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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 21
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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8. Der Weisen Sprüche.

Ein König berief die sechs weisesten Männer seines Landes zu sich, und sagte: es sollte ein jeder von ihnen eine Frage stellen, die der andere zu beantworten habe, welche Antwort aber jener selbst durch eine noch weisere Antwort übertreffen sollte. Wer von ihnen hierin die Meisterschaft über alle übrigen beweisen würde, der sollte fortan sein Rath bleiben für immerdar. – Der erste fragte: Was ist schwerer als die Erde? Dem antwortete der zweite: Der Menschen Bosheit. Nein, sagte jener; der Zorn Gottes ist schwerer zu ertragen als der Menschen Bosheit. – Der zweite fragte entgegen: Was ist das Beste in der Welt? Der erste antwortete: Ein guter Freund. Nein, sagte er, ein gutes Gewissen ist noch besser. – Der dritte fragte den folgenden: Wer ist der Klügste? Antwort: Der viel Bücher gelesen hat. Nein, der nur zwei Bücher studirt, die Bibel und das Buch der Natur. – Der vierte: Wer ist der Reichste? Antwort: Derjenige, welcher am meisten Geld hat. Nein, der sich mit dem wenigen genügen läßt. – Der fünfte: Welches ist die größte Ehre in dieser Welt? Antwort: Ein tapferer Soldat und ein gelehrter Mann sein. Nein, die Demuth und die Friedfertigkeit. – Der sechste: Welche Kunst ist die größte? Antwort: Die Welt regieren. Nein, sich selbst regieren. – Der König lobte sie alle wegen ihrer weisen Antworten; dem sechsten aber gab der König den Vorzug; denn, sagte er, daß sich selbst regieren die schwerste Kunst sei, das erfahre er selbst täglich an sich; und also habe jener nicht nur eine Wahrheit gesagt, sondern zugleich auch eine königliche Wahrheit.

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