlich ist. Dann ließen sie ihn allein in der schrecklichen Finsterniß, und es war allda Zähneklappern; und er hatte nun abermal Zeit, wie unter den Zähnen des Melak, über sich und das menschliche Elend nachzudenken. Um Mittag kamen die beiden Teufel wieder und brachten ihm einen Laib Brod, das schier aussah, wie ein Pechkuchen. Der Spiegelschwab sagte: 's thäte ihn nicht hungern, wol aber dursten. Und er dachte sich: »Ach, hätte ich nur ein Tröpflein Gerstensaft von gestern!« Die Teufel aber gingen abermals fort, ohne ein Wort zu sagen; und der Spiegelschwab saß wieder allein da in der Finsterniß der Hölle, und es wurde ihm auch höllenangst. Er fing nun an, an dem Brodlaib mehr zu sutzeln, als zu beißen; aber es schmeckte wie pures Salz, und es durstete ihn noch ärger, also, daß er an dem feuchten Gemäuer umher kroch und die Wassertropfen, die daran hingen, ableckte. Indem er so im Finstern umher tappte, da stieß er an etwas, das sich anfühlte, wie ein Faß. Und es war auch eines, und zwar ein volles. Er zapfte es sogleich an – und das Anzapfen verstand er – und er soff, wie ein Bürstenbinder, und wurde in dem Maaße voll, als das Faß leer wurde. Und so fanden denn Abends die beiden Männer wieder das alte Schwein; und sie trugen ihn fort und hinaus in einen Straßengraben, wo sie ihn denn liegen ließen. Des Morgens, wie er erwachte, und sich auf das besann, was ihm begegnet, schwor er bei Stein und Bein: »er wolle sich vor dem bayerischen Bier in Acht nehmen, und keinen Tropfen mehr trinken, als höchstens sechs Mäßle auf Einem Sitz.«

Zusagen und halten
Steht wohl bei Jungen und Alten.
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