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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 211
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie der Spiegelschwab weiter wandert und nach Kaufbeuren kommt,
und wie es ihm da wohlgefällt.

Tags darauf wanderte der Spiegelschwab weiter fort gen Kaufbeuren. Außerhalb Kempten, bei Bärwangen auf der Steig, wenn man zurückschaut, da sieht es wunderschön aus, so daß die Sage geht: es habe der Teufel Christum den Herrn, als er ihn versucht, auf die Bärwanger Steig geführt, und habe ihm das Kemptner Ländle versprochen; was auch wohl zu glauben ist. – Noch desselbigen Tags, spät am Abend, kam der Spiegelschwab in Kaufbeuren an, und zwar just zur Zeit, wo die Kaufbeurer alljährlich ihr Dinzelfest feiern. Da ziehen die Kinder, seltsam vermaschkerirt, mit Trommeln und Pfeifen und Fahnen und Hotto's durch die Stadt ins Dinzelhölzle, und da spielt und tanzt und schmauset man, und es geschieht den Kleinen zu Lieb und den Großen zu Gefallen. Und die kleinen Putznärrle sehen gar nett aus, und die größern Hexlein auch, die in der Rund' herum tanzen. »Da ist gut sein,« sagte der Spiegelschwab, »und da bleib' ich, bis der letzte Sechsbätzner verthan ist.« Also, nachdem er des andern Tags dem Knöpfleschwaben den Scher-di-fort gegeben – denn er war ein wüster, käler Gesell, und litt alleweil an der böhmischen Krankheit, da loschirte er sich beim Hirschwirth ein, und er zechte, was der Brief vermochte. Denn wie gesagt, es gefiel ihm über die Maßen in Kaufbeuren; es hauset da ein lustiges Völklein; sogar die Weber essen tagtäglich ihr Hühnle, und kurzum: es ist Jahr aus, Jahr ein Kirchweih' daselbst. – Das wußte und tadelte an ihnen der Pfarrer von Ober-Beuren, und, um seine Schäflein vor diesen Wölfen zu warnen, erzählte er ihnen noch an den letzten Ostern folgendes Mährlein: Mir hat geträumt, ich stehe an der Pforte der Hölle. Und Lucifer kam heraus und eine Menge ihm untergebener Teufel. Und er sagte zu dem einen: fahr' hin nach Ober-Günzburg und verführ' mir dort die Menschen. Und du, sagte er zum andern, fahr' hin nach Oberdorf, und thue desgleichen. Und du nach Thingau – und du nach Kaufbeuern; und so schickte er sie alle fort, und vertheilte sie, und befahl ihnen, sie sollten ihm Bericht geben von dem, was sie angestellt. Nach einer Weile kam einer nach dem andern zurück; und der Teufel von Ober-Günzburg sagten »ich habe sie zum Fressen und Saufen verführt.« Und der Oberdorfer sagte: »ich hab' sie zum Diebstahl und Todtschlag verleitet.« Und so that einer nach dem andern Bericht. Zuletzt kam auch der von Kaufbeuern. Zu dem sagte Lucifer: »gib Bericht, was hast du gethan?« Der Teufel antwortete: »Ich habe nichts gethan, sondern bin auf des Thurners Hausdach hinaufgeflackt und habe geschlafen.« Darob wollte Lucifer ihn schier strafen. Der Teufel aber sagte: »Die Kaufbeurer brauchen keinen Teufel; sie verführen sich einander selbst.

In solchem Wasser, merk' es eben,
Pflegt's keine andre Fisch' zu geben.
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