Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Aurbacher >

Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 220
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
Schließen

Navigation:

Wie dem Spiegelschwaben das bayerische Bier schmeckt,
und was der Wirth ihm für einen Streich spielt.

Nachdem der Spiegelschwab gegessen und sich das Maul abgewischt, rief er der Kellerin, und verlangte ein Mäßle Bier. Die brachte es ihm in einem Krug, der ohne Luck war; denn sie meinte, er sei ein Schinder seiner Profession. Der Spiegelschwab, dies merkend, hatte schier Lust, ihr das Bier über den Kopf zu schütten. Er wollte es aber doch zuerst versuchen, ob es nicht schad wäre um das Tränkle, wenn auch nur ein Tröpfle verloren ginge. Und er trank. Indem trat der Wirth herein. Den fragte der Spiegelschwab: »von was man denn in Bayern das Bier mache?« Der Wirth sagte: »Nun ja, von was denn, als von Hopfen und Malz.« »Bei uns, in Schwaben,« sagte der Spiegelschwab, macht man's aus Weidenrüthle und Hobelspän.« »Was!« sagte der Wirth, »das muß ja ein Malefiz-Gesöff sein.« Worauf der Spiegelschwab sagte: »Es schmeck justement so, wie dies da.« – Diese Rede verdroß schier den Wirth; und er gedachte ihm auch eins anzuhängen, ließ sich's aber nicht merken. Nach einer Weile fragte er ihn, »aus was Absicht er ins Bayerland reise.« Und der Spiegelschwab sagte, wie zum Zoller: »Aus keiner andern Absicht, als ein Weilheimer Stückle zu erfahren, und den Passauer Tölpel zu sehen, und einen Münchner Bock zu trinken.« Der Wirth sagte: »Mit einem Münchner Bock könne er ihm aufwarten; aber, um ein Weilheimer Stückle zu erfahren, müsse er selbst nach Weilheim gehen.« Und er sagte: »Laßt Euch die Weile nicht lang sein, bis ich wieder komme, und seht Euch einstweilen in der Stube um.« Das that denn der Spiegelschwab; und es hingen schöne Bilder da, welche die Thaten Till Eulenspiegels darstellten. Und eine Tafel aber hing unter ihnen, die hatte die Aufschrift:

Hier unter diesem Vorhang steht
Dein recht wahrhaftes Contrafet;
Dies reich ich dir zur Gabe dar,
Mach' auf und schau, denn es ist wahr.

Der Spiegelschwab hob das Fürhängle auf, und er sah – ja, was sah er? –

Den leibhaften Passauer Tölpel, mit der schönen Unterschrift:

Ich bin der Tölpel hübsch und fein,
Zu Passau bin ich nicht allein,
Werd' ausgeschickt in alle Land,
Darum bin ich so wohlbekannt.

Der Spiegelschwab ließ das Fürhängle gleich wieder fallen und schlich sich an den Tisch zurück. Aber der Wirth, der durch das Küchenfenster zugesehen, sagte: »Er ist nicht recht getroffen, der Tölpel; schaut dort in den Spiegel hinein, da sieht er ihm aufs Haar gleich.« Und er lachte den Schwaben aus, der kein Wörtle sagte. Drauf schenkte er ihm Bock ein, und der Schwab trank, und er sagte: »Sapredipix! Das wär ein Tränkle!« »G'seng Gott!« sagte der Wirth. Und sie tranken einander Gesundheit zu.

Darnach Mann, darnach Quast,
Darnach Wirth, darnach Gast.
 << Kapitel 219  Kapitel 221 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.