Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Aurbacher >

Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 215
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
Schließen

Navigation:

Wie der Spiegelschwab den fahrenden Schüler Adolphum vom Galgen errettet.

Als hierauf der Spiegelschwab gen Buchloe hin fortging, da kam ihm eine Procession entgegen, aber ohne Kreuz und Fahnen. Es wurde nämlich blos ein Maleficant zum Galgen geführt. Wie verhoffte er aber, als er in dem armen Sünder den fahrenden Schüler Adolphum erkannt. Auf Befragen, was denn der Schächer verbrochen habe, erhielt er zur Antwort: Es müsse ein Spion sein, denn man habe Schriften bei ihm getroffen in einer unverständlichen Sprache, in der Meißner Mundart, die wahrscheinlich eine Spitzbubensprache sei; und man habe aber so viel daraus abgenommen, daß es über die Schwaben hergehe; und man habe daher den Schluß gefaßt, er wolle das Reich, das doch gut kaiserlich sei, an Preußen verrathen; und folglich habe man das Urtheil gesprochen, daß seine Schriften von Henkers Hand verbrannt, er aber selbst mit dem Strang hingerichtet werden solle, von Rechtswegen, wie's Rechtens ist. Der Spiegelschwab merkte gleich, es seien jene Schriften nichts anders gewesen, als eine Sammlung von Schwabenstreichen, und er faßte daher kurz und gut den Entschluß, den armen Teufel zu retten. Er trat zum Blutrichter und sagte: »er sei der Scharfrichter von Memmingen, und er soll ihm die Ehre lassen, in Buchloe, dem berühmten Galgenort, auch einmal bei so guter Gelegenheit sein Handwerk ausüben zu können.« Das wurde ihm sogleich erlaubt. Wie er nun den Schelm die Leiter hinauf führte, raunte er ihm ins Ohr: »Adolphe, mach dich zum Sprung bereit!« Indem nahm er unvermerkt sein Sackmesser heraus, und als er dem Schächer den Strick um den Hals that, schnitt er die Schlaufe so weit durch, daß nur noch der Strick hielt, aber nicht mehr die Last daran. Im Augenblick also, wie er dem armen Sünder von der Leiter warf, riß der Strick, und Adolphus fiel, und stand unten, wie eine Katz, auf seinen vieren. Nach der Buchloer Galgengerechtigkeit ist aber jeder arme Sünder frei, der dem Galgen entrinnt; anderswo auch. Also ist der fahrende Schüler Adolphus durch des Spiegelschwaben List vom Galgen errettet worden.

Der ist weis und hochgelehrt,
Der alle Ding zum besten kehrt.
 << Kapitel 214  Kapitel 216 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.