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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 221
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Von zwei schwäbischen Afterhelden,
dem Mucken- und dem Suppenschwaben.

Wie sie noch brüderlich mit einander zechen, kommt die Kellnerin und sagt: »es seien zwei Schwaben draußen, der Mucken- und der Suppenschwab; die wollten gegen Trinkgeld den Hasen zeigen, das Unthier, das die neun Schwaben am Bodensee droben erlegt hätten.« »Was?« rief der Spiegelschwab, »neun Schwaben? Wir sind nur unserer sieben gewesen. Und was den Hasen anbelangt . . . Kurzum: es ist Alles verstunken und verlogen.« Der Wirth sagte: »Sehen und hören könne man's ja, man dürfe dann doch glauben, was man wolle.« Und er ließ die beiden herein kommen. Der Spiegelschwab erkannte gleich in den beiden Landleuten die Fatz- und Speivögel von Marchtal und Ehingen, die ganz Schwabenland kennt, und er hatte seine geheimen Ursachen, stät und still zu sein. Die aber wiesen nun den ausgestopften Hasen vor, das Unthier, wie wenn sonst andere, die einen Wolf oder Luchs oder Bären erlegt, die Haut oder den Kopf davon zur Schau im Land herum tragen. Und sie erzählten dabei die Geschichte der Hasenjagd, aber mit ganz andern Umständen, weßhalb denn der Spiegelschwab eins über das andere Mal sein »verstunken und verlogen!« in den Krug hinein brummelte. Zuletzt sangen sie noch ein Liedlein, das der Marchtal selbst ausdenkt hat – gleich denen, die Sommer und Winter spielen.

Der Erst.
        O, i’ sih schau’ də ~ Haas
Dort sitzə ~ uffəm Waas;
    o graussə Naut!
er guckt üs grimmig a ~,
Näher gang i’ ’itt ’na ~,
    Suscht wär i’ taud.
Der Ander.
Guckt ər mi’ grimmig a ~,
So gang i’ näher ’na ~,
    Und wär i’ taud.
Der Erst.
Guck, wiə ər d’Aurə ~ spitzt,
Guck, wiə ər eüs a ~blitzt
    Ganz volər Wuət.
O Landsma ~, lass do’ sey ~,
Schteck do’ dein’ Büchsə ~ ei ~,
    əs koscht vil Bluət.
Der Ander.
I’ aber lass’ ’it sey ~,
Mei ~ Büchs i’ schteck’ ’it ei ~,
    Und koscht əs Bluət
Der Erst.
Gang z’ruck, i’ bitt’ di’ drum,
O Landsma ~, suscht kommst um,
    Lass ’s Jagə ~ sey ~!
Gurascha hót dés Tiər,
’s tuət wiə ə wilder Schtiər,
    Woəg di’ nit drai ~.
Der Ander.
Gurascha häb’ dés Tiər,
Tuət’s wiə ə wilder Schtiər,
    So woəg mi’ drai ~.

Drauf, nachdem sie vom Wirth eine gute Bescheerung erhalten – der Spiegelschwab gab nichts – zogen sie ab und davon. Nun aber fing erst der Wirth an, den Schwaben zu schrauben und zu stimmen nach allen Noten, wobei er die Späße von »gan, stan, lan« und »schwäbisch ist gäbisch« und andere Stampaneien vorbrachte, womit die Bayern die Schwaben zu necken und zu gecken pflegen. Der Spiegelschwab sagte zu Allem kein Wörtle, sondern schwieg und soff. Zuletzt fragte ihn der Wirth noch: »zu welcher Art von Schwaben denn er gehöre.« »Ich,« antwortete er, »gehöre zu den geduldigen Schwaben.« »Was denn diese für eine wären?« »Nun,« sagte er, »die legen sich auf den Bauch und lassen sich den Hobel ausblasen von Leuten, die sie foppen.«

Wiedergeltingen ist auch ein Ort.
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