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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 213
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie der Spiegelschwab einem Franken begegnet.

Nachdem der Spiegelschwab in Kaufbeuren alles verputzt hatte, bis auf ein Käsperle und ein Paar Bärenbatzen, so setzte er seinen Wanderstab weiter, und gedachte über Buchloe nach Meitingen zu gehen zu seinem Freunde, dem Blitzschwaben. Vor Buchloe, auf dem Bühel, da wo der berühmte Galgen steht – es ist eine gar schöne Gelegenheit und Aussicht – traf er einen Krächsentrager, der ausruhte. Der Spiegelschwab, wie er denn von leutseliger Natur war, grüßte den deutschen Landsmann, welcher dankte. Und auf Befragen, woher? und wohin? vernahm er, daß jener aus Ochsenfurt sei – ist ein Städtle in Frankenland, nicht weit von Schweinfurt – und daß er als Knecht eines Nürnberger Pfeffersacks hausiren gehe durchs Reich. Nun haben die Schwaben und Franken, als alte Gesippte, von jeher gern Gemeinschaft gehalten; und der Spiegelschwab, da er sich in so guter Gesellschaft befand, holte sogleich aus seinem Zwerchsack Brod, Würste und Branntwein hervor; denn er ging niemals leer, damit, wie er zu sagen pflegte, in der Hitze der Magen nicht leck würde, und vollends ausliefe. Der Frank schwätzte viel, obwol wenig Gescheidtes, wie seine Landsleute insgesammt zum Theil; und er ließ den Schwaben nicht zur Waschbank kommen. Da unterbrach ihn endlich der Spiegelschwab, und fragte den Gesellen: »ob er, mit Verlaub! ein Jude sei.« Und als jener sich dessen aufs heiligste verschworen, sagte der: »Aus deiner Sprache zu urtheilen, wenn du kein Jude bist, so bist du doch bei einem Juden zu Kost und Lehre gegangen.« Auch das läugnete jener. »Nun so sag' mir denn,« sagte der Spiegelschwab: »Haben die Juden von euch Franken sprechen gelernt, oder ihr Franken von den Juden?« Jetzt verstand der Ochsenfurter den Spaß, und er sagte. »Ich glaub' wol, wir alle beide von einander.« – Nach einer Weile fragte ihn der Spiegelschwab: »Welche Stadt wol schöner sei, Augsburg oder Nürnberg?« Jener antwortete: »In Franken sagen sie, es sei Nürnberg, in Schwaben aber sagen sie, es sei Augsburg. Denn jeder Hahn kräht auf seinem eigenen Mist.« Diese Rede gefiel dem Spiegelschwaben, und sie tranken auf die Ehren beider Städte.

Das passet zu einander,
Wie Mausdreck und Koriander.
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